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Nachhaltigkeit

Zur Auszeit in die Seelenkiste

Von 24. Juli 2014 um 10:54 Uhr
Die Seelenkiste © allergutendinge

Die Seelenkiste © allergutendinge

Was für ein hübsches Häuschen, oder? Es nennt sich Seelenkiste und ist die Idee der drei Architekten Matthias Prüger, Manuel Rauwolf und Ulrike Wetzel von Team allergutendinge. Ein kleine Kiste, eine Forschungswerkstatt, die für die einfachen Dinge Platz bietet: Schlafen, Sitzen, Nachdenken. Ein Beitrag aus Deutschland zum internationalen tiny house movement, das vor allem in den USA beliebt ist. Die Idee dahinter lautet Reduktion: Das spart Kosten und vor allem Ressourcen.

Die Seelenkiste © allergutendinge

Die Seelenkiste © allergutendinge

“Viele Menschen wollen raus aus der Stadt, sich unabhängiger machen und auf Reisen gehen”, sagt die 28-jährige Architektin Ulrike Wetzel. Die Seelenkiste biete dazu die Möglichkeit: Weil sie aus verschiedenen Modulen bestehe, lasse sie sich zerlegen und an anderen Orten wieder aufbauen. Ein kleines Zwischendurchzuhause, “auf den menschlichen Maßstab bemessen”, wie Wetzel sagt.

Zurzeit steht die Seelenkiste auf dem Gelände der Bauhaus-Universität Weimar. Studenten haben bereits ein Test-Wochenende darin verbracht. Der Prototyp ist bereits zwei Jahre alt – aber wie so oft: Dank Blogs und anderen Websites wurde die Seelenkiste gerade wiederentdeckt. Wetzel überlegt jetzt mit ihren beiden Kollegen, das Konzept weiterzuentwickeln.

Damit das im größeren Stil passiert, bräuchte es sicherlich noch einige Ergänzungen. Die Seelenkiste ist zwar isoliert, aber eine Heizung gibt es nicht. Auch eine kleine Sanitärzelle wäre gut zu haben, einen Platz für einen Wassertank gibt es bereits. Dazu vielleicht eine Solarzelle aufs Dach – und schon steht der philosophischen Reise mit der Seelenkiste nicht mehr viel im Weg. Nun gut: Vielleicht noch jemand, der den jungen Architekten finanziell unter die Arme greift.

Die Deutschen sind vernarrt in Bio

Von 8. Juli 2014 um 16:10 Uhr
© David Ebener/dpa

© David Ebener/dpa

Die jüngsten Zahlen aus der Bio-Ecke lassen das Bundeslandwirtschaftsministerium einmal mehr Jubeln. Abgesehen von den USA gebe es kein Land auf der Welt, in dem sich Bio-Produkte so großer Beliebtheit erfreuen wie in Deutschland, sagte Minister Christian Schmidt (CSU) am Dienstag. Mit Bio-Produkten erwirtschafteten Unternehmer und Landwirte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Bio-Anbau macht inzwischen 6,4 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland aus. Gerade Rheinland-Pfalz, inzwischen ja rot-grün regiert, hat die Förderung für Öko-Anbau mächtig ausgeweitet. Die Fläche, die nach biologischen Kriterien bewirtschaftet wurde (keine Gentechnik, kein Spritzen), ist um ein Fünftel gestiegen. Weiter…

Die Abo-Jeans

Von 2. Juli 2014 um 15:46 Uhr

Wenn an diesem Donnerstag die Billigbillig-Modekette Primark den zweiten Flagship-Store in Berlin eröffnet, lohnt ein Blick nach Amsterdam. Dort verfolgt Bert van Son mit seinem Start-up Mud Jeans das Gegenmodell: die Abo-Jeans. Die Idee ist schnell erzählt: Für 20 Euro Startgebühr und monatlich sechs Euro können Kunden eine Jeans für ein Jahr mieten. Und zwar nicht irgendeine, sondern aus Biobaumwolle und ethisch produziert. Preislich unterscheidet sich Mud Jeans also kaum von anderen höherpreisigen, fair hergestellten Jeans.

© Richard Terborg/Mud Jeans

© Richard Terborg/Mud Jeans

Vor einem Jahr hat Mud Jeans im größeren Stil angefangen. Auf der Homepage schreibt van Son, dass er inzwischen 1.500 Kunden habe. Doch am Telefon erzählt er, dass diese Zahlen nicht mehr aktuell sind: Insgesamt seien es 3.000 Kunden, die seine Mietjeans in der ein oder anderen Form nutzten.

Spannend ist, dass van Sons Geschäftsidee aufzugehen scheint: Nur zehn Prozent der Kunden hat nach einem Jahr die Jeans zurückgeschickt und ist abgesprungen. 60 Prozent der Kunden bleiben dabei und wechseln auf ein neues Modell. 30 Prozent verlängern ihr Jeans-Abo um noch einmal vier Monate. “Wir machen keine Fast Fashion”, sagt van Son, der mit seinem Unternehmen noch keinen Gewinn macht, sondern von seinem Ersparten lebt. Wenn er etwa 2.000 bis 3.000 alte Jeans zurückbekommen hat, wird er diese nutzen, um damit aus recycelten Jeansfasern neue Jeans zu produzieren. Das ist – Achtung, sperriges Wort – Kreislaufwirtschaft in Perfektion. Die Alt-Jeans komplett zu Recyclingfasern aufzubereiten, ist zwar technisch noch nicht möglich, aber 30 Prozent sind schon jetzt machbar.

Zwei Studentinnen haben die Geschäftsidee wissenschaftlich ausgewertet. Interessant sind natürlich die Käufer oder genauer: Abonnenten. Zwei Gruppen hat Mud Jeans im Visier: Die Social Ecologists und die Liberal Intellectuals. (Lieber Leser, Sie können jetzt selbst entscheiden, ob Sie zu einer dieser Gruppe gehören könnten). Van Son schätzt, dass ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung bei rund 14 Prozent liegt. “Diese Zielgruppe ist doch enorm”, sagt van Son. Noch allerdings überwiegt, das wird die Primark-Eröffnung zeigen, die Fast-Fashion-Gruppe, die Mode im Schnelldurchlauf konsumiert.

Gegen diese Entwicklung will übrigens auch die EU-Kommission etwas tun. Wie passend, dass sie gerade am Mittwoch ihre neue Abfall- und Recyclingstrategie vorgestellt hat. Das Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen in der EU etwa 70 Prozent der Siedlungsabfälle und 80 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt werden. Und welches Unternehmen präsentiert Brüssel unter anderem als Vorbild? Überraschung: Mud Jeans – in diesem Video ab Minute 4:20.

Super-Stromkabel als Stromspeicher

Von 10. Juni 2014 um 14:58 Uhr

So beeindruckend die Idee der Energiewende ja auch ist – an einer wichtigen Stelle hakt es: Wohin mit all dem wunderbaren Ökostrom, wenn es gerade keine Nachfrage gibt? Speichern wäre toll, klar. Aber wenn es um die Details geht, wird es kompliziert: Müssen wir den Ökostrom zum Speichern erst aufwändig ins Ausland schaffen? Wie bekommen wir ihn möglichst effizient in Batterien für Elektroautos?

Aus Florida kommt jetzt eine neue Idee. Ein Team der Universität in Orlando hat im Labor ein Stromkabel entwickelt, das nicht nur Strom transportiert, sondern ihn zugleich auch speichern soll. Weiter…

Die Crowd entdeckt die Solarstraße

Von 2. Juni 2014 um 11:43 Uhr

Okay, manche Amerikaner lieben es wirklich schrill.
Ich sage nur: “Solar FREAKIN’ Roadways” und empfehle die ersten Minuten dieses Videos:

Hinter Solar Roadways steckt ein kleines Start-up aus Idaho, das mal eben die Straßen revolutionieren will. Es baut kleine, sechseckige Solarpanelen unter extra hartem Spezialglas, das sogar das Gewicht von LKW aushalten soll.

Die Idee: Statt Straßen aus Beton zu bauen, wollen Scott und Julie Brusaw Solarpanele verlegen. Diese produzieren Ökostrom (wenn alle Straßen in den USA mit Solarpanelen gebaut würden, ließe sich dreimal so viel Strom produzieren wie die USA gerade verbrauchen, will Scott Brusaw überschlagen haben). Außerdem sollen die Straßen auch noch sicherer sein, weil sie beheizt und mit LED-Leuchten ausgestattet sind. So sollen keine Unfälle mehr bei Glatteis oder mit Tieren passieren. In dem Straßenpaket ist zugleich auch noch ein Kanal für Datenkabel und ein Abwassersystem integriert. Die Brusaws sprechen von smarten Straßen.

Seit Ende April präsentiert das Paar auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo seine Idee. Eine Million US-Dollar wollen die beiden von Investoren einsammeln, um aus dem Prototypen-Stadium herauszukommen. Und die Crowd? Ist komplett fasziniert und hat bereits mehr als 1,8 Millionen Dollar spendiert (vielleicht lag das auch daran, dass es für eine Spende von 100 US-Dollar eine selbstgebastelte Lampe aus Solarzellen-Bruchstücken aus der Produktion gab). Solar Roadways ist damit die vierterfolgreichste Kampagne auf Indiegogo. Wegen des Erfolgs haben die Brusaws das Projekt auf der Plattform jetzt verlängert.

Was mir an der Idee gefällt, ist der Gedanke, dass wir wirklich noch mehr aus Straßen rausholen können. Der niederländischen Designer Dan Rosegaard experimentiert ja auch gerade mit schlauen Straßenmarkierungen. Das Konzept der Brusaws geht noch einen Schritt weiter, hier geht es nicht nur um Markierungen, sondern in den Solarpanelen sind eben auch gleich Mikroprozessoren verarbeitet.

Was leider nicht wirklich klar wird: Wie viel kostet denn nun eines dieser sechseckigen Solarpanele? Sicherlich ist es noch weit davon entfernt, sich in irgendeiner Weise zu rechnen. Und ergibt die Idee überhaupt in der Gesamtbilanz Sinn? Die Solarzelle muss ja erst einmal die Energie produzieren, die für ihre Beheizung und für die Mikroprozessoren gebraucht wird. Und dass sich jetzt Parkplätze anbieten als Installationsorte, auf denen ja am Ende Autos stehen und so die Solarzelle beschatten, ist auch nicht sofort überzeugend.

Kaum überraschend, dass die Community im Netz die Solar Roadways kontrovers diskutiert. “Why the Solar Roadways Project on Indiegogo is Actually Really Silly“, ist da noch ganz freundlich formuliert.

Hier übrigens ergänzend – Danke an die Kommentatoren unter diesem Blog – das Video der Kritiker: U.a. Wie bremst man überhaupt auf dem Belag?

Weltgrößter Solarpark geht in Arizona ans Netz

Von 14. Mai 2014 um 09:47 Uhr
Solarpark Agua Caliente © NRG Solar

Solarpark Agua Caliente © NRG Solar

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Unternehmen kennt offenbar nur den Superlativ: Vor wenigen Tagen hat NRG Solar, eine Tochter des US-Energiekonzerns NRG, in Arizona den “weltweit größten, einsatzfähigen Solarpark” fertiggestellt. Agua Caliente ist eine gigantische Fläche von Solarmodulen, irgendwo in der Öde zwischen den Städten Yuma und Phoenix.

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McDonald’s druckst herum

Von 29. April 2014 um 11:06 Uhr

Am Wochenende waren Deutschlands Gentechnik-Gegner alarmiert: Die Fastfoodkette McDonald’s hatte bekanntgegeben, ihren Zulieferern den Einsatz von gentechnisch verändertem Soja (GV-Soja) wieder zu erlauben. 13 Jahre lang hatte sich McDonald’s die Selbstverpflichtung auferlegt, auf Gentechnik im Hühnerfutter zu verzichten. McDonald’s ist nicht irgendwer, allein in Deutschland betreibt die Fastfoodkette mehr als 1.400 Restaurants. McDonald’s ist ein Großabnehmer in der Landwirtschaft, jedes Jahr verkauft die Kette allein mehr als 24.000 Tonnen Hühnerfleisch als Chicken Nuggets oder Chickenburger.

Irgendwie aber spricht der Konzern nur ungern über die Entscheidung. Ich rufe in Paris an. Gilt die Rolle rückwärts auch in anderen Ländern? In Frankreich hat eine externe Werbeagentur die Pressearbeit für McDonald’s übernommen. Die Dame ist sehr freundlich, aber auf die simple Frage: “Erlaubt McDonald’s Frankreich jetzt auch GV-Soja im Hühnerfutter?”, hat sie so schnell keine Antwort. Zwei Stunden später ruft sie nochmal an: Ob ich denn auch zu anderen Ländern recherchieren würde? Was genau ich schreiben wolle? Und ob ich schon in Kontakt mit der Europazentrale in London sei? Diesmal stellt sie die Fragen. Ein Antwort auf meine hat sie nicht, sie rufe noch einmal an. Das macht sie zwei Stunden später. Und verweist auf die Europazentrale. Sie dürfen nichts sagen.

London wiederum mailt mir abends um halb sieben ein Statement, das wiederum nur eine Übersetzung der deutschen Erklärung ist. In welchen Ländern McDonald’s das Verbot nun aufgibt, wird daraus nicht klar. Österreich bestätigt die Ausnahme, aber was ist mit Frankreich? Nachgefragt in London, nachts um halb elf kommt eine Antwort: Frankreich genießt weiterhin eine Ausnahme und bleibt gentechnikfrei. Die jüngste Lockerung “does not currently affect McDonald’s France. McDonald’s France still uses non-GM feed for their chickens”.

Liebes Management von McDonald’s, eine solche Informationspolitik ist ärgerlich, nicht nur für Journalisten, sondern auch für die Kunden. Wenn so viel über Transparenz gesprochen wird, dann bedeutet das nun einmal auch, den Kunden zu sagen, welche Art von Landwirtschaft man unterstützt. Auch wenn McDonald’s offenbar davon ausgeht, dass es die Kunden nur am Rande interessiert, wie das Essen in Burgern und Wraps produziert wurde.

Warum Frankreich an der Gentechnik-Freiheit festhält,  darüber lässt sich erst einmal nur spekulieren. Vielleicht sieht sich McDonald’s Deutschland stärker im Preiskampf als Frankreich: Der Mindestlohn, die steigenden Energiekosten: Die Bereitschaft, für eine Tonne Gentechnik-freie Soja einen Aufschlag von etwa einem Viertel zu zahlen, ist offenbar nicht mehr da. Die französische Politik und Bevölkerung sind seit Jahren Gentechnik-kritisch eingestellt, erst vor zwei Wochen verabschiedete die Nationalversammlung ein Anbauverbot von Genmais. José Bové, der französische Gentechnikkritiker, der 1999 als Protest eine McDonald’s-Filiale zerstörte, findet als neuer Spitzenkandidat der Grünen im Europawahlkampf ebenfalls Gehör.

Kalifornien experimentiert mit Pop-Up-Vogelschutzgebieten

Von 19. April 2014 um 09:09 Uhr

Ich habe ja einen gewissen Hang zu Crowdsourcing-Aktionen, nachdem ich mit meiner Kollegin Nadine Oberhuber mit Hilfe unserer Leser eine Recherche zu Dispozinsen gestemmt habe. Jetzt bin ich über ein ungewöhnliches Crowdsourcing-Projekt aus Kalifornien gestoßen, von dem nicht nur Landwirte, sondern auch die Natur profitieren. Die Naturschutzorganisation The Nature Conservancy hat es sich zum Ziel gesetzt, die Vogelzugstrecke Pacific Flyway wiederzubeleben. Die Strecke entlang der Westküste Amerikas ist eine der wichtigsten Flugrouten für Falken, Milane, Gänse oder Adler.

Es gibt nur ein Problem: Inzwischen gibt es kaum noch gute Landestätten für die Vögel. 95 Prozent der Feuchtgebiete, wo die Tiere üblicherweise einen Zwischenstopp einlegen, sind inzwischen verschwunden. Sie wurden für Agrarland umgebrochen, sind oder wurden ausgetrocknet. Und hier genau kommt eine App mit ins Spiel: eBird heißt sie und setzt auf die Mithilfe von Vogelliebhabern, die in den USA “Birders” genannt werden. Sie melden mit der App, wo sie gerade welche Vögel beobachten. Das Cornell Lab of Ornithology, eines der angesehensten Institute in der Vogelforschung, wertet diese Daten aus und ermittelt so, wo es noch mehr Landbedarf für die Vögel gibt.

Und dann kommt die Ökonomie mit ins Spiel. Salopp gesagt organisiert The Nature Conservancy eine “umgekehrte Auktion”. Welcher Farmer ist bereit, sein Land mit Wasser zu fluten und so den Vögeln neuen Nistraum zu bieten? Der Landwirt, der den geringsten Preis verlangt, bekommt den Zuschlag. Er erhält Geld und eröffnet im Gegenzug auf seinen Äckern ein Pop-Up-Vogelschutzgebiet.

Die Aktion kann schon erste Erfolge vermelden. Südlich von Sacramento, im Cosumnes River Preserve, fluteten Reisbauern gegen Cash ihre Felder. Mehr als 120.000 Vögel wurden daraufhin im vergangenen Dezember in der Region gesichtet – so viele wie seit Langem nicht mehr. Zurzeit werten die Wissenschaftler die Aktion aus. Im Herbst soll es weitere Pop-Up-Gebiete geben.

Gentechnik verdrängt Biobaumwolle

Von 9. April 2014 um 15:59 Uhr

Mode aus Biobaumwolle ist zu teuer? Wer das denkt, war lange nicht mehr bei C&A – und ja, ich gehöre auch dazu. Der Modekonzern hat sich der Biobaumwolle verschrieben und verkauft Textilien aus Biofasern zum gleichen Preis wie aus konventionellem Anbau. Inzwischen ist C&A der weltweit größte Einkäufer von Biobaumwolle und Anbieter von “Bioklamotten”. Wer hätte das gedacht. Der Biobaumwoll-Anteil an der gesamten Kollektion liegt bei 38 Prozent. Spätestens im Jahr 2020 will C&A komplett auf Biobaumwolle umstellen. Schließlich können Landwirte ihr Saatgut selbst produzieren, müssen keine Kredite aufnehmen, benötigen keinen Kunstdünger und erzielen auf den Märkten im Schnitt dank Prämienzahlungen höhere Preise. Auch die Böden profitieren, weil sie weniger ausgelaugt werden.

Alles wunderbar? Mitnichten, wenn man C&A glaubt. 2012 hat das Unternehmen seine Nachfrage um 78 Prozent gesteigert. Jetzt warnt das Unternehmen vor Lieferengpässen: Das Angebot von Biobaumwolle könne die Nachfrage nicht mehr decken. Allein in 2012 (aktuellere Zahlen sind noch nicht verfügbar) ging laut Textil Exchange das weltweite Biobaumwollangebot um acht Prozent zurück, während die Nachfrage weiter gestiegen ist. Landwirte, die umstellen wollen, brauchen einen langen Atem: Mindestens drei Jahre dauert es, bis ein Betrieb von konventionell auf Bio umgestellt hat. Gerade der richtige Umgang mit Dünger und die besten Anbaumethoden zu lernen ist anspruchsvoll und dauert Jahre. Viele Bauern scheuen genau diesen Aufwand.

Syrien fällt als Bio-Produzent weg

Die Knappheit hat viele Gründe. Syrien ist beispielsweise als wichtiger Lieferant aufgrund des Bürgerkriegs weggefallen. Zu Hochzeiten produzierte das Land jährlich rund 20.000 Tonnen Biobaumwolle, jetzt exportiert es überhaupt keine Biobaumwolle mehr. Dazukommen Dürren in den USA, gerade die Baumwollhochburg Texas ist von Ernteausfällen schwer getroffen.

Der wichtigste Player aber ist Indien, das inzwischen 74 Prozent der weltweiten Biobaumwolle bereitstellt. Das Land beliefert die Modekonzerne dieser Welt – doch am liebsten mit Gentechnik-Baumwolle. Der Anteil gentechnisch veränderter Baumwolle steigt dort seit Jahren, inzwischen liegt er laut Datenbank transGEN bei 92 Prozent. Das indische Textil-Fachmagazin Tecoya Trend schreibt, dass man bei der Biobaumwolle allein bis zum kommenden Jahr in Indien mit einem ein Mengeneinbruch von 50 Prozent rechne.

“Die Situation in Indien ist sehr wackelig, vor allem der Zugang zu gutem, gentechnikfreiem Saatgut ist kritisch”, warnte bereits Liesl Truscott von Textil Exchange im vergangenen Frühjahr. Das Problem ist nicht nur die Versorgung mit Saatgut, sondern eben auch die Verunreinigung von Biofeldern mit gentechnisch verändertem Material. “Das ist ein großes Risiko”, betont auch C&A. Biobauern trafen sich daher erst vergangene Woche in Indien und gründeten – mit Unterstützung von C&A – ein Gremium, dass unter indischen Bauern für die Umstellung auf Bio werben soll und an der Verbesserung von gentechnikfreiem Baumwollsaatgut. Da gibt’s noch genügend Potenzial nach oben: Biobaumwolle kommt bislang nur auf einen Marktanteil von gerade einmal ein Prozent.

Kirsten Brodde, eine Ökomode-Expertin und gern gesehene Mitautorin hier im Blog, ist sich nicht so sicher, wie clever die C&A-Warnung vor Lieferengpässen war. Wieder würde der Eindruck erweckt, dass Bio nicht aus der Nische käme und zu wenig Ertrag erwirtschafte. Das könnte die aktuellen Biobauern demotivieren.

Ich halte mal diese Statistik entgegen, die Roland Stelzner von der Biobaumwollmarke Cotonea in Eigenarbeit und etwas provisorisch erstellt hat.

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

Erträge von Baumwollbauern © Roland Stelzner mit Daten von ICAC

 

 

 

 

 

 

 

 

In welchem Land erwirtschaften Baumwollbauern die höchsten Erträge je Hektar? Und siehe da: Biobaumwollbauern halten locker mit konventionellen Bauern mit. Die kleinen lokalen Biobaumwoll-Initiativen in Kirgistan und Uganda kommen fast auf einen ähnlichen Output wie die konventionellen Baumwollbauern in hochindustrialisierten Landwirtschaften wie Australien und übertrumpfen sogar die Türkei und China.

Die besseren Smartphones

Von 31. Januar 2014 um 09:22 Uhr

Ich gestehe: Auch in meinen Schubladen und Bücherregalen lagern in den hintersten Ecken diverse ungenutzte Handys. Zu alt, zu langsam, keine Kamera. Das Problem ist offensichtlich: Wir alle wechseln viel zu oft unsere Mobiltelefone aus. Die Vereinten Nationen schätzen, dass allein im Jahr 2012 jeder Bürger weltweit im Schnitt sieben Kilogramm Elektroschrott produziert hat.

Im vergangenen Jahr hat daher das Fairphone aus den Niederlanden für Furore gesorgt. Es kostet rund 325 Euro – im Gegenzug kann sich der Käufer sicher sein, ein fair und ökologisch produziertes Smartphone in der Hand zu halten. Das Gerät wird zu sozialverträglichen Arbeitsbedingungen, ökologisch und mit fairen Löhnen produziert. Und am Ende soll es im besten Fall gar vollständig recycelt werden, in den wichtigsten Elektroschrottländern will das Unternehmen Recyclingkapazitäten aufbauen. Dafür sind etwa der Akku und das Display-Glas austauschbar.

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