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Finanzen

Strafzölle sind nur ein vermeintlicher Erfolg für Solarworld

Von 8. Mai 2013 um 13:50 Uhr

So, Solarworld war offenbar erfolgreich. Seit Monaten hat der Bonner Solarstromkonzern sowohl hinter den Kulissen in Brüssel, aber auch ganz öffentlich über die Lobbyorganisation EU Pro Sun sich für Strafzölle auf chinesische Solarmodule ausgesprochen. Der Vorwurf: China subventioniere seine Solarindustrie über günstige Kredite. Nur so könnten die chinesischen Hersteller auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Die deutsche Solarindustrie könne bei diesem run to the bottom nicht mehr mithalten. Jüngste Beispiele: die insolventen Firmen Solon und Q-Cells.

Nun hat die EU-Komission, so berichten es übereinstimmend die Nachrichtenagenturen, sich entschieden, Strafzölle auf Solaranlagen zu verlangen.

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Europas Solarbranche wehrt sich gegen neue Steuern

Von 20. Dezember 2012 um 07:04 Uhr

Vielleicht ist es einer dieser ungewollten Nebeneffekte der Schuldenkrise. Um jeden Preis wollen die Regierungen ihre Staatseinnahmen erhöhen. Und was liegt da näher, als die Steuern anzuheben – eben auch Energiesteuern.

Griechenland führte etwa Anfang November rückwirkend eine Steuer von bis zu 30 Prozent auf die Gewinne von Solaranlagen ein. Belgien erhebt inzwischen von Solaranlagenbesitzern eine Abgabe auf den Zugang zum Stromnetz.

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Stromtrassen für die Energiewende: großes Interesse am Bürgernetz

Von 9. November 2012 um 15:20 Uhr

Die Idee ist ja simpel: Warum sollen sich Bürger nicht nur finanziell an Windrädern beteiligen, sondern nicht auch an Stromleitungen? Bürgernetz lautet die Idee, über die wir bei ZEIT ONLINE ja schon öfter berichtet haben. Die Arge Netz, ein Zusammenschluss von Windparkbetreibern, und das Stromnetzunternehmen Tennet wollen in Schleswig-Holstein das erste Bürgernetz Deutschlands realisieren.

Stromtrassenbau bei Bützow nahe Rostock © Sean Gallup/Getty Images

Stromtrassenbau bei Bützow nahe Rostock © Sean Gallup/Getty Images

Bei Friesen (und Dithmarschern, wie ich gelernt habe) stößt die Idee auf eine überraschend große Nachfrage: Mehr als 100 Personen haben in den vergangenen Wochen ernsthaftes Interesse bekundet, teilweise sogar schon konkrete Euro-Beträge als Beteiligung genannt. Und dass, obwohl das Bürgernetz noch gar nicht beworben wird. “Die Zustimmung ist enorm, täglich melden sich Leute bei uns und wollen mitmachen”, sagt Arge-Geschäftsführer Martin Grundmann.

Mindestens fünf Prozent Rendite schweben Grundmann und Bundesumweltminister Peter Altmaier vor. Der Minister unterstützt die Idee und hat eine Beteiligung von rund 500 Euro ins Spiel gebracht. Die Rendite ist nicht unrealistisch, schließlich können die Netzbetreiber, dank Bundesnetzagentur, mit Garantierenditen von neun Prozent kalkulieren.

Schon bis zum Jahresende will Grundmann eine Gesellschaft gegründet haben, die das Geld einsammelt. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine eigene regionale Netzgesellschaft gegründet, welche die Stromleitungen baut und an der sich die Bürger beteiligen. Oder die Beteiligungsgesellschaft erwirbt direkt Anteile an Tennet und erhöht so das Eigenkapital des Stromnetzbetreibers.

Mehr Charme hat allerdings die erste Variante, da die Bürger sich wirklich an der Stromleitung auf ihrem eigenen Acker beteiligen könnten. Schließlich ist das Projekt ja deswegen in aller Munde, weil es die Akzeptanz der Bürger zum Stromleitungsausbau fördern soll. Noch ist die Arge Netz in Verhandlungen mit Tennet. Der Netzbetreiber teilt mit, dass er zurzeit die “rechtlichen und regulatorischen Fragen kläre”.

Grundmann kann es nicht schnell genug gehen. Schon im kommenden Jahr will er am liebsten den ersten Bürgernetzfonds auf den Weg gebracht haben. 2015 soll mit dem Bau der ersten Trasse begonnen werden. Zwei Jahre später könnte der erste Bürgerstrom fließen. Und vielleicht auch nach Niedersachsen. Dort interessieren sich inzwischen auch die ersten Kommunen für die Idee des Bürgernetzes.

 

Offshorewindenergie: Neuer Wirbel um Stromnetzbetreiber Tennet

Von 15. August 2012 um 13:37 Uhr

Die armen Niederländer, möchte man fast sagen. Tennet, der Stromkonzern aus Arnheim, der unter anderem in Deutschland für den Anschluss der Offshorewindparks in der Nordsee sorgen muss, steht erneut im Fokus. Jetzt wurde bekannt, dass der Offshorewindpark-Betreiber Windreich den Stromnetzbetreiber erstmals vor der Bundesnetzagentur verklagt hat, weil Tennet die Steckdose auf See nicht pünktlich liefern kann. Im Raum stehen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe.

Die Klage ist brisant, denn gerade eben hat die Bundesregierung den Referentenentwurf vorlegt, der genau solche  Haftungsfragen für Offshorewindparks klären soll. Weil bislang unklar ist, wer eigentlich zahlt, wenn ein Offshorewindpark seinen Strom nicht ins Netz einspeisen kann, verzögert sich der Ausbau der Windenergie gerade immens, halten Windparkbetreiber ihre Investitionen zurück.

Der aktuelle Vorschlag der Regierung sieht vor, dass der Stromnetzbetreiber (also in diesem Fall Tennet) an den Windparkbetreiber 90 Prozent der entgangenen Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zahlen muss. “Aber wir wollen natürlich Erlöse aus produziertem Strom un

Ökofonds können der Finanzkrise kaum trotzen

Von 14. August 2012 um 13:24 Uhr

Zurzeit Besitzer einer Solarworld-Aktie zu sein, macht gerade keinen Spaß: Der Kurswert dümpelt aktuell bei 1,15 Euro. Dabei kratzte sie zu Hochzeiten vor einigen Jahren schon einmal an der 50-Euro-Marke. Auch Solarworld hat mit den Überkapazitäten der Branche und dem Preisverfall zu kämpfen.

Erst vorgestern gaben die Bonner einen Verlust von 143 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern für das erste Halbjahr 2012 bekannt. Auch der Ausblick ist alles andere als sonnig, man werde “im Geschäftsjahr 2012 aus heutiger Sicht kein positives EBIT erzielen”. (EBIT ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern)

Oh je, kann man da nur sagen. Kein Trost ist es da, dass es anderen “Solaris” nicht besser geht. Im Vergleich zum Vorjahr hat Deutschlands wichtigster Solaraktien-Index PPVX, der die 30 weltweit größten Solarfirmen abbildet, rund zwei Drittel an Wert eingebüßt.

Nun könnte man argumentieren: Ist doch kein Problem. Wer eine Solaraktie kauft, der tut doch sowieso nichts für die Energiewende. Schließlich sind die Aktien bereits im Handel, eine Solarworld bekommt durch den Aktienkauf nicht einen Cent mehr, um damit in die Energiewende zu investieren. Ähnlich bei Vestas, dem weltgrößten Windradhersteller. Wer eine Vestas-Aktie ersteht, der verschafft dem Unternehmen nicht höhere Mittel für den Ausbau der Windanlagenproduktion.

Das Problem ist, dass die mauen Kurse der Erneuerbare-Energien-Branche sich auch auf die Performance der nachhaltigen Anlagefonds insgesamt auswirken. Rund 115 Milliarden Euro haben Anleger im deutschsprachigen Raum hier im vergangenen Jahr investiert. Nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlage machen Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien rund ein Viertel aus.

Früher galten nachhaltige Geldanlagen (und darunter verstehen viele Anleger ja vor allem auch Firmen aus dem Alternative-Energien-Bereich) als attraktiv, das Segment verzeichnete zweistellige Wachstumsraten. Nun eiert vor allem die deutsche Politik bei der Förderung und verunsichert Anleger. Entsprechend hat sich das Wachstum abgeschwächt, es lag 2011 bei rund fünf Prozent. In anderen Jahren waren es noch mehr als 15 Prozent. “Grüne Investmentfonds sind keine Selbstläufer”, so das Fachmagazin Ecoreporter und schreibt in der jüngsten Ausgabe:

“72 der nachhaltigen Aktienfonds, die länger als fünf Jahre am Markt sind, haben zweistellig an
Wert verloren. Sie bewegen sich damit übrigens auf einem ähnlich schwachen Niveau wie herkömmliche Aktienfonds.”

Fragt sich nur, wie sich die Ökofonds in Zukunft entwickeln werden. Manche Fondsmanager sind da ganz optimistisch und sagen: Wenn es schnell abwärts geht, kann es auch schnell wieder aufwärts gehen.

Na, mal sehen.

 

 

 

 

Was die Welt nicht braucht: Eurovegas in Spanien

Von 29. Juni 2012 um 15:41 Uhr
Copyright: Dominique Faget/AFP/GettyImages

Copyright: Dominique Faget/AFP/GettyImages

Madrid und Barcelona konkurrieren zurzeit darum, den Zuschlag für einen gigantischen Kasinokomplex im Stil von Las Vegas zu erhalten. Madrid ist sogar so scharf darauf, dass die Stadt laut Guardian sogar das Rauchverbot in Kasinos wieder kassieren würde.

US-Investor Sheldon Adelson, der schon in Las Vegas ein Hotel-und Kasinomogul ist und dem dort die originalgetreue Nachbildung Venedigs gehört, sieht das Projekt wohl auch als Teil eines Wiederaufbauprogramms für Spanien, desssen Wirtschaft ja am Boden liegt. Mehr als 18,8 Milliarden Euro sollen in zwölf Hotels, sechs Kasinos, Restaurants, Bars und und und investiert werden. Hotels mit 36.000 Betten sollen entstehen. Nach ersten Schätzungen sollen so 261.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Aber bitte schön: Wer braucht so etwas? Sicher, der Bau zieht wunderbar Investitionen an. Aber was hat Spanien dann da stehen? Einen gigantischen Vergnügungskomplex, für den Spanier wohl, zumindest aus heutiger Sicht, alles andere als Geld haben.

Einmal abgesehen von den Umweltfolgen. Ich sehe schon wunderbare Golfplätze und Swimmingpools, die mit gigantischen Mengen Wasser versorgt werden müssen. Ein Blick nach Las Vegas reicht: Bis 2020 droht der Wüstenstadt Studien zufolge das Wasser auszugehen. Dazu kommt der enorme zusätzliche Strombedarf, den ein solches Projekt nach sich zieht, neue Straßen, Ausbau des Flughafens, etc.

Den Spaniern ist dabei offenbar auch nicht wohl zumute. Immer mehr Bürgerinitiativen haben sich gegründet, die das Projekt ablehnen. Sie fürchten den Ausverkauf von kommunalen Ländereien, Umweltschäden, Prostitution, Sauftourismus und Geldwäsche. Erst vorgestern gingen sie erneut auf die Straße. Bis Anfang September wollen sie gegen das Projekt protestieren. Dann will US-Investor Adelsen bekanntgeben, ob er an Eurovegas festhält.

Indien führt weltweite Green Tech-Investments an

Von 15. Februar 2012 um 14:07 Uhr
30 MW-Solaranlage in Indien, Copyright. Sam Panthaky/AFP/Getty Images

30 MW-Solaranlage in Indien, Copyright. Sam Panthaky/AFP/Getty Images

Ich gebe zu: Nach einer Weile können ja Rekordmeldungen à la  “Der Beste, der Höchste, der Kleinste” nerven. Trotzdem kann ich mir diese Nachricht nicht verkneifen:
Kein anderes Land habe im vergangenen Jahr so stark in grüne Technologien investiert wie Indien. Das vermeldet Bloomberg New Energy Finance.

10,3 Milliarden US-Dollar seien in Ökoprojekte investiert worden – ein Plus von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit würde Indien vier Prozent aller weltweiten Green Investments abgreifen:

“Clean energy investments in India reached $10.3bn in 2011, some 52% higher than the $6.8bn invested in 2010. This was the highest growth figure of any significant economy in the world. There is plenty of room for further expansion – in 2011, India accounted for 4% of global investment in clean energy.”

Und jetzt raten Sie mal, was der Wachstumstreiber ist? Genau: Solarstrom. Während vor zwei Jahren gerade einmal 600 Millionen US-Dollar in netzgebundene Solarprojekte investiert wurden, habe sich die Zahl 2011 sogar versiebenfacht (auf 4,2 Milliarden US-Dollar). Das liege vor allem an den radikalen Kostensenkungen, die Solarmodule zurzeit verzeichnen, so Bloomberg.

Der Preiseinbruch sorgt also nicht nur für einen Solarboom auf deutschen Dächern, sondern eben auch in Indien. Und der wird zudem noch unterstützt von einem staatlichen Förderprogramm, der Jawaharlal Nehru National Solar Mission (die allerdings in der Kritik steht).

Und mit Wachstumsraten ist das ja so eine Sache. Der Solarboom klingt ja ganz gut, aber entscheidend ist, von welchem Niveau man startet. Bislang ist der Solarstromanteil in Indien noch recht bescheiden. Nach Informationen der Unternehmensberatung GTM kamen Solaranlagen Ende 2011 auf geschätzte 365 Megawatt:

“At year-end 2010, India claimed just 54 MW of installed grid-connected solar. However, recent feed-in tariffs (FIT) allocations from the NSM and the state of Gujarat’s Solar Policy promise to increase that installed capacity six-fold to approximately 365 MW by the end of 2011 and, furthermore, to over 1,100 MW by 2012.”

Zum Vergleich: In Deutschland sind zurzeit Anlagen mit einer Kapazität von knapp 25.000 Megawatt installiert.

Korrektur 16:58: In einer alten Version sprach ich von einer Verdoppelung der Wachstumsrate. Das war falsch und wurde korrigiert.

 

Wenn Banken nicht wollen: Pensionsfonds entdecken Offshore

Von 7. Juli 2011 um 07:50 Uhr

Pensionsfonds sind dafür bekannt, (in der Regel) klug zu investieren, schließlich verwalten sie die Altersvorsorge von Arbeitnehmern – und die verstehen keinen Spaß, wenn es um ihre Renten geht. Umso interessanter ist die Geschichte von Kirsten Gosvig aus Dänemark, über die Bloomberg dieser Tage berichtet. Der Pensionsfond der 40-jährigen Krankenschwester hat jüngst einen 485 Millionen Euro schweren Anteil an einem Offshore-Windpark des dänischen Energiekonzerns Dong Energy erstanden. Das Besondere: Noch gibt es den Windpark Anholt nicht. Wenn er 2013 in Betrieb gehen soll, wird er mit einer Kapazität von 400 Megawatt Dänemarks größter Offshore-Windpark sein.

Für den Pensionsfonds lohnt sich offenbar das Investment, auch wenn er die Katze im Sack kauft. Offshore-Windparks sind wegen ihrer hohen Investitionssummen und der möglichen Reparaturkosten ein teures Vergnügen. Trotzdem rechnet der Fonds mit einer jährlichen Rendite von sieben bis neun Prozent. In den ersten zwölf Jahren kann Dong den Offshore-Strom zu einem von der Regierung festgelegten Garantiepreis verkaufen. Zudem hat sich Dong in der Vereinbarung mit PensionDanmark verpflichtet, die Windfarm zu einem bestimmten Datum und zu einem Fixpreis zu bauen, schreibt die Financial Times.

Ein smartes Investment, wenn schließlich der Staat den Strompreis garantiert. Doch genau da liegt auch der Knackpunkt – beziehungsweise die große Herausforderung für Regierungen. Ändern sie die Fördersätze für Ökostrom, können Investoren schnell ihr Interesse verlieren. Und auch Pensionsfonds ziehen sich dann zurück – hehre Klimaschutzziele hin oder her.

Wenn also, wie etwa diese Woche im britischen Guardian, Politiker wie die EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard Anholt als Paradebeispiel loben, sollten sie auf jeden Fall ihren Kollegen ins Gewissen reden, für langfristige Investitionssicherheit zu sorgen. Denn noch scheuen vor allem private Banken das Risiko Offshore – weswegen die Branche schon seit Längerem über Finanzierungsprobleme klagt. Und das, obwohl Offshore eine tragende Säule der zukünftigen Energieversorgung sein soll.

USA: Big Oil bleibt erneut verschont

Von 20. Mai 2011 um 14:51 Uhr

Das US-Haushaltsdefizit ist ja auf ein Rekordhoch von unglaublichen 1,5 Billionen Dollar geklettert. Doch diese Woche haben die Republikaner dafür gesorgt, dass die fünf großen US-Ölkonzerne weiterhin Steuererleichterungen in Milliardenhöhe genießen dürfen. Anfang der Woche scheiterten die Demokraten im Senat mit ihrem Gesetzesvorschlag, der Ölindustrie finanzielle Vorteile in Höhe von insgesamt geschäzten 21 Milliarden US-Dollar zu streichen. Dabei haben ExxonMobil, BP, Shell, ConocoPhillips und Chevron allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres nach Schätzungen des Center for American Progress Gewinne in Höhe von 32 Milliarden Dollar eingefahren.

Die Republikaner haben sich, mal wieder, vor Big Oil gestellt. Und eine perfekte Chance verpasst, Haushaltslöcher zu stopfen, sich zugleich unabhängiger von großen Erdölkonzernen zu machen und ein politisches Signal für eine Energiewende zu senden. “Schade” ist ein viel zu schwaches Wort in diesem Zusammenhang!

Deutsche Offshore-Windbranche in Finanzierungsnot

Von 30. März 2011 um 14:58 Uhr

Ein Offshore-Windpark ist ein teures Vergnügen: Im Schnitt kalkuliert die Branche mit 1,5 Milliarden Euro je Park. Und die wollen erst einmal finanziert sein. Jetzt warnt die Branche, dass ohne staatliche Unterstützung der Bau von Windparks auf hoher See ins Stocken gerate. Nur eine Handvoll Banken traue sich die Finanzierung zu – und selbst die seien wegen technischer Risiken gerade sehr zurückhaltend bei der Gewährung von Krediten.

Das sollte der Politik zu denken geben. Denn gerade Offshore-Windenergie soll zukünftig eine große Rolle im neuen, grünen Strommix spielen. Geht es nach dem Bundesumweltministerium, sollen bis 2020 Windparks auf See mit einer Leistung von zehn Gigawatt stehen.

In ihrem Energiekonzept hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung daher ein KfW-Sonderprogramm in Höhe von fünf Milliarden Euro angekündigt. Es wäre eines der  größten Kreditprogramme, welche die KfW bislang gestemmt hat.

Doch seit vergangenen September ist leider nicht viel passiert. “Wir warten sehnsüchtig auf die Finanzierung”, sagte mir Ronny Meyer von der Windenergieagentur Bremerhaven (WAB). Ungeduldig sind die Firmen zu recht: Wenn man die Energiewende politisch will, dann muss man leider auch in die Tasche greifen. Zehn Windparks könnten erst einmal mit den fünf Milliarden Euro finanziert werden, wenn man davon ausgeht, dass jeder einen durchschnittlichen Kreditbedarf von 500 Millionen Euro hat.

Bei der KfW gibt man sich zurückhaltend. Noch sei das Programm nicht in trockenen Tüchern, sagt ein KfW-Sprecher. Man verhandele noch mit der Bundesregierung, u.a. über das endgültige Volumen und Kreditbedingungen.

Man kann nur hoffen, dass sich solche Fragen schnell klären. Denn laut WAB sind die finanziellen Bedingungen für Offshore-Windparks in Großbritannien aktuell weitaus attraktiver. Dann könnten sich die geplanten Offshore-Windräder schneller als gedacht bald vor der schottischen statt vor der deutschen Küste drehen.