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Hapag-Lloyd

Ein Bund fürs Überleben

 

Hapag-Lloyd schreibt schon wieder Verluste – doch der Chef hat große Pläne: eine Allianz mit fünf Konkurrenten. Fraglich, ob das die Reederei nach vorne bringt.

Die Freude währte nur kurz: Ende März gab Hamburgs größte Reederei Hapag-Lloyd zum ersten Mal seit Langem wieder einen Jahresgewinn bekannt, trotz Krise. In den ersten drei Monaten des aktuellen Jahres schreibt das Unternehmen aber schon wieder rote Zahlen.

Zwar hat Hapag-Lloyd in dieser Zeit mehr transportiert als im Vorjahr, konnte dafür aber nur deutlich weniger Geld verlangen. Am Ende blieben knapp 43 Millionen Euro Verluste. Bislang peilte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen auch für dieses Jahr wieder einen Gewinn an, Vorstandschefs sind immer auch Optimisten.

Helfen sollen ein weiteres Sparprogramm und die angekündigte Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Sie würde Hapag-Lloyd wieder auf Platz fünf der weltgrößten Reedereien heben. Die Größe zählt derzeit mehr als alles andere im Reedereigeschäft. Wer überleben will, braucht Marktanteile und große Schiffe. Beides würde Hapag-Lloyd durch den Zusammenschluss mit UASC bekommen. Und noch eine aktuelle Nachricht passt zu diesem Weg: Die Reederei will sich mit fünf Konkurrenten zu einer neuen Allianz zusammenschließen.

Mit derartigen Partnerschaften lasten die Reeder ihre Schiffe besser aus und können mehr Häfen in ihren Fahrplan aufnehmen – das freut die Kunden. Vergleichbar ist das Modell mit den Allianzen großer Fluggesellschaften: Wer Lufthansa bucht, könnte am Ende mit Air Dolomiti fliegen, aber er hat viele Ziele zur Auswahl.

Das neue Bündnis soll kommendes Jahr im April starten, es ist zunächst für fünf Jahre geplant (vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu). Mehr als 620 Schiffe mit Platz für dreieinhalb Millionen Container koordinieren die sechs Reedereien dann gemeinsam, das ist ein knappes Fünftel der weltweiten Kapazität. THE Alliance heißt der Bund. Ein Name, der den Anspruch klarmacht: Das Bündnis auf den Weltmeeren will man sein.

Die Wirklichkeit ist etwas schnöder: Trotz der vielen Mitglieder zählt THE Alliance lediglich zu den Kleinen unter den Großen. Und wie sehr die neue Allianz Hapag-Lloyd nach vorne bringt, ist unklar. Schließlich war die Hamburger Reederei auch bislang schon Mitglied in solch einem Bündnis. Es hieß G6 und galt eine Zeit lang als das zweitgrößte auf dem Markt – bis manche Partner zur Konkurrenz wechselten oder einfach übernommen wurden. Die neue Allianz wird nur noch die Nummer drei sein. Böse formuliert könnte man sagen: Für Hapag-Lloyd bleiben nur die Reste.

Umso wichtiger ist es, dass bald weitere Partner hinzukommen, zum Beispiel durch die Fusion mit UASC. Doch der Zusammenschluss wird nicht einfach. Er wird Kraft und Geld kosten, jedenfalls wenn die bisherigen Eigentümer von Hapag-Lloyd, darunter die Stadt Hamburg, in dem fusionierten Unternehmen weiterhin so viel Einfluss haben wollen wie bisher. Dafür müssten sie ihre Anteile aufstocken.

Reedereichef Habben Jansen bleibt dennoch nicht viel anderes übrig. Er ist ein Getriebener, er tut, was unumgänglich ist: sparen, fusionieren, zusammenarbeiten. Im Moment ist nicht die Zeit für hochtrabende Wünsche. Es geht einfach nur ums Überleben.

2 Kommentare

  1.   Insider

    Nette Aufzählung von bekannten Fakten.
    Es gibt viel mehr Bewegung im europäischen Reedereigeschäft als öffentlich bekannt ist.
    Egal wie Hapag strampelt, Sie werden es nicht nach vorne schaffen. Eine völlig überladene Verwaltung in Hamburg ( in Reedereikreisen wird HL auch the Ministry genannt) , teilweise völlig überdimensionierte Niederlassungen Weltweit, Zugehörigkeit zu diversen Bündnissen, schlechter Einkauf, nur teilweise verwirklichter Börsengang, Abhängigkeit von HH und K&N usw.

    Ich würde mich freuen, wenn jemand mal länger im Markt recherchieren würde und die dort tätigen befragt. Es gibt mehrere deutscher Reedereien denen es besser als HL geht und die weltweit mitspielen.

  2.   Marctup

    Der Insider hat Recht! In der Tat ist es so das es dem Unternehmen aufgrund der doch sehr langen Dienstwege vieles im Sande verläuft.
    Diese Problematiken finden sich aber schon seit Jahrzehnten bei HL. Selbst während der Bankenkrise im Jahr 2009 gelang es trotz Umstrukturierung nicht effizienter und flexibler auf Situationen zu reagieren.
    Allerdings lag es nicht nur am VS, sondern auch an den unteren Level welches sich ja auch nicht gern Kompetenzen wegnehmen sah.
    Der Fairness sollte man allerdings auch schreiben, dass schon viele Probleme natürlich hausgemacht sind. Allerdings hat die ehemalige Mutter TUI einen nicht unerheblichen Teil an Missmanagement mitzutragen. Selbst die neuen Gesellschafter sind im Oktober 2008 über den Tisch gezogen worden und mit falschen Zahlen gefüttert worden. Dieses wurde aber erst im Januar 2009 bekannt. Da wollte sich natürlich keiner mehr eingestehen wollen betrogen worden zu sein ( inkl. die Stadt Hamburg).
    Auch Herr Kühne ( damals noch mit Berater Ex Finanzsenator Wolfgang Peiner) hat es schlecht verdauen können von Herrn Dr.Michael Frenzel doch so getäuscht worden zu sein. Für ein Alphatier seines Kalibers der Supergau!

    Egal aber auch, denn ich denke die Firma hat es verdient weiter zu kommen da sie eine tolle Historie hat. Und wäre es 1997 nicht von der Übernahme von TUI ( damals Preussag) gekommen, dann stände das Unternehmen bestimmt heute auch anders da.

    Wie sagte doch der damalige Vorstandsvorsitzende Bernd Wrede anlässlich einer Aussstellung 1998 in Hannover vor geladenem Publikum:

    „Hapag-Lloyd ist in seiner Geschichte nur zweimal fremdbestimmt worden. Das war zur Zeit der NS, und heute durch Preussag (TUI)“.

    Ganz Unrecht hatte er da ja nicht,oder ? :-)