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Hamburgs Wilde Küche

Der Amerikaner ist besser

 

Der Eingriffelige Weißdorn hat Konkurrenz bekommen: Die Früchte seines Verwandten aus den USA sind nicht nur größer, sie schmecken auch besser. Zum Beispiel im Salat.

Der Herbst ist jedes Jahr kulinarisch besonders spannend. Nach den aromatischen Kornelkirschen Anfang September und den Brombeeren, die jetzt im Oktober nur noch fade schmecken, steht man da und fragt sich: Kommt da jetzt noch was? Und oft macht man genau dann die Entdeckungen, die den Speisezettel bereichern.

Der amerikanische Weißdorn ist besser
Der amerikanische Weißdorn setzt farbliche und aromatische Akzente im Salat. (c) Lore Otto

Vor ein paar Wochen haben wir in einer Hecke einen uns unbekannten Strauch beziehungsweise kleinen Baum mit etwa einen Zentimeter großen knallroten Früchten entdeckt. Sie sahen zum Reinbeißen aus. Aber natürlich haben wir uns zuerst an die Bestimmung gemacht: Die Einordnung in die Rosengewächse, zu denen auch Hagebutten, Mehlbeeren und Äpfel gehören, ist einfach. Aber dann? Die Bestimmungsbücher heimischer Flora waren nicht sehr hilfreich.

Eine Recherche im Internet ergab schließlich, dass es sich um einen amerikanischen Cousin unseres Eingriffeligen Weißdorns handelte. Alle Weißdornfrüchte sind essbar. Aber während die einheimischen nur langweilig-mehlig schmecken, sind unsere amerikanischen sämig mit einem angenehm süß-fruchtigen Aroma. Sie eignen sich hervorragend zum Naschen, da man dank ihrer Größe das Fruchtfleisch mit den Zähnen von den vier bis fünf kleinen Steinkernen pulen kann.

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Die Früchte des Weißdorns schmecken süß-fruchtig.

Die Früchte passen aber auch gut in einen Salat. Wenn man zum Entkernen ein Messer nimmt, lassen sich mit dem Fruchtfleisch farbliche und aromatische Akzente setzen: Man nehme dazu zwei Hände voll Blattsalat der Saison, eine kleine gelbe Zucchini, eine Hand voller Brombeeren (ersatzweise einen säuerlichen Apfel) und eine Handvoll Früchte des amerikanischen Weißdorns. Darüber eine leichte Vinaigrette aus Sonnenblumenöl, Fruchtessig, Apfelsaft, einem Esslöffel Senf, etwas Honig, Salz und Pfeffer. Dieser farbenfrohe Salat gibt einem das Gefühl eines sonnigen Oktobers.

Wie gut, dass die Weißdornfrüchte erst nach und nach reif werden. Sie lassen sich bestimmt noch bis Monatsende ernten und füllen so die zeitliche Lücke bis zu den Schlehen, die wir nach dem ersten Frost pflücken.

3 Kommentare

  1.   Alois Hingerl

    Was hilfreich wäre, ist der botanische Name des Neophyten. Crataegus coccinea, syn. Crataegus pedicellata, oder was anderes?

    Ich hoffe, Sie haben das Ding eliminiert, Weißdorne neigen zum bastardisieren, da brauchen wir keine wilden Einkreuzungen in die heimischen Arten. Auch wenn Sie Ihen schmecken, gehören Exoten in den Garten und nicht in die Natur.

  2.   Kasha Rubini

    Wenn es das ist, was ich glaube, Frau Otto, dann haben diese Früchtchen fünf dicke Kerne, heißen in China Shan Li Hong, und erfreuen sich dortselbst einer großen Beliebtheit.
    Entkernt, auf einen Holzstab aufgespießt und mit kandiertem Zucker überzeugen gehen die im Moment weg wie die vielzitierten warmen Semmeln.

  3.   Forellin Müller

    Ein lateinischer Name würde ja helfen, dann kann man das pflanzen und in ein paar Jahren auch probieren. Der Blog hilft auch nicht weiter.