So funktioniert Kapitalismus

Sind CDS-Käufer Idioten?

Von 30. September 2009 um 20:30 Uhr

Es gibt Dinge, die werde ich vermutlich nie verstehen. Ganz oben auf der Liste steht dabei das Geschäft mit CDS (Credit Default Swaps). In der aktuellen FTD erzählen uns Christine Mai, Tobias Bayer und David Oakley, dass wieder mehr solcher Kreditausfallversicherungen gekauft worden seien. Die Herren, Damen und Institutionen Anleger machten sich zunehmend Sorgen, dass Italien seine Anleihen nicht mehr bedienen könne. Aber auch Versicherungen auf einen Zahlungsausfall von Papieren des deutschen Zentralstaats würden munter gekauft und gehandelt. Brav berichten die Autoren, dass ein Hauptquell der Sorge sich aus den umfangreichen Stützungsoperationen dieser Staaten für die Banken ergebe, und weiter, dass ebensolche oder auch andere Banken mit dem Verkauf von CDS auf diese Länder den Versicherungsschutz für einen Zahlungsausfall übernähmen.

Nun meine Frage. Sie ist so offensichtlich, dass es mir peinlich ist, sie aufzuschreiben. Sind CDS-Käufer Idioten? Warum kaufen sie einen Versicherungsschutz gegen ein geringes Risiko von jemandem, der ein hohes Risiko darstellt und dessen Zahlungsfähigkeit von dem abhängt, gegen den die Versicherung kontrahiert wird? Haben wir nicht vor etwa einem Jahr beobachtet, wie CDS-Verkäufer (etwa die große AIG oder die mittlere Lehman Brothers) umkippten und vom (amerikanischen) Staat gerettet wurden? Will jemand einwenden, es könne ja sein, dass diese klugen Anleger sich CDS gegen den Zahlungsausfall beispielsweise Deutschlands bei einer russischen oder chinesischen Bank besorgen? Die könnten vielleicht noch einspringen, wenn der deutsche Staat längst pleite ist. Oder ist da ein anderer Trick dabei? Kann mir das mal jemand erklären bitte.

Leser-Kommentare
  1. 33.

    >>Ich für meinen Fall investiere seit 3 Jahren nur noch in GOLD und SILBER und habe trotz Finanzkrise mein Kapital fast verdoppelt.<<
    Nicht trotz – sondern wegen!
    Selbstverständlich geht es um handeln der CDS (Derivate allgemein) dadurch wird Geld verdient!
    Der Sinn oder auch der Nutzen dieser Derivate besteht in der Möglichkeit mit nicht vorhandenem Geld Profite zu erzielen. Dies wissen Käufer und Verkäufer. Hin und Her und die Taschen sind voll. Dies ist doch die Grundidee der neuen Finanzwirtschaft – hier und woanders zur Genüge disskutiert.

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    • 4. Oktober 2009 um 21:33 Uhr
    • spiritformoney
  2. 34.

    Idioten sind sie sicherlich nicht, sondern einfach nur im Dunkeln gehalten worden.
    Was könnte man besser machen?
    * Finanzinstrumente im Verbriefungssektor müssen in der Komplexität deutlich reduziert werden
    * Instrumente dürfen nicht für die Regulierungsarbitrage eingesetzt werden, sondern müssen einen ökonomischen Zweck erfüllen;
    * Originatoren der Instrumente müssen Anreize für den Erfolg der Transaktion haben, so müssen sie künftig wieder einen Teil des Risikos tragen;
    * den Bedürfnissen der Investoren nach mehr Transparenz muss nachgekommen werden. So fordern sie deutlich mehr Informationen über die Ursprungsschuldner und über das Risikomanagement;
    * über direkte Kontakte mit Investoren muss Vertrauen aufgebaut werden;
    * über mehr Standardisierung müssen die Prozesse vereinfacht werden.

    Vielleicht kommen wir dann auf einen grünen Zweig in diesem Bereich….Hier noch mehr –> http://tr.im/AIEU

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    • 5. Oktober 2009 um 13:01 Uhr
    • DAniel
  3. 35.

    Manche gehen in den Wald, um wenigstens einmal auf den grünen Zweig zu kommen. ;-)
    Sorry.

    Aber im Ernst. Besteht nicht die Gefahr bei solchen Verbesserungen, dass sie zwar alle einzeln rational begründbar sind und berechenbar das Gesamtrisiko (scheinbar) reduzieren, aber die Unmöglichkeit des Systems, aus nichtrealen Anlagen Zinsen abzuwerfen, damit nur besser kaschieren?
    Auch das alte System ist ja laut ausgefeilten Programmen “berechenbar” und jede einzelne Absicherungsposition rational begründbar gewesen.
    Bis der Truthahn das Messer sieht.

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  4. 36.

    Deutschlands Pleite ist etwa so wahrscheinlich wie die der Schweiz. Wegen der Größe. Die Eidgenossen sind solider unsere Auslandsguthaben sind so beachtlich, dass vorher eine ganze Reihe Staaten pleite wären. Das hieße aber das Weltfinanzsystem würde kollabieren.

    An all diesen Derivaten stört mich eines. Sie wurden auf Kredit “gekauft”. Die deutschen Banken haben an Banken so um 2 Billionen Euro verliehen. Jetzt kann man überschlagen, wie hoch die Gewinne und eigenen Guthaben von Banken so sind. Dann ist ziemlich schnell klar, wer die Zinsen für diese 2 Billionen Kredite an Banken zahlt. Deren Kunden, letztlich der Garant des Geldes, das ist der Steuerzahler, nicht irgendeine Regierung und keine Zentralbank. An der Stelle befindet sich ein ganz krasser Systemfehler.

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    • 7. Oktober 2009 um 18:08 Uhr
    • Michael
  5. 37.

    Im Zusammenhang mit der Pleite von Lehman konnten die CDS Positionen reibungslos glattgestellt werden. Problem waren (und sind) doch die Anleihen von Lehman und nicht die CDS.

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    • 30. Oktober 2009 um 11:14 Uhr
    • FredZappelstein
  6. 38.

    Sehr geehrter Herr Zeise,

    auch aus Ihren reglemäßigen Kommentaren in der FTD wird klar, dass Sie anscheinend so einige der derzeitigen Ereignisse in den Finanzmärkten nicht verstanden haben!
    Natürlich sind die, die in die entsprechenden CDS´s investieren keine Idioten. Ihre Frage, ob diese Individuen/Institutionen davon ausgehen, dass eher das schwächere Glied(die, im zweifelsfall staatlich unterstützten, Banken) pleite gehen, bevor es die unterstüzenden Staaten tuen(gegen die mit diesen CDS´s spekuliert wird), ist komplett fehlgeleitet. Wenn Sie die Debatte in den letzten ca. 1,5 Jahren auch nur im entferntesten verfolgt hätten, dann wäre Ihnen mehr als klar, dass CDS´s nicht nur als Ausfallversicherungen, sondern, gerade von Finanzunternehmen, in erster Linie als Spekulationsinstrument in Bezug auf Veränderungen in der Kreditwürdigkeit des zugrundeliegenden Werts genutzt werden.
    Sollte also, um Ihrem Beispiel zu folgen, Italien in Bezug auf die Kreditwürdigkeit herabgestuft werden, so ergeben sich aus diesen Papieren beträchtliche Wertzuwächse. Es ist auch davon auszugehen, dass die handelnden Finanzinstitutionen entsprechende Gegengeschäfte vorgenommen haben. Natürlich ist auch eine italienische Bank, im Falle einer geringfügigen Abwertung der Staatsanleihen den folgenden “Margin Call” zu begleichen.
    Ob das Ganze gesamtwirtschaftlich nützlich ist, steht auf einem anderen Blatt.
    Ihre Argumentation ist jedoch populistisch und falsch!
    Mit derartigen “Lieschen Müller” Rechnungen sollten Sie Ihren Blog vielleicht besser zur BILD-Zeitung verlegen, oder von Äußerungen zu Themen absehen, die Sie ganz offensichtlich nicht verstanden haben!

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    • 30. Oktober 2009 um 22:58 Uhr
    • glatum
  7. 39.

    Sehr gut auf den Punkt gebracht!
    Einmal mehr zeigt der Beitrag auf, mit welchen Simplifizierungen gearbeitet wird, um markt-und finanzwirtschaftliche Zusammenhänge mit dem “bösen” Kapitalismus gleichzusetzen. Was beabsichtigt ist, ist wohl klar!

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    • 4. November 2009 um 23:13 Uhr
    • JohnDoe
  8. 40.

    hallo herr lindner,
    es ist ja schon ein bißchen her, mittlerweile wird in der augenblicklichen situation aber sehr deutlich, wie schön man mit cds auf ein ereignis, “das in hohem maße unwahrscheinlich ist” ;=) , zocken kann. spekulationen dieser art hat es auch vor der erfindung von cds gegeben, warum wir den spielern aber maschinengewehre und munition für ihre geschäfte liefern, das will ich nicht verstehen…. gruß JZ

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  9. Kommentar zum Thema

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