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HSV

Schlecht geführt geht es nach unten

 

Als ich noch in der Grundschule war, also Ende der siebziger Jahre, da war der HSV die beste Mannschaft der Bundesliga. Natürlich war ich ein Fan des großartigen Hamburger Sportvereins. Unvergessen waren die einzig wahren Nord-Derbys mit Werder Bremen, bevor dieser Begriff inflationär gebraucht wurde, und die Spiele gegen die Bayern, die einzig ernstzunehmenden Konkurrenten damals. Die Helden meiner Kindheit waren Keegan, Kaltz und Hrubesch, so wie bei allen anderen Jungs in meiner Klasse auch.

Wenn ich mit meinem Sohn Fifa14 spiele, dann wird mir brutalstmöglich gezeigt, wie schlecht der HSV heute ist. Viele andere Mannschaften sind attraktiv, aber wenn ich so richtig mit Ansage gegen meinen Sohn verlieren will, dann wähle ich den HSV. Mein Sohn ist übrigens gerade in der Grundschule, vom HSV kennt er keinen einzigen Spieler, sieht man mal vom Ex-Hamburger Son ab.

Es wird natürlich derzeit viel über den HSV geschrieben und jeder liefert seine eigene Analyse des derzeitigen Versagens. Für mich ist die Misere auf eklatantes Managementversagen zurückzuführen, und zwar mit Ansage und aufgrund falsch verstandener Fußballromantik. Diese sorgt für eine Überhöhung des Fans und seiner Entscheidungen. Ein Fußballverein in der Bundesliga ist etwas anderes als ein Fußballverein auf dem Dorf.

Na gut, wenn man sich Hoffenheim anguckt, dann hinkt der Vergleich, aber ich denke, es ist klar, worum es geht – um die vielgepriesenen professionellen Strukturen. Beim HSV wählen die Mitglieder den Aufsichtsrat, der wiederum den Vorstand bestimmt. Das funktioniert aber schon lange nicht mehr wirklich. Im Aufsichtsrat sitzen stets zu viele illoyale Profilneurotiker, die permanent die Hamburger Sportjournalisten mit Interna und Gerüchten versorgen. Wirtschaftlicher Sachverstand oder gar eine Vorstellung davon, was ein Aufsichtsrat zu leisten hat, war beim HSV nie gefordert – um in den Aufsichtsrat einzuziehen, reichen emotionale Reden, die die Fans begeistern.

Der gute alte Management-Grundsatz "A's hire A's and B's hire C's" ist das große Problem des Hamburger SV und zwar nicht erst seit gestern. Für den innenpolitischen Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion und Vorstandsvorsitzenden des HSV, Carl-Edgar Jarchow, ist der Buchstabe Z die Orientierungsmarke, was man deutlich an seinem Drittliga-Sportchef Oliver Kreuzer sieht, der außer Parolen keine vorzeigbaren Ergebnisse liefern kann, wenn man mal vom Ausleihen des Stürmers Rudnevs absieht, damit dieser in Hannover Tore schießt, oder von seinen Verstärkungen zur Winterpause, die direkt auf der Bank Platz nehmen dürfen. Ach, für den Drittliga-Sportchef wurde auch noch eine Ablösesumme bezahlt, so etwas geht auch nur beim HSV, und damit manifestiert sich lediglich ein weiteres Mal die wirtschaftliche Inkompetenz in Vorstand und Aufsichtsrat.

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Die einzige Konstanz beim HSV in den letzten Jahren war, dass man bestenfalls mittelprächtig gespielt und trotz teurem Kader und hohen Ansprüchen stets die Saison weit unter den Erwartungen abgeschlossen hat. Wir wünschen uns alle Kontinuität, aber dabei soll es bitteschön bergauf gehen. Am 25. Mai haben die Mitglieder des HSV es in der Hand, den Verein endlich so professionell auszurichten, wie es bei Spitzenclubs der Bundesliga erforderlich ist. Die Initiative HSVplus ist meiner Meinung die einzige Möglichkeit, den HSV wirtschaftlich gesund aufzustellen und wieder zu sportlichen Erfolgen zu kommen. Der Verein braucht dringend Investitionen, um einen attraktiven Kader gestalten zu können und eine Perspektive zu entwickeln. Der von der Initiative vorgestellte Aufsichtsrat zeigt deutlich, welchen Anspruch sie mit dem HSV verbindet. Wenn die Mitglieder es am 25. Mai nicht schaffen, den Strukturwandel einzuleiten, dann wird der HSV auch weiterhin über Mittelmaß nicht hinauskommen, dafür aber täglich Schlagzeilen für die Hamburger Medien liefern. Ich werde am 25. Mai für HSVplus stimmen und ich freue mich auf den Moment, an dem sich Carl-Edgar Jarchow wieder mehr darum kümmern kann, die FDP weiter an den Abgrund zu führen.

Der HSV gehört an die Spitze der 1. Bundesliga, das ist der Anspruch der Fans und der Stadt an den Verein. HSVplus wird die geeigneten Schritte ermöglichen und den Verein wieder zu alter Stärke zurückführen. Ich würde es billigend in Kauf nehmen, wenn ich künftig bei Fifa14 mit dem HSV auch mal locker meinen Sohn vom Platz fegen könnte und er im Gegenzug die Namen der Spieler des HSV kennen würde. Es wird echt Zeit und der aktuelle Tabellenplatz macht deutlich, wie mies der HSV in den letzten Jahren geführt wurde. A's müssen wieder A's einstellen – das gilt für die Clubführung und für die Mannschaft. Nur der HSV.

3 Kommentare

  1.   Nic

    Zitat: „Der HSV gehört an die Spitze der 1. Bundesliga, das ist der Anspruch der Fans und der Stadt an den Verein.“

    die vielen Fehler, die im beitrag aufgeführt wurden, mögen richtig sein. und die Grafik von wiki zeigt deutlich, das der HSV in die 1.BuLi gehört. Doch an die Spitze gehört der HSV ganz sicher nicht. Mit der Umstrukturierung gemäß HSVplus mag der Verein sich wieder in die TopTen reinspielen.

    Leider ist der Anspruch der HSV-Fans -wie hier deutlich beschrieben- genau die Schwierigkeit, die den Verein vor sich hertreibt. Die Gedanken des gleichen Kopfes. Stolz muß sich mit Erfolg paaren.
    Eine Scheibe Demut a La Fan eines 1.FC Köln können da helfend wirken. Ein Fan muß in guten wie in schlechten Zeiten hinter seinem Verein stehen.

  2.   Frank Toboll

    Hallo Herr Lumma,

    ich kann Ihre Aussagen nur unterstreichen. Seit Jahren nehme ich als Mitglied an Mitgliederversammlungen teil. Die Grabenkämpfe und die Profilneurotiker haben mich immer schockiert. Durch sogenannte „Hardcore Fans“ wurden Aufsichtsratsmitglieder mit Sachverstand verhindert. Wichtig war ein Einpeitscher in der Kurve bei Heimspielen zu sein oder unter dem Hemd ein Trikot zu tragen. Die Qualifikation reicht nicht für die Spitze der 1 Bundesliga. Und immer wieder wurden Trainer und Vorstände ausgetauscht und die Ausrichtung des Vereins änderte sich mit den neuen Personen. Natürlich kostete dieses Vorgehen immer viel Geld.
    Das muss ein Ende haben. Deshalb wähle ich am 25.05.2014 HSV Plus.
    Ich hoffe es wird dann mittel- bis langfristig besser. Egal, ob in der 1. oder 2. Liga.
    Auf eins kann sich der HSV verlassen. Das sind seine Fans. Letztes Jahr wurden 17,5 Mio Euro für eine Anleihe in 2 Wochen eingesammelt. Wenn der HSV jetzt Geld braucht sollte er seine Fans ansprechen. Ich denke diese würde wieder helfen und nicht nur Herr Kühne. Viele kleine Spenden machen auch eine große.
    Nur der HSV.

  3.   DiegoRivera

    Immer dieses „Nur der HSV“ Geschwafel.
    Andere Vereine wollen auch in der Bundesliga spielen/bleiben.
    Nur mit Sprüchen a la „Der HSV gehört in die Spitze der Liga“ wird das nie was.
    Kochen andere Vereine mit Wasser, kocht der HSV momentan mit Brackwasser.
    Das kann geändert werden, ist aber keine Garantie für Spitzenplätze.
    Auch ein HSVPlus oder was auch immer garantiert dies nicht.