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Die ultimative Dax-Wette zum Siebten

Von 18. Januar 2009 um 12:07 Uhr

HERDENTRIEB-Leser der ersten Stunde kennen sie schon: die ultimative Dax-Wette. Anfang des Jahres wetten Marcus Rohwetter und ich, wo der Dax am Jahresende steht. Das tun wir nun schon zum siebten Mal, wenngleich erst zum vierten Mal im Blog (2006, 2007 und 2008).

In 30 Jahren werden Zocker mit der Wette etwas anfangen können, nach dem Motto: Wenn es im Januar schneit und Heusinger pessimistischer ist als Rohwetter, dann fallen die Kurse, oder so ähnlich. Deshalb halten wir die nächsten Jahrzehnte durch, versprochen. Zumal, da sich diese Wette für mich immer besser anfühlt. Erst war sie mein Albtraum, weil die ganze Wirtschaftsredaktion der ZEIT spottete, dass ihr Finanzexperte viermal in Folge unterging. Die beiden letzten Wetten dagegen habe ich gewonnen und mir die Fläschchen Champagner an Sylvester schmecken lassen.

Hier also unsere Wette für 2009: Marcus tippt auf den Jahresendstand von 5200 Punkten beim Dax, ich halte mit 4150 dagegen.

Meine Wette bedeutet nochmal gut 15 Prozent Verlust, nachdem es gut 40 Prozent im vergangenen Jahr waren. Ich hatte im Januar 2008 auf einen fallenden Dax gesetzt, die Tendenz richtig erwischt. Das ist meiner Ansicht nach die eigentliche Leistung der Wetten. Beim Ausmaß des Absturzes habe ich jedoch ziemlich daneben gelegen, was EuroOptimst gleich erkannt hat. Was sagt EuroOptimist eigentlich für 2009 voraus?

Warum ich nach wie vor pessimistisch bin? Weil die Krise in der Realwirtschaft gerade erst ankommt. Die Nachrichten der nächsten drei bis sechs Monate werden fürchterlich, weshalb nichts dagegen spricht, dass der Dax bis auf 3000 Punkte fällt (wie die Hirten das Anfang Januar gewettet haben). Doch irgendwann im Verlauf des Jahres werden auch wieder Hoffnungsschimmer zu sehen sein, werden der niedrige Ölpreis, die verschwundenen Notenbankzinsen sowie die Konjunkturprogramme die Wende einläuten. Deshalb gehts danach wieder bergauf.

Aprospos Wende: Das Szenario, von dem ich ausgehe, ist nach wie vor das japanische. Das heißt, es geht mal begrauf, dann aber wieder bergab. Auf Sicht von drei Jahren darf deshalb nicht von einer richtigen Wende gesprochen werden. Aber der Nikkei ist auch in Japan trotz Deflation nicht nur gefallen.

Und hier jetzt die Begründung von Marcus, wie immer launig:
“Ende des Jahres wird der Dax bei 5200 Punkten stehen, also ein gutes Stück über dem heutigen Niveau. Eine Begründung dafür gibt es nicht, da halte ich es wie mit den Affen, die Dartpfeile auf eine Wand werfen: der Zufall entscheidet. Experimente haben gezeigt, dass Affen nicht schlechter sein müssen als Experten, wenn es darum geht, Prognosen zu erstellen.

Experten haben Affen gegenüber allerdings den Vorteil, dass sie ihre Fehlprognosen im Nachhinein stets rechtfertigen können. Meistens tun sie das mit unerwarteten Ereignissen, die im Verlauf eines ganzen Jahres häufig auftreten können: Überraschendes Ende der Rezession. Unerwartet guter Konsum. Naturkatastrophen. Nicht vorhersehbarer Wahlausgang in einem wichtigen Schwellenland. Kapriolen beim Ölpreis, wahlweise rauf oder runter. Stimmungsschwankungen in Japan, und, und, und. So vielfältig die Überraschungen sein können (und sie müssen es sein, sonst wären es ja keine Überraschungen!), so viele Ausreden liefern sie für Fehlprognosen.

Und daran merkt man, dass viele Experten ihre Prognosen an Bedingungen knüpfen. Unter der Annahme, dass ich Recht behalte, werde ich Recht behalten. Was würden Sie von einer Prognose halten, die so klingt: Vor meinem Haus wird morgen ein roter Porsche stehen, vorausgesetzt, jemand stellt einen roten Porsche dorthin?

Fairerweise muss man zugeben, dass niemand eine Glaskugel besitzt und in die Zukunft schauen kann. Aber weil das so ist, muss man sich auch keine Arbeit machen um es zu versuchen – und kann einfach eine beliebige Zahl in den Raum stellen. In diesem Fall 5200. Ende Dezember wissen wir mehr.”

Topp die Wette gilt.

Kategorien: Die Heusinger-Wetten
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Schaumerma, ob der Affe mit seinem Dartwurf näher dranliegt. Bei Fußballtippspielen gewinnen ja angeblich auch immer die Leute, die keine Ahnung haben.

    Da das hier ja das richtige Habitat für Klugscheißer ist, möchte ich anmerken, dass man Silvester mit i schreibt.

    • 18. Januar 2009 um 14:22 Uhr
    • Johannes Bechtel
  2. 2.

    EuroOptimist vor, noch ein Tor:)

    Die Bedingungen leuchten mir soweit schon ein, aber warum rechnen Sie die vielen Wahlen, vor allem die Bundestagswahl und dann auch die Entwicklung der Löhne nicht mit ein?
    Außerdem könnte in diesem Jahr ein für alle mal der Nahostkonflikt zuende gehen.
    Obama ist hochintelligent, weil sozial; also wenn meine Bedingungen eintreffen, wird der DAX bei 6500 und höher liegen:)

    • 18. Januar 2009 um 14:25 Uhr
    • beese
  3. 3.

    … und ist seit silvester (?) nicht mehr nüchtern geworden.
    Die A… verzocken regelgerecht unser geld. das konjukturprogramm das es nie mehr geben sollte: 50 mrd um unseren kindern (100 euro !) irgendwann einmal sagen zu können: wir haben uns nur wegen euch verschuldet. abwrackprämie! für wen? makroökonomen und/oder politiker. wenn ihr so weiter macht, dann kommen tatsächlich die extremisten, egal von welcher seite. und dann wird es für unsere kinder egal sein, ob ihre eltern geld haben oder nicht.

    • 18. Januar 2009 um 21:47 Uhr
    • R. Brenner
  4. 4.

    Auch an diesem Spiel will ich mich dann noch beteiligen. Also, bei mir stand folgendes im Kaffeesatz:

    2009: Akute Risiken sind in den jetzigen Kursen weitgehend eingepreist. An den Börsen der Schwellenländer wird es wieder deutlich aufwärts gehen. DAX seitwärts, leicht aufwärts.

    Aber dann…

    Dann wird sich etwas zeigen, was Dietmar Tischer hier schon mal angedeutet hat. Nachdem der Wirtschaftsorganismus die akute Gefährdung überstanden hat, wird er nicht umgehend zu alter Kraft gelangen. Es wird mehrere Jahre mit weltweit deutlich unterdurchschnittlichem Wachstum geben, beginnender Boom hier und da muss von den Notenbanken früh erstickt werden, außerdem wird der internationale Handel zunehmenden Beschränkungen ausgesetzt sein.

    Also DAX Ende 2009 bei 5400, dann aber “Salami-Crash” wie 2001/2002. Mitte 2011 erreicht der DAX ein Tief bei 2800, dann geht es mühsam wieder aufwärts.

    • 19. Januar 2009 um 01:20 Uhr
    • Peter JK
  5. 5.

    @beese keine chance.

    Aktien sind doch eine Wette auf die Zukunft. – Alles Gute, was uns Obama bringen könnte, ist doch schon längst eingepreist. (Davon abgesehen, ernten können wird er frühestens in zwei Jahren, vorher kostet es nur)

    Nahost? – mgl, aber da habe ich jeglichen Idealismus verloren. – Auf beiden Seiten gibt es genug Strippenzieher im Hintergrund, die ein Zugehen auf den Gegner (also das, was einen Kompromiss ausmacht) als Verrat an der eigenen Sache/Volk bezeichnen werden, und damit den Friedensprozess “sehr schwierig” machen werden.

    Minus 15% – 30% in 09 halte ich auch für wahrscheinlich.

    • 19. Januar 2009 um 09:33 Uhr
    • mattes
  6. 6.

    Die Last mit dem Dax ist das innewohnende Ungleichgewicht. Solange die Deutsche Börse nicht reagiert hängt der Index wesentlich von Erfolg oder Mißerfolg eines Zuffenhausener Hedgefonds ab. Auch nach Beschränkung des VW-Anteils war der Dax Ende 2008 zu hoch bewertet. Deshalb meine Korrektur für Dezember 2009. Der Dax steht nach einem erneuten Einbruch im September Oktober Ende Dezember 2009 bei 3.200.

  7. 7.

    “Meistens tun sie das mit unerwarteten Ereignissen, die im Verlauf eines ganzen Jahres häufig auftreten können …”
    Unerwartet – vielleicht, aber nicht wirklich ohnen Zusammenhang.

    Der Zusammenhang zwischen scheinbar unabhängigen Ereignissen ist öfters gegeben als wir denken. Je größer der Wirtschaftsraum – desto komplexer die Zusammenhänger und daher für uns schwerer erfassbar.

    So können schon mal die steigenden Preise für Esel in … Kappadokien, mit den gestiegenen Ölverbrauch in China zusammenhängen…. :-)

    • 19. Januar 2009 um 10:24 Uhr
    • Mesalla
  8. 8.

    “Was sagt EuroOptimist eigentlich für 2009 voraus?”
    “EuroOptimist vor, noch ein Tor:)”

    Ich fasse es nicht: jetzt soll ich Prognosen abgeben. Dabei ist das viel schwieriger, als eine Prognose einzuschätzen. Es war eigentlich eine leichte Übung, vor etwa einem Jahr zu kommentieren, dass die beiden DAX-Prognosen grundsätzlich sehr optimistisch waren. Es war ja einfach wahr, weil man sich ohne Mühe viel pessimistischere plausible Szenarien ausdenken konnte.

    Eine fundierte Prognose für 2009 traue ich mir nicht zu! Wie ich schon an anderer Stelle angemerkt habe, sieht mein vages und unqualifiziertes Bauchgefühl das Jahrestief nicht bei 3000 Punkten, sondern deutlich darüber oder deutlich darunter, mit einer größeren Wahrscheinlichkeit für das erste Szenario. Aber was sind Aktien denn überhaupt (wert) in einem Szenario der flächendeckenden Staatsintervention und der Verstaatlichung von Banken und Schlüsselindustrien? Ich weiss es nicht. Wer bietet mehr?

    Meine Einschätzung der beiden Wetten lautet: dieses Jahr haben wieder beide Wettenden eine realistische Siegchance. Weil sie beide wieder so dicht beisammen glucken, können sie aber auch beide wieder gleichzeitig voll danebenzielen, nach unten oder nach oben. Schreiben sich die beiden eigentlich ihre Prognose auf einen Zettel oder darf der eine wetten, wenn er die Wette des anderen schon kennt? Taktisches Wetten würde erklären, warum sie sich kaum trennen können. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich beide sehr ängstlich an den Vorjahreswert heften. Das wäre verständlich aber nicht fundiert!

    • 19. Januar 2009 um 11:27 Uhr
    • EuroOptimist
  9. Kommentar zum Thema

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