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Bürgerschaftswahl Hamburg

Ganz große Koalition

 

Im Wahlkampf haben die Parteien über vieles gestritten – nur das Thema Umweltschutz war fast allen egal.

Mehr Polizisten einstellen, mehr Geld in den Hafen investieren, die Olympiabewerbung voranbringen – derlei Forderungen hat man pausenlos gehört in den vergangenen Wochen. Fast so oft wie die empörte Aufforderung, endlich das »sinnlose Busbeschleunigungsprogramm« zu stoppen. Über ein wichtiges, womöglich zentrales Zukunftsthema sprach dagegen niemand.

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Windenergieanlage auf dem Energieberg Georgswerder in Hamburg (c) dpa

Es gibt in Hamburg eine ganz große Koalition, der das Thema Umweltschutz im Wahlkampf nur eines war: egal. Wie eine Stadt mit demnächst wohl zwei Millionen Einwohnern in Zukunft bessere Atemluft haben und weniger Ressourcen verbrauchen könnte, darüber war in all den lauten Reden praktisch nichts zu erfahren. Allenfalls die Grünen widmeten sich pflichtbewusst ihrem Stammthema, Gehör fanden sie kaum.

Liegt es daran, dass in Hamburg einfach alles prima ist, wie es die SPD gern verkündet? Keineswegs. Vor Kurzem wurde die Stadt vom Verwaltungsgericht verurteilt, weil der Grenzwert des gesundheitsgefährdenden Reizgases NO₂ vielerorts in Hamburg deutlich überschritten wird. Im Hafen lassen die Schiffe ihre Motoren auch an der Kaimauer weiterlaufen wie eh und je. Seine Klimaschutzziele wird Hamburg weit verfehlen, Geld dafür wurde gekürzt.

Die wirtschaftsnahe SPD macht Umweltpolitik leise, lustlos und vor allem dort, wo es sich nicht verhindern lässt. Dort anzugreifen wäre eine Chance für die Konkurrenz gewesen. Sie hat sie verpasst. Erst nach der Wahl könnte das Thema plötzlich doch noch Konjunktur bekommen: falls es zu rot-grünen Koalitionsgesprächen kommt.

3 Kommentare


  1. um mit diesem Thema punkten zu können?
    Vielleicht liegt es auch an einem verzerrten Medienbild Hamburgs aber es scheint mir, dass der Durchschnittswähler Hamburgs vorallem eine Nimby Einstellung gegenüber EE, Migranten, Asylbewerbern, ÖPNV, schwächeren Schülern… pflegt. Wahrscheinlich sind es nur die, die am lautesten schreien – aber hätte man im Wahlkampf wirklich mit Umwelt punkten können?

  2.   Hansi

    hat unter Anderem dort angesetzt, aber die geringe Medienpräsenz hat dazu geführt, dass so ein Bild wie es der Autor beschreibt, zustande kommt.


  3. Oh, wie Recht Sie haben, Herr Widmann.
    So eine Entwicklung des „Verschlafens“ von Zukunftsthemen kann aber auch nur entstehen, wenn die Medien nicht genug von der Politik EINFORDERN. Pflichtbewusst Fakten berichten ist das EINE, die Parteien aber vor sich hertreiben in die notwendigen Themen, ist genau so wichtig. Aber in der Rubrik „Wirtschaft“ + „Hamburg“, nicht nur in der Rubrik „Wissen“ oder „Natur“.
    Der andere Teil dieses Problems liegt aber auch tatsächlich bei den Parteien selber .
    Wenn da nicht Leute mit Stimmgewalt in den Parteisitzungen diese ökologischen Gesichtspunkte nach vorne bringen, dann ist das eben leider so.
    Aber nun haben Sie ja einen Keim gelegt, welche in den Koalitionsverhandlungen noch Etwas ergeben kann.
    Ich selber habe zu meinem „Spezialthema“ Schiffsabgase und Windschiffe von mehreren Parteien keine Echos erhalten.
    Aber dazu kontakte ich Sie einmal direkt, MfG – H.Otto
    es