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Auf der Suche nach dem bösen Staat

 

Also: Deutschland braucht mehr Investitionen heißt es allüberall und diese Aussage ist natürlich bei aller Liebe zum Konsum als Endzweck allen Wirtschaftens korrekt. Investitionen sind eine gute Sache, keine Frage.

Die spannende Frage ist nun, wer denn der große Investitionsverweigerer ist in Deutschland. Die Unternehmer, die vor lauter Überregulierung ihre animal spirits verloren haben? Hier aus dem Datenschatz der OECD die privaten Anlageinvestitionen in Deutschland und in der Euro-Zone im Vergleich. So schlecht stehen die Deutschen ganz offensichtlich nicht da.

Wo also liegt das Problem? Am Bau, klar, denn der lag nach dem Wiedervereinigungsboom erst einmal am Boden. Aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte.

Der böse, böse Staat, diese Krake, die unser Geld verschleudert um damit Brücken ins nirgendwo zu bauen und uns keinen Raum zum Atmen lässt – hat offensichtlich bei uns anders als im Rest Europas das investieren fast eingestellt (die Daten kommen von der EU, die Aufwärtsbewegung am aktuellen Rand dürften die Konjunkturprogramme sein). Es musste ja immerzu gespart oder die Steuer gesenkt werden.
Vorsicht, liebe Staatsfeinde – am Ende schnappen Euch die Keynesianer auch noch das Investitionsargument weg.

13 Kommentare


  1. Interessante Zahlen. Es wäre allerdings auch interessant, wenn neben den Wachstumsraten der privaten Anlageinvestitionen auch deren Anteil am BIP dargestellt würde. Deutschland könnte ja schon 1996 der Anteil geringer gelegen haben als in anderen Ländern – was mir die OECD-Daten auch in der Tat sagen: in Deutschland war 2008 der private non-residential investments Anteil etwa 12,0% vom BIP, in Euroland 14,5%. Dann kommt man mit ähnlichen Wachstumsraten natürlich nicht näher.

    Außerdem verwirrt mich der zweite Graph: Sind das wirklich Wachstumsraten zum Vorjahr? Es erscheint mir unplausibel, dass die so glatt sind – auch wenn es staatliche Investitionen sind, müssten die Wachstumsraten doch ein bisschen hin und her springen. Sind es vielleicht Anteile am BIP. Das beste, was ich bei der OECD gefunden habe, ist die folgende Tabelle, welche aber gerade die gross fixed capital formation des Staates nicht auflistet… http://www.oecd.org/dataoecd/6/27/2483806.xls


  2. @HansWurst2

    Das sind in der Tat Wachstumsraten, die Quelle ist der statistische Annex zur Frühjahrprognose der EU-Kommission. Der Anteil am BIP übrigens verändert sich auch nicht dramatisch im längerfristigen Vergleich – kann man mit den Daten des SVR ausrechnen, allerdings gibt es keinen Ländervergleich

    Grüße,
    MS

  3.   Rebel

    Investition und und Finanzierung

    Nehmen wir die zu realisierenden Vermögen die über den Rettungsfonds steuergarantiert werden und realisieren dieses Restvermögen – hauptsachlich Immobilien gedeckt und lassen es nicht weiter sich nutzlos verzehren.
    Es gibt neue Eigentümer, Nutzer; wir haben die wertberichtigten Restwerte für neue sofortige andere, bessere Investionen verfügbar.
    Braucht nur etwas Mut zum cutten und Kenntnisse der Facilities vor Ort, um die Preise zu finden bei denen der Markt dort geräumt werden wird. Besser jetzt als in 30 Jahren nach kontinuierlichem Wertverzehr mit leeren Büchern und Ruinen dazustehen.
    Na und, dann haben mit Preissenkung eben auch die restlichen Privatvermögenswerte “buchhalterische Abwertungen”. Nur das Sozialisieren von vorsätzlichen Fehlspekulationen und den Staat dann noch für Unterinvestitionen zu diffamieren ist einzugestehen.
    Neoliberalismus und Nachhaltigkeit haben Probleme.


  4. Die Lage Deutschlands ist meist besser als die Stimmung. Anderswo ist es umgekehrt, die Briten und Amerikaner glauben inmitten bröckelnder Infrastruktur und entzogener industrieller Basis immer noch unerschütterlich an die Überlegenheit ihres Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells. Jubelnd zieht man in die Plutokratie.

    Richtig ist leider auch dass die Bundesrepublik seit den 1990ern verstärkt von der Substanz lebt, von der einstmals tatsächlich weltbesten Infrastruktur eines Flächenstaates ist kaum mehr übrig geblieben als die Mär von den sichersten Atomkraftwerken (vielleicht vor Jahrzehnten, bei deren Erbauung) und medienwirksamen Schlaglochpatenschaften in bankrotten Kommunen.

    Indes wären Investitionen in die Infrastruktur “auf Pump” nicht nur konjunkturstimulierend, in höchstem Maße, sondern auch “gute” Schulden. Das Problem ist ja nicht Verschuldung per se sondern dass wir seit Jahren vor allem Konsumschulden anhäufen. Komme was da wolle, ALG II, Wohngeld, Kindergeld, Elterngeld, Renten,…wird stets pünktlich gemäß Bescheid auf das Konto Millionen Deutscher überwiesen. Offenbar erste Priorität vor allem anderen, selbst an öffentlicher Sicherheit (Feuerwehr und Polizei) wird ja schon seit Jahren gespart. Insofern, eher die “böse” Anspruchshaltung der Bürger, die auf reichhaltiger Alimentierung bestehen, ist das Problem. So haben die Steuer- und Beitragszahler ganz zurecht den Eindruck dass sie immer mehr zahlen und immer weniger Leistungen erhalten, denn ein Großteil geht für die ganzen Transferleistungen und Schuldendienst drauf. Die Investitionsquote der öffentlichen Hand ist zum Heulen.

  5.   HKaspar

    Na ist doch wunderbar: dann muessen wir ja nur warten bis das post-vereinigungs-bedingte Ueberangbeobt an Immmobilien abgebaut ist, und es flutscht wieder mit der Nachfrage in Deutschland. Auch der Leistungsbilanzueberschuss loest sich dann in Wohlgefallen auf.

    Weit und breit keine Notwendigkeit also per zentral organisierter Lohnerhoehung (oder aehnlichem fake-keynesianischen Voodoo) den gerade erst wieder funktionsfaehig gewordenenen Arbeitsmarkt kaputt zu machen.

  6.   Rebel

    Funktionfähigkeit

    Dann schaffen Sie mal die Mindestlöhne für Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten, Inginieure ab. Die stammen aus dem Preisrecht der Nachkriegszeit oder doch lieber an die Lohnentwicklung koppeln so`n Brüderle?

  7.   KL

    @HKaspar

    ” … gerade erst wieder funktionsfaehig gewordenenen Arbeitsmarkt …”

    Auf Ihrem Planeten würde ich gern mal ein paar Monate wohnen. Wie kommt man da hin ?

    Gruß,
    KL

  8.   keiner

    ..am Grab von Maggy T. und Ronny R. rechts abbiegen, 2 Lichtjahre weiter…

  9.   Fabian Lindner

    @ Kaspar

    Wir wär’s damit: Der Arbeitsmarkt war gar nicht so dysfunktional, i.e. die Löhne zu hoch, sondern die bau- und die staatlichen Investitionen zu gering? Umso mehr, wenn sich die privaten Investitionen ganz klar NICHT so schlecht verhalten haben, wie man (auch ich) immer geglaubt hat. Wie hätten denn zu höhe Löhne zu einem Absinken der Bauinvestitionen führen können (die übrigens sehr zinsreagibel sind)?

    Gegen die geringen Bauinvestitionen hätte man vielleicht nichts machen können, für höhere staatliche Investitionen aber sehr viel.

    Grüße,

    Fabian Lindner

  10.   Thomas Müller

    @Fabian Lindner

    Dazu passt auch, dass im Baugewerbe und im öffentlichen Dienst seit Anfang der 90er jeweils über 2 Mio. Stellen abgebaut wurden.