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Windrad ohne Räder

Von 11. April 2013 um 14:03 Uhr
Windmühle EWICON © TU Delft

Windmühle EWICON © TU Delft

 

 

 

 

 

 

 

 

Moment, ist das noch ein Windrad? An der niederländischen Universität Delft haben Wissenschaftler die Windmühle EWICON präsentiert. Was dem Windrad jedoch fehlt, ist etwas Entscheidendes: Es hat keine Flügel.

Wie kann das sein? Die Anlage, von der es bisher nur einen Prototypen gibt, nutzt ein Spannungsfeld, um Windenergie in Elektrizität umzuwandeln.

Ein wenig erinnert EWICON an eine große stählerne Fliegenklatsche. An dem Gestänge hängen allerfeinste Wassertröpfchen, die elektrisch aufgeladen sind. Der Wind bläst diese nun fort. Weil die Tropfen elektrisch geladen sind, hinterlassen sie ein Spannungsgefälle – und somit wiederum elektrische Energie. Diese wiederum lässt sich ins Stromnetz einspeisen. Dieses Video der Niederländer erklärt das alles ganz anschaulich:

Die Macher sind natürlich euphorisch. “Unsere Anlage ist statisch, deswegen ist sie einfacher zu bauen und die Unterhaltungkosten sind geringer”, sagt Dhiradj Djairam, einer der Entwickler. Es gibt auch keine Vibration und keinen nervigen Schlagschatten von sich drehenden Flügeln. Die neuen Windräder ließen sich ins Meer stellen, auf Häuserdächer oder zu großen Windparks bündeln.

Allerdings macht das neue System auch einige Probleme. Es braucht nicht nur stetig Wasser, sondern vor allem einen Kickstart. Die Wasserteilchen müssen schließlich erst einmal elektrisch aufgeladen werden, damit sie selbst Strom erzeugen können. Dafür braucht man eine Stromquelle, noch dazu Höchstspannung.

Das ist nicht trivial, sondern kann recht gefährlich werden (auch ein Grund, warum die Anlage auf dem Uni-Campus noch keine Stromversorgung besitzt). Die Höchstspannung wird gebraucht, um mithilfe von Elektrospray die Wasserteilchen zu laden, einem Verfahren zum Zerstäuben von Flüssigkeiten durch elektrische Energie. Unterm Strich komme der Prototyp zwar auf ein Plus: die EWICON erzeugt also mehr Energie, als sie – auch durch den Kickstart – verbraucht. Doch der Wirkungsgrad liegt derzeit nur bei etwa fünf Prozent. Ein klassisches Windrad kommt etwa auf das Achtfache.

Die physikalisch begeisterten Blogleser werden nun sicherlich die EWICON wegen der schlechten Energieausbeute auseinandernehmen. Doch gemach, gemach: Die Anlage steckt noch im Prototyp-Status. Djairam sagt selbst, dass es sicherlich noch Jahre dauern werde, bis etwas kommerziell Verwertbares herauskommt. Langfristig wollen die Entwickler den Kontakt zu Stromversorgern suchen. Mal schauen, ob die sich irgendwann überzeugen lassen. Wenn es sich unter dem Strich rechnet: sicherlich.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Was für geniale Ideen keimen, dort wo man offen hindenken darf und das auch finanziert und unterstützt wird. Auch diese Kälte-Frost-Kammer-Gewinnung die man sich in den Vorgarten buddeln kann…. weiß leider grad den Fachbegriff nicht ;-) Toll!
    Sollten wir mal weniger unseren Großkonzernen und Merkel-Lieblingen EnBW, EON & Co Geld in den Hintern blasen (z.B. Festpreise u.ä.) sondern solche Forschung fördern und Alternativen eine echte Chance geben.

  2. 2.

    Als physikalisch gebildeter Leser kann ich mir sogar ausrechnen, wieviel Kubikmeter Wasser das Ding verbraucht. Könnten natürlich auch die Zeit-Schreiberlinge – Abiturwissen reicht dazu. In Summe: Totaler Quatsch.

    Wie eine einfache Google-Suche zeigt, schreiben die Zeitungs-Schreiberlinge den Quatsch munter voneinander ab. Ist denn niemand bei einem Magazin/Zeitung in der Lage, mal den Taschenrechenr rauszuholen und die Behauptungen nachzurechnen? Kein Wunder, dass bei diesem Niveau niemand mehr die gedruckte Ausgabe kaufen will…

    • 11. April 2013 um 15:50 Uhr
    • Mobius
  3. 3.

    Hallo Mobius,
    na, dann mal her mit den Zahlen, insbesondere Ihre Rechung zum Wasserverbrauch mit Elektrospray-Technologie interessiert mich.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  4. 4.

    Tja, was soll man dazu sagen?

    Mich erinnert das EWICON an den Warp-Antrieb. Nur eben anders rum. Und natürlich statisch.

    Ich hatte schon gedacht, dass das EWICON mit einem statischen Windsegel Piezo-Kristalle spannt und dadurch Elektrizität erzeugt.

    Falsch gedacht, es erinnert in der Funktion etwas an einen Warp-Antrieb. Nur eben anders rum. Und natürlich statisch.

  5. 5.

    Kleinvögel können dann frisch hochspannungsgegrillt an der Anlage eingesammelt werden? Nachhaltige Versorgung garantiert.

  6. 6.

    @Mobius: wozu Taschenrechner? Das wurde schon berechnet:
    http://repository.tudelft.nl/view/ir/uuid%3A81221f03-9d46-4c7c-a5b0-b859a26f7d04/
    und
    http://repository.tudelft.nl/view/ir/uuid%3Ae1cfdada-85ea-45c4-b6e4-b798abf5917e/

    @M. Weber:
    Weil Vögeln das so viel ausmacht sitzen sie ja auch nie auf Masten oder Hochspannungsleitungen? Verglichen mit herkömmlichen Windrädern ist die Fliegenklatsche in der Tat harmlos.

    • 11. April 2013 um 16:20 Uhr
    • Thomas
  7. 7.

    Hallo Frau Uken,

    vielen Dank für die erfrischende Antwort auf den Kommentar von Mobius.

    Was mich persönlich seit längerem sehr interessiert: In Diskussionen rund um regenerative Energien wird regelmäßig der Wirkungsgrad als Maßzahl herangezogen. Wäre nicht, da ja zumindest an Wind und Sonne kein echter Mangel herrscht, der Return on Invest als Rentabilitätskennziffer mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger?
    (falls die Frage hier zu Augenrollen bei einigen Lesern führen sollte, ich bin Laie auf dem Gebiet)

  8. 8.

    Die Anforderung, daß in dem System Hochspannung verwendet wird ist kein Problem. Die kann man z.B. per Funkenindiktor auch aus einer einfachen Haushaltsbatterie erzeugen. Interessanter ist es, ab wieviel Watt oder Ladungsmenge das Ding gefährlich wird.

    Und ITER und die Wasserstoffbombe haben beim Anfahren ja eine ähnlich Hürde.

    Und die benötigte Wassermenge? Die hängt auch von der Tröpfchengröße ab. Vielleicht reicht ja schon Nebel.

    Ich würde mal sagen, mein Abiturwissen sagt mir, dass in dem Artikel zu wenig Daten sind um mehr zu dieser Windkraftanlage zu sagen als dass es nach einer interessanten Idee klingt.

    • 11. April 2013 um 16:34 Uhr
    • mark13
  9. Kommentar zum Thema

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