So funktioniert Kapitalismus

Es gibt nichts zu verteilen – oder doch?

Von 18. August 2010 um 19:28 Uhr

In den letzten Tagen ist – von Politikern der FDP, den Arbeitgebern aber auch vielen Kollegen – ein Satz besonders häufig zu hören:

«Was verteilt wird, muss erst einmal erwirtschaftet werden»

Das wird gerne als Argument gegen höhere Löhne, niedrigere Steuern oder eine Anhebung der Sozialleistungen vorgebracht. Doch wenn mit Adam Smith der Endzweck allen Wirtschaftens der Konsum ist, dann würde das Wirtschaften eingestellt, wenn – ein Extremfall – nicht mehr konsumiert würde. Das Besondere am Wirtschaftskuchen ist ja, dass er nicht kleiner, sondern größer wird, je mehr davon gegessen wird. Skeptiker vergleichen bitte die Entwicklung der Löhne und des Wirtschaftswachstums seit Beginn der Industrialisierung. Man könnte deshalb den Satz auch umdrehen.

«Erwirtschaftet wird nur, was auch verteilt wird»

Und noch etwas verschweigen die Verteilungsverneiner gerne. Denn natürlich wird immer etwas verteilt, wenn die Wirtschaft wächst. Der Satz, es gebe nichts zu verteilen, meint – in marxistischer Terminologie – zumeist, es gibt nichts für die Arbeit, weil das Kapital das Mehrprodukt einstecken will. Das kann manchmal gesamtwirtschaftlicher Perspektive sinnvoll sein, derzeit ist es das in Deutschland aber wohl eher nicht.

Und wenn der Staat sagt, es gebe nichts zu verteilen, weil das Geld für die Rückzahlung der Schulden verwendet werden muss, dann verteilt er auch. In diesem Fall an die Inhaber der Staatspapiere. Auch das ist nicht unbedingt schlecht – ich bin sogar dafür, wenn die Konsolidierung über höhere Steuern und nicht über niedrigere Ausgaben geschieht.

Aber man sollte Ross und Reiter schon benennen.

Kategorien: Wissen und Glauben
Leser-Kommentare
  1. 17.

    @Thomas Müller
    Bei psychischen Phänomenen wie der Bildung Bedürfnissen kann man m.E. nicht einfach c.p.-Bedingungen unterstellen; wenn sich in der Welt etwas verändert, bleibt alles andere eben nicht gleich.

    Gebaren im Gesundheitswesen sind z.B. überflüssige Behandlungen/Medikamention, Mehrfachuntersuchungen, Apothekenschwemme bei garantierem Mindestumsatz.

    Man sollte mal einführen, zum Jahresende jedem eine Bürgerabrechnung zu schicken, was haben pro Kopf diverse Verwaltungen verbraten, was haben die Ärzte gekostet, Subventionen etc., gerne auch mit Opportunitätskosten. So mancher Bürger würde sich dann schon fragen, ob er das Geld nicht lieber in der eigenen Tasche hätte.

    Ich weiß ja eine super Konjunkurmaßnahme: Der Staat gibt den Kindern monatlich Taschengeld aus, sagen wir 10-20€ pro Lebensjahr, oder auch als Kredit bei Zins nahe null. Dann sagen wir, ey, wenn Du nichts kaufst, kriegt der Papa keine Arbeit mehr. Da brummt der Binnenmarkt und wir treiben der Generation so wachstumsfeindliche Mätzchen wie Sparen, Maß, Verzicht aus.

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    • 21. August 2010 um 13:50 Uhr
    • hk0815
  2. 18.

    schöner Beitrag und bitte immer schön beachten:

    “Wir können auf Dauer nicht mehr einnehmen, als wir ausgeben.” :-)

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  3. 19.

    Ich brauche keine Zukunftssicherheitk, denn ich bin mir wenigstens darüber bewußt das es soetwas wie “Sicherheit” nur im Wunschdenken des Menschen gibt, nicht aber in der Natur.

    Da wir aber nunmal ein Teil der Natur sind, was wiederum sehr viele Menschen bereits vergessen haben, können wir NIE sicher leben.

    Schöne Beispiele dafür sind Naturkatastrophen auf die wir keinerlei Einfluss haben und uns jegliche Sicherheit innerhalb von Stunden nehmen können. Ein anderes Beispiel, ebenfalls die Natur, sind die Kriege der Menschen(nicht anderes als Kriege von Tieren(Wespen vs. Ameisten).

    Wie man sieht, kann es Sicherheit niemals wirklich geben, sie bleibt eine Illusion derer die sich ihr hingeben :)

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    • 24. August 2010 um 07:32 Uhr
    • Hickey
  4. 20.

    Anmerkung zum Taschengeldbeispiel:

    Das was sie vorschlagen, haben wir heute schon, sehen sie sich doch einmal den Geschäftsbericht von der Firma “Jamba” an.

    Ja das ist die Firma, die schreckliche Handylogos und klingeltöne herstellt.

    http://www.bundesanzeiger.de

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    • 24. August 2010 um 07:35 Uhr
    • Hickey
  5. 21.

    „Und wenn der Staat sagt, es gebe nichts zu verteilen, weil das Geld für die Rückzahlung der Schulden verwendet werden muss, dann verteilt er auch.“

    Der Staat verteilt Geld aber ebenso an all die Banken, allen voran der HRE. Das hat nichts mit einer sinnvollen Verteilung zu tun, mit welcher der Konsum angeregt wird. Das sind Bonuszahlungen an Manager und Mitfinanzierung des Missmanagements der Banken. Zwar ist die Schuldentilgung der Banken auch eine Verteilungsentscheidung, trotzdem hat die Bevölkerung keine Chancen auf einen höheren Konsum und kann somit nicht zur Ankurbelung der Wirtschaft beitragen.
    Wie können wir zum Wachstum des Wirtschaftskuchens beitragen, wenn nicht wir davon essen, sondern allein die Banken sich daran sättigen?

    «Was verteilt wird, muss erst einmal erwirtschaftet werden»

    Die Problematik liegt in der Verteilungsgerechtigkeit, denn erwirtschaftet wird sicherlich genug, nur hapert es an der gerechten Verteilung.

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    • 29. September 2010 um 15:24 Uhr
    • Manfred
  6. 22.

    Verteilen von Erwirtschaftetem ist schön und gut, jedoch sollte man auch darauf achten, sich ausreichend Rücklagen zu verschaffen. Diese Rücklagen sollten dem wirtschaftlichen Aufschwung entsprechend angepasst werden.
    Denn wie Sie richtig beschrieben haben wächst der Wirtschaftskuchen zwar, allerdings ist seine „Backform“ auch begrenzt. Man bedenke, dass mit jedem Wachstumsfortschritt auch gleichzeitig die Verantwortung und das Risiko für das Kapital drastisch steigen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stehen das Risiko und die Gewinnchance in keinem Verhältnis mehr zueinander. Es wird ein zu hohes Risiko für eine minimale Steigerung des wirtschaftlichen Erfolgs eingegangen.

    Als Paradebeispiel dienen die geldgierigen Manager, die vor nicht all zu langer Zeit Auslöser für die weltweite Wirtschaftskriese waren. Das Risiko war zu hoch, der Gewinn zu klein und der Hochmut zu gewaltig!
    Dieses Ereignis war Gift für die florierende Wirtschaft. Millionen von Menschen verloren ihre Existenzgrundlage aufgrund mangelnder Abwägung risikoreicher Entscheidungen. Und diese Fehler einzelner an dem Volk auszulassen, halte ich für nicht fair. Meiner Meinung nach sollte man einen Risikobeitrag für bestimmte wirtschaftliche Entscheidungen leisten um unnötige Steuererhöhungen zu vermeiden.

    Geht man ein zu hohes Risiko ein und man scheitert, sind keine ausreichenden Rücklagen vorhanden um den Verlust zu kompensieren. Deshalb ist es durchaus sinnvoll und auch notwendig einen bestimmten Teil des Erwirtschafteten für schlechte Zeiten zu sparen.

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    • 29. September 2010 um 15:25 Uhr
    • lufmol
  7. 23.

    Ich stimme dem Zitat aus dem Artikel von Mark Schieritz «Erwirtschaftet wird nur, was auch verteilt wird» grundsätzlich zu, da ohne jegliche „Verteilung“ des Erwirtschafteten keine Möglichkeit für die Bevölkerung und die Konsumenten besteht, ihren Konsum auszuweiten. Folglich würde sich dies suboptimal auf die komplette Volkswirtschaft auswirken. Ganz falsch ist meines Erachtens nach die Aussage «Was verteilt wird, muss erst einmal erwirtschaftet werden» aber auch nicht, da man immer abwägen muss, ob die Ausgaben überhaupt nützlich sind.
    Trotz allem halte ich geregelte Investitionen/Verteilungen für notwendig, da die Bevölkerung dadurch einen Fortschritt erfährt. So sollte zum Beispiel in die Bildung weiter und mehr investiert werden, um so den Mangel an Fachkräften so gering wie möglich zu halten und es so nicht zulässt, dass „Deutschland sich abschafft“.
    Um noch einmal den Satz «Was verteilt wird, muss erst einmal erwirtschaftet werden» aufzugreifen: Meiner Meinung können die zwei Dinge, Verteilung und das Erwirtschaften, durchaus abhängig voneinander sein. Erst eine bestimmte Schwelle an Wohlstand kann die Wirtschaft weiter ankurbeln. Man sollte gut überlegt mit dem Wirtschaftskuchen umgehen. Einen Teil sollte man davon an die Bevölkerung verteilen, einen anderen Teil sollte jedoch „aufbewahrt“ bzw. für den Schuldenabbau verwendet werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Euer Goofy

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    • 29. September 2010 um 15:26 Uhr
    • Goofy
  8. 24.

    Wie im Artikel beschrieben wird, stellt sich nicht die Frage, ob verteilt wird, sondern wohin. Wir können so verteilen, dass wir unseren Wirtschaftskuchen heute vergrößern und auch gleich wieder essen, oder wir können ihn haltbar machen und auch in der Zukunft noch davon Gebrauch machen.

    Konkret heißt das: Wollen wir dahin zurück, wo wir vor der Krise waren, wollen wir möglichst schnell immer weiter wachsen, um dann wieder in der Krise zu landen? Oder wollen wir uns für die Zukunft rüsten und schon heute etwas dafür tun, dass es keine Krise mehr geben wird? Hier ist klar die zweite Option zu wählen.

    Das heißt wir müssen heute so verteilen, dass wir auch morgen noch sagen können, wir haben richtig verteilt. Dies kann zum Beispiel geschehen durch Investitionen in die Bildung oder in erneuerbare Energien, um nur zwei der Möglichkeiten zu nennen. Man muss sich aber immer genau anschauen, welche Konsequenzen eine Handlung für die Zukunft hat und das beste für die Zukunft machen. Dabei darf man sich nicht von Ideologien leiten lassen.

    Investitionen in die Zunkunft sind immer mit Anstrengung verbunden. Hiervon darf man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Auch wenn es schwer fällt, uns heute für die Zukunft anzustrengen, eines Tages werden wir froh sein, es getan zu haben. Denn wir werden feststellen, dass unsere heutigen Investitionen in die Zukunft von höherem Nutzen sind, als die zukünftigen Investitionen, die wir tätigen, um durch heutiges Handeln entstandene Schäden zu begrenzen.

    Das Problem bei der Sache ist aber, dass Politiker, die hier wesentliche Entscheidungen treffen können, hauptsächlich an den unmittelbar spürbaren Konsequenzen ihrer Politik gemessen werden. Deshalb sind sie geneigt, Vorhandenes zum heutigen Vorteil zu verteilen, um wiedergewählt zu werden. Denn die Zukunft liegt weiter weg als die nächste Wahl.

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    • 29. September 2010 um 16:37 Uhr
    • la
  9. Kommentar zum Thema

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