So funktioniert Kapitalismus

Der Osten holt langsam auf

Von 31. Mai 2007 um 16:58 Uhr

Sozialversichungsplfichtig Beschäftigte Ost - West

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt seit Anfang 2006 rasant an. Im März, das ist der letzte Monat für den Zahlen vorliegen, waren saisonbereinigt nach ersten Schätzungen in Deutschland 26,8 Mill. Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 2,7 Prozent mehr als im Januar 2006 als die Zahl einen Tiefpunkt erreicht hatte. Dabei ist die Entwicklung in Ostdeutschland besonders erfreulich. Dort gab es in diesem Zeitraum einen Anstieg um 3,7 Prozent. Im Westen waren es 2,5 Prozent. Der Osten holt also langsam auf.

Arbeitslosenquote West - Ost

Um von einer wirklichen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt in den neuen Bundesländern sprechen zu können, ist es allerdings noch viel zu früh, denn die Arbeitslosenquote ist mit 15,3 Prozent im Mai noch sehr hoch. Sie liegt aber immerhin um 4,2 Prozentpunkte unter dem Höchststand vom März 2005. In den alten Bundesländern ist die Arbeitslosenquote im gleichen Zeitraum um 2,6 Prozentpunkte gesunken und liegt jetzt saisonbereinigt bei 7,6 Prozent. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt macht sich nicht nur branchenübergreifend bemerkbar, sondern ist auch regional relativ gleichmäßig verteilt. Wie die Bundesagentur für Arbeit am heutigen Donnerstag mitteilt, ist die Beschäftigung in allen Bundesländern gestiegen. Zuletzt am stärksten in Brandenburg und Sachsen mit 4,2 bzw. 4 Prozent im Vorjahresvergleich.

Erwerbstätige und Arbeitlose Mai 2007

Der Abbau der Arbeitslosigkeit hat sich saisonbereinigt im April und Mai verlangsamt. Im Mai stieg die Zahl sogar um 3 Tsd. an. Es gibt allerdings keinen Grund von einer sich ankündigenden Wende zu reden, da der Rückgang in den Vormonaten witterungsbedingt überzeichnet war. Im Durchschnitt ist die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen in den letzten 17 Monaten um rund 50 Tsd. monatlich gesunken. Sollte die Dynamik der Konjunktur anhalten, dürfte sich dieser Trend im Verlauf des Jahres fortsetzen. Dass dem so sein wird, dafür spricht die hervorragende Auftragslage der Unternehmen. Das gilt auch für die Unternehmen in Ostdeutschland wie das IWH letzte Woche berichtet hat.

Detaillierte Informationen zur Entwicklung von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit finden sich im aktuellen Monatsbericht und im Branchenreport der Bundesagentur für Arbeit.

Kategorien: Der aktuelle Rand
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wenn ich mir so die Abwanderungsmeldungen aus dem Osten in den letzten Tagen ansehe, dann muss ich doch fragen, ob Sie hier nicht Opfer eines sog. “Survivor bias” geworden sind.
    Wenn Arbeitslose abwandern, um im Westen ihr Glück zu versuchen, dann sinkt die prozentuale Arbeitslosigkeit im Osten schon allein dadurch – zu Lasten der im Westen. Und das auch dann, wenn der Abwandernde im Westen einen Job findet, den dann ja kein eingeborener “Wessi” mehr kriegen kann.

    Gruss, Edicius

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    • 31. Mai 2007 um 17:56 Uhr
    • edicius
  2. 2.

    @ edicius

    Sie haben recht, Wanderungsbewegungen spielen sicherlich eine Rolle. Ich kenne allerdings bisher keine Zahlen, aus denen man herauslesen kann, wie sich die Wanderungen zwischen den alten und den neuen Bundesländern auf die jeweiligen Arbeitslosenzahlen auswirken.

    Im Jahr 2006 gab es aus den neuen Bundesländern 135797 Zuzüge in die alten Bundesländer und aus den alten Bundesländern 81835 Zuzüge in die neuen Bundesländer (jeweils ohne Berlin). (Quelle: Stat. Bundesamt)

    Die Wanderung zwischen Ost und West ist also keine Einbahnstrasse.

    Im Saldo sind 2006 demnach 54144 Personen aus den neuen Bundesländern in die alten Bundesländer gezogen.

    Was schätzen Sie, wie sich das in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar macht und wie groß der Bias ist?

    Beste Grüße

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    • 31. Mai 2007 um 21:54 Uhr
    • Uwe Richter
  3. 3.

    @ uwe richter

    Nein, ich kenne solche Zahlen nicht. Vielleicht gibt’s die auch gar nicht. Schliesslich sind wir jetzt ja ein einig-vereintes Land. Ist auch eigentlich nicht so wichtig, bzw. nur insofern wichtig als Sonderregelgungen Ost hier eine Rolle spielen von den Tariflöhnen bis hin zum Solidaritäts-Zuschlag, den ich schon lange gern erschlagen wüsste…

    besten Gruß, Edicius

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    • 31. Mai 2007 um 22:53 Uhr
    • edicius
  4. 4.

    Naja, das mit dem Soli…
    Der wird ja immer gerne als Monstranz vorneweg getragen, um die Unverschämtheit der Ossis anzuprangern. Nur die zahlen den Soli ebenfalls, schon gewußt – vermutlich nicht, aber was solls.
    Ich bin aber schon lange der Auffassung, das man mal gründlich über die Transferleistungen nachdenken muß. Einigen Gebieten – vor allem in Sachsen und Thüringen geht es so gut, da ist jeder Neid verständlich. In der Mädlerpassage in Leipzig servieren sie schon früh um zehn Austern und Prosecco! Je robuster solche Regionen wie Sachsen aufholen, desto mehr zeigt sich, wie der alte, angeblich starke Westen ins Hintertreffen gerät. Gerade wenn rationalisiert wird und Stellen gestrichen werden, bleiben die Oststandorte verschont wegen ihrer besseren Kostenstruktur (wie gesehen bei Opel, Fujitsu-Siemens etc.). Währenddessen gehen in Bochum und Duisburg die Lichter aus, in Gegenden wie dem Emsland und dem Hunsrück sind sie noch nie an gewesen! Und dann bleibt es dunkel, weil etwa im Ruhrgebiet keine Forschung ansässig ist wogegen es im Osten mittlerweile sehr gut bestellt ist. Da werden sich in den nächsten Jahrzehnten teilweise die Verhältnisse zugunsten von Leipzig-Halle, Erfurt, Jena, Potsdam und vor allem Dresden umkehren, darüber sollte endlich mal nachgedacht werden. Noch aber dominiert Klischeedenken -Osten arm, Westen unangreifbar. So stimmt das schon lange nicht mehr aber das will erstens im Westen keiner glauben und im Osten keiner zu laut herausposaunen, dann braucht man nicht zuviel sparen.

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    • 1. Juni 2007 um 13:57 Uhr
    • Wolf
  5. 5.

    Lieber Wolf,

    nun lassen Sie sich mal nicht von den Prosecco schlürfenden Touristen in der Mädlerpassage irritieren, die Arbeitslosigkeit in Leipzig ist so bei 17%. Und wenn Sie sich die Zahlen anschauen, ist die Arbeitslosigkeit im Musterland Thüringen noch höher als im schlechtesten “Westland”, Bremen. Nur ganz vereinzelt gibt es starke ostdeutsche Landkreise, die an schwache westdeutsche Landkreise heranreichen, was die Wirtschaftskraft betrifft. Jena, Dresden usw. haben sich zwar gut entwickelt, haben aber noch überhaupt nicht diese starken Wirkungen aufs Umland wie z.B. Region Hamburg, München, Stuttgart etc. Also keine Opferrolle per se für den Osten, aber die Zahlen sprechen nun einmal eine solche Sprache.

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    • 5. Juni 2007 um 09:41 Uhr
    • bananenkiste
  6. 6.

    Zu den erfreulichen Zahlen der vergangenen Wochen und Monate kommen neuerdings allerdings einige Zweifel hinzu. So kommt das Thema “Fachkräftemangel” so langsam in den Medien hoch und uns wird von all den verpassten Chancen erzählt… Wenn ich es recht verstehe, dann scheint das bei uns in Deutschland ein sehr ernsthaftes Problem zu sein oder zu werden, zumal wir gerade bei Hochqualifizierten auch noch Wanderungsverluste mit anderen EU-Ländern erleiden. Durch fehlende Ingenieure etwa können angeblich in der Folge weitere Stellen etwa in Handel, die auch Leuten mit geringeren Qualifikationsniveaus zugute kämen, erst gar nicht entstehen. Der derzeit beobachtete Stellenaufbau könnte also schneller, als uns lieb ist, wieder vorbei sein und am Ende noch einen riesen Berg an (unqualifizierten) Arbeitslosen übrig lassen.

    Überhaupt beobachte ich beim internationalen Vergleich, dass die Zeiten des Beschäftigungsaufbaus in Deutschland immer vergleichsweise kurz und schwach sind (heute hat übrigens auch Eurostat eine Statistik zu den Erwerbstätigen veröffentlicht, die dies bekräftigt), während dafür der Beschäftigungsabbau umso heftiger und länger ausfällt.

    Als Ursache für dieses Phänomen sehe ich – neben volkswirtschaftlichen Problemen wie hier im Blog diskutiert – auch den “Fachkräftemangel” in Deutschland als bedeutend an – und damit meine ich, dass das Bildungsniveau insgesamt relativ schwach ist und andererseits bei den Qualifizierten auch noch mehr Leute das Land verlassen dürften als zu uns einwandern. Und das Ganze trotz höherer Löhne der “Gebildeten” in Deutschland als in den meisten “Zielländern”. Deutschland scheint also eine miserable Standortpolitik für Qualifizierte aus dem In- und Ausland zu betreiben (jedenfalls sind wir furchtbar unattraktiv). Anders ist nicht zu erklären, dass wir trotz höherer Löhne schneller an die Personalgrenzen stoßen als andere Länder.

    Wenn an diesen Überlegungen was dran ist, müssten wir in diesem Bereich deutlich mehr Anstrengungen reinstecken. Sonst sind andere “Reformen” wie Senkungen der Unternehmenssteuer oder der Lohnnebenkosten doch nur Makulatur, und wir übersehen eine andere Stelleschraube ganz…

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    • 13. Juni 2007 um 14:38 Uhr
    • Martin Kb.
  7. Kommentar zum Thema

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