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FC St. Pauli

Wahre Liebe liegt auf dem Platz

 

Gegen den FC Heidenheim tat sich der FC St. Pauli lange schwer. Aber am Ende siegte die Freundschaft – mit 3:0.

Manche sagen Celtic Glasgow. Oder ist es der SC aus Freiburg? Die Frage, wer die besten Freunde des FC St. Pauli sind, lässt sich mit unterschiedlichen geografischen Angaben beantworten. Mit den Schotten verbindet uns der längste und intensivste Kontakt. Diese Liebe geht schon über mehrere Generationen. Von den deutschen Bundesliga-Gegnern sind in der Regel die Breisgauer diejenigen, die am herzlichsten empfangen werden. Kommt die Union aus Berlin, geht es zumindest entspannt zu und her. Dicke Freundschaften pflegen einige unserer Ultras auch mit Bayerns Schickeria. Und natürlich mit den Fans des SV Babelsberg – den wir allerdings in den Meisterschaften eher selten am Millerntor zu sehen bekommen. Es wäre jedes Mal ein Fest.

Die Treffen mit den Leipzigern waren ebenfalls höchst erfreulich. Der mit Brause gesponserte Club bekam am Millerntor zweimal eine schöne Abfuhr – trotzdem ließen sich seine lustig sächselnden Fans davon nicht die gute Laune verderben. Allerdings träfe man mit einer Freundschaftsbekundung in diese Richtung nicht zwingend den Stimmungsmainstream im Verein. Auch nicht gut käme es an, die sogenannten Fanfreundschaften mit den Kölnern und den 1860ern aus München wiederzubeleben. Aber daran denkt ja auch keiner.

Sympathien zu Werder Bremen, dem HSV-Erzfeind, sind ebenfalls nicht jedermanns Gusto, obwohl momentan unsere beiden verdienten Ex-Kicker Max Kruse und Finn Bartels diesen Verein aus der Abstiegszone nach Europa schießen – und der unsterbliche Florian Bruuuuuuns auf der Trainerbank hockt. Unproblematischer sind Grußadressen über längere Distanz. Zum Beispiel an unseren regelmäßigen Sparringspartner FC Winterthur (der uns nicht unähnlich gegen den Abstieg in die dritthöchste eidgenössische Liga kämpft). Oder in Richtung AEK Athen, Olympique Marseille, Girondins Bordeaux, Athletic Bilbao, AS Livorno, Bohemians Prag, Hapoel Tel Aviv oder Standard Lüttich.

St. Paulis Mats Möller Daehli jubelt über seinen Treffer zum 2-0. (c) dpa

Sicherheitschef Sven Brux verriet einst der Mopo, wie man am ehesten in Erfahrung bringt, in welchen Vereinen sich zugewandte Supporter finden lassen: "Den besten Überblick erhält man anhand der Aufkleber überall im Jolly Roger." Auch die Klos im Café Miller oder im Knust sind für den Einstieg passable Rechercheadressen.

Längst aber drängt ein weiterer Verein in unseren Freundeskreis. Der Club tut dies nicht nur durch Sympathiekundgebungen. Er leistet viel mehr. Er beweist die Liebe zu uns auf dem Platz. Vom FC Heidenheim ist die Rede, und von seiner zuverlässigen Schützenhilfe.

Wer erinnert sich nicht ans Frühjahr 2015. Um ein Haar hätten wir damals zwei Relegationsspiele im Fahrstuhlschacht zur Dritten Liga spielen müssen, hätte nicht der FC Heidenheim zu Hause die Erzgebirgler aus Aue im dramatischen letzten Saisonspiel in Schach gehalten – uns zuliebe. Jenem Unentschieden der Schwaben verdanken wir, dass wir am 24. Mai 2015 entspannt in die Sommerpause gehen konnten.

Und nun wieder. Am vergangenen Freitagabend musste unbedingt ein Sieg her. Eine Halbzeit lang versuchte es der FC St. Pauli vergeblich. Wir kontrollierten die Freunde, schufen aber keine zwingenden Szenen. In der Not kamen uns die lieben Heidenheimer erneut im Kampf gegen den Abstieg entgegen. Ihr Stürmer John Verhoek lieferte, was wir während seiner Zeit beim FC St. Pauli immer wieder so schmerzlich vermisst hatten: einen Treffer für uns. Als Heidenheimer befreite er uns nun mit seinem Brust-Eigentor von den ärgsten Abstiegssorgen, indem er uns auf den Weg zum Dreier schickte. Drei Minuten später das zweite Geschenk: FCH-Keeper Kevin Müller spielte den Ball millimetergenau in die Füße von Mats Möller Daehli, der ihn elegant umkurvte und zum 2:0 einnetzte. Für das dritte Tor brauchten wir dann keine Unterstützung mehr. Ohne Zutun unserer neuen besten Freunde besorgte Aziz Bouhaddouz den Endstand.

Natürlich bleiben die Fans von Celtic Glasgow unsere Vertrautesten. Aber ewige Liebe entsteht nur, wenn man sie nicht nur neben dem Platz zeigt. Freiburger, Babelsberger, Winterthurer: Nehmt euch ein Beispiel an den Schwaben! Schießt auch ihr uns aus der Abstiegszone! Ballert uns nach oben!

1 Kommentar

  1.   stagger_lee

    „Kommt die Union aus Berlin, geht es zumindest entspannt zu“

    Wer kommt denn bitte auf diesen Trichter? Bei jedem der bisherigen Aufeinandertreffen etliche gewalttätige Attacken. Besucher der Abseitsfalle (Union-Vereinskneipe) werden krankenhausreif geprügelt. St. Pauli-Fans werden heimlich quer durch die Stadt verfolgt, um beim Aussteigen aus der U-Bahn auf sie einzukloppen und dann ihr Banner zu klauen. Trikots, Schals etc. werden geraubt, die Trophäensammlung hängt dann demonstrativ im Unionblock und wird später verbrannt. Nazis ziehen gröhlend durch den Kiez. Keine Frage – nur ein Teil des Anhangs, aber eben auch kein so geringer und ein vor allem geduldeter. Wie heißt es so treffend: Bei Unionern weißt du nie, ob sie dich gleich zum Bier einladen oder dir aufs Maul hauen. Und das ist eben der Unterschied zu Freiburg und etlichen anderen Fanszenen.