So funktioniert Kapitalismus

Globalisierung, oder das Ende der Gemütlichkeit

Von Dieter Wermuth 1. Juni 2007 um 13:06 Uhr

Zwar ist eigentlich schon alles über die Globalisierung gesagt worden, nur noch nicht von jedem – um mal eine Anleihe bei Karl Valentin zu machen. Das Thema ist zu verlockend und zu aktuell, um es nicht in diesen Blog zu behandeln. Meine Schlussfolgerung vorneweg: Globalisierung ist was Gutes, es profitieren die wirtschaftlich aufstrebenden Ländern ebenso wie die alten Industriestaaten. Aber wer nicht agil darauf reagiert, hat schlechte Karten, denn die Globalisierung hat auch ihre dunklen Seiten. Hier ist die Politik gefordert, denn der Markt allein wird nicht in der Lage sein, die Entwicklung in eine akzeptable Richtung zu lenken.

Zunächst die Definition des Begriffs: Im neuen Economic Outlook der OECD heißt es lapidar, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, bei dem die inländischen Märkte für Produkte, Kapital und Arbeit zunehmend mit den Märkten im Ausland verschmelzen. Am Ende wird aus den vielen Nationalökonomien eine Globalökonomie.

Der Prozess läuft schon seit Jahrtausenden, seit es die Seidenstraße gibt oder das Reich Alexander des Großen oder seit noch viel früher. Durch die industrielle Revolution hat er sich deutlich beschleunigt und beherrscht seitdem das internationale Wirtschaftsleben. Autarkie wurde gelegentlich als eine defensive Strategie versucht, erwies sich aber stets als Sackgasse. Das haben selbst Chinas oder Vietnams Kommunisten erkannt.

Wirtschaftswachstum pro Kopf

Es geht zur Zeit um die Integration von Regionen in die Weltwirtschaft, in denen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Da die Pro-Kopf-Einkommen dort bei weniger als einem Zehntel des Pro-Kopf-Einkommens der OECD-Länder liegen und es den Menschen als Folge der drastisch gesunkenen Kosten für Reisen und Information zunehmend klar wird, wie schlecht es ihnen im Vergleich geht, haben sie sich mit großer Energie auf die Aufholjagd gemacht. Von der Dynamik und der Anzahl der Länder und Menschen her, die sich an diesem Prozess beteiligen, hat es so etwas noch nicht gegeben.

Im Westen wird das als Globalisierungsschock empfunden. Viele ängstigen sich zu Recht, dass sie nicht mithalten können und ihren Arbeitsplatz und ihr Einkommen verlieren werden. Sie würden am liebsten das Rad zurückdrehen und die Grenzen dichtmachen. Das wird nicht gehen. Die Antwort muss sein, die Herausforderung anzunehmen und als Chance für mehr Wohlstand zu begreifen. Da die Globalisierung einhergeht mit einer ungleichmäßigeren Verteilung der Einkommen – wie das stets in Phasen starken Wachstums der Fall ist – muss darauf geachtet werden, dass die Verlierer angemessen entschädigt und, noch wichtiger, Hilfe zur Selbsthilfe bekommen.

Übrigens sollte man die neue Einkommensdisparität zwischen hochqualifizierten und weniger qualifizierten, oder zwischen mobilen und weniger mobilen Menschen nicht allein der Globalisierung anlasten, auch der heutige wissensintensive Fortschritt ist eine wichtige Ursache. Mit anderen Worten, auch ohne den Druck der internationalen Konkurrenz dürfte der Unterschied zwischen reich und arm größer werden, so lange die jüngste Welle technischen Fortschritts nicht abebbt und so lange der Staat nicht korrigierend eingreift.

Zunächst sollte man feststellen, dass es positiv ist, wenn Milliarden Menschen der Armut entkommen, so wie es jetzt der Fall ist. Die Einkommen in den Entwicklungsländern steigen seit Jahren rascher als die in den Industrieländern. Dem lieben Gott würde das gefallen. Wir müssten China, Indien, Indonesien oder Brasilien auch keine Entwicklungshilfe geben, weil es ihnen neuerdings auf spektakuläre Weise gelingt, sich am eigenen Schopf aus dem Elend zu ziehen. Es ist im Augenblick sogar so, dass die Entwicklungsländer als Gruppe netto Kapital in die OECD exportieren – wir brauchen daher weniger zu sparen und können lustig konsumieren. Um genau zu sein: Statt “wir” sollte man “USA, Großbritannien und Spanien” sagen. Deutschland gehört ja neben Japan, den OPEC-Ländern, China, Russland, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und der Schweiz zu den Ländern, die ihre großen Überschüsse an Ersparnissen ebenfalls exportieren.

Zu den Gewinnern der Globalisierung gehören weiterhin alle, denen eine niedrige Geldentwertung nutzt, also vor allem die Besitzer von festverzinslichen Wertpapieren, wie etwa Lebensversicherungen, oder Rentner, die von ihren Zinsen leben. Die Inflation beträgt nämlich trotz des seit Jahren ungewöhnlich raschen Wachstums der Weltwirtschaft und der Explosion der Ölpreise im OECD-Bereich nur 1,7 Prozent und im Rest der Welt rund 4 Prozent. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Löhne in den aufholenden Ländern wegen des Überangebots an Arbeit nur sehr langsam steigen, was sich unmittelbar auf die Löhne der Arbeiter und Angestellten bei uns auswirkt. Betroffen sind vor allem diejenigen, die Güter und Dienstleistungen produzieren, die der chinesischen oder indischen Konkurrenz ausgesetzt sind.

Zudem wird in den “emerging economies” nicht nur kräftig gespart, es wird auch nicht minder kräftig investiert, so dass die Kapazitäten ähnlich rasch expandieren wie die Nachfrage. Da ja meist die modernste Technik installiert wird, nimmt die Produktivität mit hohem Tempo zu, was ebenfalls die Kosten, und damit die Inflation, dämpft – dort und überall.

À propos Produktivität: Paul Samuelson hat in einer Arbeit aus dem Jahr 2004 argumentiert, dass die Produktivität in den Entwicklungsländern so rasch zunehmen kann, dass die komparativen Vorteile, die der Westen bei der kapitalintensiven Produktion hat, verschwinden. Wenn die Kostenrelation von Arbeit zu Kapital erst einmal gleich ist, entfällt der seit Ricardo als zentral geltende Grund für die internationale Arbeitsteilung – alles würde in den Ländern produziert, in denen die absoluten Kosten am niedrigsten sind. Weil sich das aber bislang noch nicht empirisch belegen ließ, ist die Furcht vor einem Ende der internationalen Arbeitsteilung vermutlich unbegründet. Jedenfalls brummt der Welthandel nach wie vor.

Unseren Verbrauchern wird meist nur gelegentlich bewusst, dass sie zu den Hauptgewinnern der Globalisierung gehören, etwa dann, wenn wieder einmal die Preise für Wein, Obst, Flugreisen, T-Shirts, Handys, DVD-Player oder Telefongespräche gesunken sind, oder wenn Lidl einen gut gefüllten Werkzeugkasten für 19 Euro 99 anbietet. Ihr Lebensstandard erhöht sich einfach dadurch, dass die Einfuhrpreise langsamer steigen als die Ausfuhrpreise. Erfreulicherweise ist das in Deutschland ein stabiler langfristiger Trend. Niemand sollte ein so großes Interesse am freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital haben wie die Verbraucher.

Vergessen sollten wir auch nicht, dass die Realzinsen bei uns tendenziell durch das Kapitalangebot der Schwellenländer sinken, wodurch wiederum, ceteris paribus, die Menge an lohnenden Investitionsprojekten zunimmt. Der Kapitalstock und damit die Produktionsmöglichkeiten und unser künftiger Wohlstand steigen rascher. Auch das Eigenheim, das zusätzlich gebaut werden kann, vergrößert den Kapitalstock. Freuen wir uns!

Nun aber zu den dunklen Seiten der Globalisierung: Sie geht zulasten der nicht so gut oder “falsch” qualifizierten Erwerbstätigen bei uns, und sie geht bisher zulasten der Umwelt. Sie führt auch dazu, dass einst rückständige, aber immer noch vor-demokratische Länder in den Besitz von modernen Waffensystemen kommen und uns bedrohen können.

Arbeiten, die von Ausländern billiger und genauso gut verrichtet werden können, werden tendenziell verlagert, gehen also hier verloren. Das führt bei uns zu einem Überangebot an Arbeit im Bereich einfacher Tätigkeiten, so dass dort die relativen, oft auch die absoluten Löhne sinken. Betroffen sind sogar diejenigen, deren Jobs nicht verlagert werden können, beispielsweise Friseure, Taxifahrer, Bademeister, Wachpersonal, Putzhilfen, Krankenschwestern, oder Verkäufer. Als Gruppe können diese Leute ihre Lage nur durch stärkere Gewerkschaften, also eine Einkommensverteilung zulasten der besser Verdienenden verändern, oder durch Druck auf den Staat mit dem Ziel, dass er die sozialen Transferleistungen aufstockt. Beides ist allerdings leichter gesagt als getan.

Für den Einzelnen geht es darum, nur solche Berufe zu erlernen, die von der Globalisierung profitieren oder eine spätere Umorientierung ermöglichen, jedenfalls wenn Jobsicherheit oberste Priorität hat. Fremdsprachenkenntnisse, Auslandsaufenthalte, Phantasie, die Fähigkeit zu denken und sich anzupassen, systematisch und intensiv zu arbeiten, Unkonventionelles zu wagen dürften die Trümpfe sein, mit denen man in der heutigen brave new world sein materielles Dasein sichern kann. Es ist weitgehend aus mit der Gemütlichkeit, oder genauer: mit der schönen Kombination von entspannter Arbeit, Jobsicherheit und gutem Einkommen.

Fragt sich, ob unsere Politik die richtigen Prioritäten setzt. Eine der Antworten auf die Herausforderungen der Globalisierung muss sein, wirksame Anreize für Umschulungen, lebenslanges Lernen und – in Grenzen – regionale Mobilität zu setzen. Die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre zielten in diese Richtung. Es reicht aber noch nicht. Alle Politiker sollten verpflichtet werden, sich mal vor Ort anzusehen, wie die Skandinavier Arbeitslose durch Fordern und Fördern in neue Jobs vermitteln.

Der Staat kann auch durch seine Ausgaben- und Abgabenpolitik beitragen, den Globalisierungsschock abzumildern. Ein probates Mittel scheint mir die Umweltpolitik zu sein. Immer noch steigt der Verbrauch von Erdöl weltweit um 2 Prozent pro Jahr. Die Faustformel lautet: 5 Prozent Wachstum des globalen BIP gleich 2 Prozent zusätzlicher Ölverbrauch. Wenn wir die weitere Ruinierung der Umwelt verhindern, und uns gleichzeitig weniger abhängig machen wollen von Ölimporten, müssen die Preise für Energie drastisch erhöht werden, angefangen bei Diesel, Heizöl und Kerosin.

Soweit dadurch die Transportkosten erhöht werden, verlangsamt das den Prozess der internationalen Arbeitsteilung, federt also den Schock etwas ab. Es ist nicht plausibel, dass Flugreisen oder Luftfracht immer billiger werden. Hier sollte eine Zusammenarbeit innerhalb der EU angestrebt werden. Aber auch wenn das nicht möglich sein sollte, handelt es sich auch unilateral um eine sinnvolle Politik, weil wir dadurch die Terms of Trade verbessern und so unser verteilbares Einkommen erhöhen können. Das ist wirksamer als jede Förderung sogenannter alternativer Energien. Lassen wir den Marktmechanismus entscheiden, Welche Art von Energie, und wie viel davon, verbraucht werden soll – nachdem der Staat die Rahmenbedingungen, also die Umweltziele, gesetzt hat.

Zollerhöhungen sind ein weiteres Mittel, mit dem sich das Tempo der Globalisierung vermindern lässt. Schutzzölle gelten in der Ökonomie als legitim, wenn sie dazu dienen, Strukturanpassungen zu ermöglichen. Im 19. Jahrhundert haben sie angesichts des anfangs meilenweit überlegenen britischen Angebots entscheidend zur Industrialisierung Deutschlands beigetragen. Wichtig ist natürlich, dass bei der Einführung solcher Zölle gleich mitbeschlossen wird, wann sie auslaufen. Das Problematische an Zöllen ist bekanntlich, dass sie der Einstieg in einen wohlstandszerstörenden Protektionismus sein könnten. Bisher sind wir mit unserem ziemlich freien Handel sehr gut gefahren und sollten daher in der EU nicht als Erste mit solchen Vorschlägen aufwarten.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Lieber Dieter Wermuth, das Wichtigste haben sie vergessen. Solange unsere Politiker den Leuten nicht klar und deutlich sagen, um was es eigentlich geht, können diese ganzen Traumtänzer und Spinner ihr Unwesen treiben. Es sträuben sich einem die Haare, wenn man den täglichen Unsinn der politischen Untoten Lafontaine und Geißler über sich ergehen lassen muß. Und die Leute glauben das. Da können Sie jeden Tag derartig sauber formulierte Artikel schreiben, außer den ohnehin Eingeweihten wird Ihnen keiner zuhören. Das Problem wird über Emotionen entschieden, nicht über Fakten. Eine Art Weberaufstand

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    • 1. Juni 2007 um 18:20 Uhr
    • —riccardo
  2. 2.

    Ich wünsche Herrn Wermuth nichts sehnlicher, als dass er mal acht Stunden am Tag mit einem solchermassen “gut gefüllten Werkzeugkasten für 19 Euro 99″ vom Lidl arbeiten muss!

    Es ist doch nicht so, dass sich die Bevölkerung aus Spass montags und donnerstags um die Wühltische der Discounter versammelt. Da fehlt einfach das Geld, um sich was Ordentliches zu kaufen. Zumindest diejenigen, die noch in Industrie, Handwerk oder im Bekleidungssektor tätig sind, wissen doch ganz genau, was für ein Ramsch ihnen hier angedreht wird.

    Wer das Glück hat zu etwas Kapital gekommen zu sein oder in der Exportindustrie arbeiten, der kann auch von Deutschland aus an der Globalisierung partizipieren, ohne grossartig dafür was zu tun. Dazu gibt es schliesslich Unternehmen und Banken. Wer bisher von der Umverteilung innerhalb der (nicht mehr existenten) Deutschland AG gelebt hat, der gehört zu den Verlierern. Dazwischen gibt es noch einen Teil, der ist am Zittern.

    Wozu führen wir denn hier seit Jahren die Diskussion um Kindergarten- und Krippenplätze? Weil es für einen Alleinverdiener nicht mehr möglich ist eine Familie zu unterhalten. Weil es seit drei Jahrzehnten keine Reallohnsteigerung mehr gibt. Weil die neuen Mittelschichtler, wenn sie denn nichts geerbt haben, von der Hand in den Mund leben.

    Wir befinden uns seit langem in einer Konvergenz der Reallöhne. Und diese die läuft garantiert nicht so, dass sich die Löhne in China asymptotisch denen der deutschen Facharbeiter angleichen. Eher umgekehrt.

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    • 1. Juni 2007 um 18:29 Uhr
    • —JosefG
  3. 3.

    Die Herdentrieb-Software wird diesen überzähligen Beitrag von mir sicher gleich in die “Ist-doch-bestimmt-Müll”-Tonne schmeissen, trotzdem will ich Ihnen, JosefG, hier meine Zustimmung mitteilen. Ich würde nur die Frage ergänzen, wie sich diese Situation eigentlich zum Beispiel aus der afrikanischen Perspektive darstellt, dem Kontintent, in dem die Verlierer unter sich sind? Abgezockt von mediokren Potentaten und Gewalttätern. Wo ich das jetzt sage: Was ist eigentlich so anders an Afrika? Aus der Frosch- also Verliererperspektive betrachtet… doch immer dasselbe. Ein Rekurs auf nationale Befindlichkeiten ist darum wohl ein falscher Kurs.
    Globalisierung sollte heissen, dass der kleinen Gewinnerfraktion gegenüber sich auch mal eine große Verlierfraktion bilden müsste, statt sich in asymptotischen Hoffnungslosigkeiten zu verlieren. Aber ich sehe schon: ich versuche hier am heiligen Dammzaun zu rütteln. Da darf aber keiner ran – zumindest nicht so lange die diensttuenden Beamten nicht darüber nachdenken, dass sie ja auch nur niedrig-entlohnte Security-Sklaven sind.

    revolutionär, edicius

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    • 1. Juni 2007 um 19:06 Uhr
    • —edicius
  4. 4.

    @riccardo
    <i>Das Problem wird über Emotionen entschieden, nicht über Fakten.</i>
    Wirklich? Welche Fakten denn? Solche, die der wermuthschen Verharmlosung ein bisschen Widerstand entgegen setzen? Ich muss schon sagen, dieser Titelteil “Ende der Gemütlichkeit” der will doch behaupten, dass der ganze tolle globale Wirtschaftsfortschritt nur dazu da ist, dass es möglichst ungemütlich wird. Für die allermeisten ist er das schon immer gewesen, dass für DW es immer noch zu gemütlich ist, nun, das kann er leicht ändern, wenn er sich mal überlegt, welche Privilegien er aktuell geniesst und auf die mal verzichtet. Wäre ein echter Beitrag zur wissenschaftlichen Objektivität. Dieses von-oben-herab Gequatsche von angeblichen “Gemütlichkeiten” ist in diesem Zusammenhang absolut unangebracht. Klar gibt es viele, denen es sehr “gemütlich” geht, und da sind auch einige drunter, die als quasi-Beamte in diversen deutschen “Headquartern” ihre zweifelhaften Dienste tun. Das wird womöglich durch Globalisisierung möglich, aber ist doch nur ein Zwischenzustand und eine kleine Ausnahme einer großen Regel. Am Ende wird der Unterschied zwischen Verlierern und Gewinnern derart polarisiert und scharf, dass von der wermuthschen Rhetorik á la “GlobalRuck” nur noch die pure Lächerlichkeit bleibt.

    E.

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    • 1. Juni 2007 um 19:35 Uhr
    • —edicius
  5. 5.

    Ich möchte mich ja nicht mit Ihnen über Literatur streiten, aber wie kommen Sie bloß auf brave new world. In diesem Buch wird doch etwas grundlegend Schreckliches beschrieben. Es kommt mir nicht so vor, als ob ihre Meinung des globalisierten Menschen, mit dem der Brave New World konform geht.

    Ich lese Sie wieder,
    Christian

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    • 1. Juni 2007 um 20:36 Uhr
    • —Christian W.
  6. 6.

    Sehr geehrter Herr Wermuth,

    an ein heißes Eisen trauen sie sich ran, dass muss man ihnen lassen, aber ganz so rosig sehe ich die Globalisierung dann auch nicht.

    Kritisch zum Beispiel bin ich gegenüber ihrer Behauptung es werde meist in den „emerging economies“ „die modernste Technik installiert“, diese Aussage halte ich so nicht für richtig, da sie ja schon selbst behaupten, dass eine dunkle Seite der Globalisierung, die Umweltbelastung sei. Ginge man nun davon aus, dass die „modernste Technik“ genutzt würde, dann müsste dass gerade zu einer verringerten Umweltbelastung führen, stattdessen aber werden Abgase und Schadstoffe nicht durch Filter oder energiesparende „moderne“ Technologien gesenkt., dem ist aber nicht so.

    Es handelt sich zudem um Schoenrederei, wenn sie sagen, dass sich die Menschen aus den aufstrebenden Ländern aufgrund von gesunkenen Reisekosten oder billigerem Zugang zu Informationen auf eine Aufholjagd begäben. Es ist ja nicht so, als hätte noch kein chinesischer Reisbauer davon gehört, dass es irgendwo im fernen Europa mehr Wohlstand gäbe, Wohlstand, reiche Menschen, Luxusgüter etc. hat es auch schon vor zwei, drei Jahrzehnten dort gegeben, nur hat in jenen Länder fast keiner Zugang zu einem Leben in Wohlstand gehabt.
    Der genannte Reisbauer gibt sich auch nicht mit frischem Gemüt auf eine „freudige“ Aufholjagd, sondern ist vielmehr gezwungen nach einer anderen Arbeit zu suchen, weil beispielsweise in China in den 50ziger, 60ziger Jahren ein enormer Bevoelkerungszuwachs stattfand und dadurch Landarbeit in den fruchtbaren Regionen schwieriger wurde, weshalb ein Grossteil der Menschen in absoluter Armut leben musste und es ist vielmehr dem ausländischen Kapital zu verdanken, was hineingelassen wurde, dass Menschen Fabrikarbeit annehmen konnten.
    Eben diese Abhängigkeit vom ausländischen Kapital müssen die austreibenden Nationen nun überwinden, denn bisher ist ihre Arbeit sehr direkt von unserem Kosum und vor allem auch der Kauflust der Amerikaner abhängig und wenn wir müde werden uns „Werkzeugkästen für 19, 99 Euro“ zu kaufen, dann sieht es wahrscheinlich in jenen Ländern schon bald wieder ziemlich düster aus, denn deren Geld kommt von uns.
    Wenn jetzt wie sie sagen vor allem in den Berufsgruppen der „einfachen Arbeiten“ die Löhne weiter sinken, dann fehlt schlicht das Geld um die billigen Produkte zu kaufen, sprich die ganze billige Ware aus jenen Ländern findet keine Käufer mehr und diejenigen die bisher an der Globalisierung in Deutschland profitierten werden sich nicht von ihrem neuen Geld drei weitere Werkzeugkästen kaufen, weshalb in jenen Ländern ein weiteres aufholen verhindert würde.
    Richtig, dass wir höhere Löhne und sinkende Nebenkosten fordern sollten, aber die Globalisierung ist bei weitem kein so positiver, für alle Gewinn bringender, Wandel.

    Antworten

    • 1. Juni 2007 um 21:19 Uhr
    • —Robin
  7. 7.

    Rhetorisch clever die Nachteile später genannt um politisch korrekte Zweifel anzumelden aber JosefG geht anscheinend öfter aus dem haus… sorry

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    • 1. Juni 2007 um 21:25 Uhr
    • —stefan
  8. 8.

    “Hier ist die Politik gefordert, denn der Markt allein wird nicht in der Lage sein, die Entwicklung in eine akzeptable Richtung zu lenken.”

    Und dieses Eingreifen der Politik soll also in noch mehr Gängelei (Fordern), Subventionen für Unternehmen (fördern), Schutzzöllen(!) und Energiesteuern bestehen?

    Energiesteuern, die Arme überdurchschnittlich stark belasten, weil sie einen größeren Teil des Einkommens bei Armen ausmachen als bei Reichen; Schutzzölle – gegen wen? Wir haben einen Exportüberschuss von mehr als 7% des BIPs. Vor wem wollen wir uns schützen?

    Was wir tatsächlich bräuchten, wäre etwa ein Mindestlohn, wozu uns die EU-Kommission sogar aufgefordert hat, ebenso die OECD, mit Sicherheit keine höheren Steuern für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen. Was wir bräuchten wäre auch ein groß angelegtes Programm, dass die Akademiker, die unseren größten Standortvorteil darstellen und noch eine ganze Weile lang darstellen werden, in unserem Land hält.

    Wir bräuchten europaweite Mindeststeuern (Unternehmenssteuern, Erbschaftssteuern, Mineralölsteuern…), Mindestlöhne, Sozialstandards (Umweltschutzstandards sowieso). Sonst können wir uns die Mitgliedschaft in der EU (obwohl Schengen das eigentliche Problem darstellt) nicht mehr leisten.

    All das könnten wir problemlos einführen, schaffen bzw. durchsetzen. Aber nicht mit bürgerlich-ideologisch motiviertem Handeln wie etwa eine erhöhte Energiesteuer, die übrigens bei den lächerlich geringen Energiekosten beim Transport etwa per Schiff und den geringen Energiekostenanteilen bei Produkten die per Flugzeug transportiert werden nicht einmal ansatzweise die Globalisierung bremsen könnten.
    Eher würden sie sie noch beschleunigen, da niedrige Energiekosten eben auch ein Standortvorteil sind.

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    • 1. Juni 2007 um 21:38 Uhr
    • —notwendig
  9. Leserbrief zum Thema

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