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Wohnungsbau

Die Hamburger SPD hält ihr Versprechen nicht ein

 

Der Senat rühmt sich seiner Wohnungsbaupolitik. Doch das sollte er mal besser bleiben lassen: Der Wohnungsmarkt bleibt nicht nur für Geringverdiener finster.

Auch vergangene Woche war der Senat wieder mächtig stolz: "Seit 2011 über 30.000 Wohnungen genehmigt" steht über der Pressemitteilung der Stadtentwicklungsbehörde. Im Kleingedruckten ist zu lesen, dass unter diesen Genehmigungen exakt 6233 geförderte Wohnungen sind. Das macht einen Anteil von etwa 20,7 Prozent. Hatte die SPD nicht erklärt, in Hamburg werde man bei Neubauvorhaben für den sogenannten Drittelmix sorgen? Sprich: ein Drittel Eigentumswohnungen, ein Drittel frei finanziert, ein Drittel Sozialwohnungen?

Versprochen war damit, dass mindestens 33 Prozent der neuen Wohnräume bezahlbar sein werden für Menschen mit kleinem Einkommen. Was leider auch nötig wäre: Rund 42 Prozent der Hamburger verdienen so wenig, dass sie Anspruch haben auf eine geförderte Wohnung. Selbst ein erfolgreich umgesetzter Drittelmix hätte die Not also nur gelindert.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Die SPD hält ihr Versprechen nämlich nicht. Bei einem Neubauprojekt vis-à-vis dem neuen Ikea-Klotz in Altona hatte der Bezirk sogar glatt vergessen, die Auflage von sozialem Wohnungsbau in den städtebaulichen Vertrag zu schreiben. Was einmal mehr den Eindruck nahelegt, dass die "Wohnungsbauoffensive" der regierenden SPD vor allem eine erfolgreiche PR-Strategie ist. Hauptsache, Neubaudaten, die irgendwie beeindruckend klingen. 30.000 Wohnungen! Mindestens 6000 pro Jahr! Das klingt so was von nach Planübererfüllung, damit wird man als Hamburger Bürgermeister in jede Gentrifizierungs-Talkshow eingeladen – Olaf Scholz erlebt es gerade.

Betrachten wir die Sache doch mal ganz nüchtern: Für Familien mit einem Durchschnittseinkommen kommen überhaupt nur 11 Prozent des Wohnungsangebots in dieser Stadt infrage, wie eine empirica-Studie von 2013 festgestellt hat. Im Bundesdurchschnitt sind es 35 Prozent. Im Jahre 2012 zogen netto fast 15.000 Neu-Hamburger in die Stadt, laut Statistikamt Nord sind das 7288 Haushalte. Dass also bei 6000 Wohnungen pro Jahr "der Wohnungsneubau den Wohnungsmarkt entlastet", wie Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau erklärt, ist ja einerseits gut und schön.

Andererseits ist dies aber auch eine Formulierung, die ein wenig die bittere Wahrheit parfümiert: Es sieht auch weiterhin – und nicht nur für Geringverdiener – auf dem Hamburger Wohnungsmarkt finster aus.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Artikels heißt es, die Zahl der zwischen 2011 und 2014 genehmigten Sozialwohnungen läge bei 3942, was einem Anteil von 13 Prozent an der Gesamtsumme der genehmigten Wohnungen entspräche. Diese Darstellung war nicht korrekt. Tatsächlich bezieht sich die Zahl 3942 nur auf die Anzahl der bereits gebauten und im Bau befindlichen Sozialwohnungen. Genehmigt wurden zwischen 2011 und 2014 30.087 Wohnungen.

8 Kommentare

  1.   Frau Koch

    Danke Herr Twickel für die klaren Worte. Hinzuweisen wäre vielleicht noch auf den gleichzeitigen Wohungsleerstand in Hamburg:
    http://www.leerstandsmelder.de/hamburg
    Die SPD hat sich schon lange vom „sozial“ verabschiedet, es geht um Vetternwirtschaft und persönlichen Profit.

  2.   inge reisinger

    ja die frage ist wer trägt verantwortung wenn ich diese behauptung aufstelle? der politiker der es hinausgetrönt hat ? ja wohl kaum sonst sähe es nicht so aus wie es aussieht, was macht einen guten kaufmann aus? er kann rechnen und weiß wann und wo zu investieren und letztendlich ist es immer die mischung die die lebensqualität ausmacht

  3.   Richard Ebert

    Der Autor schildert zwar blumenreich, das noch nicht genug gebaut wird – doch was soll statt dessen getan werde? Zurück zu den Zeiten von Ole von Beust, wo es ausser der Elbphilharmonie praktisch keinen Wohnungsbau gab? Ob das den Geringverdienern mehr hilft?

    Fakt es: Es gibt keine Alternative für eine wachsende Stadt (mit einer Riesenmasse von gut situierten Singles, die Sozialwohungen blockieren) als Bauen, Bauen, Bauen…


  4. trauen sich die sozen ja nicht an den leerstand
    weil wenn man schaut wie viel Wohnraum(ich glaub 2300 etwa, sorry hab die genauen zahlen nicht parat und hoffe darauf das die zeit die nachliefert) und dann noch mal wie viel Büroraum(und das in bester Wohnlage zum teil(auch hier wieder hab ich die zahlen gerade nicht zur hand(glaub 1million m²): Aber einmal durch hh fahren und man sieht das)

    aber hey wer hat noch mal gesagt Hamburg muss wie ein unternehmen geführt werden

    und bei einem unternehmen geht es nun mal nicht um die mitarbeiter sondern um gewinn
    von daher danke liebe spd(aber streicht doch endlich mal das s aus dem namen)

    was ich lustig finde ist das sich mitlerweile immer mehr leute fragen, ob das unter der cdu auch so schlimm wäre(ich komm aus nem eher linken spektrum und mein bekanntenkreis auch(also eher nicht cduaffin))
    so weit ist es mit der spd bereits, das wir glauben das sogar die cdu sozialer für hh ist als die spd

  5.   Stefan Johannson

    Tja, wer Herrn Twickel kennt, der weiß, dass er ein sehr angespanntes Verhältnis zur SPD hat und gerne Halbwahrheiten verbreitet. Das in Hamburg der Wohnungsmarkt angespannt wissen alle, es leugnet auch keiner. Dass nur 11% der Hambugrer mit niedrigerem Einkommen sich eine Wohnung in Hamburg leisten können, ist völliger Blödsinn. SAGA GWG und die Genossenschaften verfügen über 260.000 Wohnungen in Hamburg, die bezahlbar sind. Die zitierte Studie ist da völlig unscharf, danach liegt der Anteil in anderen Städten unter 1 Prozent, also hätten dort Familien gar keine Chance. Nein, Herr Twickel, es werden endlich wieder Wohnungen in Hamburg gebaut und Mittel är viele neue Sozialwohnungen bereitgestellt, viel mehr als bei schwarz und grün. Nehmen Sie das doch endlich zur Kenntnis. Und gerade die SPD sagt ja, da noch mindestens 60.000 weitere Wohnungen gebaut werden, aber da kneift ja ein Herr Twickel und blockiert eher vor Den Wohnungsneubau. Das ist unehrlich. Ihre SPD-Abneigung ist ja schon fast manisch. Die Unwahrheiten eines Herrn Twickel sind unerträglich.

  6.   Angrist

    Bei aller berechtigter Aufregung über Fehler der Politik, bzw der Beamten in den zuständigen Ämtern (wenn ich zb eine extrem wichtige Klausel in einem Vertrag vergessen würde, würde ich auf jeden Fall eine Abmahnung kriegen, wenn nicht mehr)
    frage ich mich doch, wieso es denn Hamburg sein muss?

    Für das was man dort an Mieten zahlt, kriegt man auf dem Lande dreimal so große Wohnungen. Und gerade bei Geringverdienern ist es doch so, dass es diese Job eben nicht nur in der Stadt gibt, sondern überall.

    Und durch die niedrigeren Preise auf dem Land, bleibt am Monatsende mehr, bzw überhaupt was, übrig.

    Klar hat man dort nicht die Hamburger Elbphilharmonie (aber die haben ja nicht mal die Hamburger ;) ), und auch nicht X Theater, Kino,Museen etc zur Auswahl,
    aber wer wenig verdient, geht da eh nicht rein, (vom Kino mal abgesehen) und selbst unter den normalverdienern wird nur äusserst selten Theater besucht, von Oper ganz zu schweigen.

  7.   Martha

    Also entweder hat Herr Twickel nicht viel verstanden und bringt daher einiges durcheinander.
    Oder er hat alles sehr wohl verstanden und verdreht die Tatsachen, bzw. unterschlägt so einiges ganz bewusst.
    Beides ist eigentlich nicht ZEIT-würdig. Sondern eher Mopo.

  8.   Owl88

    Ich persönlich finde es gut, dass Herr Twickel diese Augenwischerei der Politik anspricht. Leider fehlen in der Debatte um das Thema Wohnungsmarkt in Hamburg allgemein einige Punkte, die kaum angesprochen werden.
    Nicht genug, dass zu wenig sozialer Wohnraum entsteht.
    Daneben zeichnen sich die Neubauprojekte meist durch eine gekonnt schlechte Architektur aus.
    Die Größe der Neubauwohnungen entspricht überhaupt nicht der Nachfrage (sind meist viel zu groß und dadurch nochmal deutlich teurer).
    Die Grundrisse sind sehr unpraktisch, sodass selbst 80m2 Wohnungen oft kaum Raum für mehr als 2 Zimmer bieten und generell nicht attraktiv sind.
    Die Gentrifizierungswelle, die quasi durch halb Europa rollt, wird von den Neubauprojekten wohl kaum gestoppt. Gentrifizierung findet da statt, wo hauptsächlich Altbauten und Städtebau des 19./20. Jahrhunderts dominieren. Der Einheitsbrei aus globaler, uninspirierter, trister Stahl-Glas-Beton-Architektur ohne jeglichen Bezug zum Lokalen kann da sicher nicht die Dynamik der Gentrifizierung und ihre sozialen Folgen stoppen. Dazu fehlen den Neubauten einfach die Qualitäten der Altbauten (das soll jetzt kein Aufruf zum Historimsus sein, aber ein Appell an Architekten sich mehr Gedanken über ihre Arbeit zu machen) HafenCities gibt es mittlerweile genug auf dieser Welt, die alle gleich aussehen. Es wird Zeit umzudenken!