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Kohle

Norwegens Ölmilliarden gegen den Klimawandel

Von 28. Mai 2015 um 15:50 Uhr

Mit den Profiten aus Öl und Gas haben die Norweger ihren Pensionsfonds zum weltweit finanzstärksten Staatsfonds gemacht, 900 Milliarden US-Dollar schwer. Ihr Reichtum basiert auf fossilen Energien, doch in einen fossilen Energieträger wollen sie jetzt nicht mehr investieren: in die Kohle. Gerade hat der Finanzausschuss des Parlaments eine einstimmige Empfehlung getroffen, dass der Fonds nicht mehr in Firmen investieren soll, deren Geschäftsmodell zu mehr als einem Drittel auf Kohle basiert (gemessen entweder am Gewinn oder der Energieproduktion).

Anfang Juni soll das Parlament definitiv entscheiden. Seine Zustimmung gilt als abgemacht. Die Regierung indes hatte für eine weniger extreme Entscheidung plädiert und gewarnt, dass zu viele Investmentbeschränkungen am Ende geringe Ausschüttungen des Fonds bedeuten könnten.

Was für ein Erfolg für die Aktivisten der weltweiten Divestment-Kampagne, die seit Monaten für den Abzug von Investmentmilliarden aus den fossilen Energien wirbt und schon die legendäre Rockefeller-Familie überzeugen konnte! Der britische Guardian unterstützt die Aktivisten von 350.org mit der eigenen Kampagne Keep it in the Ground und will die Gates-Stiftung und den Wellcome Trust dazu bewegen, sich ebenfalls von Kohleinvestments zu verabschieden. Weiter…

Kategorien: Energiewende, Fossile, Klima, Kohle

Windmüller übertreffen alle Rekorde

Von 29. Januar 2015 um 11:34 Uhr

Die deutsche Windbranche hat einen neuen absoluten Rekord verzeichnet: Im vergangenen Jahr wurden Windräder mit einer Leistung von 4.750 Megawatt installiert. Vor langer Zeit, im Jahr 2002, hatte die Windbranche schon einmal mehr als 3.000 Megawatt installiert. Das war der bisherige Spitzenwert.
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Her mit einer Steuer auf Öl

Von 15. Januar 2015 um 15:46 Uhr

Was für ein Preisverfall: Seit Juni 2014 ist der Preis für ein Barrel Öl um 60 Prozent eingebrochen. In Deutschland, aber noch viel mehr in den USA freuen sich Autofahrer über billigen Sprit. Windfall profits nennen Ökonomen diesen unverhofften Geldsegen. Er gleicht einem Konjunkturprogramm für Verbraucher, die sich über mehr Geld im Portemonnaie freuen können und für Unternehmen, deren Energiekosten sinken.
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Altmaier und die Eiskugeln

Von 14. August 2013 um 11:17 Uhr

Es muss nach etwa 40 Minuten gewesen, da redete sich unser Bundesumweltminister Peter Altmaier kräftig in Rage. Lautstark - und ich saß neben ihm - polterte er gegen die Versuche, Ökostromrabatte für die Industrie zu streichen. Ja natürlich wolle er die 26 Prozent Industriearbeitsplätze in Deutschland sichern.

Sein grüner Amtskollege Robert Habeck aus Schleswig-Holstein hatte dies wenig zuvor gefordert, damit die Lasten der Energiewende gerechter verteilt würden. Altmaier verwies auf seinen Amtsvorgänger Jürgen Trittin, der einmal gesagt haben soll, dass die Energiewende für eine Kugel Eis zu haben sei. "Heute können Sie die Eiskarte rauf unter runter essen."

Mit dem obigen Video der gestrigen Veranstaltung von ZEIT ONLINE und Handelsblatt Online, in dem sich Habeck und Altmaier sportlich-freundlich-engagiert (und ja, teils in einem ganz schönen Fachidiotendeutsch) über die Energiewende streiten, verabschiede ich mich in eine kurze Sommerpause.

A bientôt!

 

Weltgrößte Förderbank wendet sich von Kohle ab

Von 24. Juli 2013 um 17:46 Uhr

Die Europäische Investmentbank (EIB), nach eigenen Angaben die weltgrößte staatliche Förderbank, hat am Dienstag eine kleine Revolution beschlossen. In ihren neuen Förderrichtlinien, welche die Bank heute bekannt gab, findet sich de facto das Aus für die Finanzierung von Kohlekraftwerken. Zukünftig will die EIB, die so etwas ist wie die KfW für Europa, nur noch Kraftwerke mitfinanzieren, die maximal 550 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde emittieren. Damit will die Bank die 28 EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der europäischen Klimastrategie unterstützen. Die neuen Emissionsstandards würden garantieren, dass die Bank durch ihre Förderpolitik im Energiebereich einen nachhaltigen und positiven Beitrag zu mehr Wachstum leiste, sagt Vizepräsident Mihai Tanasescu.

Was die neuen Richtlinien für die einzelnen Energieträger bedeuet, zeigt diese Grafik:

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Ökostrom ersetzt Atomstrom

Von 2. Juli 2013 um 13:58 Uhr

Frisch vom Markt: NeBruttostromerzeugung 2012 in Deutschland, Quelle: Statistisches Bundesamtueste Zahlen vom Statistischen Bundesamt zum Strommix in Deutschland. Braunkohle ist immer noch der wichtigste Energielieferant, gefolgt von den Erneuerbaren Energien. Im Jahr 2010 lag der Kernenergieanteil noch bei 22,4 Prozent, jetzt sind es 16,1 Prozent. Der Atomausstieg (beziehungsweise die Energiewende) klappt also. Der Ökostromanteil Ist nur leider mühsamer als gedacht.

Atomkraft dümpelt auf dem Niveau von 1984

Von 19. Juni 2013 um 20:31 Uhr

Als Abendlektüre habe ich mir so eben noch den Weltenergiebericht des Erdölgiganten BP vorgenommen. Liebe Leser, scrollen Sie doch mal in der Präsentation des Chefökonoms auf Seite 15. Da findet sich ein wirklich bemerkenswertes Detail zur Nutzung der Atomenergie weltweit. Die ist ja bekanntlich nicht nur in Deutschland auf dem Rückzug. Im vergangenen Jahr sank ihr Anteil am globalen Primärenergieverbrauch auf 4,5 Prozent.

Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1984. Eine beeindruckende Entwicklung. Ich erinnere mich, dass wir noch vor ein paar Jahren in Deutschland heftig über den Ausstieg aus dem Atomausstieg diskutierten. Und jetzt legt Atomkraft im bereits zweiten Jahr einen Rekordrückgang hin, vor allem wegen des japanischen Atomausstiegs.

Und wer überholt? Die Erneuerbaren. In China, Japan und Deutschland toppt Ökostrom inzwischen Atomstrom.

Für Greenpeace ist Kohle das neue Atom

Von 3. April 2013 um 17:06 Uhr
Theoretische Todesfälle durch Kohlekraftwerke, laut Greenpeace © Greenpeace 2013

Theoretische Todesfälle durch Kohlekraftwerke, laut Greenpeace © Greenpeace 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder, die Worte, sie kommen mir irgendwie bekannt vor. Vor ein paar Jahren war es Atomkraft, heute ist es die Kohlekraft: Greenpeace hat eine Studie zu Gesundheitsgefahren von Kohlekraftwerken veröffentlicht, deren Grafiken in alarmierendem giftgelb gehalten sind. "Tod aus dem Schlot", heißt es in der Studie plakativ. Im Auftrag von Greenpeace hat das IER, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (dazu später noch ein paar Worte), Deutschlands 67 leistungsstärkste Kohlekraftwerke untersucht.

Das Ergebnis: Im  Jahr 2010 sollen deutsche Kohlekraftwerke wegen der Emission von Feinstaub und Schwermetallen zu theoretisch rund 3.100 Todesfällen geführt habe. Rund 700.000 Arbeitsstunden seien verloren gegangen, weil Arbeitnehmer durch Kohlekraftwerke erkrankten.

Aus Sicht von Greenpeace ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung natürlich naheliegend. 17 neue Kohlekraftwerke werden in den kommenden Jahren ans Netz gehen. Dagegen gilt es aus Sicht der Umweltschützer zu trommeln. Dass die neuen Meiler allerdings auch alte ineffiziente Kraftwerke ersetzen, unterschlägt Greenpeace gerne.

Sicher ist es richtig, auch die Energiewirtschaft zur Verantwortung zu ziehen, wenn es um Gesundheitsschäden geht. Für das Problem Feinstaub ist eben nicht nur der Verkehrssektor verantwortlich, sondern auch die konventionelle Energiebranche. Jedes Kohlekraftwerk, auch wenn es modernste Filteranlagen besitzt, emittiert nun einmal Schwefeldioxid, Stickoxide und Rußpartikel. Und dass Feinstaubemissionen gesundheitliche Folgen haben können, wurde in der jüngsten Vergangenheit immer wieder gezeigt, auch von der Weltgesundheitsorganisation und der OECD. Der IER-Studienautor Rainer Friedrich betont, dass der Zusammenhang zwischen Emissionen und Toten erst einmal ein rein statistischer, also nicht unbedingt kausaler ist (das erinnert doch auch an die Leukämie-Debatte bei Atomkraftwerken).

Trotzdem finde ich den Aufschlag von Greenpeace wenig gelungen, weil er mit Emotionen arbeitet. Hängen bleibt irgendwie der Eindruck: Wer in der Nähe von großen Kohlemeilern wie Jänschwalde (Brandenburg) oder Niederaußem (Nordrhein-Westfalen) lebt, der risikiert sein Leben.

Einmal davon abgesehen, dass die Auflagen strenger wurden, sich die Filtertechnologien in den vergangenen Jahren stark verbessert haben und somit die Emissionen stark gesunken sind: Die Diskussion über die Energieart Kohle sollte energiepolitisch geführt werden. Wer sich für die Energiewende entschieden hat, der muss auch Konsequenzen daraus ziehen, den Ausbau der Erneuerbaren fördern und das Energiesystem radikal umbauen. Neue Kohlekraftwerke sind langfristig "stranded investments", wie Fachleute sagen: gestrandete Investitionen. Sie werden sich langfristig kaum rechnen, legen aber unseren Energiepark erst einmal für die kommenden Jahrzehnte auf Kohle fest. Smarter wären flexible Gaskraftwerke, die sich aber aktuell nicht rechnen. Also muss man die Energiemärkte neu strukturieren, von einem neuen Marktdesign sprechen hier die Fachleute. Angstmacherei hilft dabei nicht weiter.

Bislang war übrigens das Stuttgarter IER nicht unbedingt für kohlekritische Studien bekannt. Noch vor einem Jahr bescheinigte es in einer Studie der Braunkohle eine "hohe energiewirtschaftliche Bedeutung(...), um die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung für die Sicherstellung einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung (zu) erreichen (...)".

Auch spannend, wie sich Einschätzungen im Zuge der Energiewende so ändern können.

USA bereinigen ihre CO2-Bilanz

Von 1. Februar 2013 um 16:41 Uhr

Kurz vor dem Wochenende noch mal  eine kleine "Hoppla"-Geschichte aus den USA. Das Land hat seine CO2-Emissionen inzwischen auf das Niveau von 1994 reduziert, wie eine neue Studie von Bloomberg New Energy Finance für den Business Council in Sustainable Energy zeigt. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat das Land die Klimagasemissionen um 13 Prozent reduziert.

Die neuen Zahlen bedeuten natürlich Rückenwind für Präsident Obama. Klimaschutzgegner, und insbesondere die Anhänger der radikalen Tea Party, können sich nun nicht mehr darauf berufen, dass Klimaschutz die US-Wirtschaft überdurchschnittlich belastet würde, schließlich ist das Bruttoinlandsprodukt in den USA im Schnitt jedes Jahr gewachsen (bis auf die Jahre 2008 und 2009).

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA 2013

Nun muss man natürlich schauen: Warum genau sind die CO2-Emissionen so stark zurückgegangen? Dahinter steckt ein Mix von verschiedenen Phänomenen, so die Studie (und sicherlich hat auch das maue Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren seinen Anteil). Da ist zum einen der Erdgasboom wegen des Frackings. Es verdrängt vor allem die dreckige Kohle als Brennstoff in den Kraftwerken. Zum anderen gab es ein beeindruckendes Wachstum der Erneuerbaren Energien, sie verzeichneten im vergangenen Jahr mit zusätzlichen 17 Gigawatt an Ökostromkapazitäten das größte Wachstum unter den verschiedenen Energieträgern.

Und ein beachtlicher Anteil ist auch Energieeffizienzmaßnahmen zu verdanken, die Amis tauschten vor allem im Gewerbe alte Heizungen und Klimaanlagen aus. Grund dafür sind auch strengere gesetzliche Standards. Zudem hat sich zwischen 2008 und 2011 gerade auch der Treibstoffeinsatz im Verkehr geändert, die Flotte von ÖPNV-Bussen und LKW, die mit Gas fahren, verzeichnete ein Wachstum um 26 Prozent.

Ölkonzerne und andere Klimaschänder: Aktionäre in Haftung nehmen

Von 21. Januar 2013 um 11:50 Uhr

Was hindert eigentlich Unternehmen daran, sich nachhaltiger auszurichten? Glaubt man dem Chef des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung und dem Juristen Jerome Dangerman, dann fehlt es eigentlich nur an einer klaren Zuordnung von Verantwortung. Wenn Aktionäre für die Schäden von Unternehmen haften müssen, dann würden sich Firmen über kurz oder lang umwelt- und klimafreundlicher verhalten, glauben sie.

In einem Aufsatz für das Fachmagazin Proceedings of the National Academy argumentieren sie, dass ein Grundproblem sei, die Aktionäre nicht zur Haftung ziehen zu können. Ein Unternehmen lasse sich zwar verklagen, nicht aber der einzelne Anteilseigner.

Das Thema ist vor allem für den Energiesektor relevant. Denn gerade hier würden Firmen an erprobten, aber klima- und umweltschädlichen Technologien festhalten, so Dangermann auf Science Daily. Er erklärt, warum die Erneuerbaren selbst nach Jahrzehnten noch immer ein Nischendasein fristeten und Kohle, Gas und Atomstrom noch immer den Hauptanteil in der Energieerzeugung ausmachten:

Heavy investments in fossil fuels have led to big profits for shareholders, which in turn leads to greater investments in technologies that have proven to be profitable. While, in parallel, the chances of success for sustainable alternatives diminish. "It's called Success to the Successful," says Dangerman.

Der Vorschlag ist alles andere als irrelevant. Dangermann verweist etwa auf das Deep Water-Bohrinselunglück im Golf von Mexiko. Könnte man die Aktionäre  zur Verantwortung ziehen, dann würden sie sich vielleicht vorher mehr Gedanken über Investments machen, glaubt er.

Leider ist das Thema "Haftungsfragen" aber noch recht abstrakt. Denn wie Michael Bauchmüller richtig in der Süddeutschen Zeitung schreibt: Wie organisiert man die Aktionärshaftung so, dass am Ende nicht Investitionen zum Erliegen kommen, weil sich niemand mehr traut, Aktien zu kaufen? Und wie lassen sich Schäden tatsächlich einem Unternehmen zuordnen und bewerten? Klar ist: In dem Thema steckt noch viel Musik.