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Deutschland, ein Währungsmanipulator?

 

Also die Kanzlerin hat sich beim Gipfel mal wieder durchgesetzt. Jenseits der medialen Gewinn- und Verlustrechnung hat Wolfgang Münchau auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht: Es ist was die internationalen Auswirkungen und insbesondere die Reaktion der Leistungsbilanzen angeht völlig egal, ob ein Land seine Währung abwertet oder die Löhne gekürzt werden. Wenn also die Deutschen nun argumentieren, anders als China betrieben sie keine Währungsmanipulation und müssten deshalb gesondert behandelt werden, so stimmt nur der erste Teil der Aussage.

Technisch gesprochen: Es zählt der reale (genauer gesagt, der real effektive) und nicht der nominale Wechselkurs.

Hier ist er von der Bundesbank:

Deutschland ist also ein real effektiver Währungsmanipulator. Und ich werde es nie zum G20-Sherpa bringen, höchstens für die Amerikaner.

PS: Wenn man die Länder der Euro-Zone heraus rechnet werten wir am aktuellen Rand auf, bleiben aber noch deutlich unter dem Ausgangsniveau.

44 Kommentare


  1. Drei Anmerkungen zu Ihrem Beitrag:
    – 1996 ist wahrscheinlich nicht der beste Referenzzeitpunkt (leider fängt dort diese BuBa-Reihe an). Ein Durchschnitt seit 1970 wäre schon aussagekräftiger.
    – Ggü. den hier gezeigten Ländern zeigt sich gerade in der Zeit der extremen Lohnmoderation eine (mehr oder weniger) konstante preisliche Wettbewerbsfähigkeit.
    – Auch wenn es für Ergebnis des realen Wechselkurses keinen Unterschied macht, sind natürlich die Beweggründe und Mechanismen, welche China den Wechselkurs fixieren lassen oder die USA über QE den Wechselkurs zu drücken versuchen lassen, andere als bei der durch die Tarifparteien verhandelte Lohnmoderation in Deutschland (, die allerdings wohl durch Arbeitsmarktreformen ausgelöst wurden).


  2. Ist es denn nur so schwer, Abbildungen zu erklären? Im Grunde sollten Abbildungen SELBSTERKLÄREND sein. Davon habe ich mich in diesem Blog, den ich eigentlich gerne lese, schon verabschieded. Aber diese Abbildung ist der momentane Gipfel an Verständnislosigkeit.

    Was ist denn die Ordinate? Irgendwas geht um 20% nach unten?
    Quelle Bundesbank: Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent
    – in Jahr 1996 hat sich da etwas (was auch immer) um ÜBER 100% verändert…
    – oder „schwankt“ da etwas UM 100%?

    Und die Abszisse? Wilde Zahlen…geraten: Monate in bestimmten Jahren. Schau ich bei der Bundesbank vorbei, ergibt die selbe Abbildung deutlich mehr Sinn. Hier hätte der Autor etwas „schamloser“ kopieren können.

    Überschrift: 36 Handelspartner… toll, welche denn?
    Quelle Bundesbank: DEUTSCHLAND gehört dazu! China nicht (oder doch, denn es wird sowohl bei Dazugehörenden genannt, als auch bei den nicht Berücksichtigten). Kein Russland (Öl/Gas…), kein Brasilien, kein Indien, keine Türkei etc.

    Nimmt man die Europäer raus, bleiben übrig: Schweiz, Grossbritannien, Japan, Kanada, USA, Australien, China (Einschränkung siehe oben), Hongkong, Singapur, Südkorea.

    Gegenüber diesen Ländern werten wir also auf. Das sagt dem geneigten Leser jetzt was?

    Auch wenn ich die Methoden der Bundesbanker nicht kenne, finde ich die Länderauswahl merkwürdig. Wie kann ich „preislichen Wettbewerb“ bestimmen, wenn ich Länder mit derselben Währung UND Länder mit verschiedensten Währungen in einen Topf werfe? Und dann eben noch wichtige Handelpartner (Russland) komplett aussen vor lasse?

    Ich weiss, dass dieser Blog keine Vorlesung in VWL/BWL sein soll, aber anständig erklärte Diagramme würden diesen Blog WIRKLICH RICHTIG aufwerten. Und es würde (meinen) dummen Fragen vorbeugen. Dieser Eintrag hatte für mich in dieser Form leider keinerlei informellen Gehalt (ich hab die Message einfach nicht herauslesen können).

  3.   Thomas Pittner

    „Jenseits der medialen Gewinn- und Verlustrechnung hat Wolfgang Münchau auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht: Es ist was die internationalen Auswirkungen und insbesondere die Reaktion der Leistungsbilanzen angeht völlig egal, ob ein Land seine Währung abwertet oder die Löhne gekürzt. “

    Also das nun dem Münchau, bei allem Respekt, ans Revers heften zu wollen, triffts nicht wirklich, oder?


  4. Wissen wir doch. Wo liegt die Lösung? Sind doch in einem Währungsraum. Andere im Währungsraum haben an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Lösung liegt nur in der Leistungsbilanzbreite von +2% bis -1% für die einzelnen Euroraummitglieder. Sonst fliegt uns der Euro so oder so um die Ohren.


  5. Die von Angela Merkel angezettelte Dollarpanik war wohl etwas verfrüht, da die Amerikaner ja überhaupt erst heute, am 12. November, erstmals mit dem Ankauf von Anleihen (vulgo: Anwerfen der Notendruckpresse) beginnen werden.

    Erschreckender kommt mir die Nachricht vor, dass Eurolands Wachstum (einschließlich Deutschland!) von 1,0% im vorigen Quartal auf nur noch 0,4% gesunken ist. Deutschland ist also nur noch die einzige Lokomotive, die den langen Eurozug schleppen muss.

  6.   Henry Kaspar

    Die These wird durch x-malige Widerholung auch nicht richtiger.

    Erstens ist ein Festwechselkurs ein von der Zentralbank kontrolliertes Politikinstrument, nicht aber Loehne: die sind das Ergebnis dezentraler Verhandlungen am Arbeitsmarkt. Manipulation setzt einen Manipulator voraus, hier gibt es keinen.

    Und zweitens haben Loehne die Funktion den Arbeitsmarkt zu raumen, oder praezise: die marktrauemende Relation zwischen Kapital- und Lohnkosten herzustellen. Solange der Arbeitsmarkt nicht geraeumt ist–d.h. solange Massenarbeitslosigkeit herrscht–ist es absurd, von „Waerungsmanipulation“zu sprechen, nur weil Loehne sich an die heimischen Arbeitsmarktverhaeltnisse anzupassen.

    Oder anders gesprochen: die Gleichsetzung von Wechselkurs und Lohnkosten macht nur bei Vollbeschaeftigung Sinn–und bei Vollbeschaeftigung gibt es keinen dezentralen Lohndruck nach unten.

    Ich weiss dass Muenchau das nicht checkt, dazu fehlt ihm wohl auch ein bisschen der Hintergrund. Aber bei den Hirten gebe ich die Hoffung nicht auf, dass es irgendwann mal klappt.

    Besten Gruss,
    HK

  7.   Henry Kaspar

    @ Klehn

    Die Lösung liegt nur in der Leistungsbilanzbreite von +2% bis -1% für die einzelnen Euroraummitglieder.

    Welches Politikinstrument haben sie denn im Sinn?

  8.   Thomas Müller

    @HKasper
    Ach bitte, sie glauben doch nicht ernsthaft daran, dass die Löhne dezentral ohne jeden politischen Einfluß unter dem Aspekt der Arbeitsmarkträumung (also auch noch unter der Annahme, dass ein sineknder LOhn zu mehr Beschäftigung führt) ausgehandelt werden.


  9. @ Henry Kaspar

    „Welches Politikinstrument haben sie denn im Sinn?“

    Haben wir schon in einem anderen Zusammenhang diskutiert. Ein Mittel ist die Zentralbankliquidität auf den einzelnen Euromärkten. Im Augenblick hat/ muss die Bundesbank automatisch 322Mrd. deutsche Liquidität über Tender und Target2 den anderen Euroländern zur Verfügung stellen. Die Verlagerung von Zentralbankliquidität (Deutschlandanteil eigentlich29%) kann erheblich verteuert werden. So dass die nationalen Defizitländer, keinen Zentralbankgewinn oder sogar einen Verlust hätten.

  10.   Thomas Müller

    @Klehn, Kaspar

    Oder meine Vorschläge:

    Steuerveränderungen (MwSt.), ggf. damit Gegenfinanzierung von Veränderung der Sozialversicherungsbeiträge.

    Zinsaufschläge insbesondere auf Hypothekarkredite