‹ Alle Einträge
Drei Minuten für ...

… den Nochtspeicher

 

Der Nochtspeicher ist neu. Das sieht man auch. Wer nicht wachen Auges oder gut gebrieft die Bernhard-Nocht-Straße, leicht abseits der Reeperbahn, entlang schlendert, kann den Eingang glatt übersehen. Laufkundschaft kommt hier eher selten vorbei und kein fancy Schild weist den Weg, der durch ein Metalltor und vorbei an viel Glas und Stahl führt. Wir steigen über einen Sack Zement, stören kurz eine Lesung und finden uns im Gewölbekeller des historischen Gemäuers wieder.

Hier unten in der Nochtwache, dem Club des Kulturzentrums, wurde gerade schon wieder umgebaut, obwohl die Eröffnung doch erst im September 2013 gefeiert wurde. "Das DJ-Pult war im Weg", sagt Frank Hauswedell, einer der Köpfe hinter dem Nochtspeicher, "und das Lichtsegel war auch nur auf dem Reißbrett eine gute Idee".

Nochtwache, der Club im Gewölbekeller des Nochtspeichers
Nochtwache, der Club im Gewölbekeller des Nochtspeichers

Kreatives Herumgewerkel findet man auch im Programm: "Wir glauben daran, dass der Hamburger an sich kein Hardliner und offen für Neues ist," erklärt Frank. "Um uns richtig kennenzulernen, braucht es drei Tage – du kannst drei Mal deinen Abend bei uns verbringen und bekommst jedes Mal etwas anderes." Hier hat die Vermischung verschiedener Genres, Szenen und Altersgruppen also Methode. Die Macher legen sich nicht auf eine Richtung fest, und das Spektrum soll gerne noch breiter und schräger werden. Es jedem recht machen, ohne beliebig zu sein. Also sitzt man bei Live-Jazz den Whiskey schwenkend an der Bar, besucht Foto-Ausstellungen und Poetry-Slams, macht einen Salsa Crash-Kurs und feiert danach auf Elektro. Neben jungen Hamburger Bands spielen hier auch namhafte Acts wie Tune-Yards oder Bohren & der Club of Gore. Oder der Ausnahme-Pianist Hauschka, der am 8. April zu Gast ist und wegen seines ebenso furchtlosen Wandelns zwischen den Disziplinen hervorragend ins Programm des Nochtspeichers passt.

Das klingt erst einmal nach Kultur-Overkill, funktioniert aber, eben weil sich hier Menschen begegnen, die sich sonst vielleicht nicht über den Weg laufen würden. Wer den Kiez für sich  schon vom Hamburger Stadtplan gestrichen hatte, dem bietet dieser Ort viele Gründe, seine Entscheidung  zu überdenken.