So funktioniert Kapitalismus

Das Ende des amerikanischen Wirtschaftsmodells

Von 5. August 2010 um 17:02 Uhr

Am 31. Juli gab es in der New York Times einen erstaunlichen Artikel mit dem Titel “Four Deformations of the Apocalypse“, erstaunlich vor allem deshalb, weil es sich beim Autor um David Stockman handelt. Der frühere Chef des US-Office of Management and Budget (OMB) und “uber nerd” rechnet dort schonungslos mit der Wirtschaftspolitik der Republikaner ab.

Stockman (64) ist immerhin einer der Väter der Angebotstheorie, der supply side economics. Er hatte sich allerdings schon 1981, zu Beginn seiner Amtszeit (1981 bis 1985), mit Ronald Reagan angelegt, nach einer strengen Abmahnung dann immerhin doch noch vier weitere Jahre durchgehalten. Es folgte eine Karriere an der Wall Street, wo er zu den Mitbegründern des inzwischen zu sagenhaftem Reichtum gelangten Private Equity-Fonds Blackstone gehörte. Er hatte nach seinem Ausstieg aus diesem Fonds im Jahre 1999 eine eigene Firma gegründet (Heartland Industrial Partners, L.P.), die sich dann aber 2001 durch ihren Einstieg in die amerikanische Autozulieferindustrie auf existenzbedrohende Weise verspekuliert hatte. Im Jahr 2007 wurde Stockman angeklagt, seine Anleger durch die Manipulation von Umsatz und Gewinn betrogen zu haben. So viel ich weiß, läuft das Verfahren noch.

Das Wort “Apokalypse” ist natürlich stark: Es steht in der theologischen Geschichtsdeutung für das katastrophale Ende der Geschichte. Bekannt sind spätestens seit Dürer die vier apokalyptischen Reiter, die am letzten Tag auf Geheiß Gottes Tod und Verderben über die Menschen bringen. Die USA sind nach Stockman an diesem Punkt angelangt, weil sich die Republikaner entgegen dem, was sie in ihren Sonntagsreden behaupten, de facto immer nur auf Gelddruckerei, Steuersenkungen für die Reichen und Staatsverschuldung verlassen hatten. Er nennt das Vulgärkeynesianismus für die begüterten Klassen. So wird manchmal aus einem Saulus ein Paulus (ich hab’s heute mit der Bibel).

Deformation Nummer eins war die Aufgabe der Einlösepflicht von Dollars in Gold durch den Republikaner Nixon im Jahr 1971. Bekanntlich hatte Milton Friedman “nachgewiesen”, dass flexible Wechselkurse Außenhandelsdefizite über kurz oder lang beseitigen würden. Nachdem die Politiker in der ganzen Welt dann aber nicht mehr gezwungen waren, einen bestimmten Wechselkurs durch diszipliniertes Wirtschaften zu verteidigen, hielt sie nichts davon ab, über ihre Verhältnisse zu leben (In Deutschland war mit dem Übergang zu flexiblen Wechselkursen natürlich vor allem die Hoffnung verbunden, dass man endlich eine unabhängige Stabilitätspolitik würde betreiben können). Wie sich herausstellte, haben die USA in den fast 40 Jahren seit dieser Entscheidung ihre Nettoschulden gegenüber dem Ausland, also ihr kumuliertes Leistungsbilanzdefizit, um rund 8 Billionen Dollar vergrößert (55 Prozent des BIP). Die Flutwelle an Dollars hat andererseits nicht-amerikanische Notenbanken gezwungen, ihrerseits unbegrenzt Geld zu drucken (weil sie durch Dollarankäufe eine zu starke Aufwertung ihrer eigenen Währung verhindern wollten). Die Amerikaner wiederum konnten sich mit gepumptem Geld ein gutes Leben machen; dank des nach wie vor ungebrochenen Reservestatus des Dollar gelten die USA immer noch als guter Schuldner.

Die zweite Fehlentwicklung war laut Stockman der gewaltige Anstieg der amerikanischen Staatsschulden. Sie werden bis 2015 nach den heutigen Budgetplänen etwa 120 Prozent des BIP und damit griechische Dimensionen erreichen – dabei rechnet er korrekterweise die Übernahme der Municipal Bonds (Anleihen der regionalen Gebietskörperschaften) durch die Fed mit hinzu. Vor allem die Doktrin, dass staatliche Defizite nicht weiter schädlich sind, wenn sie durch Steuersenkungen verursacht sind, habe der Budgetdisziplin den Garaus gemacht. Im Fiskaljahr 2009 betrug die Steuerquote der Zentralregierung nur noch 15 Prozent des BIP – die beiden jüngsten Kriege wurden komplett durch neue Schulden finanziert, und auch sonst ließen sich republikanische Regierungen von Budgetzwängen kaum beeindrucken.

An dritter Stelle kommt die “unproduktive Expansion des Finanzsektors”: Die Beschränkungen hinsichtlich Spekulationen und Leverage wurden weitgehend aufgehoben, die Geldmenge aufgebläht. Von 1970 bis September 2008 haben sich die Aktiva der normalen Banken sowie des “Schattenbanksystems” versechzigfacht! Dabei sind die Finanzunternehmen de facto Unterabteilungen des Staates und entziehen der Wirtschaft ständig Milliarden von Dollar durch sinnlose Spekulationen in Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Derivativen. Sie hätten niemals überleben können ohne staatliche Einlagegarantien und mehr oder weniger kostenloses Geld von der Fed.

Die vierte Deformation ist für Stockman der ständige Abbau von anspruchsvollen Jobs in der Industrie und in Dienstleistungsbranchen wie Handel, Transport, IT und “professions” (hochqualifizierte Selbständige). Allein im letzten Jahrzehnt sei die Anzahl solcher Jobs um 12 Prozent auf 68 Millionen zurückgegangen. Wo sind sie hingegangen? Ins Ausland! Der Ausgleich bestand in einer Zunahme von schlechtbezahlten (Teilzeit-) Jobs in Bars, Hotels, Altersheimen und dergleichen. Vom Einkommenszuwachs während der Immobilien- und Aktienblase der Jahre 2002 bis 2006 gingen zwei Drittel an die oberen ein Prozent der Haushalte, meist gespeist aus den Erträgen des Kasinos namens Wall Street. Die Einkommensverteilung ist vollkommen verzerrt.

Wo soll das alles hinführen? Die Republikaner jedenfalls haben nichts Konstruktives anzubieten. Ihr Hauptziel ist zur Zeit, das Auslaufen der Steuererleichterungen für ihre Klientel zu verhindern – das würde nämlich einen Anstieg des Grenzsteuersatzes um drei Prozentpunkte bedeuten. Alles spricht außerdem dafür, dass es keinen herkömmlichen Aufschwung geben wird. Es sähe eher nach einer “jobless recovery” aus.

Aus deutscher oder europäischer Sicht kann man sich nur wundern, wie lange das von Stockman beschriebene Wirtschaftsmodell funktioniert hat, und wie wenig es infrage gestellt wird. Das kommt wohl vor allem daher, dass das amerikanische BIP beim jetzigen Wechselkurs pro Kopf immer noch um 20 Prozent höher ist als das westeuropäische. Die amerikanische Politik macht wohl vieles falsch, aber nicht so viel wie die Politik anderer Länder, soweit das BIP pro Kopf als Messlatte für wirtschaftlichen Erfolg verwendet wird. Kann natürlich auch sein, dass es sich die ganze Zeit um eine Scheinblüte gehandelt hat, deren natürliches Ende gerade eingeläutet wird.

Wenn es in den USA jetzt zu einer jahrelangen Stagnation kommen sollte – weil Geldpolitik und Finanzpolitik ihr Pulver verschossen haben und Schuldenabbau im privaten Sektor höchste Priorität hat -, kann man nur beten, dass die dynamischen und finanziell soliden Schwellenländer genug Eigendynamik entwickeln, damit sie, global gesehen, den Ausfall der amerikanischen Nachfrage kompensieren können. Bisher sieht es glücklicherweise noch danach aus.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    Erstmals mein Lob und meine Zustimmung zu Ihrem Artikel Herr Wermuth! Zudem möchte ich dem Herrn Stockmann meine Hochachtung aussprechen für den Mut, nicht nur das herrschende Wirtschaftsmodell an sich in Frage zu stellen (und auseinander zu nehmen), sondern auch die eigenen (vergangenen) Ansichten kritisch zu beurteilen. Dazu gehört, unabhängig von den vertretenen Ansichten, sehr viel Mut und Größe, deshalb meine Hochachtung!

    Zur Zusammenfassung von Herrn Wermuth gibts nicht viel zu sagen, der stimme ich zu, auch wenn man die einzelnen Punkte sicherlich noch sehr viel mehr präzisieren könnte, vor allem in ihren Auswirkungen und wechselseitigen (meist negativen) Beeinflussungen.

    Wozu ich mich aber äußern möchte, ist der (angeblich) so eklatante BIP/Kopf-Unterschied zwischen den USA und Westeuropa. Dazu einige zentrale Punkte:

    - Die geleisteten Arbeitsstunden (!): absolut zentral! Ein durchschnittlicher Europäer hat weitaus mehr Urlaubsanspruch und normalerweise auch weniger Wochenarbeitsstunden. Dazu kommt die höhere Zahl amerikanischer Rentner in hohem Alter, die noch arbeiten müssen um über die Runden zu kommen oder sich Medikamente leisten zu können (undenkbar fast überall in Westeuropa). Aber vor allem die durchschnittlich geleisteten Stunden eines Berufstätigen sind zentral und die liegen – oh Wunder – ziemlich genau um den Anteil unter der amerikanischen Zahl, wie auch unser BIP pro Kopf unter dem amerikanischen liegt! Es ist also eine simple Entscheidung mehr Freizeit vs. mehr Geld in den entwickeltsten Ländern dieser Erde (und ich bin mit unserer Wahl sehr zufrieden, wobei die der Amis natürlich auch ok ist – jeder wie er will).

    - Die Berechnungsweise des BIP: Ich brauch gar nicht sprechen von hedonischer Berechnung und anderen Scherzen…. Sie rechnen die Inflation künstlich niedrig und das BIP künstlich hoch (und selbst wenns nur wenige Prozentpunkte sind macht das im Endeffekt doch viel aus), was vor allem Vergleiche sehr erschwert.

    - Verteilung!: Für mich sowieso ganz zentral. Was nützt mir ein höhere BIP pro Kopf, wenn die Zahl der Armen oder Unversicherten oder sonstwie Benachteiligten steigt und steigt und sie nicht nur relativ immer schlechter abschneiden, sondern sogar der absolute Wohlstand stagniert (bei stark wachsender Wirtschaft bitte!)? Das ist doch absurd! Und was habe ich davon, wenn meine Geldhäuser von Jahrzehnt zu Jahrzehnt mehr Transaktionen abwickeln, die das BIP in lichte Höhen treiben, aber 90 % meiner arbeitenden Bevölkerung bekommt noch immer gleich viel (oder weniger) Lohn wie in den 70ern?

    Mit freundlichen Grüßen

    PS: einige unbedeutendere Punkte folgen noch, die ich gerne von den klugen Forenlesern überprüfen lassen möchte…. Scheinen mir stimmig, aber ich könnte mich ja auch irren :)

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    • 5. August 2010 um 23:51 Uhr
    • Valorian
  2. 10.

    So nun einige Thesen zum höheren US-BIP, die ich demonstrativ zur Diskussion stelle. Mir scheinen sie stimmig, aber ich möchte gern eure Meinung zu ihrer Richtigkeit bzw. Bedeutung hören!

    - Der vollkommen anders geartete Immobilienmarkt in den USA:
    In den USA wechseln jährlich weitaus mehr Immobilien aller Art den Besitzer als in den allermeisten europäischen Staaten (eine Behauptung die sich auf die von mir beobachteten völlig unterschiedlichen Gewohnheiten und Mentalitäten stützt, nicht auf irgendeine Statistik – hab leider keine). Wenn man also davon ausgeht, dass das stimmt, wechselt eine durchschnittliche US-Immobilie weitaus öfter den Besitzer als eine durchschnittliche EU-Immobilie. Das ist insofern sehr wichtig, da jedes Produkt immer dann im BIP aufscheint, wenn es gekauft bzw. verkauft wird (nicht aber so lang man es “ruhend” besitzt). Sprich eine Haus in Europa fließt (grosso modo) einmal ins BIP ein, nämlich wenn es gebaut wird. Ein Haus in den USA hingegen fließt über die Jahre immer und immer wieder aufs Neue ins BIP ein, weil es gekauft und verkauft wird, immer wieder. Dadurch schafft man aber in Wirklichkeit nicht mehr Wohlstand. Das ist gerade so, als ob mein Nachbar und ich uns jährlich gegenseitig unsere Häuser abkaufen würden, um das BIP zu steigern. 0 Produktivitäts- oder Wohlstandszuwachs (höchstens mehr Abwechslung für uns….), aber viel mehr BIP. Das ist ok wenn es den Amis so gefällt, aber es sollte nicht als Argument für mehr Wohlstand Europa gegenüber dienen. Mir ist übrigens schon klar, dass man dieses Argument unter Umständen auf viele andere Produkte auch anwenden könnte, aber da der Wert bei Immobilien so hoch und vor allem der Verhaltensunterschied zwischen EU und USA so eklatant ist (im Vergleich zu – sagen wir – dem Kauf- und Verkaufverhalten bei Autos, Möbel, Elektronik etc., wo es wohl kaum Unterschiede gibt…), halte ich das eben schon für einen entscheidenden (und verzerrenden) Punkt. Wie seht ihr das?

    - Das Gesellschaftsmodell:
    Die USA sind in vielerlei Hinsicht viel viel mehr eine Dienstleistungsgesellschaft als Europa! Ich steigere das BIP gleich mehrmals, wenn ich mir den Rasen mähen, den Pool und das Haus putzen, die Wäsche waschen und bügeln, die Kinder betreuen, die Plakate drucken, das Essen kochen, das Auto putzen, etc. lasse, als wenn ich es selber täte. All diese Tätigkeiten macht der durchschnittliche Österreicher oder Deutsche oder Italiener oder Franzose aber gern und meist selber, was schön und gut und löblich ist, sich aber in der (reichlich dämlichen) BIP-Statistik ziemlich negativ auswirkt. Denn noch einmal: alles was ich “einfach so” oder innerhalb der Familie erledige, fließt überhaupt nicht ins BIP, umso mehr ich auslagere an viele andere Arbeitskräfte, desto höher fällt die Steigerung des BIPs aus. So eine verstärkte Arbeitsteilung hat zweifellos Vor- und Nachteile, jeder wie er will, aber in jedem Fall sagt es nur relativ wenig über tatsächliche Wohlstandsunterschiede aus, besonders wenn ähnlich wohlhabende Länder verglichen werden.

    - Die Sparquote:
    Naive Frage: Die Sparquote ist doch der prozentuelle Anteil am verfügbaren Einkommen, der jedes Jahr gespart wird, richtig? Wenn dem nämlich so ist, haben die Europäer nicht nur generell einen schönen Anteil ihres Einkommens, den sie jederzeit ausgeben statt sparen könnten (und damit schwupp-di-wupp das BIP erhöhen könnten und im Gegensatz zu den Amis, deren Quote sogar im Minus ist!), sondern müssten doch auch gewaltige Summen auf der hohen Kante haben. Immerhin müsste sich zumindest ein großer Teil dieser Jahr-für-Jahr gesparten Summe doch akkumulieren, sehe ich das richtig? Somit hätten die Amis zwar jetzt durch jahrelanges schuldenfinanziertes Wachstum ein höheres BIP (denn dieses misst ja nur die umgesetzten Summen, nicht deren Sinn oder gar Leistbarkeit….), aber wären gewissermaßen am Ende der Fahnenstange angelangt. Während viele Europäer immer brav sparten und ein niedrigeres BIP in Kauf nahmen, aber theoretisch jederzeit beginnen könnten groß Geld aus zu geben und damit die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Stark vereinfacht dargestellt, ich weiß, aber ist an dem Grundgedanken was dran?

    Mit freundlichen Grüßen

    PS: Weitere Thesen folgen wenn sie mir (wieder) einfallen. Jetzt ist es schon zu spät :)

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    • 6. August 2010 um 00:25 Uhr
    • Valorian
  3. 11.

    Wenn man die vier Punkte der „Deformation“ in ihrer Konsequenz auf einen Nenner bringen will, dann heißt er: mittels Verschuldung über die Verhältnisse leben.

    Für die ersten zwei Punkte wird das explizit dargestellt.

    Für Punkt drei ist die Sache auch weitgehend klar: Die Aktivitäten des Finanzsektors wa-ren nicht nur ein Nullsummenspiel außerhalb der Realwirtschaft, sondern bedurfte auch realwirtschaftlicher Verschuldung (Immobilienfinanzierung, Kreditkarten etc.)

    Für den vierten Punkt – Abbau von anspruchsvollen Jobs – lässt sich das so begründen: Nachhaltige Verschuldung bedeutet, dass der Lebensstandard nicht durch eigene Wert-schöpfung finanziert werden muss. Soweit Wertschöpfung von der Qualifikation der Beschäftigten abhängt, sind die Anreize sie zu nutzen geringer. Daher Abbau von an-spruchsvollen Jobs.

    Ich weiß nicht, ob das empirisch zu belegen ist.

    Mir erscheint diese Begründung jedenfalls schlüssig und insgesamt wird dadurch erklärbar, warum das amerikanische Wirtschaftsmodell so lange funktioniert hat. Das war möglich, weil die Amerikaner am wenigsten angreifbar waren (Dollar als internationale Reservewährung) und sich am KONSEQUENTESTEN verschuldet haben.

    Umfassende Verschuldung, insbesondere wenn es auch noch steigende Verschuldung ist, kann zu Wachstum und Beschäftigung beitragen, d. h. ein Wirtschaftsmodell erfolgreich erscheinen lassen.

    Aber – und auch das ist eine Erkenntnis – nichts verstellt den Blick auf die Realität so sehr wie eine derartig fortwährende Verschuldung.

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    • 6. August 2010 um 01:11 Uhr
    • Dietmar Tischer
  4. 12.

    Das ist absurd. Der Exportbereich hat nichts mit Lohndumping zu tun, in der Exportbranche werden überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt. Das Geschrei dreht sich nur um die maßvolle Lohnzurückhaltung der letzten Jahre, die uns relative Wettbewerbsvorteile dadurch bescheren, dass Auslandslöhne teils maßlos (wie in Griechenland) gestiegen und deren Produkte gleich schlecht geblieben sind. Wir sind und bleiben weiterhin ein Hochlohnland. Niedriglöhne betreffen vor allem Minijobs, Teilzeit. Das ist an sich auch nichts Bedenkliches. Lohndumping ist das in der Regel auch, das ist die Ausnahme.

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  5. 13.

    Edit, ich bezog mich auf Kommentar #2 von Momo. =) Dachte es erscheint als Unterkommentar, ich schreibe zum ersten Mal hier.
    Und in meinem letzten Satz meinte ich: Lohndumping ist das idR -> nicht.

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  6. 14.

    „Pausenmilch für Schulkinder“

    aus Richard Abel Musgrave im Gespräch mit Karen Horn

    Viel Spass im Sommerseminar der Finanzwissenschaft:

    vwl.uni-freiburg.de/…/Fiwi_II_Uebung_vom_22112005.pdf

    wnop.de/src/studium/Finanztheorie.pdf

    vwl.uni-freiburg.de/fakultaet/fiwiII/einnahmen/fiwi_ch1.pdf

    daraus zu Vilfredo Pareto italienischer Volkswirtschaftler und Soziologe, * Paris 15. 7. 1848, . Celigny (Kanton Genf) 19. 8. 1923; Ingenieur, 1870-90 (zuletzt als Generaldirektor) in der Eisenindustrie tätig, 1893-1911 Professor für politische Ökonomie in Lausanne als Nachfolger von L. Walras, Mitbegründer der Lausanner Schule (Grenznutzenschule). Pareto suchte durch mathematische Methoden eine exakte Wirtschafts- und Sozialtheorie zu entwickeln. Seine Arbeiten zur Preis und Gleichgewichtstheorie sowie seine Theorie der Wahlakte begründeten die ordinale Nutzenkonzeption (Nutzen).

    Auf Paretos Analysen fußen die moderne Wohlfahrtsökonomik (Pareto-Optimum) und eine Theorie der personellen Einkommensverteilung (Pareto-Verteilung).

    In der Soziologie geht das Denkmodell des „ Kreislaufs der Eliten“ auf Pareto zurück, nach dem sich die Auseinandersetzung um die gesellschaftliche Macht letztlich nur zwischen Eliten abspielt.

    (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

    Ändern wir das … ? !

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    • 6. August 2010 um 05:57 Uhr
    • Rebel
  7. 15.

    “Aus deutscher oder europäischer Sicht kann man sich nur wundern, wie lange das von Stockman beschriebene Wirtschaftsmodell funktioniert hat, und wie wenig es infrage gestellt wird.”

    Da braucht man sich nicht wundern. Die Verfechter einer neoliberalen Wirtschaftspolitik wussten genau, was sie anrichten. Den Parlamenten und deren parlamentarischen Volksvertreter in Form von Lehrer und Juristen wurde dies “untergejubelt”, da selbige einfach zu doof sind, um volkswirtschaftliche Zusammenhänge erkennen zu können. Die dachten halt, was gut für das Kapital ist, ist gut für Deutschland.

    Antworten

    • 6. August 2010 um 09:09 Uhr
    • Christian Wagner
  8. 16.

    Zu: Tobias Fuentes – 6. August 2010 um 02:16 Uhr

    Sie schreiben:
    “Das ist absurd. Der Exportbereich hat nichts mit Lohndumping zu tun, in der Exportbranche werden überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt.”

    Die tariflich vereinbarten Löhne mögen auf dem Papier in den vergangenen Jahren stärker als z.B. im Dienstleistungssektor angestiegen sein. Jedoch: Die Tarifbindung der deutschen Unternehmen hat sich in den vergangenen 10 Jahren deutlich reduziert. Das IAB schreibt hierzu unter der Überschrift “Tarifbindung nimmt weiter ab”:
    iab.de/de/informationsservice/presse/…

    “Die Zahl der tarifgebundenen Betriebe ist in den letzten zehn Jahren erheblich zurückgegangen. Das zeigen die Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlichen Befragung von 16.000 Betrieben und Verwaltungen durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten wird von Flächentarifverträgen erfasst.
    1996 arbeiteten in Westdeutschland 69 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, in denen ein Flächentarifvertrag galt. Im Jahr 2006 waren es nur noch 57 Prozent. In Ostdeutschland sank der entsprechende Anteil der Beschäftigten von 56 auf 41 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um zwei Prozentpunkte im Westen bzw. um einen Prozentpunkt im Osten. Die Erosion der Flächentarifverträge ist zumindest im Westen bislang nicht gestoppt. In Ostdeutschland deuten die Zahlen der letzten Jahre dagegen eher auf eine Stabilisierung hin – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.
    Die ganze Bedeutung des Flächentarifs wird jedoch erst deutlich, wenn man berücksichtigt, dass zudem fast jeder fünfte Arbeitnehmer davon indirekt profitiert. 18 Prozent der westdeutschen und 22 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiten nämlich in Betrieben, die sich an einem Flächentarifvertrag orientieren.”

    Das heißt: Unter Einschluß der Unternehmen, die sich zumindest an Tarifverträgen orientieren, sind lediglich noch ca. 77 Prozent der Betriebe tarifgebunden.

    Und: Der Anteil der Unternehmen, für die ein “betriebliches Bündnis zur Wettbewerbs- und Standortsicherung” greift, beträgt mittlerweile 12 Prozent (bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sogar 20 Prozent). Diese “Bündnisse” laufen in den allermeisten Fällen für den Fall schlechter Beschäftigungslage auf Lohnkürzungen und damit auf ein Aushebeln der Tarifverträge hinaus.

    Des weiteren ist zu berücksichtigen, daß in den Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren zahlreiche sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze in schlechtbezahlte Leiharbeitsplätze und in 400-Euro-Jobs umgewandelt wurden. Das Thema Leiharbeitsplätze betrifft in besonderem Maße auch den Exportsektor.

    FAZIT:

    Die Lohnsteigerungen auch im Exportsektor sind für viele der dort Beschäftigten von rein theoretischer Natur, d.h. sie haben auf dem “Lohnzettel” in dieser Höhe überhaupt nicht stattgefunden. Dies gilt erst recht für die Dienstleistungsbranchen, die als Vorleistung auch in die exportorientierten Branchen einfließen und somit indrekt zum Lohndumping der Exportbranchen beitragen.

    Die deutsche Wirtschaft, unterstützt von neoliberalen Politikkonzepten (“Agenda 2010″, Hartz IV etc.) gehört, neben der unsoliden Politik früherer griechischer Regierungen, zu den Hauptkrisenverantwortlichen innerhalb der Euro-Zone. Neben Griechenland sind hiervon auch Spanien, Portugal und Italien betroffen.

    Ich verweise hierzu auf folgende lesenswerten Beiträge:

    ”Ist Deutschlands Sparsamkeit schuld an den Problemen?”
    heise.de/tp/r4/artikel/32/32198/1.html

    “Lohnpolitische Konvergenz und Solidarität oder
    offener Bruch”
    flassbeck.de/pdf/2010/april%202010/flassbeckWiDienst.pdf

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    • 6. August 2010 um 10:50 Uhr
    • Momo
  9. Kommentar zum Thema

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