‹ Alle Einträge
Wochenrückblick

Viele Hände am Olympia-Brief

 

Vergangene Woche hatte in Hamburg einiges mit der Olympia-Bewerbung zu tun. Auch die Ruder-WM. Der Wochenrückblick

Wer hätte das gedacht: In Hamburg ist es mitunter windig. Zu windig, so empfand es eine große Zahl an Vertretern der FISA, des Weltverbandes der Ruderer. Wohl vor allem deshalb vergaben sie die Ruder-WM 2019 nicht nach Hamburg, sondern nach Linz in Österreich, was auch der Empfehlung des FISA-Präsidiums entsprach. Ob das ein Fingerzeig für Olympia wird? Für die Spiele ist die gleiche Ruderstrecke in Allermöhe angedacht.

In der Stadt ist offenbar nach wie vor die Mehrheit für Olympia in Hamburg. Zumindest laut einer Umfrage der Forschungsgruppe g/d/p, die gerade veröffentlicht wurde. Demnach votierten 66 Prozent für die Spiele. Die Zustimmung sei dabei im Umland größer: Hier liege sie bei 75 Prozent, im Stadtgebiet bei 58 Prozent, schreibt das Abendblatt. Unklar bleibt, ob mit Stadtgebiet und Umland jeweils beim Referendum stimmberechtigte Teile Hamburgs gemeint sind oder nicht. Je nachdem welcher Wert der Befragung vergleichbar zur Forsa-Umfrage im Frühjahr ist, wäre die Zustimmung entweder gesunken oder konstant.

Der Rechnungshof warnt seit Freitag auch offiziell vor möglichen steigenden Kosten. Nachdem vor einiger Zeit schon einmal ein Entwurf an die Öffentlichkeit gelangte, gibt es nun eine spruchreife Fassung. Weiter betont der Rechnungshof, dies bedeute nicht, dass er gegen Olympia sei. Wichtig sei es jedoch, dass der Senat auch bei einem Ja im Volksentscheid die Bewerbung bei steigenden Kosten noch zurückziehen könne.

Die offizielle Olympia-Bewerbung warf Claudia Bokel derweil am Mittwoch medienwirksam in einen Briefkasten. Zuvor unterschrieben Bürgermeister Olaf Scholz und DOSB-Präsident Alfons Hörmann den Bewerbungsschrieb. Und jede Menge andere fassten den Umschlag ebenfalls noch an. Es wurde für viele Fotos posiert. Das wäre mit einer E-Mail sicher schwieriger geworden. Bei der Pressekonferenz zur Veranstaltung äußerte sich der Bürgermeister auch zur Flüchtlingsthematik und betonte, dass er keinen Widerspruch in der Aufnahme von Flüchtlingen und einer Bewerbung um Olympische Spiele sehe: "Gerade jetzt, wo wir sehen, wie viele Menschen nach Deutschland kommen, weil sie sich hier gut und sicher fühlen, sind die Olympischen Spiele ein Zeichen, das in die gleiche Richtung zeigt", sagte Scholz. Und weiter: "Beides kann man tun, weil wir nach vorne blicken, weil wir Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben und ein gutes Zusammenleben in der Welt. Und darum geht es ja bei den Olympischen Spielen."

Für Zusammenleben demonstrierten am Wochenende rund 14.000 Menschen in der Innenstadt. Eigentlich handelte es sich hierbei um eine Gegendemo, denn zuvor hatten rechte Kräfte zu einem "Tag der Patrioten" aufgerufen. Die Veranstaltung wurde jedoch untersagt. Auch die Gerichte bestätigten das Verbot. Ein paar Neonazis waren dennoch in Hamburg. Am Hauptbahnhof gab es Zusammenstöße mit linken Demonstranten und der Polizei. Der Zugverkehr wurde eingestellt. Am Abend gab es dann noch Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Aktivisten rund um die Rote Flora.

Dienstagnacht stand auf der Reeperbahn eine der bekannten Bühnen am Spielbudenplatz in Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Die Veranstalter des Reeperbahnfestivals gaben aber bekannt, dass die Veranstaltung kommendes Wochenende dennoch wie geplant stattfinden könne. Bevor dieses Großevent ansteht und nachdem wir bereits mit einer ganzen Vielzahl solcher beglückt worden sind, sollten auch die Cruise Days vom vergangenen Wochenende erwähnt werden:  Sieben Kreuzfahrtschiffe der Luxusklasse besuchten Hamburg, darunter die Queen Mary 2, die MSC Splendida und die MS Europa. Zeitgleich leuchtete der Hafen erneut blau. 400.000 Besucher hat das an die Elbe gelockt.

Auch Fußball wurde wieder gespielt: Der HSV eröffnete bereits am Freitag den Spieltag bei den krisengeplagten Gladbachern und verschärfte dort mit einem 3:0-Erfolg die Sorgen der Gastgeber. Der FC St. Pauli spielt erst Montag in Duisburg. Vergangenen Dienstag unterlag er in einem Freundschaftsspiel gegen den Erstliga-Tabellenführer Borussia Dortmund mit 2:1. Dabei konnte der Verein unter dem Motto "Refugees Welcome" über 20.000 Zuschauer ins Stadion locken!

War sonst noch was? Ach ja. Seit Dienstag hat Hamburg fünf sich zum Verwechseln ähnlich sehende Radverkehrskoordinatorinnen mit dem identischen Nachnamen. Offenbar hat fast jede Partei oder jedes Medium eine andere Frau in diese Position gehoben. Und so freuen wir uns über Kristina Pfaue, Kerstin Pfaue, Kristine Pfaue, Kisten Pfaue und Kirsten Pfaue. Laut der Stadt Hamburg wird aber nur Letztgenannte, die ehemalige Hamburger Landesvor­sitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs, den Dienst antreten. Na dann!

1 Kommentar

  1.   Olympia. Wer sich bewirbt, zahlt? Leider nein.

    Hier sollte der Hinweis angefügt werden, dass gute demokratische Sitten verletzt werden.
    HH bewirbt sich um das Milliardenspektakel.
    Dann sollen sie auch allein zahlen.
    Wenn der Bund zahlt, muß auch jede/r Bundesbürger/in abstimmen.
    Und der Bundestag.

    Die 5.000.000.000 bis 10.000.000.000 Euro, die hier für ca 14 Tage zu berappen sind, sind pro Einwohner von HH ca 3.000 Euro.

    Liebe „Bewerber“,
    wo ist eure Kostenrechnung und Finanzierung?

    PS
    Dümmer geht immer –
    das IOC vertickt die Fernsehrechte und kassiert selbst –
    und wir zahlen den Event –
    und dann noch die Fernsehrechte?
    Und Sponsoren?
    Alle Kohle IOC – zahlen darf Deutschland.
    Wie blöd ist das denn?

    Liebe Bewerber,
    fliegt nach L.A. oder sonstwo hin. Mit eigenem Geld.
    Das ist billiger. Für uns alle.

    Fällt dieses „Geschäftsmodell“ eigentlich noch jemandem auf?
    Das müßte durch EU wegen Subventionierung verboten werden….