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Unerwartet & Unbemerkt

Wenn Medien und Fahrräder verschwinden

 

Ist Hamburg wirklich eine Medienstadt? Und was macht die Polizei, wenn sie mal ein geklautes Fahrrad wiederfindet? Eine neue Folge der Kolumne "Unerwartet & Unbemerkt"

Unerwartet

Hyperlokale Onlinemedien gelten als ebenso zukunftsträchtiges wie spannendes Modell. Für Außenstehende etwas unerwartet kam daher die Schließung zweier Hamburger Hyperlokal-Anbieter. Als HH-Mittendrin 2012 startete, erlangte es vor allem in der Medienbranche rasch Aufmerksamkeit, da die überwiegend jungen Journalisten mit Nachdruck an Themen dranblieben, vor Ort waren und oftmals auch live via Smartphone berichteten. Zu manchen Demonstrationen in der Schanze oder während des Gefahrengebiets St. Pauli gingen bisweilen sogar die Server in die Knie.

Doch Geld verdiente das Onlinemagazin nie ausreichend. Und so erschienen im Laufe des Jahres schon immer weniger Beiträge bei HH-Mittendrin, da die Verantwortlichen an anderer Stelle ihr Geld verdienen mussten. Zum Monatsbeginn folgte dann das endgültige, offizielle Aus. Chefredakteurin Isabella David schrieb: "Da wir es in den vergangenen Jahren nicht geschafft haben, HH-Mittendrin finanziell auf einen grünen Zweig zu bringen, mussten wir schweren Herzens die Entscheidung treffen, dass es von nun an nicht mehr weitergehen wird." Eine Entscheidung, die von vielen bedauert wurde. Auch bei ZEIT ONLINE schrieb Steffen Richter in einer Art Nachruf, dass die HH-Mittendrin-Autoren "immer nah an den Menschen und der lokalen Politik waren".

Doch nicht nur HH-Mittendrin stellte im Juni seine Arbeit ein, auch WilhelmsburgOnline.de wird nicht weiter betrieben. Die Ursachen sind hier dieselben wie bei den Kollegen. Wie der Name bereits sagt, widmete sich dieses Magazin dem Geschehen im Stadtteil Wilhelmsburg. Bereits zum Mai stellte das Hamburger Abendblatt sein St. Pauli-Blog ein. Und die Onlinezeitung für Altona, Altona.info, sucht weiter einen Käufer. Gilt Hamburg im Großen nach wie vor als Medienstadt, so ist die Medienvielfalt im Kleinen, eher unbemerkt, vor allem in den letzten Wochen kleiner geworden.

Unbemerkt

Unbemerkt wird Woche für Woche, Tag für Tag, Hamburgern ihr Fahrrad geklaut. Längst gilt die Devise: Das Schloss sollte mindestens halb so viel Geld kosten wie das Fahrrad. Doch auch das hilft nicht immer. Und ist das Rad einmal weg, kommt es selten zurück. Gelegentlich gelingt es der Polizei aber doch, Diebesgut aufzulesen. Dann steht sie vor einem neuen Problem: Wem gehören die Räder eigentlich? Aufgrund der miserablen Erfolgsquote melden nur wenige ihr Rad als gestohlen.

Die Polizei Hamburg hat deshalb ein neues Portal online gestellt, auf dem sie Fotos aufgegriffener Räder veröffentlicht, von denen sie die Besitzer nicht kennt. Gleichzeitig rufen die Ordnungshüter dazu auf, die Rahmennummer des eigenen Rads zu notieren und bei der Diebstahlmeldung anzugeben, um so ein Rad einwandfrei zuordnen zu können: "Nur über individuelle Merkmale lässt sich ein Fahrrad zuordnen. Viele Räder werden an das Fundbüro ausgehändigt oder müssen den mutmaßlichen Tätern zurückgegeben werden, wenn wir keine Straftat nachweisen können", schreibt die Polizei auf Facebook.

Dort weist sie übrigens auch darauf hin, dass zum Start des Fahrräder-suchen-ihr-Zuhause-Portals auch Bilder von Rädern enthalten sind, die sich nicht im Besitz der Polizei befinden. Sie wurden von einem Fahrraddieb aufgenommen, der die Räder bei eBay-Kleinanzeigen anbot und erst klaute, wenn ein Käufer Interesse zeigte. Auch hier sucht die Polizei die eigentlichen Besitzer und schreibt: "Sollte euch eines davon gestohlen worden sein: Wir wüssten schon einen Tatverdächtigen und könnten ihn gezielt zum Verbleib des Fahrrads befragen."

1 Kommentar

  1.   halbrecht

    Netter Versuch, leider zum Scheitern verurteilt. Der Schutz privaten Eigentums steht auf der Prioritätsskala der überforderten Polizei ganz unten, das wurde mir vor Jahren auf einer Polizeiwache ganz offen gesagt, als ich einen Autoeinbruch melden wollte. Auch Fahrräder wurden mir schon mehrfach geklaut – wegen solcher ‚Lappalien‘ traut man sich eher nicht zur Wache zu gehen. Ist ja sowieso Zeitverschwendung, siehe miserable Aufklärungsquote.

    Die vorherrschende Stimmung ist von ‚Eigentum ist Diebstahl‘ umgeschwenkt auf den unerträglichen Missbrauch öffentlichen Grundes zum Abstellen privater Gegenstände (Autos, nun auch Fahrräder). Für die Vertreter dieser ideologischen Strömung befreit der Dieb den öffentlichen Grund, nutzt also der Gemeinschaft. Dabei soll die Polizei stören?

    Nun scheint die Stimmung wieder etwas umzuschwenken. Bei meinem letzten Autoeinbruch, den ich eigentlich nur melden wollte, um die Statistik zu vervollständigen (sonst melden unsere Politiker, dass es keine Probleme mehr gibt, seht die Statistik, die Anzeigen gehen zurück!) waren die Beamten erstaunlich interessiert an Details, die ich dann leider nicht liefern konnte.

    Aber man lernt ja dazu: Wenn mir mal wieder ein Fahrrad geklaut wird, werde ich auf diese Webseite schauen. Wenn es sie dann noch gibt.