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Konsum

Öko-Weihnachtsbaum oder lieber das Baumarkt-Exemplar?

Von 17. Dezember 2014 um 19:35 Uhr

Haben Sie schon einen Weihnachtsbaum? Für gerade einmal 29 Euro verkauft die Baumarktkette Obi zurzeit die Nordmann-Tanne. Der Projekt-Baumarkt Hornbach bietet den Festbaum schon ab 19 Euro an. Und dann gibt’s noch die zahlreichen Weihnachtsmärkte, Gärtnereien und Landwirte, die vor Ort ihre Bäume anbieten.

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Die Deutschen sind vernarrt in Bio

Von 8. Juli 2014 um 16:10 Uhr
© David Ebener/dpa

© David Ebener/dpa

Die jüngsten Zahlen aus der Bio-Ecke lassen das Bundeslandwirtschaftsministerium einmal mehr Jubeln. Abgesehen von den USA gebe es kein Land auf der Welt, in dem sich Bio-Produkte so großer Beliebtheit erfreuen wie in Deutschland, sagte Minister Christian Schmidt (CSU) am Dienstag. Mit Bio-Produkten erwirtschafteten Unternehmer und Landwirte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Bio-Anbau macht inzwischen 6,4 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland aus. Gerade Rheinland-Pfalz, inzwischen ja rot-grün regiert, hat die Förderung für Öko-Anbau mächtig ausgeweitet. Die Fläche, die nach biologischen Kriterien bewirtschaftet wurde (keine Gentechnik, kein Spritzen), ist um ein Fünftel gestiegen. Weiter…

Die Abo-Jeans

Von 2. Juli 2014 um 15:46 Uhr

Wenn an diesem Donnerstag die Billigbillig-Modekette Primark den zweiten Flagship-Store in Berlin eröffnet, lohnt ein Blick nach Amsterdam. Dort verfolgt Bert van Son mit seinem Start-up Mud Jeans das Gegenmodell: die Abo-Jeans. Die Idee ist schnell erzählt: Für 20 Euro Startgebühr und monatlich sechs Euro können Kunden eine Jeans für ein Jahr mieten. Und zwar nicht irgendeine, sondern aus Biobaumwolle und ethisch produziert. Preislich unterscheidet sich Mud Jeans also kaum von anderen höherpreisigen, fair hergestellten Jeans.

© Richard Terborg/Mud Jeans

© Richard Terborg/Mud Jeans

Vor einem Jahr hat Mud Jeans im größeren Stil angefangen. Auf der Homepage schreibt van Son, dass er inzwischen 1.500 Kunden habe. Doch am Telefon erzählt er, dass diese Zahlen nicht mehr aktuell sind: Insgesamt seien es 3.000 Kunden, die seine Mietjeans in der ein oder anderen Form nutzten.

Spannend ist, dass van Sons Geschäftsidee aufzugehen scheint: Nur zehn Prozent der Kunden hat nach einem Jahr die Jeans zurückgeschickt und ist abgesprungen. 60 Prozent der Kunden bleiben dabei und wechseln auf ein neues Modell. 30 Prozent verlängern ihr Jeans-Abo um noch einmal vier Monate. “Wir machen keine Fast Fashion”, sagt van Son, der mit seinem Unternehmen noch keinen Gewinn macht, sondern von seinem Ersparten lebt. Wenn er etwa 2.000 bis 3.000 alte Jeans zurückbekommen hat, wird er diese nutzen, um damit aus recycelten Jeansfasern neue Jeans zu produzieren. Das ist – Achtung, sperriges Wort – Kreislaufwirtschaft in Perfektion. Die Alt-Jeans komplett zu Recyclingfasern aufzubereiten, ist zwar technisch noch nicht möglich, aber 30 Prozent sind schon jetzt machbar.

Zwei Studentinnen haben die Geschäftsidee wissenschaftlich ausgewertet. Interessant sind natürlich die Käufer oder genauer: Abonnenten. Zwei Gruppen hat Mud Jeans im Visier: Die Social Ecologists und die Liberal Intellectuals. (Lieber Leser, Sie können jetzt selbst entscheiden, ob Sie zu einer dieser Gruppe gehören könnten). Van Son schätzt, dass ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung bei rund 14 Prozent liegt. “Diese Zielgruppe ist doch enorm”, sagt van Son. Noch allerdings überwiegt, das wird die Primark-Eröffnung zeigen, die Fast-Fashion-Gruppe, die Mode im Schnelldurchlauf konsumiert.

Gegen diese Entwicklung will übrigens auch die EU-Kommission etwas tun. Wie passend, dass sie gerade am Mittwoch ihre neue Abfall- und Recyclingstrategie vorgestellt hat. Das Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen in der EU etwa 70 Prozent der Siedlungsabfälle und 80 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt werden. Und welches Unternehmen präsentiert Brüssel unter anderem als Vorbild? Überraschung: Mud Jeans – in diesem Video ab Minute 4:20.

Super-Stromkabel als Stromspeicher

Von 10. Juni 2014 um 14:58 Uhr

So beeindruckend die Idee der Energiewende ja auch ist – an einer wichtigen Stelle hakt es: Wohin mit all dem wunderbaren Ökostrom, wenn es gerade keine Nachfrage gibt? Speichern wäre toll, klar. Aber wenn es um die Details geht, wird es kompliziert: Müssen wir den Ökostrom zum Speichern erst aufwändig ins Ausland schaffen? Wie bekommen wir ihn möglichst effizient in Batterien für Elektroautos?

Aus Florida kommt jetzt eine neue Idee. Ein Team der Universität in Orlando hat im Labor ein Stromkabel entwickelt, das nicht nur Strom transportiert, sondern ihn zugleich auch speichern soll. Weiter…

Gentechnik verdrängt Biobaumwolle

Von 9. April 2014 um 15:59 Uhr

Mode aus Biobaumwolle ist zu teuer? Wer das denkt, war lange nicht mehr bei C&A – und ja, ich gehöre auch dazu. Der Modekonzern hat sich der Biobaumwolle verschrieben und verkauft Textilien aus Biofasern zum gleichen Preis wie aus konventionellem Anbau. Inzwischen ist C&A der weltweit größte Einkäufer von Biobaumwolle und Anbieter von “Bioklamotten”. Wer hätte das gedacht. Der Biobaumwoll-Anteil an der gesamten Kollektion liegt bei 38 Prozent. Spätestens im Jahr 2020 will C&A komplett auf Biobaumwolle umstellen. Schließlich können Landwirte ihr Saatgut selbst produzieren, müssen keine Kredite aufnehmen, benötigen keinen Kunstdünger und erzielen auf den Märkten im Schnitt dank Prämienzahlungen höhere Preise. Auch die Böden profitieren, weil sie weniger ausgelaugt werden.

Alles wunderbar? Mitnichten, wenn man C&A glaubt. 2012 hat das Unternehmen seine Nachfrage um 78 Prozent gesteigert. Jetzt warnt das Unternehmen vor Lieferengpässen: Das Angebot von Biobaumwolle könne die Nachfrage nicht mehr decken. Allein in 2012 (aktuellere Zahlen sind noch nicht verfügbar) ging laut Textil Exchange das weltweite Biobaumwollangebot um acht Prozent zurück, während die Nachfrage weiter gestiegen ist. Landwirte, die umstellen wollen, brauchen einen langen Atem: Mindestens drei Jahre dauert es, bis ein Betrieb von konventionell auf Bio umgestellt hat. Gerade der richtige Umgang mit Dünger und die besten Anbaumethoden zu lernen ist anspruchsvoll und dauert Jahre. Viele Bauern scheuen genau diesen Aufwand.

Syrien fällt als Bio-Produzent weg

Die Knappheit hat viele Gründe. Syrien ist beispielsweise als wichtiger Lieferant aufgrund des Bürgerkriegs weggefallen. Zu Hochzeiten produzierte das Land jährlich rund 20.000 Tonnen Biobaumwolle, jetzt exportiert es überhaupt keine Biobaumwolle mehr. Dazukommen Dürren in den USA, gerade die Baumwollhochburg Texas ist von Ernteausfällen schwer getroffen.

Der wichtigste Player aber ist Indien, das inzwischen 74 Prozent der weltweiten Biobaumwolle bereitstellt. Das Land beliefert die Modekonzerne dieser Welt – doch am liebsten mit Gentechnik-Baumwolle. Der Anteil gentechnisch veränderter Baumwolle steigt dort seit Jahren, inzwischen liegt er laut Datenbank transGEN bei 92 Prozent. Das indische Textil-Fachmagazin Tecoya Trend schreibt, dass man bei der Biobaumwolle allein bis zum kommenden Jahr in Indien mit einem ein Mengeneinbruch von 50 Prozent rechne.

“Die Situation in Indien ist sehr wackelig, vor allem der Zugang zu gutem, gentechnikfreiem Saatgut ist kritisch”, warnte bereits Liesl Truscott von Textil Exchange im vergangenen Frühjahr. Das Problem ist nicht nur die Versorgung mit Saatgut, sondern eben auch die Verunreinigung von Biofeldern mit gentechnisch verändertem Material. “Das ist ein großes Risiko”, betont auch C&A. Biobauern trafen sich daher erst vergangene Woche in Indien und gründeten – mit Unterstützung von C&A – ein Gremium, dass unter indischen Bauern für die Umstellung auf Bio werben soll und an der Verbesserung von gentechnikfreiem Baumwollsaatgut. Da gibt’s noch genügend Potenzial nach oben: Biobaumwolle kommt bislang nur auf einen Marktanteil von gerade einmal ein Prozent.

Kirsten Brodde, eine Ökomode-Expertin und gern gesehene Mitautorin hier im Blog, ist sich nicht so sicher, wie clever die C&A-Warnung vor Lieferengpässen war. Wieder würde der Eindruck erweckt, dass Bio nicht aus der Nische käme und zu wenig Ertrag erwirtschafte. Das könnte die aktuellen Biobauern demotivieren.

Ich halte mal diese Statistik entgegen, die Roland Stelzner von der Biobaumwollmarke Cotonea in Eigenarbeit und etwas provisorisch erstellt hat.

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

 

 

 

 

 

 

 

 

In welchem Land erwirtschaften Baumwollbauern die höchsten Erträge je Hektar? Und siehe da: Biobaumwollbauern halten locker mit konventionellen Bauern mit. Die kleinen lokalen Biobaumwoll-Initiativen in Kirgistan und Uganda kommen fast auf einen ähnlichen Output wie die konventionellen Baumwollbauern in hochindustrialisierten Landwirtschaften wie Australien und übertrumpfen sogar die Türkei und China.

Verwirrung ums Fischstäbchen

Von 23. Januar 2014 um 11:56 Uhr

Wer Fisch essen will, ohne zur Überfischung beizutragen, hat es schwer. Die richtige Auswahl zu treffen, wird immer komplizierter. Das zeigt der am Donnerstag von Greenpeace vorgestellte Fischratgeber 2014. Einmal im Jahr präsentiert Greenpeace diesen Einkaufsführer, der Verbrauchern die Entscheidung für möglichst nachhaltig gefangenen Fisch erleichtern soll.

Die gute Nachricht: Manche Bestände erholen sich. Zum Beispiel die von Kabeljau. Der galt bisher als gnadenlos überfischt, doch jetzt empfiehlt Greenpeace den Kauf von Kabeljau aus dem Nordostatlantik wieder – unter der Voraussetzung, dass der Fisch dort mit Grundlangleinen gefangen wurde. Auch Kabeljau aus dem Nordostpazifik ist okay. Von Kabeljau aus anderen Regionen sollten die Verbraucher aber weiterhin die Finger lassen.

“Nur eine differenzierte Betrachtung ermöglicht Empfehlungen”, schreiben die Macher des Fischführers, “Pauschale Ja- oder Nein-Urteile pro Art sind weder korrekt, noch tragen sie zum Schutz der Fischbestände bei.” Weiter…

Der bessere Pappkarton

Von 2. Januar 2014 um 15:22 Uhr

Ich bin ein großer Fan von kleinen Innovationen, die den Alltag verbessern. Ein gutes Beispiel ist, tatataa: dieser Pappkarton. Zwei Studenten des Colleges Cooper Union in New York haben damit bereits einen Innovationswettbewerb ihrer Hochschule gewonnen und bekommen nun Unterstützung beim Patentantrag. Man könnte denken: Wie trivial, was gibt es am Pappkarton noch zu verbessern? Aber wenn es um den Klebeband-Einsatz, die Pappmenge und damit den Ressourcenverbrauch geht, sieht man: Da geht noch was.

Der Schnellpack-Karton der beiden jungen Männer soll nach deren Angaben bis zu 20 Prozent weniger Pappkarton verbrauchen – “Millionen von Bäumen” müssten dadurch nicht gefällt werden, sagen die Erfinder. Er wird mit Hilfe eine kleinen Form gefaltet und braucht nur einen Klebenstreifen, um zu halten. Hier ein kurzes Werbevideo, das erklärt, wie der Rapid Packing Container funktioniert.

Von einer kleinen Revolution sprechen schon die Macher von Treehugger-Blog. Schließlich könnte der Karton die gesamte Verpackungsindustrie einfacher und schneller machen. Na, mal schauen. Es hängt davon ab, ob der Pappkarton seine Kunden findet. Am Ende könnte die Idee auch an uns Kunden und den Unternehmen scheitern, die doch darauf bestehen, dass alle Schlitze noch einmal mit Klebeband verbunden werden. Sicher ist sicher.

EU will Tiefseefischerei strenger regeln

Von 9. Dezember 2013 um 18:28 Uhr

Die Französin Pénélope Bagieu hat mit einem Blogeintrag über die Tiefseefischerei einen kleinen Überraschungscoup gelandet: Mit einer wunderbaren Leichtigkeit erzählt sie in einem Comic, warum Tiefseefischerei ein lukratives Geschäft ist und was die EU zurzeit vorhat – und inzwischen haben mehr als 740.000 Menschen eine Online-Petition der französischen Umweltorganisation Bloom unterzeichnet, welche die französische Regierung, aber auch die EU-Politik dazu auffordert, in der Tiefsee das Fischen mit Grundschleppnetzen strenger zu regulieren.

Der Comic ist aktuell, weil am Dienstag das EU-Parlament über einen Vorschlag der EU-Kommission abstimmen soll. Er sieht vor, dass zukünftig in Wassertiefen von mehr als 600 Metern die zwei Fischereiarten verboten werden soll: die Grundschleppnetzfischerei und die Stellnetzfischerei. Die Regel soll in EU-Gewässern und in den internationalen Gewässern des Nordatlantiks gelten. Umweltschützer kritisieren beide Fangmethoden, vor allem die Schleppnetzfischerei, weil dabei der Meeresboden regelrecht einmal durchpflügt wird. Gerade die Tiefsee sei bislang kaum erforscht, über Fangarten wie den Schwarzen Degenfisch, Blauleng und Grenadierfisch sei kaum etwas bekannt. Die Fischarten dort werden erst sehr spät geschlechtsfähig und sehr alt.

“Das Ökosystem Tiefsee ist extrem verletzlich, bislang kaum erforscht, geschweige denn reguliert”, sagt Matthew Gianni von der Deep Sea Conservation Coalition in Amsterdam. Auch Wissenschaftler wie Rainer Froese vom Helmholtzzentrum für Ozeanforschung in Kiel sprechen sich gegen die Tiefseefischerei aus: Man wisse, dass einige Populationen bereits durch wenige Fangfahrten nahezu ausgerottet wurden, sagt der Fischereiexperte.

Nun also der erste Schritt: das Verbot von extrem umweltschädigenden Fangmethoden in den Tiefen des Meeres, das Fischen mit Langleinen soll erlaubt bleiben. Man könnte nun denken, das ginge eigentlich leicht über die Bühne. Schließlich kommt der Tiefseefischerei bislang kaum eine ökonomische Bedeutung zu. Wie die jüngsten Zahlen der EU-Kommission zeigen, gibt es kein Unternehmen, das ausschließlich Tiefseefischerei betreibt. Und es sind gerade einmal 14 Trawler, bei denen Tiefseefische mehr als zehn Prozent des Fangs ausmachen. Zum Vergleich: Aktuell sind in der EU rund 37.500 Fangschiffe registriert.

Auch wenn die Tiefseefischerei zurzeit also ein maritimes Nischendasein fristet, ist der Widerstand gegen strengere Regulierung groß, glaubt man den Umweltschutzorganisationen. “Gerade Spanien und Frankreich wehren sich heftig gegen eine strengere Regulierung”, sagt Gianni. Er glaubt, dass dahinter vor allem Industrieinteressen stecken. Die Fischereibranche fürchtet offenbar, dass das Verbot der Grundschleppnetze in der Tiefsee erst der Anfang ist und später ausgeweitet wird. Erst im Sommer hatte der britische EU-Parlamentarier Stuart Agnew das französische Fischereiunternehmen Scapêche beschuldigt, in der Tiefsee bedrohte Arten zu fischen – finanziert mit dem Geld europäischer Steuerzahler. Pikant: Scapêche gehört zu Intermarché, einer der bekanntesten Supermarktketten Frankreichs.

Verrückt ist, dass über ein prinzipielles Verbot der Tiefseefischerei gar nicht mehr nachgedacht wird. Dabei wäre das aus meiner Sicht das Naheliegendste: Wenn man nicht weiß, was dort unten los ist, sollte man doch erst einmal forschen, bevor man die Wirtschaft reinlässt, oder?

Update 11.12.2013: Am Dienstag sprach sich das EU-Parlament gegen das Verbot der Grundschleppnetz-Fischerei in der Tiefsee aus.

Millionen gegen das Gentech-Label

Von 28. Oktober 2013 um 16:20 Uhr

Wer sich durch die Tabellen der Public Disclosure Commission in Washington klickt, einer Transparenzplattform für Lobbygeld, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welche Millionensummen für Lobbying ausgegeben werden! Bestes Beispiel ist die jüngste Volksabstimmung im Bundesstaat Washington. Die Einwohner sollen über die erste verpflichtende Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in den USA entscheiden. Das fordert das Volksbegehren, die sogenannte Initiative 522. Bis zum 5. November läuft die Abstimmung.

Ein solches Genfood-Label wollen große Lebensmittel- und Agrarkonzerne verhindern. Laut PDG haben die Gegner inzwischen mehr als 21 Millionen Dollar investiert. Am stärksten engagiert sich der amerikanische Verband der Lebensmittelhersteller, die Grocery Manucaturers Association (GMA). Dem Spitzenverband der Lebensmittelindustrie gehören Firmen wie Coca-Cola, Nestle und Syngenta an. Die GMA investiert insgesamt fünf Millionen US-Dollar in TV-Spots, Anzeigen und Netzkampagnen, um die geplante Kennzeichnung zu verhindern. Ihre Befürchtung: Die Kennzeichnungspflicht stigmatisiert Genfood. Dabei würde Genfood zur Linderung der weltweiten Lebensmittelknappheit beitragen und dafür sorgen, dass die Lebensmittelpreise stabil bleiben.

Ähnlich argumentieren, kaum überraschend, auch die großen Konzerne in der Branche, die ebenfalls zu den Großspendern gehören: Der weltweit größte Agrartechnik-Konzern Monsanto hat bereits 4,5 Millionen Dollar gespendet. Der deutsche Bayer-Konzern ist mit seiner Sparte Cropscience mit knapp 600.000 Dollar dabei.

Natürlich sammeln auch die Unterstützer der Transparenz-Initiative Millionen ein, allerdings in sehr viel kleinerem Ausmaß, nämlich gerade einmal knapp sechs Millionen US-Dollar. Firmen wie die Biomarkt-Kette Wholefoods und der Bio-Seifenspezialist Dr. Bronners (nein, den kannte ich auch noch nicht) fordern die Kennzeichnung, um für mehr Transparenz zu sorgen.

Setzen sich die Befürworter des Labelings durch, wäre es die erste Genfood-Kennzeichnung in den USA. Die USA würden dann mit dem europäischen Standards gleichziehen – und auch mit dem entscheidenden Manko, dass etwa Milch, Fleisch und Käse nicht gekennzeichnet werden, wenn das Tierfutter gentechnisch verändert ist (und weil die Tiere größtenteils gentechnisch verändertes Soja essen, würden auf zahlreichen Produkte dann zukünftig ein “Enthält Gentechnik”-Stempel prangen).

Wie die Entscheidung Anfang November in Washington ausgeht, ist noch völlig offen. In Kalifornien, wo die Amis für gentechnikfreie und ökologisch produzierte Produkte recht aufgeschlossen ist, scheiterte die Abstimmung vergangenen Herbst.

Gekauft und weggeschmissen

Von 22. Oktober 2013 um 14:47 Uhr
Wie viel Salat landet im Müll? © Tesco

Wie viel Salat landet im Müll? © Tesco

 

 

 

 

 

 

 

Als ich diesen Report der britischen Supermarktkette Tesco las, musste ich daran denken, wie ich selbst Salat wasche. Auch bei mir landen die labbrigen Salatblätter im Müll. Offenbar bin ich mit solchen Wasch-Putz-Wegschmeiß-Gewohnheiten nicht allein. Für den Report Tesco and Society hat der britische Konzern en detail aufgelistet, wie viele Lebensmittel an welcher Stelle weggeschmissen werden. Es ist das erste Mal, dass ein Lebensmittelhändler so tiefe Einblicke in die Mülltonnen gewährt. Unterstützt wurde die Aktion von dem Regierungsinstitut Wrap (Waste and Resources Action Programm).

Tesco hat die 25 am häufigsten verkauften Produkte aus seiner Lebensmittelabteilung über die komplette Lebenszeit analysierst, vom Anbau über die Verarbeitung bis zum Verbraucher. Bei Salat ist das Ergebnis besonders beeindruckend: 68 Prozent gehen insgesamt verloren. Mehr als zwei Drittel aller Salate werden also weggeschmissen: 17 Prozent sind es im Anbau, 15 Prozent in der Verarbeitung, ein Prozent im Verkauf – und eben 35 Prozent in der Küche des Verbrauchers.

Auffällig ist, wie sich die Abfallmengen in den unterschiedlichen Produktionsstufen unterscheiden.

 

Wie viel Brot landet im Müll? © Tesco

Wie viel Brot landet im Müll? © Tesco

 

 

 

 

 

 

 

Brot etwa schmeißt der Handel viel mehr weg als Obst und Gemüse. Vier Prozent sind es allein bei Tesco. Äpfel werden bereits zu einem großen Teil bei der Ernte aussortiert, gleich elf Prozent landen auf dem Müll. In der Regel ist der größte Lebensmittelverschwender der Verbraucher, zwischen zehn und 35 Prozent der Lebensmittel schmeißt er am Ende weg.

Solche Zahlen summieren sich auf. Erst am Montag warnte die Welternährungsorganisation FAO, dass jedes Jahr rund ein Drittel der Lebensmittel weggeschmissen wird. Das macht jährlich 1,3 Milliarden Tonnen aus – zum Vergleich: Ein klassischer VW Golf wiegt etwa eine Tonne. Zwei Milliarden Menschen könnten eigentlich jedes Jahr davon ernährt werden. Es sind außerdem enorme Werte, die im besten Fall in der Biotonne landen. Im Schnitt schmeißen wir jährlich Lebensmittel im Wert von 750 Milliarden US-Dollar weg.

Was tun? Auch wenn Tesco zu dem Schluss kommt, als Händler eigentlich das kleinste Problem in der Kette zu sein, hat sich der Konzern einiges vorgenommen. Salate will er etwa nicht mehr in Megapacks verkaufen, damit der Konsument nicht gleich den kompletten Packungsinhalt wegwirft, wenn gerade mal ein Salatkopf schwächelt. Die Einkaufswege der Bananen will er verbessern, damit nicht zu viele Früchte im Lager vor sich hin reifen. Die Zulieferer, also die Apfelbauern, sollen weniger Pestizide einsetzen und stattdessen auf ökologische Unkraut- und Insektenbekämpfung setzen.

Am effektivsten wäre es wohl, beim Verbraucher anzusetzen. Das ist zumindest die Haltung des deutschen Landwirtschaftsministerium. In der Kampagne “Zu gut für die Tonne” ruft es seit einigen Monaten Verbraucher dazu auf, weniger Essen wegzuschmeißen.

Die Zahlen aus Großbritannien erzählen aber auch eine andere Geschichte. Das betont der Filmemacher Valentin Thurn, der vor zwei Jahren erstmals die große Lebensmittelverschwendung in dem Kinofilm Taste the waste dokumentierte und inzwischen ein Essensmüll-Fachmann ist. Addiert man die Lebensmittelverschwendung im Bereich Anbau, Verarbeitung und Handel, dann sind diese Anteile fast ebenso groß wie die des Verbrauchers. “Ein Großteil des Essens wird weggeschmissen, bevor es den Verbraucher überhaupt erreicht”, sagt Thurn. Die Studie sei eine Ohrfeige für Ilse Aigner, die dem Verbraucher in ihrer Informationskampagne den schwarzen Peter zuschiebe. “Bei der Lebensmittelverschwendung kommen wir nur voran, wenn wir begreifen, dass es nicht einen Bösewicht gibt, sondern dass es sich um eine geteilte Verantwortung handelt.”

Kategorien: Agrar, Essen, Konsum