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Hamburgs Wilde Küche

Schlehen mit Korn machten den Matrosen froh

 

Winterzeit ist Früchteteezeit? Ach was! Probieren Sie doch mal einen Oporto. Ein Getränk aus Schlehen und Branntwein. An dem haben sich einst Hamburgs Seemänner erwärmt.

Ich mag den Winter. Ich genieße das Feuer im Kaminofen und die warme Katze auf meinem Bauch. Was ich mittlerweile aber über habe, ist Früchtetee. Ich habe ihn bereits in so vielen Variationen getrunken, dass es reicht. Klar, Vitamine sind in der kalten Jahreszeit wichtig – aber taugen wilde Früchte nicht zu mehr als immer nur Tee? Als ich mich das gefragt habe, sind mir die Schlehen in meinem Gefrierfach in den Sinn gekommen.

Warum nicht mal wieder einen Oporto zubereiten und trinken?

Oporto? Das ist ein Heißgetränk aus Schlehen, sehr wohlschmeckend und sehr fruchtig. Angeblich haben es in Hamburg früher die Matrosen getrunken. Man braucht dafür Schlehensaft, Apfelsaft und Brannntwein, zum Beispiel Korn. Es geht schmeckt aber auch ohne Alkohol super.

Reife Schlehen kann man bis in den Dezember hinein in den Knicks und Hecken an vielen Schwarzdornbüschen finden. Die dunkelblauen, leicht weißlich überreiften Früchte sind dann gut zu sehen, denn die Büsche haben keine Blätter mehr.

Oporto statt Früchtetee
Frisch gepflückte Schlehen. Reif sind die Früchte Ende Dezember. Foto: Lore Otto

Vor Weihnachten fehlt allerdings oft die Zeit, die vitaminreichen Früchte zu verarbeiten. Deshalb sind sie bei mir Gefrierschrank gelandet. Jetzt ist die Gelegenheit gekommen, sie zu verarbeiten.

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Perfekte Ergänzung zum Früchtetee: der Oporto. Foto: Lore Otto

Um Schlehensaft zu gewinnen, übergießt man die aufgetauten Früchte mit kochendem Wasser und lässt sie über Nacht stehen. Anschließend kocht man sie in diesem Wasser mit Zucker auf und passiert sie durch die Flotte Lotte oder drückt sie in einem feinen Tuch aus.

Keine Sorge, wer es verpasst hat, Schlehen zu pflücken, muss nicht auf den Oporto verzichten. Es gibt auch Schlehensaft zu kaufen, etwa in Bio-Supermärkten.

Die Zubereitung ist denkbar einfach: ein Glas oder einen Becher zu 3/6 mit Schlehensaft, zu 2/6 mit Apfelsaft und zu 1/6 mit Branntwein befüllen, gut vermischen und dann heißt servieren. Wer es ein bisschen raffinierter mag, kann noch ein wenig Zimt, eine Prise Nelkenpulver und eine Prise Piment dazugeben, um einen Gewürz-Oporto zu kreieren.

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Der Schlehenbusch ist das erste Gehölz, das im Frühjahr blüht. Foto: Lore Otto

Wem nach dem Genuss eines Oportos zu heiß wird, dem empfehle ich einen Spaziergang. Halten Sie doch mal Ausschau nach Schlehenbüschen. Noch stehen sie kahl und dunkel in der Landschaft. Sie werden aber die ersten Gehölze sein, die uns mit ihrer üppigen weißen Blütenpracht im Frühling erfreuen. Und so wissen diejenigen, die es in diesem Winter verpasst haben, wo sie die Früchte im nächsten Jahr pflücken können.

2 Kommentare

  1.   Tilmann

    Da es in Deutschland (jedenfalls in den meisten Gegenden) bisher viel zu warm war, kann man die Schlehen eigentlich erst seit letztem Wochenende ernten. Unter den Kennern gibt es einen Disput, ob die Schlehen den Frost noch am Strauch abbekommen müssen, oder ob es reicht, sie ein paar Tage im Gefrierfach zu lassen. Wie unschwer zu erraten ist, gehöre ich der Strauchfraktion an. Deswegen wird morgen, spätestens am Samstag aber geerntet. Falls mir die Gefrierfachfraktion denn noch etwas übriggelassen hat.

  2.   georg12@mailinator.com

    Gut zu lesen Aber all der Zucker in jedem Rezept? Der Tenor ist hier die Vitamine zu vernichten und zu prozessieren durch Hitzezufuhr, Zucker und Alkohol. Um eine süsse klebrige Konsistenz zu erreichen? Ein befremdliches Anliegen. Die Natur-Poesie passt ebenfalls nicht dazu. Irgendwie passt das alles nicht zusammen.