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Blohm + Voss

Tut weh, muss aber sein

 

Nach dem Verkauf von Blohm + Voss wird das Hamburger Werftgeschäft künftig vor allem aus Bremen gesteuert. Das ist gar nicht so schlimm.

Der Name, so heißt es, soll bleiben. Immerhin steht Blohm + Voss für das maritime Hamburg wie wenig anderes. Schon Schulkindern ist die Marke bekannt, dank der weißen Lettern auf den Docks gegenüber den Landungsbrücken. Die neuen Eigentümer der Traditionswerft wissen aus eigener Erfahrung um die Bedeutung des Titels. Dass es sich bei ihnen um die Bremer Familie Lürßen handelt, ist nicht nur deshalb ein gutes Zeichen.

Einige Zeit wisperte jeder Barkassenkapitän, der an Blohm + Voss vorbeischipperte, dass irgendwo dahinten, man dürfe jetzt nicht zu nah heranfahren, gerade an der Luxusjacht des Oligarchen Abramowitsch getüftelt werde. Auf diesen Glamour waren viele stolz. Für die Werft war der Glamour auch ein Problem.

Seit die großen Containerschiffe vor allem in Japan, Korea und China gebaut wurden, blieben den deutschen Werften nur Spezialisierung, Pleiten und Zerschlagung. Auch dafür steht der Name Blohm + Voss.

Nach Jahren von Umstrukturierung und Verkäufen gehörte das Unternehmen zuletzt dem britischen Finanzinvestor Star Capital. Unter ihm versuchte das Management verstärkt in den Bau von Superjachten einzusteigen. Doch der Markt ist klein und hart umkämpft. Selbst optimistische Schätzungen gehen von nur rund 20 Bestellungen pro Jahr aus. Weltweit.

So kamen nach dem Vorzeigeprojekt für Abramowitsch (eine 162 Meter lange Jacht namens Eclipse, mit eigener Disco und Raketenabwehrsystem) zu wenige Aufträge nach. Wegen der Russland- und Chinakrise, aber auch, weil das Geschäft mit launischen Oligarchen nicht ganz leicht ist. Wer sonst wie Blohm + Voss im Staatsauftrag Marineschiffe baut, setzt auf langfristige, stabile Pläne. Wer aber privat Millionen für eine Luxusjacht ausgibt, will für sein Geld bekommen, worauf er gerade Lust hat. Und bitte bis morgen. Da muss ein Unternehmen sehr beweglich sein. Lürssen hatte diesen Spagat zuletzt besser geschafft.

Man kann nun betrauern, dass Hamburgs Werftengeschäft künftig zu großen Teilen von Bremen aus gesteuert wird. Vor Blohm + Voss war bereits die nahe gelegene Norderwerft an Lürssen gegangen und ist bis heute ein reiner Reparaturbetrieb, was viele auch für Blohm + Voss befürchten. Hamburg als Werkbank für Bremen, welch Demütigung! So kann man denken.

Man kann den Städtepatriotismus aber auch beiseitelassen und sehen, dass nach Jahren der Zerschlagung im deutschen Schiffbau nun vielleicht eine Großwerft mit Zukunft entsteht – und Blohm + Voss Teil davon ist.