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Hamburger SV

Ruhig, ganz ruhig

 

Das 1:1-Remis gegen Köln ist das sechste sieglose Spiel des HSV in Folge – und doch kein Grund zu verstärkter Sorge. Angesagt ist Gelassenheit.

Der HSV spielt schlechter als der Gegner, sichert sich aber mit einem Distanzschuss ein 1:1-Remis – na, klingelt da was? Richtig, das Relegationsspiel. Karlsruhe trifft und rennt, der HSV mauert, am Ende schnappt sich Marcelo Díaz den Ball und zirkelt ihn ins Tor. Nicht einmal ein Jahr her, aber längst vergangene Zeiten, meinte man.

Und jetzt, gerade mal drei Spiele der Rückrunde sind gespielt, spuken diese Bilder doch wieder durchs Volksparkstadion. Der HSV spielt bescheiden, er verkrampft. Eine Niederlage gegen die Bayern, eine gegen Stuttgart und dann das: ein 1:1-Unentschieden gegen scheinbar überlegene Kölner, das Tor des HSV fällt durch einen Distanzschuss von Nicolai Müller. Logisch, das alarmiert die Fans.

Ein Unentschieden gegen den 1. FC Köln, im eigenen Stadion? Viel zu wenig. Schon zur Halbzeit pfiff das Publikum die Mannschaft am Sonntagnachmittag aus. Man kann das verstehen. Denn es sind jetzt nur noch vier Punkte bis zum vermaledeiten 16. Tabellenplatz, der wieder zu einem Relegationsspiel führen würde.

Auf der anderen Seite ist die Erwartungshaltung, die hinter diesen Pfiffen steckt, gerade jetzt wahnsinnig kontraproduktiv. Liest man die Tabelle von oben und nicht von unten, dann sieht man, dass der HSV auch nur vier Punkte vom achten Platz entfernt ist. Kein Grund, gleich wieder von der Europa League zu träumen, aber: Es zeigt, wie viele Mannschaften in der Bundesliga auf einem ähnlichen Niveau spielen.

Es gibt sieben Mannschaften, die sich um eine Champions-League-Teilnahme duellieren und zwei, die von Anfang an bewusst nur gegen den Abstieg kämpfen (Darmstadt und Ingolstadt). Alle anderen haben ähnliche Ambitionen: ein sicherer Platz im Mittelmaß und dann mal gucken, was so geht.

Auch wenn die jeweiligen Fans das natürlich anders sehen, sind Augsburg, Stuttgart, Köln und auch der HSV letztlich etwa gleich stark. Nuancen entscheiden darüber, wer die Begegnungen dieser Teams gewinnt. Sie stecken nicht in den Beinen, sondern in den Köpfen. Es bringt nichts, wenn beim HSV nach sechs sieglosen Spielen alle anfangen, sich vor dem Abstieg oder zunächst vor einem erneuten Relegationsspiel zu fürchten. Besser ist, jetzt Ruhe zu bewahren.

Vielleicht hilft es, sich bewusst zu machen, dass man gegenüber der Konkurrenz einen großen Vorteil besitzt: Kein Verein der 1. Bundesliga weiß aktuell so gut wie der HSV, wie Abstiegskampf funktioniert. Niemand sonst weiß, wie dramatisch wichtig ein 1:1-Remis sein kann. So gesehen ist das Spiel gegen Köln absolut kein Grund, panisch zu werden. Angesagt ist jetzt Gelassenheit. Dann wird es gut ausgehen.

Gewöhnlich schreibt Aimen Abdulaziz-Said die HSV-Kolumne "Sergejs Erben", er war diese Woche allerdings verhindert.