Elektroschrott: Fragwürdige US-Recyclinginitiative

Auf den ersten Blick klingen die Ziele ambitioniert: Die großen Elektronikkonzerne in den USA, etwa Panasonic, Sony und Toshiba, wollen in den kommenden fünf Jahren ihre Recyclingquote von Elektroschrott verdreifachen. Eine Milliarde US-Pfund Elektroschrott („one billion pounds“) wollen sie jährlich einsammeln, gaben sie jüngst bekannt. Das entspreche etwa einem Football-Stadium mit 71.000 Sitzplätzen, das bis zur Oberkannte nur mit alten Computern, Laptops, Handys und Fernsehern gefüllt sei. Ziel sei unter anderem zu verhindern, dass Elektroschrott unsortiert in Entwicklungsländern lande, wo er nicht nur für Umweltprobleme sorgt, sondern auch massive Gesundheitsschäden verursacht. Die eCycling Leadership Initiative will dafür unter anderem die 5000 Recyclinghöfe in den USA besser bewerben und setzt auf Aufklärung beim Kauf von neuen Elektrogeräten.

Doch Kritik gab es prompt – und zwar von prominenter Stelle. Das Basel Action Network, eine einflussreiche Umweltschutzorganisation, die sich auf illegale Müllexporte spezialisiert hat, weist darauf hin, dass die USA immer noch nicht die Basel Konvention ratifiziert haben. Das wäre der erste und wichtige Schritt, um den Export von Elektroschrott in Entwicklungsländer zu brandmarken. Dieses Abkommen regelt den internationalen Handel mit Giftmüll und verbietet den Export in Entwicklungsländer. Deutschland hat es 2002 ratifiziert.

So schön freiwillige Initiativen der Privatwirtschaft auch sein mögen, die Praxis zeigt: Beim Elektroschrott  braucht es Gesetze, damit der Handel besser kontrolliert werden kann. Das findet auch die Electronics Take Back Coalition, die vermutet, die Unternehmen wollten einer ungeliebten Gesetzgebung nur zuvorkommen. Das Problem wird sicherlich nicht kleiner, nur weil niemand mehr darüber berichtet. Kaum eine andere Müllart wächst so schnell wie Elektroschrott  (kein Wunder, wenn fast jedes Jahr neue iPhones auf den Markt kommen). Und die USA sind einer der größten Elektroschrott-Produzenten der Welt.

 

Was Kaltwaschmittel bringen

Durch die Werbung geistern derzeit kaltaktive Waschmittel, die schon ab 15 Grad sauber waschen sollen. „Kalt ist das neue Heiß“ lautet einer der Slogans, mit dem beispielsweise „Ariel Excel Gel“ oder „Persil Actic Power“ angepriesen werden. Die Hersteller betonen vor allem ihren Beitrag zum Umweltschutz.

Aber sind die neuen Waschmittel wirklich so umweltschonend? Einerseits sparen Niedrigtemperaturen Strom und Geld, weil die Kosten für das Aufheizen des Waschwassers fast komplett entfallen. Andererseits sind Kaltaktiven aber bis dato Flüssigwaschmittel und enthalten damit mehr Tenside, die die Kläranlagen belasten. Obendrein müssen die Flüssigen im Gegensatz zu den trockenen Pulvern mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht werden. Die Umweltbilanz ist deshalb bestenfalls gemischt.

Die meisten Waschmaschinen verfügen derzeit auch noch nicht über ein echtes Niedrigtemperaturprogramm. Zwar gibt es solche Super-Öko-Waschmaschinen im Handel, aber seine alte Maschine deshalb zu verschrotten, macht ökologisch und auch finanziell keinen Sinn. Eine Waschmaschine sollte zehn bis 15 Jahre halten.

Flüssigwaschmittel sind zudem in puncto Sauberkeit den Pulvern unterlegen. Laut Stiftung Warentest ist die Fleckentfernung der Flüssigwaschmitteln bei 20 Grad bestenfalls mittelmäßig (test 10/2010). Sehr hygienisch sei kaltes Waschen auch nicht. Nach einer 20-Grad-Wäsche blieben auf Kleidung und in der Maschine viele Keime zurück. Gesunden macht das zwar nichts, Kranken aber schon. Hausstaubmilben-Allergiker sollten ohnehin heißer waschen.

Deshalb sei Kaltwaschen noch das „Waschen der Zukunft“, bilanziert das Umweltbundesamt. Erst ab Dezember 2013 muss jede Waschmaschine ein 20-Grad-Programm haben. Das schreibt die EU-Ökodesign-Verordnung vor.

Nicht wärmer zu waschen als nötig, bleibt trotzdem ein guter Rat. Für Buntwäsche reichen 30 Grad. Diese Erkenntnis hat sich hierzulande allerdings noch nicht durchgesetzt. Die durchschnittliche Waschtemperatur der Deutschen verharrt seit 2004 bei 46 Grad Celsius. Soll heißen, auf Kochwäsche wollen viele nicht verzichten. Übrigens: der Strom für eine 90-Grad-Wäsche verschlingt satte 39 Cent.

 

Das neue ABC der Energie

Ende 2011 ändern sich die EU-Energielabel für Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlgeräte. Erstmals fallen auch Fernsehgeräte unter die Kennzeichnungspflicht.

Für den Verbraucher wird aber es keineswegs einfacher: Das Prädikat besonders sparsam, so ist in den Köpfen der Kunden verankert, verdienen Geräte mit dem Buchstaben A und der Farbe Grün. Nur bei Kühl- und Gefrierschränken gab es seit 2004 bereits A++.

Weil das Zeichen die Branche dazu animiert hat, sparsamere Modell zu produzieren, erreichen jetzt praktisch alle zumindest die Klasse A. Kurz, das über zehn Jahre alte Zeichen hat sich überlebt.

Statt aber die sieben Kategorien von A bis G beizubehalten und nur die wirklich Besten mit A auszuzeichnen, werden die effizientesten Geräte seit neuestem sogar mit bis zu drei Pluszeichen belohnt.

Das Ergebnis ist kurios: Geräte mit einem  A+ spielen faktisch nur noch in der dritten Liga und Geräte mit einem einfachen A sind alles, aber nicht energieeffizient. „Solche Geräte sollten die Verbraucher gar nicht mehr kaufen“, rät Frauke Rogalla vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Sie seien die schlechtesten Geräte auf dem Markt. A ist sozusagen das neue D.

Ab Juli 2012 werden Waschmaschinen und Geschirrspüler mit der Effizienzklasse A von der EU komplett verboten. Es ist zu erwarten, dass die Hersteller die A-Modelle deshalb in diesem Jahr im großen Stil verramschen werden, prognostiziert Rogalla. Wer ein solches Gerät kauft, dem muss aber klar sein, dass es eine ganz kleine Nummer in puncto Klimaschutz ist.

Gerade in Haushalten, in denen viele Personen leben und häufig gewaschen, gespült und viel gekühlt wird, sollte es schon ein Gerät aus der Kategorie A+++ sein. Zwar sind die neuen Energielabel erst Ende dieses Jahres Pflicht,Verbraucherschützer rechnen aber damit, das die Hersteller sie jedoch ab sofort freiwillig nutzen. „Sie brennen darauf, mehr zu zeigen“, sagt Rogalla.

Einzige Ausnahme: Bei Fernsehern kann man weiterhin bedenkenlos A kaufen, denn hier besteht beim Energieverbrauch noch extremer Nachholbedarf. Bis dato fällt das Gros der Fernsehgeräte in die Kategorien C und D.

Neu sind obendrein die Piktogramme am unteren Rand der Label. Dort verbergen sich weitere wichtige Informationen. Ein Lautsprecher-Symbol kennzeichnet den Lärmpegel der Geräte, was bei Waschmaschinen durchaus eine Rolle spielt. Eine Milchtüte steht für das Kühlvolumen, eine Schneeflocke symbolisiert das Gefriervolumen, ein tropfendes T-Shirt zeigt die Schleuderwirkung.

 

Clash der Kulturen

Die einen denken noch an Leinenkleider, die anderen längst an Laufsteg: So unterschiedlich ist das Image, das Ökomode in Europa und Amerika anhaftet. Während Kanadier Moral und Mode längst als Paar sehen, sprechen Franzosen und Deutsche noch von einer schwierigen Liaison. So lässt sich das Ergebnis einer internationalen Befragung von 120 Modeinteressierten zusammenfassen, die aktuell veröffentlicht wurde.

Die Forscherinnen der International University of Monaco hatten 70 Männer und 50 Frauen nach dem Bild der grünen Mode gefragt. Gleichzeitig beschrieben die Teilnehmer, wie sie sich die typische Kundschaft vorstellen. Die Ergebnisse zeigen einen Clash der Kulturen: Nordamerikaner denken an eine Frau in den Zwanzigern, die Ökoschuhe und Kleider trägt und dabei sowohl schlicht, aber auch sexy und selbstbewusst wirkt.  Die Europäer halten die Trägerinnen dagegen für spröde Frauen Mitte 40, bei denen Geld und Geschmack weit auseinanderklaffen.

Das ist insofern erstaunlich, als diese Mode längst marktgängig und tragbar ist und das Sortiment von Streetwear bis Prêt-à-porter reicht. Selbst ein Öko-Pendant für ein exklusives Abendkleid lässt sich finden. Hierzulande gibt es mit der „TheKey.to“ sogar eine grüne Modemesse, die parallel zur Berlin Fashionweek  stattfindet. Coolness ist also durchaus mit Ökogrundsätzen zu vereinbaren. Doch grün ist alle Theorie, wenn Klischees weiter so fest in den Köpfen verankert sind.

Was die Studie auch belegt: Es sind vor allem Prominente, die der grünen Mode in Nordamerika ein positiveres Image beschert haben. Haben erst einmal Celebrities wie die Hollywood-Schauspielerin Cameron Diaz ihren Kleiderschrank zumindest teils auf Grün getrimmt und zieren damit den Titel der Vogue, ist es mit dem Mief der Ökomode vorbei. Hierzulande fehlen solche Stars. Daran ändern auch Thomas D. von den Fantastischen Vier oder Schauspielerin Cosma Shiva Hagen nichts. Andere umweltbewegte TV-Größen wie Hannes Jaenicke stecken ihre Astralkörper immer noch lieber in Armani als in Bio.

Schwerer wiegt vielleicht noch, dass die Befragten beiderseits des Atlantiks der ökologisch  vorbildlichen Mode nicht wirklich trauen. Vor allem fragen sie sich, ob die Mode ihren Öko-Anspruch vom Acker bis in den Schrank durchhält: Produktionsschritte wie Färben und Bedrucken unterliegen einem Generalverdacht. Nicht zu Unrecht. Zwar wurden bei Anbau und Konfektion durchaus Fortschritte in puncto Ökologie und Fairness gemacht. Ein Manko bleiben aber beispielsweise Ausrüstungschemikalien, die Mode bügelleicht, schmutzabweisend oder immun gegen Schimmelpilzbefall machen. Sie sind zumindest zum Teil gefährlich für Mensch und Umwelt.

Die Studienteilnehmer wünschen sich ein gut erkennbares Zeichen auf der Ware, das ihnen Sicherheit garantiert. Momentan blüht allerdings der Zeichen-Dschungel. Ein gesetzlich geschütztes Zeichen wie bei Bio-Lebensmitteln gibt es nicht. Einen Automatismus, dass bio auch fair bedeutet und umgekehrt, sowieso nicht. So bleibt eine Unschärfe in dem wachsenden Markt, die die Branche anfällig für Skandale macht. Eine positive Bilanz ziehen die Forscherinnen jedenfalls: Wer sich für Mode interessiert, interessiert sich auch für Ökomode. Offenbar haben immer mehr Leute die Nase voll davon, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie sich schick anziehen.

Zum Weiterlesen: Cervellon_Green fashion_sept10

 

Zu bunt getrieben

Zuviel Salz, Fett und Zucker – das war bisher alles, was Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner an Lebensmitteln interessierte. Nun will die Ministerin das Essen auch sicher verpacken. Denn die bunten Farben auf Papier, Pappe und Kartons sind gesundheitsschädlich. Neueste Forschung zeigt, dass die leicht flüchtigen Bestandteile in den Druckfarben zu 70 Prozent von der Verpackung in die Lebensmittel übergehen. Künftig sollen nur noch solche Substanzen erlaubt sein, die auf einer Positivliste stehen und sozusagen gut verdaulich sind.

Wer meint, das könnte nur Lebensmittel betreffen, die wie Reis, Grieß, Mehl oder Nudeln lose verpackt sind, irrt leider. Auch Innenbeutel aus Papier oder Kunststoff-Folien aus Polyethylen stellen keine wirksame Sperre dar. Selbst Tiefkühlung schützt nicht, sogar Fischstäbchen oder Pizza sind betroffen.

Die Richtwerte, die es gibt, sind weit überschritten. Ein Züricher Labor wies beispielweise für Reis einen Mineralölgehalt von 15,4 Milligramm pro Kilogramm nach. Diese teils hochgiftigen und sogar krebserregenden Mineralöle sind ein Bestandteil der Druckfarben. Das unschädliche Limit liegt bei 0,6 Milligramm pro Kilogramm – also bei einem Bruchteil davon.

Das Problem ist nicht neu, doch die Bundesregierung hat jahrelang gemauert. Bereits 2006 veröffentlichte die Deutsche Umwelthilfe Daten, dass Saftkartons und damit auch Säfte mit Farbfixierern (ITX) belastet waren. Nach der Warnung zog die Verpackungsindustrie die umstrittene Substanz zum größten Teil aus dem Verkehr, setzte aber andere Chemikalien zum Bedrucken der Getränkekartons ein, deren toxikologische Wirkung weitgehend unerforscht ist.

Vorreiter für einen wirksamen Verbraucherschutz in puncto Verpackungen sind die Schweizer. Seit 1. April 2010 gibt es dort eine gesetzliche Positivliste für gesundheitlich unbedenkliche Druckfarben. Im Vorfeld behauptete die Industrie, jetzt werde es „schwarz-weiß“ in der Schweiz. Weit gefehlt. Immer noch gibt es bunte Hüllen, allerdings bedruckt mit sauberen Farben, die nicht aggressiv sind.

Daran will sich Verbraucherministerin Aigner nun offenbar orientieren. Die Deutsche Umwelthilfe fürchtet, dass es bei „Ankündigungen“ bleibe, da sicher Gegenwind aus Brüssel zu erwarten sei. Bislang habe Aigner nicht gezeigt, dass sie sich auf EU-Ebene durchsetzen könne.

Dabei muss die Ministerin sich doppelt anstrengen, denn in Mitleidenschaft gezogen wird gleichzeitig eine der größten Errungenschaften des Umweltschutzes, das Recyclingpapier.

Lebensmittelkartons bestehen größtenteils aus Altpapier und schonen so Ressourcen und den Wald. Da das Recyclingmaterial aber vor seiner zweiten Karriere als Verpackung aber kaum gereinigt wird, stecken die giftigen Farbbestandteile noch drin. Kurz gesagt: Wer also das Recycling retten will, der muss ganz vorne ansetzen und an die Farben ran.

 

Schuften für den Freizeitdress

Die Outdoor-Branche wirbt mit ihrem Image, sanft mit der Natur umzugehen. Weniger sanft springen die Firmen indes mit den Arbeitern in den Produktionsländern um, die sie – ähnlich wie die großen Textildiscounter – mit Löhnen abspeisen, die weit unter dem liegen, was eine Familie in Bangladesch, Indonesien, Vietnam oder El Salvador zum Leben braucht. Das zeigte in diesem Jahr eine Studie der internationalen Kampagne für Saubere Kleidung, die 15 Firmen zu ihrem Geschäftsgebaren befragte.

„Outdoor-Firmen, seid Gipfelstürmer in Sachen Fairness“, ließ die Kampagne daraufhin auf Protestpostkarten drucken, die Kunden unterschreiben konnten. Denn die Käufer von besonders warmen Jacken und  Hosen sind bereit, mehrere hundert Euro für ein solches Super-Kleidungsstück hinzulegen. Die Deutschen geben pro Jahr stolze 1,6 Milliarden Euro für Vaude, Jack Wolfskin, The North Face, Patagonia & Co. aus. Zur Qualität, die sie erwarten könnten, gehöre zwingend auch soziale Qualität, urteilten die Menschenrechtler.

Und siehe da: Der Gipfel ist nicht unbezwingbar. Der Druck der Öffentlichkeit hinterlässt bei den Unternehmen einen spürbaren Eindruck. Jack Wolfskin, Deutschlands Schwergewicht in der Branche, trat Mitte des Jahres der Fair Wear Foundation (FWF) bei, ebenso wie das Schweizer Backpacker-Unternehmen Transa. Die Firma Vaude zieht zum Ende des Jahres nach. Vorreiter waren 2008 die Schweizer Firmen Mammut und Odlo. Die FWF ist ein Zusammenschluss von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen mit Sitz in Amsterdam. Die Initiative gilt als strengster Kontrolleur von Arbeitsbedingungen weltweit.

„Es ist ein regelrechter Wettbewerb zwischen den Firmen ausgebrochen, wer als nächster beitritt“,  sagt Sophie Koers von der FWF. Entscheidend sei natürlich die Umsetzung der Regeln. Das sei ein Prozess, der viel Geld, Personal und Zeit koste. Vaude beispielsweise muss  seine Produktion in der Militärdiktatur in Myanmar auslaufen lassen.

Aber in einer Zeit, in der Kunden gezielt nach Produktionsbedingungen fragen, gehört es in Unternehmen quasi zum guten Ton, sauber und sozialverträglich zu fertigen. Der Weg dorthin ist allerdings lang, denn die Arbeitsbedingungen sind nur ein Glied in der gesamten Produktionskette, die bereits mit dem Rohstoff der Kleidung, der Faser, beginnt. Outdoormode,  in deren Kunstfasern das Ausgangsprodukt Erdöl steckt, lässt sich prinzipiell auch ökologisch einwandfrei verarbeiten. Dass nur Naturfasern umweltfreundlich sein können, ist ein alter Zopf, der dringend abgeschnitten gehört.

 

Ökosiegel sucht Frischekick

Über 80 Prozent der Deutschen kennen den Blauen Engel, mehr als 11.000 Produkte sind mit dem geflügelten Logo gekennzeichnet. Positiv betrachtet ist es ein Zeichen ohne Mätzchen. „Kein Skandal hat seine Geschichte getrübt“, erklärt Edda Müller, die den Engel von „von klein auf päppelte“, wie sie sagt. Heute ist die renommierte Verbraucherschützerin stellvertretende Vorsitzende der Jury, die das Umweltzeichen vergibt.

Ob Büromöbel oder Matratzen – das Zeichen adelt die vorbildlichsten Produkte im Markt. Anfangs wurde der blaue Engel eingesetzt, um Unternehmen nach vorne zu treiben. Um endlich FCKW-freie Spraydosen zu bekommen, Bremsbeläge ohne Asbest oder Farben, die keine Schwermetalle enthalten. „Viele bedeutsame Umweltprobleme sind so gelöst worden“, erinnert sich Edda Müller.

Allerdings verbinden die Verbraucher das mit Lorbeerkranz umrahmte Logo momentan eher mit drögen Produkten wie Klebstoffen, Spanplatten oder Teppichböden. Damit das nicht so bleibt, hat Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes, erstmals zum „Tag des Blauen Engels“ eingeladen. Der Gedankenaustausch darüber, wie man dem Ganzen einen Frischekick verpasst, findet heute statt.

Zwar sind erste Schritte getan, so wurde der Umweltengel zum Klimaengel erweitert, aber gerade bei trendigen Produkten wie Notebooks oder Handys ist das Zeichen schwach. Für strahlungsarme Mobiltelefone gibt es zwar Standards, aber kein Hersteller will das Logo bislang auf seiner hippen Ware sehen. Flasbarth vermutet ein „Kartell der Hersteller“, die fürchteten, dass die Verbraucher sich misstrauisch fragten, was denn wohl mit den Telefonen sei, die kein Ökosiegel trügen. Eine berechtigte Sorge. Flasbarth fordert mehr „Initiative“ von Industrie und Handel, ökologisch einwandfreie Produkte auch zu kennzeichnen.

Ein Manko des Engels ist obendrein Ware, bei der es um mehr geht als um Umweltschutz, etwa um ethische Fragen. So wird Kleidung regelmäßig unter miesen Arbeitsbedingungen genäht. „Ein T-Shirt, das alle Umweltstandards erfüllt, ist noch nicht zwangsläufig ein gutes Produkt“, sagt Flasbarth. Aber die Kernkompetenz des himmlischen Zeichens sei eben der Ressourcenschutz. Das stimmt.

Edda Müller denkt ohnehin längst über simple Produkte hinaus. Zukunftsweisend wäre, wenn die Jury Umweltzeichen den Blauen Engel künftig auch für Dienstleistungen vergebe. Ob nun für ein Carsharing-Unternehmen, einen Fahrradverleih oder sogar einen wahrlich kompetenten Installateur einer energiesparenden Heizung. Das bedeutete in der Tat eine neue Ära für das Zeichen.

 

Energie Sparen als Straßenschlacht

Revolution in den Straßen Berlins: Die Aktivisten von vic-venture laden zum Energy Streetfight ein. Die Idee ist simpel und genial: Alle Bewohner der Stargarder Straße, einer beliebten Shopping-und Wohnstraße im Prenzlauer Berg, können an einem Energiespar-Wettbewerb teilnehmen.

Gespielt wird Wohnhaus versus Wohnhaus – macht ingesamt rund 90 Häuser mit 1500 Wohnungen und 130 Geschäften. Jedes Wohnhaus-Team bekommt im kommenden Frühjahr etwa vier bis fünf Monate Zeit, um  seine Stromrechnungen als Kollektiv zu reduzieren – wer die größte Einsparung macht, hat gewonnen.

Das erste Feedback der Kiezbewohner ist überraschend positiv, erzählt Mitinitiator Benedikt Foit. Sein Ziel: Energiesparen soll Spaß machen. Und am Ende rechnet es sich natürlich auch – nicht nur für die Spielteams, sondern auch für das kleine Start-up. Das will die Spieleidee dank eines Zuschusses des Förderprogramms „Überlebenskunst“ zu einer Geschäftsidee ausbauen und auch auf andere Städte übertragen.

 

Deutsche Städte setzen auf´s Fairtrade-Siegel

Waren Sie in letzter Zeit einmal in Dortmund? Oder im bayrischen Sonthofen? Nein? Da sind Ihnen gleich zwei von insgesamt 19 deutschen Fairtrade-Städten durch die Lappen gegangen. 18 weitere bewerben sich zurzeit um den Status. Weltweit tragen inzwischen sogar knapp 800 Städte diese Auszeichnung, davon die meisten in Großbritannien und in Belgien.

„Fairtrade Town“ sagt Ihnen erst einmal nix? Mir bis vor kurzem auch nicht. Dabei ist das Prinzip recht simpel: Die Städte setzen sich aktiv für Fairtrade-Produkte ein. Diese garantieren den Erzeugern in ärmeren Ländern, dass sie einen festgelegten Mindestpreis für ihre Waren erhalten und zu einigermaßen vernünftigen und nachhaltigen Bedingungen produzieren können.

Fünf Kriterien müssen Städte erfüllen, damit sie sich mit dem Fairtrade-Siegel schmücken dürfen. Zum einen muss es einen Stadt-bzw. Gemeinderatsbeschluss geben, der sich eindeutig zur Unterstützung von Fairem Handel bekennt. Dann wird es eigentlich fast banal. Statt billigem Discounter-Kaffee soll der Bürgermeister  Fairtrade-Kaffee servieren. Eine Mindestzahl von Geschäften und Cafés muss Fairtrade-Produkte im Angebot haben. An den Schulen laufen Informationsveranstaltungen und die Presse berichtet regelmäßig über das Thema.

Was mich wirklich überrascht hat, ist, dass trotz klammer öffentlicher Kassen und Finanzkrise sich so viele Städte bei diesem Thema engagieren. Das hätte ich nicht gedacht, denn schließlich müssen solche sozialen Projekte ja oftmals für Kürzungsrunden herhalten. Nun wäre es natürlich wünschenswert, wenn nicht nur Produkte aus fairem Handel beim kommunalen Kaffeeklatsch aufgetischt werden, sondern auch Lebensmittel mit Bio-Siegel. Denn Fairtrade und Bio geht leider noch immer nicht Hand in Hand. Und wenn sich die ostdeutschen Städte auch aufraffen würden. Denn glaubt man dem aktuellen Städteverzeichnis, gibt es bislang noch keine einzige Fairtrade-Stadt in den neuen Bundesländern.