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Handball

Mit leeren Händen

 

Die Handballer des HSV stehen vor der Insolvenz. Ihr Mäzenaten-Papa Andreas Rudolph wird es diesmal nicht richten, zumindest nicht allein. Das ist gut so.

HSV gegen den SC Magdeburg – eigentlich ein ganz gewöhnliches Spiel in der Handball-Bundesliga. Nicht so am vergangenen Sonntag: Da kamen 9156 Zuschauer, Saisonrekord, und die meisten feierten den HSV nach Spielschluss mit Standing Ovations.

Der Grund dafür war nicht der Sieg, der HSV gewann sein letztes Heimspiel mit 27 : 22. Die Fans wollten zeigen, dass sie zu ihrem Verein stehen, obwohl dieser gerade einen Insolvenzantrag gestellt hat und seine Zukunft völlig unklar ist. Ein nettes Zeichen, gewiss, es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der HSV Hamburg gescheitert ist. Gescheitert ist der Verein mit dem Modell, auf einen einzigen Mäzen zu bauen. Er hat sich abhängig gemacht von der Gunst des Medizintechnik-Unternehmers Andreas Rudolph, der nun nicht mehr bereit ist, die offenen Rechnungen des HSV zu begleichen. Spätestens Ende Januar soll ein Konzept vorliegen, wie es weitergeht. Will der HSV für die nächste Spielzeit eine Bundesliga-Lizenz erhalten, benötigt er angeblich fünf Millionen Euro.

Das Problem ist, dass Rudolph sich verhält wie ein Vater, der sein pubertierendes Kind vor die Tür setzt. Er hat es satt, dass es ständig zu ihm gerannt kommt, wenn es etwas ausgefressen hat. Es soll lernen, selbst für sein Geld zu sorgen. Gleichzeitig flüstert er ihm aber zu, dass es zu ihm zurückkehren könne, wenn es sich gebessert habe. Er würde wieder in den HSV investieren, verkündete Rudolph, allerdings nur, wenn sich auch andere Geldgeber fänden. Wer das sein könnte, darüber wird viel spekuliert. Zwei Namen, die immer wieder fallen: Jürgen Hunke und Alexander Otto, zwei große Mäzene der Stadt.

Der HSV muss diesen Verlockungen, sollten sie sich denn bewahrheiten, widerstehen. Der Verein kann auf Dauer nur bestehen, wenn er sich vom Mäzenatentum löst. Er muss die alten Verstrickungen mit Andreas Rudolph klären – und sich dann von ihm abwenden. Denn der Verein braucht keinen Gönner, der ihn erziehen will und bei Spielerkäufen mitredet. Er braucht Geschäftspartner. Er braucht Firmen, die den HSV so stark finden, dass sie ihm viel Geld zusichern, wenn ihr Logo dafür auf seinen Trikots oder Werbebanden prangt. Findet der HSV diese Firmen nicht, bleibt ihm nur eins: der Neuanfang in unteren Ligen. Das wäre hart, vor allem für die Fans. Aber der einzige Weg, die Zukunft des Vereins langfristig zu sichern.

1 Kommentar

  1.   Friedwald

    „….der Neuanfang in unteren Ligen…..der einzige Weg, die Zukunft des Vereins langfristig zu sichern. “

    Die Logik habe ich jetzt nicht wirklich verstanden:
    Mäzenatentum ist also nichts für diesen Verein, dann lieber Neuanfang und darum zurück in die unteren Ligen.

    Und dort erfolgt dann das große Wunder und der HSV Handball kommt von dort wieder in die oberste Liga ohne Mäzenatentum? Darf ich fragen woher das Geld auf diesem Weg dann kommen soll? Fäll es etwa vom Himmel oder gibt es so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz „Wer tief fällt wird von Geschäftsleuten für so attraktiv gehalten, das er sie wieder in die oberste Liga finanziert“?

    Wenn man oben nur mit Mäzen mitspielen kann und dieses in Zukunft nicht mehr will, dann verzichtet man auf eine von 2 möglichen Einnahmesäulen.
    Wenn man nur noch auf Investoren („Geschäftspartner“) setzen will, dann kann man das tun, nur weiß ich nicht, wieso man sich dadurch attraktiver gestaltet, indem man im Nirwana „neu anfangen will“. Was sollte potentielle Investoren davon abhalten in Mannschaften zu investieren, die dann statt Provinzhandball einen akutellen Topclubs in der deutschen Liga zu bieten haben? Oder gibt es im Handball nur „Geschäftspartner“ mit regionalen Tellerrandblick, die nur in Hamburg und sonst nirgends „Geschäfte“ machen wollen?