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Wochenrückblick

Um acht wird der Korb verriegelt

 

In der HafenCity ist Basketballspielen nach 20 Uhr verboten. Weitere Themen: Blaualgen und der Umzug des US-Konsulats. Ein Rückblick von den Elbmelancholie-Bloggern.

Vergangene Woche haben wir über die vielen Farben berichtet, die Hamburg durch die Woche begleiteten. Eine kam dabei nicht vor: Grün. Dabei verwandelt sich unsere Stadt gerade in eine sehr grüne Stadt. Klingt gut? Na ja, gemeint sind nicht Wiesen und Parks, sondern Hamburgs Gewässer. Ob Alster oder Stadtpark: Algen machen sich breit. Merkwürdigerweise heißen die grünfärbenden Dinger Blaualgen.

Vom Schwimmen in der Alster wird jedenfalls abgeraten. Vielleicht muss sie demnächst ja auch nachts jemand abschließen. So wie das mit Basketballkörben in Hamburg bereits geschieht, zumindest in der HafenCity. Über die groteske Story berichtete diese Woche die taz. Auf dem Vasco-da-Gama-Platz ist das Basketballspielen aus Lärmschutzgründen ab 20 Uhr verboten. Da ein Schild allein nicht ausreicht, muss ein Mann nun täglich den Korb verriegeln.

Allgemein ist diese HafenCity ja ein seltsamer Ort. Das merkte ich wieder Anfang der vergangenen Woche. Bevor ich bei einem Termin bei Greenpeace zu Gast war, stieg ich einmal mehr aus der U4. Angekommen an einem futuristischen Bahnhof, ging ich unzählige Treppen hinauf und landete inmitten einer Baustelle. Kein Wunder, das dort kaum jemand hinwill. Den Waggon meiner Bahn hatte ich zuvor für mich allein. Das launisch gepostete Bild der leeren U-Bahn mit dem Kommentar "Rushhour in der U4 (Hafencity)" bekam viel mehr Likes, als ich erwartet hatte. Kleiner stiller Protest, was?

In der HafenCity sind tendenziell eher die Leute mit zu viel Geld zu Hause. Das Statistikamt Nord gab diese Woche bekannt, wie viel die Stadt Hamburg für diejenigen ausgegeben hat, die nicht genug Geld haben. 2013 wurden fast 900 Millionen Euro für Sozialhilfeleistungen gezahlt. Das sind etwa vier Prozent mehr als 2012 und satte 27 Prozent mehr als noch 2008. Verteilt haben sich die Ausgaben wie folgt:

Kommen wir zum Thema Umzüge: Ende September muss das freundlich + kompetent umziehen, oder genauer gesagt: erst einmal ausziehen. Wir hatten bereits vor etwa einem Jahr darüber berichtet, dass die Musikkneipe für ein neues Gebäude weichen muss. Nun ist es bald soweit. Zum Abschluss soll es noch einmal eine Party geben. Ob das jedoch klappt, wenn am nächsten Tag schon alles ausgeräumt sein muss, ist fraglich. Aber: Man hoffe diesbezüglich auf ein kleines Entgegenkommen des Vermieters, sagten die Betreiber. Nach dem Auszug soll jedenfalls der Umzug in eine neue Location folgen. Die Rede ist von einem Standort in Barmbek-Süd. Da ist aber noch nichts beschlossen.

Umziehen will auch das US-Konsulat. Das berichtete der NDR Mitte der Woche. Gesucht würden laut Generalkonsulin Nancy Corbett zweckmäßigere Räumlichkeiten. Welchen Zweck sie genau meinte, sagte sie jedoch nicht. US-Vertretungen in Deutschland erfüllen ja so einige. Als neuer Standort ist das Brahmskontor im Gespräch. Das liegt von der Luftlinie her ähnlich weit vom Rathaus entfernt wie der aktuelle Standort.

Wie es aussehen kann, wenn im Kontor die USA walten, kann man bald im Film Marionetten mit dem mittlerweile verstorbenen Philip Seymour Hoffman sehen. Der Film rund um CIA-Agenten wurde 2012 im Brahms-Kontor gedreht. Real arbeiten dort täglich viele Angestellte anderer Firmen (so auch ich mehrfach die Woche). Angesichts der Ankündigung, dass für einen ausreichenden Schutz des Konsulats "strenge Zugangskontrollen und Panzerglas" nötig seien, haben die meisten Mieter keine Freudensprünge gemacht. Vorschlag an die Amerikaner: Zieht doch mit dem Bezirksamt Mitte zu Springer. Das sind nur 200 Meter mehr und Sicherheitskontrollen gibt es da schon.

Vielleicht wird der Umzug aber auch noch ganz abgesagt, so wie — oh Wunder — das Konzert der Beginner vor der Roten Flora. Auch hier sind Sicherheitsbedenken das Problem. Vollkommen überraschend wollten zum Gratis-Konzert wohl eine Menge Menschen kommen.

Fassen wir zusammen: Falls diese Woche jemand auf WG-Gesucht.de eine Anzeige für eine 3er-WG von US-Konsulat, Musikkneipe und Blaualge findet, muss er sich nicht wundern. Sie alle werden aus ihren momentanen Behausungen vertrieben oder wollen von sich aus umziehen.

Wir wünschen jedenfalls eine sichere und im Anbetracht der politischen Weltlage gerne auch etwas friedlichere, neue Woche.

3 Kommentare


  1. nachvollziehen.

    Nicht nachvollziehen kann ich allerdings wieso die Hafencity so ein beliebtes (da teurers) Wohnquartier ist…

  2.   Petra HH-Eimsbüttel

    Lieber Herr Griez,

    da ich in der nähe eine Basketballfeldes wohne – in Eimsbüttel – habe ich volles Verständnis für die Anwohner. Das Aufschlagen des Balles, das Schießen gegen den Zaun, dazu lautes Geschreie. Auch Anwohner möchten mal zur Ruhe kommen dürfen. In der Hafen-City geht es den Spieler um das Spiel. Durch die Enge Bebauung wird der Lärm durch jede Wand zurück geworfen.
    Hier in Eimsbüttel geht es einer Gruppe darum, die Anwohner zu terrorisieren, leider.

    viele Grüße
    Petra

  3.   nitric

    Warum zieht das US-Konsulat nicht in den Bunker am Heiligengeistfeld ein. Die Wände sind dick, der Beton enthält so viel Stahl, dass es wahrscheinlich abhörsicher ist, es hat wenige Zugänge die kontrolliert werden müssen, das umliegende Gelände ist leicht überschaubar und das Gebäude an sich ist auch hoch genug um alle möglichen Antennen und Fernrohre anzubringen.

    Zur Hafen City:
    Das mit den Basketballkörberen ist natürlich lachhaft. Damit machen sich die Einwohner dieses Stadtviertels (wenn man von einem Viertel überhaupt reden kann, denn üblicherweise laufen in einem intakten Viertel Bewohner rum und nicht Touristen) lächerlich.

    Lustigerweise gibt es ja mittlerweile in vielen Städten diese Hafen Citys und alle sehen gleich aus (dieser Architekt muss ja echt gut verdienen) und alle haben irgendwie auch die gleichen Problem.