‹ Alle Einträge
Wilde Küche

Zum Vernaschen!

 

Ringelblume, Malve, Borretsch: Auf Grünflächen sprießen derzeit zahlreiche Blüten, die gut schmecken. Keine aber zergeht so auf der Zunge wie die Nachtkerze. 

Es ist Hochsommer und das bedeutet: Die Saison für Wildkräuter geht schon wieder zu Ende. Ihre Blätter schmecken jetzt oft zäh und bitter. Ein Grund zur Trauer ist das aber nicht. Das Schöne daran, im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben, ist ja gerade, dass nicht alles immer verfügbar ist – und es stets Neues zu probieren gibt. Die Wildkräuter-Phase ist vorbei? Macht nichts, dafür ist jetzt die beste Zeit für leckere Blüten.

Nachtkerze
Die Nachtkerze wächst vor allem in wilden Gartenecken und auf sandigen Böden. Foto: Lore Otto

Die leuchtend gelbe Nachtkerze (Oenothera) mag ich unter allen essbaren Blüten besonders gerne. Sie schmeckt leicht süß, zergeht auf der Zunge und sieht umwerfend schön auf dunkelgrünen Blattsalaten aus. Bei uns kommen zwei Arten dieser Pflanze vor: eine mit kleineren Blüten (O. parviflora) und eine mit streichholzlangen, die "gemeine" Nachtkerze (O. biennis). Beide eignen sich hervorragend zum Naschen.

Die Pflanze wächst in wilden Gartenecken und auf sandigem Boden. Sie öffnet erst am Abend ihre zitronengelben Knospen und verströmt einen betörenden Duft, damit die bestäubenden Nachtfalter sie gut finden. Am nächsten Nachmittag schließen sich die Blüten wieder und vergehen, später öffnen sich dann neue. Am besten lassen sie sich daher morgens oder abends pflücken.

Es sind aber nicht nur wildwachsende Blüten, die gut schmecken. Wir kultivieren auch in Gärten solche, die fein am Gaumen kitzeln. Zum Beispiel Ringelblume, Malve und Borretsch. Oder Gänseblümchen, Petunie und Fuchsie. Und natürlich Rosen!

Essbare Blüten
Auch lecker! Am äußeren Rand liegend (im Uhrzeigersinn von oben in der Mitte beginnend): Fuchsie, Kapuzinerkresse, Ringelblume, Taglilie, Glockenblume, Rose und Malve. In der Mitte des Tellers: Gänseblümchen, Nachtkerze, Borretsch. Foto: Lore Otto

Aber Vorsicht: Blüten von sommerlichen Kübelpflanzen werden in Gärtnereien nach Zierpflanzenrichtlinien angebaut und nicht als Lebensmittel betrachtet. Es sind auch Spritzmittel erlaubt, die in der Küche nichts zu suchen haben. In Gärtnereien daher am besten nach biologisch angebauten Exemplaren fragen.

Ich gehe mit selbst gezogenen Pflanzen und solchen, die ich selbst über einen Winter gebracht habe, auf Nummer sicher. Hier weiß ich, dass sie ohne Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger aufgewachsen sind. Bei wilden Blüten empfehle ich: am besten nicht an vielbefahrenen Straßen, Hundespazierwegen oder intensiv bewirtschafteten Feldern pflücken.

Wer möchte, kann die Fundstücke auch mit kaltem Wasser kurz abspülen und dann mit Küchenkrepp abtupfen. Entfernt wird so allerdings nur oberflächlicher Schmutz. Spritzmittel und Dünger lassen sich nicht abwaschen! Gut ist es auch, die äußeren grünen Blätter vor dem Verzehr zu entfernen. Die Blütenstempel aber lasse ich dran. Ich habe Angst, sonst zu viel vom Aroma zu verlieren.

2 Kommentare

  1.   Zeitschloss

    Nach der Aufregung, die auch die ZEIT über das angeblich krebserzeugende Glyphosat mit veranstaltet hat?
    Borretsch enthält Pyrrolizidinalkaloide, die lebertoxisch, erbgutschädigend und krebserregend sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb vom regelmäßigen Verzehr von Borretsch ab, betrachtet aber einen gelegentlichen Verzehr als unbedenklich.
    Aber das BfR ist ja nach Ansicht vieler, weil es zum Thema Glyphosat den Alarmismus nicht mitmacht, unglaubwürdig und von der Industrie gekauft.
    Und nun soll Borretsch unbedenklich sein?

  2.   Schultze

    Tweet: Wilde Küche: Warum es sich lohnt, die Blüten der Nachtkerze zu essen.

    Warum lohnt es sich also?
    Ich habe gelesen, dass die Blüten süß sind und auf der Zunge zergehen.
    Erwartet hätte ich eine Information, was die Nachtkerze bewirkt und sich deswegen lohnt, diese zu essen.