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Wilhelmsburg

Spielmann von der Elbinsel

 

Annabel Trautwein von Wilhelmsburg Online stellt interessante Kulturprojekte und Künstler von der Elbinsel vor.

Der Rucksack ist gepackt, die Gitarre steht bereit. „Ich freue mich so! Endlich wieder unterwegs“, ruft Arne Theophil. Sein Blick geht durch den Raum, vorbei an seinem Kontrabass, der Tuba, dem alten Klappsekretär. Nichts vergessen, alles dabei. Er rollt sein Schafsfell in eine Decke, zieht ein blau-weiß gestreiftes Hemd über den Kopf und setzt seine Schiffermütze mit Fasanenfeder auf. Heute geht es nach München, zu Buena Vista Social Club. Ein Kollege hat Karten besorgt. Für alles, was danach noch ansteht, hat Theophil die Gitarre.

Der Trip beginnt mit der Suche nach glücklicher Fügung: An der Autobahnraststätte Stillhorn würde ihn schon jemand mitnehmen in den Süden. „Mir gefällt das Reisen am besten, wenn ich keinen klaren Plan habe“, sagt Arne Theophil. Früher war er oft per Anhalter unterwegs, mit Gitarre oder Akkordeon auf dem Rücken. „Segeln ist auch super“, sagt er. „Wenn man im Hafen anlegt und da Musik macht, das ist immer eine gute Show.“ Mit seiner kräftigen Stimme, der volkstümlichen Kluft und seiner Fröhlichkeit wirkt Arne Theophil wie ein Spielmann vergangener Zeit. In der UKW-Band spielt er zudem Kontrabass.  Er trete auch gern auf großen Bühnen auf, sagt er. „Es macht sehr viel Spaß, ein Publikum zu erfreuen, das wirklich Publikum sein will. Aber dahinter steht oft diese typische Konsumhaltung: Ich zahle für etwas, ich nehme das mit und gehe wieder weg.“ Nach spontanen Auftritten in der Fremde bleibt mehr übrig, was ihm wichtig ist: Gute Gespräche, die besten Kneipen im Ort und manchmal ein Schlafplatz.

Hörprobe: „Elferaus“ von der UKW-Band (© Ulrich Kodjo Wendt)

Normales Leben sei das natürlich nicht, sagt Arne Theophil. Auch in Wilhelmsburg ist die Miete nicht mit dem zu bezahlen, was bleibt, wenn der Hut herumgegangen ist. Deshalb ist Arne Theophil auch Organisator: Er bucht Bands für Konzerte in der Honigfabrik und rührt die Werbetrommel. Er lädt Tänzer und Musiker zum „Folkstanzwirbel“ an den Veringkanal ein. Er betreut das Netzwerk Musik von den Elbinseln und bringt Künstler unterschiedlicher Szenen miteinander in Kontakt. Beim Straßenfestival „48h Wilhelmsburg“ koordiniert er das Programm. „Ich mache das Drumherum, das funktionieren muss, damit die Leute die Musik erleben können“, sagt Arne Theophil.

Arne Theophil ist eine zentrale Figur in der Wilhelmsburger Musikszene - Foto Annabel Trautwein

„48h Wilhelmsburg“ – das ist Herzenssache und Stressfaktor zugleich. Mitte Juni soll es losgehen: In Läden und Cafés, in Hinterhöfen und Werkstätten soll die Vielfalt der Wilhelmsburger Musikszene erlebbar werden. 150 Künstler und Gruppen haben sich angemeldet. Arne Theophil soll die finden, die im musikalischen Mosaik der Insel noch fehlen. Alle sind willkommen, vom Gospelchor bis zum elektronischen Avantgarde-Projekt. „Es geht darum, dass Leute das tun, was ihnen wichtig ist. Dass sie ehrlich sind mit dem, was sie tun, und dass sie ihrem inneren Traum folgen. Dann sind sie authentisch, und das kommt dann auch rüber“, sagt Arne Theophil.

Er selbst fühlt sich als Musiker da am wohlsten, wo die Tradition mit dem modernen Stadtleben flirtet. „Ich finde es schön, den Orten ihre lokalen Eigenheiten wieder zurückzugeben“, sagt er. Im Norden der Elbe ist er gern mit der Geigerin Anna-Lena Bester unterwegs, um in den Kneipen altes Hamburger Liedgut zu spielen. „Das kommt auch meistens ganz gut an“, sagt der Musiker. „Wenn man uns spielen lässt. Leider sind viele Wirte auf diese Spontanität nicht mehr eingestellt. Eher lassen sie den Fernseher an, damit die Gäste da bleiben.“