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Woher das Wachstum kommt

 

Drollig, wie die Untergangspropheten jetzt versuchen, Ihre in den vergangenen Jahren aufgestellten Thesen vom Niedergang der deutschen Wirtschaft zu retten. Denn das kräftige Wachstum will einfach nicht zu ihren Katastrophenszenarien passen, die nur mit Blut-Schweiß-und-Tränen-Reformen eigentlich hätten verhindert werden können.

Ich habe in den vergangenen Tagen mit einigen aufgeklärten Frankfurter Bankvolkswirten telefoniert. Alle frohlocken schon, mit welchen Kniffen, Tricks und Unverschämtheiten uns die Fraktion der Verkrustungstheoretiker und Basarökonomen in den kommenden Wochen beglücken werden. Zwei platte Strategien seien schon mal skizziert:

Das Wachstum sei zu stark, die deutsche Wirtschaft überhitze. Mehr als ein Prozent sei nicht drin, weshalb jetzt Maßnahmen gegen ein Heißlaufen getroffen werden müssten. Nein, kein Scherz. Zumindest das mit der Überhitzung („im roten Bereich“) haben die Volkswirte der Dekabank geschlussfolgert. Diese Strategie wird scheitern, sie ist einfach zu borniert.

Etwas geschickter stellen es jene wie Hans-Werner Sinn an, die jetzt von Konjunktur statt Wachstum sprechen und damit suggerieren, dass sie langfristig mit dem Niedergang Recht hätten, aber die kurzfristige Konjunktur Deutschland besser aussehen lässt. Dazu passen auch all jene Kommentare, die den Zenit im zweiten Quartal überschritten sehen und für Anfang nächsten Jahres Schlimmes befürchten. Das kräftige Wachstum ein Ausrutscher. Diese Fraktion muss man fragen, warum es bis 2006 gedauert hat, bis Deutschland endlich an der Weltkonjunktur partizipiert. Warum nicht schon 2004 und 2005 – Spitzenjahrgänge der Weltkonjunktur? Diese Frage lässt sich nicht mit dem verkrusteten Arbeitsmarkt und den nominal hohen Löhnen erklären. Denn daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts Wesentliches geändert.

Last but not least im Wachstumszusammenhang ein großes Lob an die Volkswirte der Financial Times Deutschland (FTD). Thomas Fricke, Sebastian Dullien, Mark Schieritz und Christiane von Hardenberg haben über Jahre hinweg dem deutschen Mainstream die Stirn geboten. Sinns-Thesen mutig zerfetzt und immer wieder einen neuen Dreh gefunden, warum das, was uns all die anderen Tageszeitungen serviert haben in puncto Niedergang der deutschen Wirtschaft nicht stimmen muss, dass man auch anders auf die Probleme schauen kann.

Ich habe hier meinen Erklärungsversuch angehängt, den treue HERDENTRIEB-Leser kennen mögen. Es ist meine Story 2006, die ich im April für das Fachmagazin der Assetmanager „dpn“ aufgeschrieben habe:

DEUTSCHLANDS WUNDERSAME WIEDERAUFERSTEHUNG

Überall regt es sich in diesem angeblich so stark verkrusteten Land. Was ist nur los mir Deutschland? Große Koalition, kaum eindrucksvolle Strukturreformen und dennoch: Der Optimismus der Industrie, gemessen am berühmten Ifo-Index, liegt auf Niveaus, die zuletzt 1991 erzielt worden sind. Die Investitionen ziehen wieder an, die Beschäftigung nimmt wieder zu, obwohl die Löhne noch immer ganz weit über denen in Osteuropa liegen, von China ganz zu schweigen. Und selbst die Baubranche meldet sich zurück, obwohl das Land doch angesichts der demografischen Entwicklung angeblich keine Steinbauten mehr braucht.

Was vor sechs Monaten noch als unvorstellbar galt, ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und mehr, wird immer mehr zur Gewissheit. Niemand muss sich die Augen verwundert reiben oder mit offenem Mund staunen. Erst recht sollte sich niemand lächerlich machen und versuchen, einen irgendwie gearteten Merkel-Faktor ausfindig machen zu wollen. Das ist Folklore.

Schneller Abschied vom Rheinischen Kapitalismus

Der Schlüssel zum Verständnis des Anpassungsprozesses der vergangenen Jahre sind die Finanzierungsbedingungen der deutschen Wirtschaft. Sie haben sich so grundlegend gewandelt, dass dieses Land ins Straucheln geraten ist. Innerhalb von fünf Jahren hat sich das Land vom Rheinischen Kapitalismus verabschiedet und ist zu einem ganz normalen kapitalistischen Land mutiert. Ganz plötzlich war der billige Kredit verschwunden, ganz plötzlich reichte den Kapitalbesitzern eine traditionell geringere Eigenkapitalrendite als im Rest Europas nicht mehr. Diese Anpassungskrise hat das Land zum mehrjährigen Schlusslicht verdammt. Notgedrungen ging die Anpassung von dem einen institutionellen Rahmen zum anderen mit einer enormen Umverteilung zwischen den beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital einher, die die Binnennachfrage gelähmt und das Land vom Export abhängig gemacht hat. Doch inzwischen meldet sich die Binnennachfrage zurück.

Parallel dazu scheint auch die Wiedervereinigung halbwegs verkraftet. Sie hat über ein Jahrzehnt das Wachstum massiv gehemmt. Der durch die Wirtschaftspolitik des Altkanzlers Helmut Kohl künstlich aufgeblähte Bausektor hat einen zehnjährigen Schrumpfungsprozess hinter sich mit Massenentlassungen von insgesamt rund 1.000.000 Menschen, mit einer geplatzten Immobilienblase und in letzter Konsequenz mit der Bankenkrise der Jahre 2002/2003. Jetzt sieht es so aus, als sei das Schlimmste überstanden. Der Bausektor dürfte dieses Jahr erstmals keine Wachstumspunkte mehr kosten, der Immobilienmarkt scheint sich stabilisiert zu haben und die Banken machen wieder ordentliche Gewinne.

Strukturreformer aus gutem Grund sprachlos

Kurzum: Deutschland hat seine zwei schweren Schocks, Wiedervereinigung und Euro, überstanden und es spricht nichts dagegen, dass es in diesem Land wieder aufwärts gehen kann – und nicht nur für ein Jahr. Der Boden ist bereitet. Das heißt natürlich nicht, dass die deutsche Wirtschaft immun wäre gegen einen Dollarcrash, gegen eine weltweite Wachstumsabschwächung oder ähnliches. Aber das zur Gewohnheit gewordene Starren auf den Arbeitsmarkt und seine vermeintlichen Verkrustungen bringt niemanden weiter. Der Arbeitsmarkt und der „ausufernde Sozialstaat“ waren nie das Hauptproblem der vergangenen Jahre. Es war der Kapitalmarkt und die daraus abgeleiteten Finanzierungsbedingungen. Doch so blicken die vielen Wirtschaftspropheten selten auf die Wirtschaft. Deshalb sind die Strukturreformer in letzter Zeit ob der Dynamik der Wirtschaft so sprachlos: Aus ihrer Sicht hat sich nichts Wesentliches an den Rahmenbedingungen geändert.

Der Euro hat die Karten neu gemischt

Es war die Einführung des Euros Anfang 1999: Sie hat unbemerkt den Katalysator für die grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gespielt. Zum einen verlor Deutschland mit der D-Mark die latente Aufwertungsspekulation. Diese über Jahrzehnte berechtigte Spekulation hatte das deutsche Wirtschaftssystem lange Zeit gegenüber dem Rest der Welt abgeschottet.

Denn die Renditeanforderungen an die hiesigen Unternehmen durften geringer sein. Die Aufwertung der D-Mark hatte aus Sicht der internationalen Anlegerschaft diesen Nachteil wettgemacht.

Deutschland ist lange mit einer signifikant geringeren Eigenkapitalrendite ausgekommen als der Rest Eurolands. Wenn die Renditeanforderungen des Produktionsfaktors Kapital geringer sind, bedeutet das zwangsweise, dass mehr investiert wird und dass der Produktionsfaktor Arbeit mehr vom Kuchen abbekommen kann. Beides war lange Zeit in Deutschland der Fall.

Nicht nur die Eigenkapitalrendite lag im D-Mark-Zeitalter niedriger als heute, auch die Kreditzinsen waren relativ zu den europäischen Nachbarländern billiger. Das resultierte aus der Funktion, die die D-Mark im Europäischen Währungssystem inne hatte. Sie war die Leitwährung und konnte deshalb ihren Währungsraum mit den günstigsten Finanzierungsbedingungen versorgen. Durch die Einführung des Euros wurde dieser Vorteil nivelliert und plötzlich hatten die Unternehmen in Italien oder Spanien die selben niedrigen Finanzierungskosten. Hinzu kamen die Abschaffung der Gewährträgerhaftung für die öffentlich-rechtlichen Institute und die ganze Umstellung der Kreditvergabe auf die Anforderungen von Basel II. Alles zusammen hat die Kreditanforderungen für die Unternehmen extrem erhöht und zu dem schwachen Wachstum beigetragen.

Das Finanzierungssystem der Deutschland AG …

Während die beiden eben beschriebenen Effekte noch relativ problemlos mit jedem Standardlehrbuch für Wirtschaft erklärbar sind, ist der dritte, wichtige Mechanismus nicht ganz so offensichtlich. Denn hierbei handelt es sich eher um Corporate Governance als um Volkswirtschaft. Der Rheinische Kapitalismus war ein Wirtschaftssystem, das auf den Bankkredit aufbaute und nicht auf den Kapitalmarkt. Bis zur Jahrtausendwende hatten Minderheitsaktionäre, Fondsgesellschaften und ausländische Investoren nichts zu melden. Dafür übernahmen die Großbanken die Rolle des zentralen Koordinators. Sie finanzierten die Unternehmen mit Kredit, sie waren an den Industrieunternehmen beteiligt, sie saßen in so gut wie jedem Aufsichtsrat und gaben dem Management die Richtung vor. Es war ein System, das auf die Kontrollen der Insider setzte. Im Aufsichtsrat saßen alle Stakeholder, Großaktionäre, Banken, Gewerkschaften sowie wichtige Kunden und Lieferanten. Die Konflikte zwischen den Parteien wurden intern und im Kompromiss gelöst. Es war die berühmte Deutschland AG, die das Land regierte.

… forderte nicht die höchsten Eigenkapitalrenditen

Ein Finanzierungssystem, das auf den Bankkredit als wichtigstes Finanzierungsmedium setzt, produziert nicht auf Teufel komm raus hohe Eigenkapitalrenditen. Denn hohe Gewinne für die Aktionäre sind nicht in erster Linie im Interesse der Banken, denen es vor allem um die langfristige Bedienbarkeit der Kredite ging. Die Bilanzierungsregeln waren natürlich an den Interessen der Gläubiger, der neudeutsch Bondholder, ausgerichtet. Lieber Reserven bilden als Gewinne ausweisen. So konnten die Firmen in schlechten Jahren das Ergebnis glätten, blieben zahlungsfähig – für den Zins- und Schuldendienst sowie die Dividende. Plötzliche Werkschließungen, Massenentlassungen, hektische Verkäufe von einzelnen Beteiligungen waren unnötig. Zum einen sorgte die konservative Bilanzierung dafür, Liquiditätskrisen gar nicht erst entstehen zu lassen, zum anderen gab es den Druck des Kapitalmarktes nicht, möglichst rasch die versprochene Eigenkapitalrendite zu bescheren. Und vor feindlichen Übernahmen schützten die Überkreuzbeteiligungen.

Eichels Steuergeschenk brach die Schutzwälle

Das änderte sich peu à peu seit Mitte der 90er Jahre. Die immer stärker in deutschen Aktien investierten ausländischen Investoren, Pensions- und Investmentfonds, verlangten eine höhere Publizität, einen besseren Schutz, eine andere Vertretung im Aufsichtsrat. Als einer der ersten Konzerne verzichtete die Deutsche Bank 1995 auf die deutschen Bilanzierungsvorschriften und nutzte die gesetzliche Möglichkeit, ihre Bilanz nach dem kapitalmarktorientierten Standard IAS zu erstellen. Und natürlich hielt die Shareholder-value-Philosophie viele Verlockungen bereit. Die Vorstände, die sich bislang immer um einen Kompromiss mit ihrem Aufsichtsrat bemühen mussten und international bescheiden verdienten, wollten auch endlich ihre Bezüge globalisieren. Was gab es da Eleganteres, als den Aktienkurs zum allein seligmachenden Maßstab zu bestimmen, und damit nur noch die Interessen der Aktionäre zu bedienen? So führten zum Beispiel die Vorstände bei Deutscher Bank und Daimler Benz erstmals im Jahr 1996 Aktienoptionen ein. 1998 durften Unternehmen zum ersten Mal eigene Aktien zurückkaufen und bekamen so die Möglichkeit zu schrumpfen. 2001 wurde das Übernahmegesetz verabschiedet, das klar regelt, wie in Deutschland ein börsennotiertes Unternehmen aufgekauft werden darf. Zur selben Zeit wurde die Stellung der Banken im deutschen Modell geschwächt. Das Gesetz, das die Deutschland AG in die Auflösung schickte, war das Geschenk der Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe des Ex-Finanzministers Hans Eichel. Damit brachen die Schutzwälle. Der anonyme Aktionär hatte sich auch in Deutschland von der untersten Hierarchiestufe ganz nach oben gearbeitet.

Mit mehr Streiks wäre die Metamorphose perfekt

Das einzige, was zur Vollendung der Metamorphose fehlt, sind Streiks. Wenn in den Unternehmen nicht mehr die Insider das Sagen haben und nicht mehr alle widerstrebenden Interessen im Konsens gelöst werden können, muss jeder Stakeholder schauen, wo er bleibt. Deutschland galt immer als das Land in der kapitalistischen Welt, das den Arbeitskampf nicht kannte, zumindest fiel er nie ins Gewicht. Vier ganze Tage pro Jahr auf 1.000 Arbeitnehmer sind im Schnitt der vergangenen zehn Jahre für einen Streik draufgegangen. In Amerika sind es 44, in Irland 78 und in Frankreich fast 100. Wie es scheint, gleicht sich Deutschland nun auch in diesem Punkt der angelsächsischen Welt an.

Wie die Aufreihung der kleinen Revolutionen für den Finanzmarkt Deutschland zeigt, war der Rheinische Kapitalismus schon vor der Euro-Einführung nicht richtig globalisierungstauglich. Aber erst der Euro hat den Systemwechsel hin zu einem Kapitalismus angelsächsischer Prägung erzwungen. Die Friktionen wurden nach dem TMT-Boom Ende 2001 deutlich spürbar. Was erstaunt und insofern gegen die These des verkrusteten Deutschlands spricht, ist die Geschwindigkeit, mit der sich das System von dem einen in den anderen Zustand gewandelt hat.

Die Anpassung war scharf, aber erfolgte rasch. Die Investitionen brachen in den Jahren 2002 bis 2004 regelrecht ein, genau so wie die Lohnquote, also der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, der dem Faktor Arbeit zusteht. Im Gegenzug kletterte die Gewinnquote auf den höchsten Stand seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und bescherte dem eingesetzten Kapital die international übliche Rendite. Im Prinzip lief die Anpassung wie im Lehrbuch ab. Die starke Lohnzurückhaltung hat auf der einen Seite den Konsum geschwächt, auf der anderen Seite das Land zum Exportweltmeister gemacht. Die Lohnstückkosten liegen heute um satte 8,7 Prozent unter dem langfristigen Durchschnitt seit 1975!

Drei Prozentpunkte trüben die Aussicht nur ein bisschen

So stellt sich die deutsche Volkswirtschaft im Jahr 2006 runderneuert und hoch wettbewerbsfähig dar. Alle Bremsen, die dem Land über gut ein Jahrzehnt ein mickriges Wachstum beschert haben, sind gelockert: Auf der Finanzierungsseite tickt das System jetzt nach anderen Regeln, aber es tickt wieder. Auf der realwirtschaftlichen Seite lastet der Bau nicht mehr auf dem Wachstum und auch der Stellenabbau im Staatssektor, immerhin der zahlenmäßig zweitgrößte nach dem Bau während der vergangenen zehn Jahre, scheint ausgestanden. Die einzige Gefahr, die Deutschland droht, kommt von der Mehrwertsteuererhöhung im nächsten Jahr. Sie fällt mit drei Prozentpunkten etwas happig aus und könnte noch einmal etwas Schwung rauben. Abgesehen davon wird Deutschland in den kommenden Monaten und Jahren noch für so manche positive Wachstumsüberraschung gut sein.

42 Kommentare


  1. […] Auch dazu im ZEITblog Herdentrieb: Woher das Wachstum kommt […]

  2.   Horst Schmidt

    Da faellt mir doch ein kleines, gewichtiges Buch in die Hand. Aus dem Jahre 2002, der Himmel verfinsterte sich ueber Deutschland, die Apokalypse stand bevor, die "Zeit – Koryphaen", die ueblichen Verdaechtigen dieses Blattes haben sich vereint mit Mainstreamern und haben dann ihre ganze Kompetenz, ihr ueberragendes Wissen, ihre Faehigkeit in die Zukunft zu schauen, sie schlecht zu reden, in dieses eine Meisterwerk gepackt und der verwirrten Oeffentlichkeit praesentiert.

    Angefangen von Dieter Wild, Michael Naumann, Josef Joffe (der darf ja nicht fehlen) ueber Robert Leicht, Paul Kirchhoff und endend bei Helmut Schmidt.

    Eine erlauchte Gemeinschaft der Wissenden, die Elite, nun gut ein Teil davon, blies den Deutschen den Marsch.

    "ZEIT ZUM AUFSTEHEN" Agenda Deutschland – Was sich aendern muss.

    Welch Werk, welch Erguss, welch Ergebnis. Chapeau, Chapeau!

    Und nun? Tritt das ein, was immer eintritt, wenn der Binnenmarkt, die Binnenkonjunktur trotz Umverteilung kurzfristig anspringt. Die Nachfrage, der Konsum sich belebt.

    Nicht lange, weil nicht erwuenscht, aber immerhin. Aber was nun?

    Werden die momentan in die Defensive geratenen Unken, die Auguren des Untergangs schweigen oder sich nur fuer das naechste Jahr in einen neu ausgehobenen Schuetzengraben begeben und zur neuen Attacke blasen, wenn die Wirkungen der Bundespolitik den wieder erhofften Schaden anrichtet?

    Fragen ueber Fragen! Auch Robert von Heusinger wird dann wieder vergeblich gegen den Unsinn anschreiben, mit maessigem Erfolg, aber immerhin. Auf ein Neues!

  3.   gerry

    Eine weitere positive Entwicklung zeigt sich in der Tourismus- und Hotelindustrie. Die Zahl deutscher Touristen in Italien und anderen Nationen nimmt rapide ab, denn man hat die eleganten Badeorte an der Ostsee neuentdeckt, die sich momentan einer Hochkonjunktur erfreuen.


  4. In dieser Zeit der anspringenden (?) Binnenkonjunktur faellt unserem erlauchten Herrn Finanzminister nichts anderes ein, als den Deutschen mit dem Gespenst der drohenden Altersarmut den Urlaub auszureden.

    Das laesst nur zwei Schluesse zu: entweder weiss Herr Steinbrueck nicht, wie das Finanzierungssystem der privaten Altersvorsorge funktioniert, dann ist er inkompetent. Oder er goennt den deutschen Arbeitnehmern schlichtweg den Urlaub nicht-dann ist er boesartig. In beiden Faellen hat er in seiner Funktion grandios versagt.

    Waere es denn nicht an der Zeit, bei steigender Binnenkonjunkur auch einmal ueber hoehere Gehaelter fuer die deutschen Arbeitnehmer nachzudenken? Nachdem die angeblich so hohen Lohn-und Lohnnebenkosten laut Herrn von Heusinger nicht der Grund fuer die schwaechelnde Wirtschaft der letzten Jahre waren, duerfte das nicht weiter schwierig sein. Das gaebe allen die Moeglichkeit, in steigendem Masse privat fuers Alter vorzusorgen und sich-Herrn Steinbrueck zum Trotz-auch weiterhin schoene Urlaube zu goennen. So kaemen Versicherungswirtschaft und Reisebranche voll auf ihre Kosten. Eine Utopie?

    Um nochmal auf Herrn Steinbrueck zurueckzukommen: Deutschland hat z.Z. sehr wohl ein Lohnkostenproblem, naemlich die Ueberbezahlung inkompetenter Top-Manager und Politiker…


  5. […] Mehr als ein Prozent ist nicht drin. Zeit, Herdentrieb: Das Wachstum sei zu stark, die deutsche Wirtschaft überhitze. Mehr als ein Prozent sei nicht drin, weshalb jetzt Maßnahmen gegen ein Heißlaufen getroffen werden müssten. Nein, kein Scherz. Zumindest das mit der Überhitzung („im roten Bereich“) haben die Volkswirte der Dekabank geschlussfolgert. Diese Strategie wird scheitern, sie ist einfach zu borniert. […]

  6.   greenjg

    Sie sollten sich mehr mit der Geschichte befassen Herr Robert von Heusinger … die Arbeitslosigkeit und die Abnahme des Wirtschaftswachstums … gibt es seit Anfang der 70er … vor allen Dingen der Langzeitarbeitslosen … erweitern Sie Ihr Betrachtungshorizont …

    Wachtum oder Inflation?

    Wir haben eine Strukturkrise .. wir benoetigen eine Explosion der Geldmenge um ein paar Arbeitslose in eine Taetigkeit zu bringen … und das nennen Sie einen Erfolg … ?

    uebrigens … Deloitte hat erstmals eine Eroeffnungsbilanz fuer Deutschland gemacht … 1300 Mrd ungedeckter Schulden …

    http://www.ftd.de/politik/deutschland/105692.html

    Ich moechte sehen, wie ein rational denkender Anleger 4% fuer eine Unternehmung nimmt .. die kronisch defizitaer ist und lediglich 30 % Eigenkapital hat …

    Wir muessen die Investitionskosten senken!!!!! Dann bluehen vielleicht mit viel Schweiss die Landschaften … vorher nicht …

    mfg,

    greenjg

  7.   MK

    @greenjg:

    Irgendwann reicht es aber mal mit dem Blödsinn von den ungedeckten Schulden.
    Fuer niemanden ist es so einfach seine Schulden zu tilgen als fuer den Staat: Steuern einnehmen – Schulden tilgen.
    ‚ungedeckt‘ sind Staatsschulden dann, wenn er nicht mehr in der Lage ist Steuern einzunehmen. Ob den Staatsschulden ‚reale‘ Vermoegenswerte (Grundstuecke etc.) gegenueberstehen oder nicht ist voellig egal.
    Wenn sie es doch noch verstehen wollen, dann lesen sie nochmal ein paar der frueheren Kommentare zu dem Thema.
    Andernfalls sollten sie wohl einfach akzeptieren das die meisten Anleger nicht gerade Ihrer Meinung sind…

  8.   Kramladen

    @ greenjg

    Wie koennten Sie denn mit Ihrer Logik erklaeren, dass Glaeubiger auch Schwellenlaendern Kredite geben? Die decken Ihre ganzen Schulden ja auch nicht mit Vermoegenswerten. Auch Staaten in Lateinamerika hatten Schulden, die an die 60 % der BIP lagen (also Deutschland vergleichbar).

    Nur haben die mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel weniger Vermoegenswerte als Deutschland oder andere entwickelte Industriestaaten, die eine vergleichbare Schuldenquote haben. (Gehoert in Japan alles dem Staat?)

    Investoren haben doch nicht verlangt, dass diese Schwellenlaender ihre Vermoegenswerte dafür verpfaenden. Zum einen gab es Sicherheiten in T-Bills, die Staaten teilweise fuer Bonds hinterlegen mussten. Viele Schulden hatten und haben aber ueberhaupt keine Sicherheit.

    Eben, weil Investoren darauf setzen, dass Rohstoffpreise oben bleiben, die US-Zinsen niedrig und so die Staaten viel exportieren koennen, die Wirtschaft laeuft, und die Staaten ihren Schuldendienst bedienen koennen.

    Dass ihnen das oefter mal nicht gelingt, scheint international Investoren auch nicht weiter zu beunruhigen. Schliesslich ist der Kapitalfluss weiterhin ungebrochen (auch wenn es gerade etwas schwierig wegen den hoeheren Zinsen wird).

    Wie kommen Sie dann darauf, dass Glaeubiger wirklich Vermoegenswerte als Sicherheit verlangen? Dass es jetzt eine ordentliche Bilanz von Deutschland und Hamburg gibt, mag man ja gut finden, meines Wissens gibt es aber so etwas von anderen Laendern nicht, und ich glaube auch nicht, dass Investoren das so noetig brauchen.

    Gruss,

    Kramladen

  9.   greenjg

    @MK,

    "Fuer niemanden ist es so einfach seine Schulden zu tilgen als fuer den Staat: Steuern einnehmen – Schulden tilgen.
    – ungedeckt – sind Staatsschulden dann, wenn er nicht mehr in der Lage ist Steuern einzunehmen."

    Aber genau das ist das Problem … die Mittelschicht dieses Landes … zahlt inzwischen einen Grenzsteuersatz mit allen Abgaben und Steuern ca. 70 – 80 % … Unternehmen .. verlassen das Land, weil denen die Loehne zu hoch sind … Loehne + staatliche Zwangsbeitraege … Vermoegen besteuern .. waere nichts anderes als Enteignung …. und Kapital besteuern … erhoeht nicht Anderes als die Rationalisierung des Faktor Arbeit … dessen Preis weit ueber den Marktpreis liegt … Steuererhoehungen fuehren zu kurzfristigen Steuereinahmen .. die aber dann Zusammenbrechen .. wegen der Flucht bzw. die Sozialausgaben steigen schneller als die Steuereinnahmen …

    Damit steigt und faellt Ihre These!

    "Andernfalls sollten sie wohl einfach akzeptieren das die meisten Anleger nicht gerade Ihrer Meinung sind …"

    Die Anleger sollen machen was sie wollen … wenn Sie bei einer Inflation von ca. 7% .. 3-4% Zinsen vor Steuern annehmen .. Bitte … das ist deren Bier! Sie tun so .. als haette der Anleger die absolute Weissheit geerbt …

    "Wie koennten Sie denn mit Ihrer Logik erklaeren, dass Glaeubiger auch Schwellenlaendern Kredite geben? Die decken Ihre ganzen Schulden ja auch nicht mit Vermoegenswerten. Auch Staaten in Lateinamerika hatten Schulden, die an die 60 % der BIP lagen (also Deutschland vergleichbar)."

    Richtig … und was ist mit Argentinien passiert? Bluehende Landschaften … ?????

    "Nur haben die mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel weniger Vermoegenswerte als Deutschland oder andere entwickelte Industriestaaten, die eine vergleichbare Schuldenquote haben. (Gehoert in Japan alles dem Staat?)"

    Wenn die Verschuldung bei 60% liegt … ist es schnurz piep, ob sie viel Vermoegen haben oder nicht … 60% sind 60% …

    Japan muesste auf ein paar Jahresproduktion verzichten … 😉 Nichts essen .. nichts Investieren … nichts Konsumieren … oder es macht so weiter und druckt fleissig mehr Geld … damit die Verschuldung getilgt werden kann … und die Investitionen getaetigt werden kann … ohne Schulden .. natuerlich …

    "Investoren haben doch nicht verlangt, dass diese Schwellenlaender ihre Vermoegenswerte dafuer verpfaenden. Zum einen gab es Sicherheiten in T-Bills, die Staaten teilweise fuer Bonds hinterlegen mussten. Viele Schulden hatten und haben aber ueberhaupt keine Sicherheit."

    Sie wollen einen ungedeckten Schuldschein als Sicherheit … ???? Lach … selten so gelacht … T-Bills … koennen Sie kuenftig Einrahmen … als Deko in Ihrer Wohnung oder als Klopapier verwenden!

    "Eben, weil Investoren darauf setzen, dass Rohstoffpreise oben bleiben, die US-Zinsen niedrig und so die Staaten viel exportieren koennen, die Wirtschaft laeuft, und die Staaten ihren Schuldendienst bedienen koennen."

    Die Rohstoffpreise sind hoch … WEIL die Zinsen niedrig sind .. nicht ungekehrt …

    Export als Lebensaufgabe .. ??? Exportieren muss ich, um importieren zu koennen …. in einer vernuenftigen Weltwirtschaft .. sollten die Handels- und Leistungsbilanzen mehr oder weniger aufgehen … ohne diese Irrsinnigen Defizite und Ueberschuesse … alles andere ist Kokolores.

    "Dass ihnen das oefter mal nicht gelingt, scheint international Investoren auch nicht weiter zu beunruhigen. Schliesslich ist der Kapitalfluss weiterhin ungebrochen (auch wenn es gerade etwas schwierig wegen den hoeheren Zinsen wird)."

    Noch nicht … aber die Nervositaet steigt … bitte nicht vergessen … den Irrsinn hatten wir in den 70ern hatten schon mal … damals musste Paul Volkert den kurzfristigen Leitzins ueber 20% jagen .. damals war aber die Lage nicht so dramatisch wie heute …

    In der Dotcom Aera waren die Investoren auch nicht beunruhigt … und nu … ?

    "Wie kommen Sie dann darauf, dass Glaeubiger wirklich Vermoegenswerte als Sicherheit verlangen? Dass es jetzt eine ordentliche Bilanz von Deutschland und Hamburg gibt, mag man ja gut finden, meines Wissens gibt es aber so etwas von anderen Laendern nicht, und ich glaube auch nicht, dass Investoren das so noetig brauchen"

    Glaeubiger verlangen scheinbar keine Sicherheit … bis Sie merken, dass die Bonds wertlos sind … aber das bedienen der Bonds erfolgt durch den Entzug von potenziellem Investivkapital, Inflation steigt und die Wirtschaftgrundlage bricht weg … Wuerden Sie ein Unternehmen kaufen … dessen Buecher Sie nie gesehen haben … und bitte .. sagen Sie mir nicht .. ein Staat ist kein Unternehmen .. es ist kein Unternehmen … aber es ist eine Unternehmung .. und jeder muss bilanzieren .. der Staat, Unternehmen, Hausfrauen, Kioskbesitzer, Tiere …. und und und

    Nicht desto trotz … es gibt ein aufbaeumen in der Wirtschaft .. dafuer sprechen .. in der Tat die Zahlen .. aber einen nachhaltigen Aufschwung wird das nicht … und wenn Herdentrieb .. behauptet .. die Einheit sei jetzt verdaut … dann hat er scheinbar nicht in die Sozialkassen, die Struktur des Arbeitsmarktes geschaut und die Kostenstruktur des Haushalts …

    Rheinische Kapitalisums abgeschafft und Kapitalismus angelsaechsischer Praegung ….

    FALSCH! Tarifkartelle … Gesundheitskartelle … Energiekartelle … Buerokratenkartelle und Ueberregulierung verschiedenste Maerkte (Arbeitsmarkt, Gensundheitmarkt, …. ) haben mit Kapitalismus und Marktwirtschaft rein garnichts zu tun! Das ist im besten Fall "marktwirtschaftliche sozialistische Buerokratenanarchie"!!!!! Aber Herdentrieb bestreitet das …

    mfg,

    greenjg

  10.   Thomas

    @greenjg: Schauen Sie sich doch einfach mal die Staatsschulden im Vergleich zu den Steuereinnahmen an. Dann werden Sie feststellen, dass man mit den Einnahmen locker die Zinsen und die Tilgung finanzieren kann. Damit sind fuer den Kapitalmarkt die Schulden gedeckt. Die meisten anderen Verpflichtungen des Bundes muessen da hinten anstehen. Das mag im Falle einer zugespitzten Finanzkrise des Bundes, die im Moment weder die Mehrheit der Buerger noch der Kapitalmarkt erwartet, schmerzhaft fuer die Buerger sein, wenn sie auf die eine oder andere Verguenstigung verzichten muessen.
    Die Schulden werden aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bedient werden koennen. Wenn Sie das nicht so sehen, dann kaufen Sie halt keine Bundesanleihen.