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Meer

Ausgerechent Tennet fürchtet milliardenschweres Offshore-Desaster

Von 16. Mai 2013 um 13:34 Uhr

Eigentlich ging die Geschichte immer so herum: Die Energiewende auf See kommt nicht in Schwung, weil es an Steckdosen für den Windstrom fehlt. Schließlich muss der Strom aus den Offshore-Windparks ja an Land gebracht werden. Das passiert mit Hilfe von Seekabeln und riesigen Umspannplattformen auf See, die großen Bohrinseln gleichen. Und bei deren Bau kommen Firmen wie der Netzbetreiber Tennet oder Siemens nicht hinterher.

Am Donnerstag hat nun der zuständige Netzbetreiber eine von ihm in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht. Und die kommt zu einem – Hoppla – komplett anderem Ergebnis: Es seien die Offshore-Windparks, die nicht hinterherkommen würden. In den kommenden zehn Jahren würden wahrscheinlich Offshore-Windparks mit einer Kapazität von 3.700 Megawatt ans Netz gehen (wenn man pessimistisch ist). Oder im besten Fall etwa 5.900 Megawatt. Auf der anderen Seite baue und plane aber Tennet zurzeit Verteilerplattformen und Seekabel, die insgesamt 6.200 Megawatt Strom transportieren können. Die würden, glaubt man Tennet, dann einfach ungeausgelastet in der Nordsee stehen.

Stranded investment nennen Betriebswirte so etwas, also komplette Fehlinvestitionen. Nutzlose Investitionen. Energiewende-Wahnsinn.

Weiter…

Belgien plant Mega-Insel als Stromspeicher

Von 24. Januar 2013 um 14:25 Uhr

Revolutionäres aus dem Nachbarland: Belgien will den Windstrom, der auf hoher See erzeugt wird, mithilfe einer künstlichen Insel vor der Küste speichern. Vor der Hafenstadt Zeebrugge plant der Vize-Premier und Nordsee-Minister (auch ein wunderbares Amt) Johan Vande Lanotte eine hufförmige Insel mit einem Wasserkraftwerk.

Wenn viel Wind weht – es aber an Nachfrage fehlt – soll Windstrom dazu genutzt werden, das Wasserreservoir in der Mitte der Insel leerzupumpen. Wenn die Nachfrage nach Strom wieder groß ist, werden die Schleusen geöffnet. Das Wasser strömt dann in das ausgebuddelte Inselinnere und treibt dabei Turbinen an, die Strom erzeugen.

Belgische Stromspeicher-Insel © Belgisches Wirtschaftsministerium

Belgische Stromspeicher-Insel © Belgisches Wirtschaftsministerium

Das Idee ist natürlich nicht neu, es handelt es sich um ein bewährtes Pumpspeicherkraftwerk. Nur diesmal wird kein Höhenunterschied genutzt, sondern das Prinzip auf die Ebene übertragen.

Vande Lanottes hat die Insel schon in einen Plan integriert, der die Nutzung der Nordsee ordnet. Die Küstenländer sind inzwischen verpflichtet, auszuweisen, welche Flächen sie wie nutzen, etwa zur Fischerei, für Seefahrtwege oder Windparks. Ausdrücklich hat nun Vande Lanotte eine Fläche für eine Stromspeicherinsel reserviert.

Seine Sprecherin betont allerdings, dass es nicht die belgische Regierung sei, die das Projekt am Ende realisieren würde. Das sollen Privatfirmen machen – und das Interesse sei groß. Namen will sie allerdings nicht nennen. Auch zu den Kosten mag sich die Regierung nicht äußern. Sie hängen natürlich stark von der Größe der Insel und der Kapazität des Kraftwerks ab. Zurzeit hat die Insel einen Durchmesser von rund 3,5 Kilometern. Die Regierung rechnet mit mindestens fünf Jahren Plan- und Bauzeit.

Belgien will die Doughnut-Insel zum Speichern seines Offshore-Windstroms nutzen. Klar ist aber auch: Die Pläne sind ambitioniert. Zurzeit drehen sich Offshore-Windräder mit 380 Megawatt Kapazität vor der Küste, das entspricht etwa einem kleinen Kohlekraftwerk. Sieben Windparks plant Belgien in den kommenden Jahren mit einer Leistung von mehr als 2.500 Megawatt. Das entspricht theoretisch der Kapazität von zwei großen Atomkraftwerken. Insgesamt machte die Windenergie im Jahr 2011 in Belgien knapp drei Prozent der Energienachfrage aus. Unser kleines Nachbarland plant ebenfalls den Atomausstieg. Im vergangenen Sommer entschied Belgien, bis zum Jahr 2025 die beiden Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Sie liefern bislang noch den Großteil der Energie.

Ist nun die Speicherinsel eine Quatschidee? Schwer zu sagen. Für Deutschland und seine Mengen Ökostrom wäre das wohl nichts, für ein kleines Land mit knapp elf Millionen Einwohnern könnte es tatsächlich sinnvoll sein. Was dagegen spricht: Der Aufwand und die Kosten werden riesig sein. Schon jetzt sind ja die meisten Offshore-Projekte in der Nordsee, und erst recht vor Deutschland, in zeitlichem Verzug. Wenn die Insel fertig ist, sind wir vielleicht schon viel weiter darin gekommen, die aktuelle Stromnachfrage an das Angebot anzupassen – und brauchen am Ende gar keine Megaspeicher draußen auf See. Einmal davon abgesehen von dem enormen Eingriff in das Ökosystem Nordsee.

Solarinseln – Sonnenstrom goes offshore

Von 26. Oktober 2012 um 13:04 Uhr

Offshore-Windräder und Wellenkraftwerke – schon heute findet die Energiewende auf hoher See statt. Dort draußen gibt es genug Platz, die Windverhältnisse sind stabil. Weil dort auch die Sonne scheint, hat jetzt die Solarbranche das maritime Umfeld entdeckt. Die neue Idee: schwimmende Solarinseln.

Solarinsel Sundy;  Copyright: DNV Kema

Solarinsel Sundy; Copyright: DNV Kema

SUNdy hat der niederländische Zertifizierer DNV Kema sein Konzept genannt. Dafür will er Dünnschichtmodule zu sechseckigen Flächen zusammenfügen und auf dem Meer schwimmen lassen. Die Anordnung haben sich die Macher bei der Natur abgeschaut, schließlich ist auch ein Spinnennetz beeindruckend stabil. Die Module werden dann von den Ecken aus auf dem Meeresboden vertäut. 4.200 Module könnten zusammen eine Kapazität von etwa zwei Megawatt erreichen. Ein solches Solarfeld wäre etwa so groß wie ein Fußballstadion.

DNV glaubt, dass mehrere Trends für SUNdy sprechen. Zum einen natürlich der Preisverfall: Module werden immer kostengünstiger, das könnte die Solarinseln wettbewerbsfähig machen mit Solarparks auf dem Land. Zudem wird der Platz an Land knapp – jeder kennt die Diskussion um Landgrabbing. Bjørn Tore Markussen von DNV KEMA Energy & Sustainability:

Wir sind fest davon überzeugt, dass das schwimmende Solarfeldkonzept SUNdy fundierte und nachhaltige Entwicklungsaussichten bietet. Das gilt insbesondere in Asien und den überfüllten Megacitys an der Küste, in denen das Potenzial für Solarenergie auf Dächern begrenzt ist, und in städtischen Regionen, die Premiumpreise für die großmaßstäblich errichtete Solarproduktion verlangen.

Na, gemach, würde ich mal sagen. Die deutschen Erfahrungen bei der Errichtung der Offshore-Parks erzählen ja gerade eine ganz andere Geschichte. Jede Technologie, die raus auf´s Meer geht, ist teuer und wartungsintensiv. Also muss der Output stimmen. Zum Vergleich: Die Solarinsel soll zwei Megawatt Kapazität haben; ein Offshore-Windrad kommt schon heute auf fünf. Der Charme dieser schwimmenden Solarparks ist sicherlich, dass sie leichter auf- und abzubauen sind.

Offshore-Wind: Die nächste Runde im Schwarzer-Peter-Spiel

Von 22. Oktober 2012 um 13:42 Uhr

Der Offshore-Netzausbau kommt nicht voran. Und Lex Hartman, der Chef des Stromnetzbetreibers Tennet, hat den Schuldigen dafür gefunden. Es ist, tatata-taaa: Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner von der CSU. Die verweigere jedes Gesprächsangebot und mache inzwischen “Parteipolitik auf Kosten der Bürger”, polterte der Niederländer heute morgen in Berlin.

Worum geht’s genau? Die Lage ist, ehrlich gesagt, verzwickt. Die Bundesregierung hat bekanntlich ambitionierte Pläne zum Ausbau der Offshore-Windenergie. Das Problem ist nur: Immer noch ist unklar, wer eigentlich zahlt, wenn da draußen auf See etwas schief geht. Was ist, wenn die Offshore-Plattform, die den Strom von Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt, einen Schaden hat? Dann entgehen dem Windparkbetreiber schnell mal Millionenbeträge, weil er seinen Ökostrom nicht ins Stromnetz einspeisen kann. Wer übernimmt diese Kosten? Der Netzbetreiber? Seine Zulieferer? Der Stromkunde?

Die Bundesregierung hatte im August einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt, der den Netzbetreibern entgegenkam: Sie mussten im Fall von grober Fahrlässigkeit bis maximal 40 Millionen Euro im Jahr selbst haften. Alle Kosten darüber sollten auf die Stromkunden per neuer Umlage überwälzt werden.

Dann kam Ilse Aigner – die sich bis dato nicht gerade sehr für die Energiewende auf See interessiert hatte. Sie legte, als Verbraucherschutzministerin, ihr Veto ein. Damit die Stromkunden nicht zu sehr belastet werden, erhöhte sie die Haftungssumme für die Netzbetreiber auf 100 Millionen Euro. Und zwar schon im Fall von leichter Fahrlässigkeit.

“Das ist der Tod für die Energiewende”, poltert jetzt Tennet-Chef Hartman, pünktlich vor der Anhörung im Bundestag am heutigen Montag zu dem Thema. Kein einziger Privatinvestor werde jetzt noch einsteigen und Offshore-Projekte mitfinanzieren, das Risiko sei viel zu hoch. “Leichte Fahrlässigkeit”, da könnte alles drunter fallen, sagt Hartman. “Leichte Fahrlässigkeit gibt es auf See jeden Tag.”

Gemach, gemach, möchte man da sagen. Denn erstens bringt dieses Schwarze-Peter-Spiel wenig, erst Recht nicht, wenn die Gesprächsatmosphäre vergiftet ist.

Und zweitens ist es offenbar doch nicht so schlimm, wie gedacht: Heute bestätigte Hartman auf handelsblatt.com, dass er mit dem US-Stromnetzbetreiber Anbaric über einen Einstieg verhandele: “Ja, ich habe mich mit Anbaric-Chef Ed Krapels getroffen. Und wir haben nicht über Fußball geredet“, sagte Hartman.

Jetzt ist die Frage, ob die beiden Unternehmen zusammenkommen. Wenn man Hartman glaubt, gibt es da draußen aber ausreichend privates Kapital, das sich für Investments in Stromnetze interessiere. Dank staatlicher Regulierung ist es ja ein bemerkenswert risikoarmes Business mit Garantieverzinsung.

Und wenn das alles nicht klappt, wird Deutschland am Ende doch wieder über eine Deutsche Netz AG diskutieren – also Netzbetreiber mit staatlicher Beteiligung. Spannend bleibt es allemal.

 

Offshore-Windräder im Größenwahn

Von 12. Oktober 2012 um 10:20 Uhr

Beeindruckend, was für eine Entwicklung Offshore-Windräder gerade durchmachen. Dieser Tage hat Siemens den Testbetrieb für eine Sechs-Megawatt-Anlage aufgenommen. Ein Rotorblatt misst 75 Meter, das entspricht nach Angaben von Siemens der Spannweite eines Airbus 380. Kurze Zeitreise: Vor ein paar Jahrzehnten, als die ersten 30-Kilowattanlagen ans Netz gingen, war ein Flügel gerade einmal fünf Meter lang, so lang wie ein Kleinbus.

Die längsten Windrad-Rotorblätter der Welt – und rechts zwei Männer © Siemens

Die längsten Windrad-Rotorblätter der Welt – und rechts zwei Männer © Siemens

Noch scheint bei Offshore-Windrädern das technische Potenzial nicht ausgeschöpft. State-of-the-art ist zurzeit die fünf-Megawatt-Anlage. Sie stehen auch im Testfeld Alpha Ventus in der Nordsee. Nach Informationen des Fraunhofer IWES-Instituts sind aber auch schon Zehn-Megawatt-Anlagen im Gespräch.

Allerdings macht den Ingenieuren die simple Physik das Leben schwer. Denn wer eine Anlage größer baut, um den Output zu steigern, der erhöht zwangsläufig das Gewicht. Eine simple mathematische Faustregel sagt: Wird die Anlagengröße verdoppelt, dann vervierfacht sich die Fläche – und Achtung: das Gewicht verachtfacht sich.

Größer geht es also nur, wenn die Anlage zugleich leichter wird. Denn hinter “Gewicht” verbirgt sich natürlich nichts anderes als “Material” – also Stahl – und damit höhere Kosten.

Und natürlich kollidiert der Größenwahn mit dem Anspruch, durch Serienproduktion die Kosten zu senken. Windräder größer als der Kölner Dom sind Einzelanfertigungen, die lassen sich (noch?) nicht schnell am Band produzieren. Handarbeit allerdings bedeutet wiederum höhere Kosten. Ein klassischer Trade-off.

 

Thunfisch, geangelt mit Samthandschuhen

Von 23. August 2012 um 12:30 Uhr
Fischer mit Handangeln, Copyright: Naturland

Fischer mit Handangeln, Copyright: Naturland

Manchmal kommt man ja in der Küche um die Dose Thunfisch nicht drumherum. Schaut man sich die Packungen an, dann ist da viel von “delfinfreundlichem Fang” die Rede. Das heißt aber noch lange nicht, dass er wirklich auch aus einem intakten Bestand stammt und man mit seinem Kauf nicht zur Überfischung beigetragen hat.

Immer mehr Anbieter bringen daher Thunfisch mit einem Ökosiegel auf dem Markt. Die wichtigsten Zertifizierer hierzulande sind das Marine Steward Council (MSC) und Naturland. Sie garantieren Fischkonsum mit gutem Gewissen. Bei Naturland spielen, im Unterschied zu MSC, auch soziale Kriterien wie Krankenversorgung für die Fischer und Schulausbildung für deren Kinder eine Rolle.

Ein Bio-Fischanbieter arbeitet mit etwa mit einer Thunfisch-Fischerei auf den Malediven zusammen. Es ist wohl die ineffizienteste, dafür aber umweltverträglichste Fischerei überhaupt: Die Fischer angeln den Thunfisch einzeln mit Bambusangeln. Beifangprobleme? Unbekannt.

Der Inselstaat hat sich in den vergangenen Jahren auf Leinenfang spezialisiert. Mehr als 570 traditionelle maledivische Boote, die Dhonis, sind dort unterwegs. Die Fische werden vor Ort verarbeitet, das stärkt die heimische Wirtschaft.

Umweltverbände wie Greenpeace unterstützen solche Initiativen.  “Wir favorisieren die Angelruten-Fischerei”, sagte mir Greenpeace-Experte Thilo Maack in einem Gespräch, “sie ist eine der selektivsten und damit umweltverträglichsten Fischereien überhaupt.”

Auch das Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung findet Angelroutenfischerei gut, betont allerdings, dass sie nicht per se die beste Methode sei. “Leinenfischerei ist gut, aber reicht nicht aus”, sagt Rainer Froese, Meeresbiologe am Helmholtz-Zentrum. “Auch wenn man den letzten Fisch mit Samthandschuhen fängt – es bleibt der letzte Fisch.”

Wichtig ist also nicht nur die Fangmethode, sondern auch, wie es dem Bestand geht. Für die Malediven sieht das ganz gut aus. Nach Einschätzung des jüngsten Berichts der Indian Ocean Tuna Commission ist der Bestand des Skipjack-Thunfisches vor den Malediven groß genug und nicht zu hart befischt.

 

Kategorien: Bioware, Fischerei, Meer

Neue Offshore-Perspektiven – mit Altmaier im Watt

Von 20. August 2012 um 07:56 Uhr
SH-Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), Copyright: M.Uken

SH-Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), Copyright: M.Uken

So ganz geheuer ist es ihm nicht. Vorsichtig tastet sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gerade bei Friedrichskoog über das rutschige Watt. Es hat ein bisschen gedauert, bis er sich durchgerungen hat, tatsächlich die Gummistiefel im Strandkorb zu lassen, ein wenig eitel ist der Mann ja schon.

Aber nun glitscht er mehr oder weniger sicher über den feuchten Meeresboden. Aufmerksam hört er der jungen Frau zu, die mit ihrer Forke im Watt herumfuhrwerkt, Wattwürmer zeigt und Krebse präsentiert. Nein, Danke, den Wattwurm will er lieber doch nicht auf der Hand herumkriechen lassen – Matsche an den Waden, das reicht ihm. Das darf dann lieber der grüne Landesumweltminister Robert Habeck machen, der neben ihm durchs Watt stakst.

Es ist eine seltsame Begegnung, Altmaier und das Wattenmeer. Ein Koloss, der seinen Weg auf rutschigem Boden sucht. Der Minister ist auf Sommerreise. Er startet oben im Norden, in Schleswig-Holstein. Kein anderes Thema drängt hier so wie die Energiewende mit ihrem rasanten Ausbau der Offshore-Windenergie. Altmaier will den Ausbau (“klares Bekenntnis zur Offshore-Windenergie”), weiß aber auch genau um die Schwierigkeiten. Das Interesse der Investoren an maritimen Windrädern ist enorm: Zurzeit liegen der Genehmigungsbehörde Anträge für Windparks mit einer Kapazität von 44 Gigawatt vor. Gut für die Energiewende – aber es könnte sich als Problem für das empfindliche Natursystem vor der Nordseeküste entpuppen.

Nun muss man, in bester Altmaier-Manier, sagen: gemach, gemach. Wer weiß, wie viele Projekte tatsächlich am Ende gebaut werden. Aber das enorme Interesse bringt den Bundesumweltminister ganz schön in Bredouille, denn er ist für beides zuständig, den Naturschutz und die Energiewende.

Und da tauchen jede Menge Konflikte auf. Eines ist der Lärmschutz für Schweinswale und Kegelrobben während der Bauarbeiten. “Es gibt immer wieder kleine Nagelproben, an denen sich entscheidet, welche Rolle der Naturschutz tatsächlich in der Energiewende spielt”, sagt Altmaier. Da unterscheidet er sich radikal von seinem Vorgänger Norbert Röttgen, den das Themengebiet kaum interessierte.

Bundesumweltmininister Peter Altmaier (CDU) und SH-Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne); Copyright: M.Uken

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und SH-Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne); Copyright: M.Uken

Altmaier dagegen lässt sich bei 35 Grad durch die Seehundaufzuchtstation in Friedrichskoog führen, füttert Seehunde und lässt sich erklären, wie Kegelrobben auf den Lärm bei den Rammarbeiten reagieren. Eine Karte der Nordsee zeigt, wo überall Offshore-Windparks geplant sind und wie sich die Schallwellen während der Rammarbeiten ausbreiten. Da bleiben kaum noch Ruhezonen für die rund 45.000 Schweinswale, die durch den Baulärm ihr Gehör und damit ihren Orientierungssinn verlieren können.

Altmaier reagiert darauf. Mitten im Watt muss er Interviews geben, der Schlick schmatzt unter seinen Füßen. Er fordert ein umfassendes Schallkonzept für die Offshore-Windenergie. Die Windparkbetreiber wird das kaum freuen, denn es wird verdammt teuer für sie, Blasenschleier während der Rammarbeiten zu installieren und neue Verfahren zu entwickeln. Altmaier aber ist überzeugt:

“Wir wollen die Energiewende, um unseren Planeten zu schützen, aber wir müssen es so machen, dass auch die Tiere nicht zu sehr beeinträchtigt werden.”

 

 

Offshorewindenergie: Neuer Wirbel um Stromnetzbetreiber Tennet

Von 15. August 2012 um 13:37 Uhr

Die armen Niederländer, möchte man fast sagen. Tennet, der Stromkonzern aus Arnheim, der unter anderem in Deutschland für den Anschluss der Offshorewindparks in der Nordsee sorgen muss, steht erneut im Fokus. Jetzt wurde bekannt, dass der Offshorewindpark-Betreiber Windreich den Stromnetzbetreiber erstmals vor der Bundesnetzagentur verklagt hat, weil Tennet die Steckdose auf See nicht pünktlich liefern kann. Im Raum stehen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe.

Die Klage ist brisant, denn gerade eben hat die Bundesregierung den Referentenentwurf vorlegt, der genau solche  Haftungsfragen für Offshorewindparks klären soll. Weil bislang unklar ist, wer eigentlich zahlt, wenn ein Offshorewindpark seinen Strom nicht ins Netz einspeisen kann, verzögert sich der Ausbau der Windenergie gerade immens, halten Windparkbetreiber ihre Investitionen zurück.

Der aktuelle Vorschlag der Regierung sieht vor, dass der Stromnetzbetreiber (also in diesem Fall Tennet) an den Windparkbetreiber 90 Prozent der entgangenen Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zahlen muss. “Aber wir wollen natürlich Erlöse aus produziertem Strom un

EU-Kommission will Tiefseefischerei verbieten

Von 24. Juli 2012 um 17:59 Uhr
Schwarzer Degenfisch ist ein beliebter Tiefseefisch in Südeuropa. © Lutter/WWF

Schwarzer Degenfisch ist ein beliebter Tiefseefisch in Südeuropa. © Lutter/WWF

Man man man, Maria Damanaki ist ehrgeizig. Die EU-Fischereikommissarin will im Nordostatlanik ein Fischereiverbot für die Tiefsee durchsetzen. In einem Vorschlag zur Neuregelung der Tiefseefischerei fordert sie ein komplettes Verbot für Grundschleppnetze und Stellnetze ab 1000 Metern, für manche Fischereien in der Region sogar schon ab 500 Meter. Den Fischern will sie eine Übergangsfrist von zwei Jahren gewähren.

Chapeau, sagen selbst die Umweltschützer – die oft ja vieles an der EU-Kommission zu bekritteln haben. Sie sorgen sich seit Jahren um das sensible und bislang kaum erforschte Ökosystem in der Meerestiefe. De facto wird der Meeresboden mit Grundschleppnetzen einmal umgefräst. Stephan Lutter vom WWF:

“Der Kommissionsvorschlag kann die Fischerei revolutionieren, indem er die destruktivste aller Fischereimethoden in der sensiblen Tiefsee abschafft. Das wäre ein echter Durchbruch für den Schutz der Meeresumwelt und ein Vorbild für die weltweite Fischerei.”

Der Vorschlag der EU-Kommissarin ist revolutionär, weil es bislang kein umfassendes Verbot für die Tiefseefischerei in der Region gibt, sondern nur einen Flickenteppich an Schutzgebieten. Umweltschützer müssen um jedes Gebiet, in dem strengere Standards herrschen sollen, oftmals jahrelang Kämpfe ausfechten.

So vielleicht auch in diesem Fall. Jüngst grätschte der ehemalige französische Landwirtschaftsminister und aktuelle Binnenmarktskommissar Michel Barnier seiner Amtskollegin in die Beine und stoppte ihr Vorhaben zwischenzeitlich. Seine Motive sind offensichtlich: Er sorgt sich vor allem um das Geschäft der französischen Supermarktkette Intermarche. Der Konzern besitzt mehrere Trawler, die gerade in der Tiefsee fischen. Kaum überraschend, dass Barnier bereits Klientelpolitik vorgeworfen wird.

Das wird umso deutlicher, wenn man sich ein aktuelles Q&A der EU-Kommissarin anschaut. Darin bewertet sie die wirtschaftliche Bedeutung der Tiefseefischerei. Demnach machen Tiefseefische wie der Granatbarsch oder der Schwarze Degenfisch gerade einmal ein Prozent der gesamten Anlandungen aus der Region Nordostatlanik aus. Auch die Jobs sind, wenn man das große Bild vor Augen hat, aus Sicht der EU-Kommission vernachlässigbar:

” The Commission believes that the overall economic importance of deep-sea catches is small.”

Ob Damanaki sich allerdings gegen die Fischereinationen Spanien, Portugal und Frankreich durchsetzen kann, ist unklar. Umweltschützer hoffen jetzt auf eine breite Unterstützung im EU-Parlament.

 

 

 

Offshore-Wind: auf der Suche nach dem besten Lärmschutz

Von 12. Juli 2012 um 12:52 Uhr

Es ist wohl das klassische Dilemma: Da baut Deutschland mit einem riesigen Aufwand Windanlagen auf hoher See, um seine Energieversorgung langfristig auf Ökostrom umzustellen. Auf der anderen Seite bedeutet das  Eingriffe ins Ökosystem Meer – bei denen allerdings die Fachwelt noch unsicher ist, wie gravierend sie sind. Klimaschutz versus Naturschutz: kein einfaches Unterfangen.

Der Schweinswal treibt da zurzeit heftig die Offshore-Branche um. Wie bekommt man es hin, dass er nicht langfristig vertrieben wird von den lauten Rammarbeiten am Meeresboden und auch nicht gleich taub wird. Am heutigen Donnerstag hat die Branche eine erste Bilanz der verschiedenen Schallschutzmethoden vorgestellt. Das Projekt kostete rund vier Millionen Euro.

Das Positive vorweg: Vom “Großen Blasenschleier”, bei dem ein Mantel aus Luftblasen die Schallwellen abfängt, bis zu Dämmschalen und Schlauchvorhängen: Alle Methoden sind wirksam und mindern den Lärm um im Schnitt neun Dezibel.

Das Problem ist nur, dass das nicht ausreicht, um den gesetzlichen Grenzwert von 160 Dezibel zu garantieren. Die Unternehmen und Institute formulieren es diplomatisch:

“Damit konnte eine deutliche Annäherung an den Schall-Emissionsgrenzwert von 160 Dezibel in 750 Meter Entfernung um die Schallquelle herum erreicht werden.”

Für die Offshore-Firmen ist das Thema nicht nur, salopp gesagt: pille palle. Wenn sie die Schallschutzgrenzen nicht einhalten, kann das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im Ernstfall sogar den Bau des Windparks untersagen. Zudem bedeuten die Schallschutzmaßnahmen enorme Kosten für sie. Denn für jeden Pfahl, den sie in den Meeresboden rammen, müssen sie zurzeit mit gewaltigem Aufwand auch ein Schallkonzept entwickeln – und das ja parallel zu den normalen Bauarbeiten. Kein einfaches Unterfangen.

Noch ist unklar, welche Technologie sich langfristig durchsetzen wird. Zurzeit setzen die Firmen vor allem auf den Luftblasenschleier, er ist “state of the art”. Doch er hat ein Problem – und das liegt in der Natur der Sache: Die Luftblasen verwirbeln und verändern sich, je nach Windstärke und Wellengang. Das bedeutet also, dass weitere Forschung nötig ist.

Wissenschafler kritisieren da wohl zu recht, dass sie gerade bei der Offshore-Windenergie aktuell nicht ausreichend Zeit haben, die ökologischen Folgen zu analysieren und zu bewerten. Was passiert mit dem Meeresboden, wenn sich langfristig mehr als 5.000 Windanlagen zukünftig in der Nordsee drehen sollen? Welche Folgen hat das auf die Biodiversität, nimmt sie zu, nimmt sie ab? Und eben: Wie wird´s dem Schweinswal mit den Windrädern gehen? Die Energiewende, sie ist zumindest in Teilen wohl gerade eine Operation am offenen Herzen. Aber anders lässt sie sich wohl auch nicht realisieren.