So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Die ultimative Dax-Wette zum neunten

Von 4. Januar 2011 um 21:29 Uhr

Hier kommt sie wieder, die ultimative Dax-Wette. Treue Leser des HERDENTRIEBS kennen sie schon. Anfang des Jahres wetten Marcus Rohwetter und ich, wo der Dax am Jahresende steht. Das tun wir nun schon zum neunten Mal, wenngleich erst zum sechsten Mal im Blog (2006, 2007, 2008, 2009 und 2010).

Und wir tun es noch einmal im Nirwana, bevor wir Sie mit Statistiken belästigen werden, so nach der Art, wenn Marcus mindestens 1000 Punkte optimistischer ist als Robert, dann steig der Dax in 80 Prozent der Fälle um 500 Punkte, oder so ähnlich. Also, halten Sie noch zwei Jahre durch, dann werden unsere Wetten handelbar!

Was ist der Spaß an den Wetten? Marcus und ich waren mal Kollegen bei der ZEIT, wo Marcus noch immer arbeitet. Sein Themengebiet ist der Einzelhandel, manchmal die Technik und der Verbraucherschutz, also alles Dinge, die ziemlich weit weg von der Börse sind. Sein jüngster Artikel beschäftigt sich mit Designerkleidung für Hunde!!! Mein Thema waren früher ausschließlich Finanzmärkte und Banken. Und permanent lag Marcus mit seinen Bauchwetten besser als ich mit den irgendwie rational erklärten und natürlich total belesenen Prognosen.

Das steigerte meine Glaubwürdigkeit als Anlagestratege in Hamburg ungemein. Und als ich dann 2005 das Blog HERDENTRIEB ins Leben rief, beschlossen wir, die Wetten vor größerem Publikum fortzusetzen. Et voilà, Marcus gewinnt noch immer. So grandios wie im vergangenen Jahr war der Gute aber noch nie. Da fehlten ja nur noch 41 Punkte, weniger als ein Prozent. Ich lag schlappe 2400 Punkte daneben! Ich glaubte vor einem Jahr an das W als Konjunkturverlauf und nicht an das V, das es ja für Deutschland definitiv geworden ist. In meinem Szenario hätte die Konjunktur nochmal einknicken müssen, doch jetzt feiern wir die Superstar-Economy.

Gut: Nun also zu unserer aktuellen Wette für 2011:

Markus tippt auf 7.717 – ich halte mit 7.200 Punkten dagegen.

Warum 7.200? Weil dieses Jahr einfach zu viel für deutsche Aktien spricht. Die globalen Frühindikatoren schauen gut aus, die Gewinne der Unternehmen sind viel zu hoch, schön für die Aktionäre, gewiss. Der Euro wird dank der Euro-Krise kaum steigen und die hiesige Wettbewerbsfähigkeit konservieren, solange er nicht auseinander bricht. Deshalb glaube ich auch an einen neuen Rekord, auf den wir drei Hirten uns Ende 2010 geeinigt haben. Aber zu Jahresende werden dann doch die Zweifel wachsen, wie lange das künstliche Wachstum aufrecht erhalten werden kann. Deshalb nur 7.200 zum Jahresende.

Und hier die Begründung des Dax-Propheten Marcus Rohwetter:

Was unterscheidet die Aktienexperten führender deutscher und internationaler Banken von den Jüngern des Nostradamus? Die Erwartungen an das neue Jahr!

Erstere glauben im Durchschnitt, dass der Aktienindex Dax Ende 2011 bei genau 7605 Punkten steht, berichtet das Handelsblatt. Anhänger des Astrologen hingegen sehen die Welt am Abgrund: »Die Apokalypse ist nah!« Es ist unwahrscheinlich, das beide Recht behalten.

Wenden wir uns den Bank-Prognosen zu. Die Spanne der Institute liegt zwischen 6200 und 8300 Punkten. Gemessen am Schlusskurs des vergangenen Jahres, bedeutet das irgendetwas zwischen minus 12 und plus 18 Prozent. Das ist interessant, weil ja praktisch alle Institute für sich reklamieren, bloß die besten Experten zu beschäftigen und nur die besten Prognosemethoden zu verwenden. Schon klar, dass die meisten nicht ganz die Wahrheit sagen. Wobei man zur Ehrenrettung der Experten zugeben muss, dass eine Jahresprognose so etwas ist wie ein guter Vorsatz: Klingt toll, funktioniert aber nur selten.

Meistens kommt irgendetwas dazwischen.

Der Zufall machte schon viele Prognosen zunichte, und auch 2011 bietet 365 Tage Gelegenheit für Überraschungen. Einen Krieg in Korea etwa oder neue Terroranschläge. Vielleicht aber auch den Wiederaufstieg des Euro oder neue grüne Technologien.

Ich bin ein Freund von Bauchgefühl-Prognosen und wette seit mehreren Jahren ziemlich erfolgreich mit analytisch denkenden Zeitgenossen auf die Börse, ohne meine Voraussage irgendwie zu begründen. 2010 schaffte ich damit fast eine Punktlandung. Für dieses Jahr erwarte ich, dass der Dax bei 7717 Punkten schließt. Warum, kann ich nicht sagen. Aber warum auch nicht?

Topp, die Wette gilt!

Kategorien: Die Heusinger-Wetten
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Leber Herr von Heusinger

    Drei Artikel ueber Wetten hier im Herdentrieb, und kein Wort drueber verloren, wo wirklich gewettet wird gegen den Euro.

    Uns als Leser der Zeit interessiert eigentlich nur, warum Sie nichts ueber die Wetten schreiben, die sich gegen den Euro wenden, mit Credit Default Swaps?

    Sie koennen uns nicht mehr weismachen dass Sie, als “Koenig der Spekulanten” (laut Heusingers eigenem Herdentrieb Profil) noch nie was davon gehoert haben!

    Ich wuerde sogar weiter gehen, und sagen, sie haben Credit Default Swaps die auf eine Pleite Irlands und Griechenlands wetten.

    Koennen Sie nicht mal dazu Stellung nehmen, wir haben Ihren Kollegen Dieter Wermuth schon blossgestellt hier, der ja solche Instrumente durchaus nuetzlich findet. Wie steht es mit Ihnen? Halten Sie die auch fuer gut, oder wuerden Sie eher fuer ein Verbot plaedieren, um die Eurokrise zu beenden?

    • 5. Januar 2011 um 01:11 Uhr
    • matt_us
  2. 2.

    @ matt_us #1:
    “Ein Verbot von Credit Default Swaps, um die Eurokrise zu beenden”?

    Haha, wenn es nur so simpel wäre. Aber da ist ja noch das kleine Problem von einigen Tausend Milliarden europäischer Schulden. Spanien allein schuldet 800 Milliarden, davon 400 Milliarden an Deutschland.

    Credit Default Swaps sind lediglich Versicherungspolicen. Damit gehen die Schulden nicht weg.

  3. 3.

    “Credit Default Swaps sind lediglich Versicherungspolicen. Damit gehen die Schulden nicht weg.”

    Klar, aber sie bringen bei einem Default auch nichts….oder welche “Versicherung” kann bei einem Default z.B. von Spanien in Höhe von 800 Mrd. € diesen Versicherungsschaden begleichen? 1/10 Sekunde nach der Erklärung des Schuldners hinsichtlich Zins- und Tilgungsverweigerung ist die Versicherung pleite!

    Die CDS nützen nur den Banken, denn mit einem hohen Hebel können Sie die Kurse beinflussen und die Renditen hochtreiben. Man leihe sich dann für nahezu 0% Zins Zentralbankgeld und kaufe spanische Zinspapiere, welche zu 7% oder 8% rentieren.

    • 5. Januar 2011 um 10:44 Uhr
    • Christian Wagmer
  4. 4.

    Sehr schöne Theorie, schöner Blog und eine tolle Wette. Da gehe ich glatt mit, ebenfalls ohne Erklärung. Es wird ein tolles Jahr 2011, für mich persönlich und auch für den DAX. Da bin ich -ganz- sicher. Der DAX knackt die 8000er Marke und steht am Jahresende bei 8023 Punkten.

    • 5. Januar 2011 um 17:19 Uhr
    • ASAkut
  5. 5.

    hhhmmmm … na … Wie steht es mit Ihrer Prognose, dass der Goldpreis nicht steigen würde?

    LOL …

    Ordoliberale Grüsse und ein frohes Neues

    • 5. Januar 2011 um 22:20 Uhr
    • Ordoliberaler
  6. 6.

    Ob der DAX die 8000 in 2011 knackt, wird man sehen (ich meine: eher ja). Aber auf jeden Fall wird er näher bei 8000 als 7000 stehen.

  7. 7.

    Nehmen wir für Q1 erst mal um 6400 und zum Q4 dann etwas über 8000. Damit ist die volle Spanne zwischen den Dummen beider Pole ausgeschöpft. Ungeachtet dessen ist der DAX so ziemlich das Unwichtigste, was es gibt.

    Man will “Optimismus” erzeugen, der sich im Straßenbild leider nicht erkennen läßt. Ist auch kein Grund zu erkennen. Irgendwelche Zahlen, die sich nicht auf einem Gehaltskonto verifizieren lassen, gehen einem sonstwo vorbei. Das denkt der Michel mit der Zipfelmütze. Der Ertrag seiner Lebensversicherung sinkt, die Spareinlagen bringen keine Zinsen, die Preise an der Tanke steigen seit Jahren zuverlässig, die Preise in den Läden auch, Mieten, Energiepreise und Nebenkosten explodieren, die realen Zahlen zum Konsum konterkarieren die Prognosen, die Konsumenten kämpfen mit sinkenden frei verfügbaren Einkommen und werden überall schlicht abgezockt. Wofür ? Dafür, dass ein paar Flitzpiepen heile Welt gaukeln ? Sie ist nicht heil, egal, wo der “DAX” zum Jahresende steht.

    Der DAX zeigt einfach nur wie krank diese Gesellschaft inzwischen ist.

    • 9. Januar 2011 um 22:10 Uhr
    • Michael
  8. 8.

    @Michael: Sehr schön zusammengefaßt!

    Ich hab die Zeit schon gelesen, als man sich noch durch seitenlange Artikel mit meterlangen Bandwurmsätzen graben mußte (durfte), zu Helmut Schmidts aktiveren Zeiten. Ein Jammer zu sehen, was für ein Schundblättchen ohne Analyse und ohne Perspektive daraus geworden ist. Vermutlich symptomatisch für die Wurstelgeneration, die gerade versucht sich die Macht zu teilen.

    • 10. Januar 2011 um 07:48 Uhr
    • keiner
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)