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Energiepolitik

Wenn Bürger sich einheizen

 

Energiepolitik ist in Hamburg nicht nur Sache der Experten – in dieser Woche reden die Laien mit. Der Senat sollte ihnen gut zuhören.

Es klingt wie eine basisdemokratische Utopie: Ausgerechnet die Details der Hamburger Strom- und Wärmeversorgung, dieses technischen, unsinnlichen, komplizierten Bereichs der öffentlichen Daseinsvorsorge, sollen wo verhandelt werden? In einem Bürgerdialog?

Es ist, als wollten Handynutzer gemeinsam eine App programmieren, eine absurde Vorstellung, könnte man meinen – und doch ist sie wahr. Gleich zweimal treffen sich in dieser Woche die Hamburger Energiebegeisterten, um über die Zukunft der Stadt zu beraten: zum Wärmedialog am Dienstagabend und zum Netzbeirat am Donnerstagnachmittag.

Das sind keine unverbindlichen Fachsimpeleien. Wärmedialog und Netzbeirat sind einerseits Beratungsgremien der Bürgerschaft, andererseits werden sie mitgetragen von den Akteuren des erfolgreichen Volksentscheids zum Rückkauf der Energienetze. Über das, was hier besprochen wird, kann sich eine Regierung nicht ohne Weiteres hinwegsetzen, will sie nicht das Parlament brüskieren und einen neuen Volksentscheid riskieren.

Ein Wärmedialog kann eine eindrucksvolle Veranstaltung sein. Gewöhnlich stellen sich geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik dem Verhör durch die Besucher. Dreistellige Teilnehmerzahlen, Zuhören und Ausredenlassen und ein erstaunliches Maß an Fachkunde unter den Anwesenden prägen solche Abende. Wer sich unter Demokratie mehr vorstellt als die Übergabe der Staatsgewalt an gewählte Volksvertreter mit Wiedervorlage nach vier oder fünf Jahren, der kommt hier auf seine Kosten.

In dieser Woche geht es um viel: Wie wird die Hamburger Fernwärme in Zukunft erzeugt? Die Idee, ein neues Heizkraftwerk anstelle des maroden Kohlekraftwerks in Wedel zu bauen, ist einstweilen vom Tisch. Irgendeine Mischung unterschiedlicher Wärmequellen wird es nun wohl werden – aber welche? Abwärme aus der Industrie? Aus der Müllverbrennung? Erdgas statt Kohle? Alles zusammen? Oder kommt womöglich das gigantische Kohlekraftwerk in Moorburg doch wieder als Wärmequelle ins Spiel? Es gehört Vattenfall, genau wie der größte Teil des Wärmenetzes, den das Land in drei Jahren übernehmen wird – da ist Stoff genug für echte Verschwörungen und Verschwörungstheorien.

Wer mitreden oder auch nur zuhören möchte: Der Wärmedialog beginnt am Dienstagabend, 8. November um 19 Uhr in der Uni-Bibliothek, der Netzbeirat tagt am Donnerstag, 10. November ab 17 Uhr in der Umweltbehörde.