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Nahverkehr Hamburg

Urlaub in der eigenen Stadt

 

Blogger Sven Dietrich fährt gern Bus und Bahn. Wer auf dem Weg zur Arbeit mal auf einer anderen Linie fährt, lernt seine Stadt ganz neu kennen. Hier stellt er die besten Umwege Hamburgs vor.

Wir haben endlich Sommerferien in Hamburg.  Weil ich selbst keine schulpflichtigen Kinder habe, bemerke ich die Ferien ausschließlich anhand der fehlenden Kollegen, den leeren Arbeitsplätzen im Büro und besonders an den leeren U- und S-Bahnen in Hamburg.

Ferienzeit ist für mich als Pendler immer die beste Zeit. Es ist immer Platz und die Deppendichte ist deutlich geringer als sonst.

Hamburg hat, Sie wissen es vielleicht, den Hauptbahnhof mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in Deutschland. Hier treffen sich alle S- und U-Bahn-Linien, zusätzlich fahren noch gefühlt vierhundert Buslinien. So etwas gibt es nicht überall, in Berlin beispielsweise müssen Sie froh sein, wenn überhaupt mal irgendeine S-Bahn kommt. Ob die es dann auch zum Hauptbahnhof schafft, ist dann so eine Sache.

Aber es geht um Hamburg. Ich fahre gern auf unterschiedlichen Wegen zur Arbeit, fahre mal mit dem Bus, mal mit der Bahn. Schaue mir eine neue Strecke an, fahre eine oder mehrere Stationen zu weit.

Ich habe deshalb ein paar besonders schöne Bus- und U-Bahn-Fahrten zusammengetragen, mit denen Sie Ihren Urlaub ein wenig verlängern können. Dafür empfehle ich diese Karte mit allen Linien in Hamburg.

1) Buslinien durch die Mönckebergstraße

Steigen Sie am Hauptbahnhof aus der S- oder U-Bahn aus und suchen Sie den 3er- oder 6er-Bus und fahren damit weiter bis Rödingsmarkt. Beide fahren durch die Mönckebergstraße und erlauben am Morgen einen entspannten Blick auf die Straße, den Sie so im Laufe des Tages angesichts der Menschenmassen nicht mehr bekommen werden. Beide Buslinien kreuzen anschließend die U3. Wenn das halbwegs auf Ihrem Pendelweg liegt, kann man das einmal die Woche machen. Lohnt sich besonders in der was-soll-ich-nur-schenken-Zeit vor Geburtstagen von geliebten Menschen und der Weihnachtszeit. Achtung: Beim 6er-Bus muss man aufpassen, es gibt welche, die fahren in die Hafencity.

2) U3 in die andere Richtung

Die U3 mit Blick auf den Hafen, nun ja, das kennt wohl jeder in Hamburg, da muss man halt eben ab und an mal am Hafen längs fahren und sich freuen, auch wenn man sonst absolut nichts mit Hafen, Schiffen und Werften zu tun hat. Es sieht hübsch aus, besonders nach langen Arbeitstagen. Ich würde gerne etwas zu den Fähren schreiben, aber ich wohne im Nordosten von Hamburg und da passt das nicht mit den Fähren, ich fahre immer mit der Bahn.

3) Regionalbahnen

Ich fahre immer mit der U1, manchmal aber mit der Regionalbahn ab Rahlstedt. Das ist zwar ein riesiger Umweg mit der immer verspäteten R10, aber was soll's. Schließlich bezahle ich das teure HVV-Abo, dafür will ich auch mal in einem echten Zug sitzen. Anschließend steige ich am Hauptbahnhof um, das klappt, da sich dort alle Bahnen treffen, immer ohne Probleme.

4) Hamburg ist eine kleine Stadt

Nochmal geht's in die U3, diesmal von Barmbek aus. Hier in Hamburg kann man auch mal eben von der anderen Alsterseite in die Stadt fahren und sich dann ab Hoheluftbrücke in den 5er Bus gesellen. Der 5er Bus ist eine der meistgenutzten Buslinien Hamburgs, Europas und wahrscheinlich der Welt, so voll wie die Busse oft sind. Der 5er-Bus fährt zum Jungfernstieg und erlaubt bequemes Umsteigen.

Ab Schlump ist es ähnlich, von hier fährt der 4er-Bus bis Jungfernstieg und weiter in die Innenstadt.

5) Der Bus 111: Rundfahrt mit der Hamburger Touristenlinie

Ab Rödingsmarkt kann man mal eben in den 111er-Bus steigen und eine Rundfahrt durch die Hafencity machen. Wenn Sie Gefallen an Architektur finden, dann ist das etwas für Sie.  Wenn nicht, bleiben Sie einfach sitzen, denn der 111er-Bus ist das, was in Berlin der 100er-Bus ist: Eine Touristenlinie, die alle Hotspots abfährt und dabei fast immer am Wasser entlang. Bei der Hochbahn gibt es sogar eine Website nur für diese Buslinie. Da ist alles dabei. Etwas Hafencity, etwas Kiez, Fischmarkt und Altona.

Busfahren eignet sich ganz hervorragend zur Entspannung nach einem anstrengenden Tag. Aus dem Fenster starren hilft, alternativ starren Sie eben auf ihr Handy, das hilft allerdings nicht so gut.

6) 112er-Bus

Meine Lieblingsalternative zur normalen Fahrt. Ich weiß gar nicht genau, wieso, aber ich fahre gerne mit dem 112er vom Hauptbahnhof nach St. Pauli zur U3. Eine von vielen Alternativen in Hamburg.

7) Die Mutter aller Buslinien in Hamburg

Der 36er-Bus, die älteste Buslinie in Hamburg, erlaubt einen kompletten Urlaub. Der Bus fährt von Berne bis Blankenese und wenn Sie beide Stadtteile kennen, dann wissen Sie, wie unterschiedlich die beiden Stadtteile sind. Pendler ab Wartenau oder ab Hauptbahnhof können im 36er-Bus ganz hervorragend ihre Überstunden abbummeln. Der Bus ist auch außerhalb der Ferien nicht überfüllt: Es ist ein Erste-Klasse-Bus und auch für Besitzer einer Abokarte kostenpflichtig. Einmal im halben Jahr kann man das mal machen, wann sonst kommt man nach Blankenese? Eben.

6 Kommentare


  1. …geht es mir auch. häufig bin ich in der stadt unterwegs und kann mich an den knotenpunkten schlecht entscheiden… wenn ich zeit habe, gewinnt meist das verkehrsmittel mit der schönsten aussicht. die ist übrigens in der s-bahn nach blankenese auch nicht sooo schlecht. grüße, anja

  2.   inge reisinger

    ja genau mit so einfachen veränderungen kommen plötzlich ganz neue blickwinkel und auch sichtweisen über eine stadt oder es entstehen ganz neue ideen dabei

    das ist bei einer U-bahnfahrt nicht möglich hier will ich nur schnell von einem punkt zum anderen wogegen bei einer busfahrt die sinnesreize ganz stark angesprochen werden sie gehen ins unterbewußtsein sitzen im bus und genießen einfach einmal eine ganz andere seite die sie vielleicht so noch gar nie gesehen haben

    klar ist U-bahn für den täglichen massentransport unerlässlich aber es sollte halt auch oben immer genügend frischluftverbindungen geben

  3.   Kiki

    Als jemand, die jahrzehntelang aussliesslich den 36er benutzt hat um von Blankenese bzw. Nienstedten aus in die Stadt zu fahren, frage ich mich eher: Was liegt wohl hinterm Hauptbahnhof? Muss ich wohl mal testen … danke für den Tipp!

  4.   Hafencitypendler

    Die – leider meist überfüllte – 111 hält nicht am Rödingsmarkt, sie fährt von Altona über den Fischmarkt, Reeperbahn, Davidstraße, Landungsbrücken, Baumwall, Am Sandtorkai bis zur Shanghaallee.

    Sie ist als Zubringer zu U3 und S1/3 auch für die in der Hafen City arbeitenden sehr praktisch. Allerdings leider auch immer übervoll mit Ausflüglern. Daher sollte der HVV wirklich darüber nachdenken, auch hier Gelenkbusse einzusetzen – zumindest in den Stoßzeiten.


  5. …, dass ich nicht die einzige Person bzw. Nichtrentnerin bin, die so etwas macht. ;) Ich habe so schon ein paar nette Ecken meiner Stadt kennengelernt, die zwar kleiner ist als Hamburg, aber man dennoch immer mal wieder was Neues entdecken.

  6.   Miesepeterin

    Ich nehme mein Fahrrad mit und parke mein Autochen am Fischmarkt…Das ist immer ein Akt, zu dem ich mich wirklich aufraffen und überwinden muß. Dann kommt der STTRESS! In der Innenstadt weht mir ein Modergeruch aus den Kanälen entgegen. Beim Speersort mitten am Tag eine fette tote Ratte auf dem Gehsteig. Selbst an heissen Tagen zugige Ecken, immer Lärm. Auch wenn man als Fußgänger unterwegs ist. Dann brausen die unerbittlichen Rennradfahrer um einen rum, dass man nur zur Seite springen kann. … Ich erkunde die aufgehübschten (Tourismus) Plätze dieser Stadt. Die endlosen Hotelfensterfronten. Charme kommt dabei leider nicht rüber…Was will ich hier eigentlich noch? Ich bin immer froh, wenn ich wieder draussen bin.

    (@ Nr. 2. Stimmt! Ich bin “Frührentnerin”. Eigentlich Frühprivatierin. Sprich ausrangierte Alte, die keine “Anschlußverwendung” mehr findet. Begegnungskultur? – das war einmal! Nun herrscht ABZOCKE. :-)