So funktioniert Kapitalismus

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle

Von 16. August 2011 um 17:20 Uhr

Das ist in diesen Tagen sicher nicht das aktuellste Thema, und auch nicht eins, bei dem ich mich als Experte fühle. Hier im Blog haben wir immer wieder diskutiert und uns darüber gewundert, dass die Reallöhne in Deutschland ebenso wie in den meisten anderen reichen Ländern seit vielen Jahren stagnieren oder sogar zurückgehen, und das bei positiven gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten. Die Einkommensverteilung wird immer ungleichmäßiger und die Gefahr besteht, dass sich eine Unterschicht bildet, deren Angehörige de facto keine Aufstiegschancen haben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle wäre ein Instrument, mit dem sich dieser gefährliche Trend stoppen ließe, als Alternative zu einem noch komplexeren Ausbau des heutigen Sozialstaates oder etwa zu einer negativen Einkommensteuer.

Meine Ausgangsthesen lauten, erstens: Die Einkommensunterschiede werden als Folge der immer intensiveren internationalen Arbeitsteilung weiter zunehmen, wenn nichts dagegen unternommen wird, und zweitens: Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein Ansatz, den es sich näher anzuschauen lohnt und keineswegs eine weltfremde Idee von irgendwelchen Sozialromantikern.

Zum ersten Punkt: Haben wir nicht gelernt, dass der freie Welthandel uns alle reicher macht, dass er den Fortschritt, die Produktivität und damit den Lebensstandard fördert? Auf einmal soll er schuld sein an der relativen, wenn nicht sogar absoluten Verarmung der unteren Einkommensschichten? Lässt sich das belegen?

Das deutsche reale Bruttoinlandsprodukt expandiert im Trend mit einer Rate von etwa 1 1/2 Prozent jährlich. Dabei können die oberen Einkommensschichten ihre Einkommen um Einiges rascher steigern, die breite Mittelschicht verbessert sich mehr oder weniger so rasch wie das BIP, während die ärmeren Schichten sich mit kleineren Steigerungsraten begnügen müssen oder real sogar verlieren.

Die Besserverdiener sind die Eigentümer von Kapital sowie gut qualifizierte Arbeitnehmer in Sektoren, die sich im internationalen Wettbewerb mit ihren Produkten durchsetzen können, für die unteren Einkommensschichten gilt dagegen, dass sie immer mehr in direkter Konkurrenz zu den schlecht bezahlten Arbeitern in China, Indien, Polen oder Rumänien stehen. “Produktionsverlagerung” heißt die Peitsche, mit der sie in den Lohnverhandlungen bedroht werden. Es ist der vielleicht wichtigste Grund, warum die Gewerkschaften so schwach sind.

Was steckt dahinter? Spätestens seit 1941, als Wolfgang Stolper und Paul Samuelson das nach ihnen benannte Theorem des Außenhandels veröffentlichten, ist unter Ökonomen allgemein bekannt, dass Preisänderungen von international gehandelten Gütern die relativen Preise von Arbeit und Kapital in den betroffenen Ländern verändern.

Konkreter, wenn für relativ kapitalreiche Länder wie Deutschland die Einfuhren aus China oder Indien durch Zollsenkungen, Aufwertungen, sinkende Frachtkosten und verbesserte Marktinformationen ständig billiger werden, sinken tendenziell die Arbeitseinkommen in den Sektoren, mit deren Produkten diese zumeist arbeitsintensiv produzierten Einfuhren konkurrieren. Auch die Beschäftigung geht in diesen Sektoren zurück, was wiederum den Angebotsdruck auf dem Arbeitsmarkt insgesamt erhöht und Lohnsteigerungen vor allem bei “falsch” oder wenig qualifizierten Arbeitnehmern verhindert.

Noch anders ausgedrückt: Die internationale Arbeitsteilung fördert durch die Spezialisierung und den Zwang, wegen des Wettbewerbsdrucks ständig die Produktivität zu steigern, das mittelfristige Wirtschaftswachstum und damit die Summe dessen, was jährlich an die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital verteilt werden kann, ist also etwas Positives. Gleichzeitig aber lässt sich nicht vermeiden, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die ohne Hilfe der Solidargemeinschaft ihre Jobs und Einkommen verlieren. Offene Grenzen sind gut, aber nicht für Alle.

Wenn ich mit meiner Sichtweise Recht habe, dass es sich dabei um einen nicht umkehrbaren Trend handelt, muss die Wirtschaftspolitik aktiv werden. In einer reichen demokratischen Gesellschaft kann nicht hingenommen werden, dass sich eine große Unterschicht bildet. Chancengleichheit muss wenigstens ansatzweise gegeben sein. Womit wir beim bedingungslosen Grundeinkommen für alle wären.

Das Thema ist nicht neu. Seit Jahrhunderten haben sich Philosophen, Soziologen, Politikwissenschaftler und Ökonomen damit beschäftigt. Es gilt seit Thomas Morus als eine schöne Utopie und wird, wie das so ist, von der Mehrheit der Bevölkerung als weltfremdes Gedankenspiel abgetan. Im zweiten Brief des Paulus an die Thessaloniker (3, 10) heißt es: “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”. Das bedingungslose Grundeinkommen für alle ist nichts, was uns die Bibel empfiehlt. Heiner Flassbeck nennt es eine Idee aus dem Mottenschrank (in: Wirtschaft und Markt, Januar 2007). Auch unsere geschätzten Freunde von den NachDenkSeiten haben mit dem Thema nichts am Hut (“Das unbedingte und universelle Grundeinkommen stellt keine realistische Alternative zur Reform des deutschen Sozialstaats dar”, 13. Dezember 2006). Durch die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich ist es aber auf einmal wieder aktuell geworden.

Es ist unmöglich, die vielen Vorschläge zu bewerten, die inzwischen vor allem in Deutschland im Umlauf sind. Sie kommen von Seiten der CDU, den Grünen, verschiedenen Forschungsinstituten und von einem Unternehmer wie Götz Werner, aber noch nicht, so viel ich weiß, von der SPD, der CSU, den Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften. Wichtige Vordenker aus der jüngeren Vergangenheit, wie Milton Friedman, Ralf Dahrendorf und Bertrand Russell, kommen ebenfalls aus sehr unterschiedlichen Lagern.

Laut Finanzminister Schäuble betragen die gesamten Ausgaben für Sozialleistungen auf die Anzahl der Bevölkerung bezogen pro Jahr mehr als 12.000 Euro pro Kopf. Das sind rund eine Billion Euro, bei einem Sozialprodukt von 2,5 Billionen. Warum diese gewaltige Verfügungsmasse nicht nutzen für eine Vereinfachung des Systems, den Abbau der Bürokratie und vor allem dafür, dass jene, die im globalen Wettbewerb auf der Verliererseite stehen, so entschädigt werden, dass sie ein Leben in Würde und Freiheit führen können, wie es der Artikel 1 unseres Grundgesetzes verspricht?

Das “Netzwerk Grundeinkommen” hat im Oktober 2008 in einer vergleichenden Übersicht der verschiedenen Modelle des bedingungslosen Grundeinkommens so etwas wie eine Legaldefinition geliefert. Es handelt sich danach um “einen Anspruch auf einen monetären Transfer eines jeden Menschen gegenüber dem politischen Gemeinwesen …, der folgenden Kriterien entspricht: Der Transfer muss die Existenz sichernd sein und eine gesellschaftliche Teilhabe (im Sinne einer Mindestteilhabe) ermöglichen. Auf ihn besteht ein individueller Rechtsanspruch. Er ist ohne eine Bedürftigkeitsprüfung, ohne einen Zwang zur Arbeit und ohne einen Zwang zu anderen Gegenleistungen garantiert.” (S.4)

Damit sind weder die Bedürftigkeit, noch der Familienstand noch die Einkommenslage eine Bedingung für den Geldtransfer. In einer vierköpfigen Familie hätten alle Vier einen Anspruch. In den meisten Modellen ist für Kinder weniger vorgesehen als für Erwachsene, für die sich die monatlichen Zahlungen je nach Modell auf 600 bis 1000 Euro belaufen sollen.

Es ist umstritten, wie das zu finanzieren wäre. In allen Vorschlägen ist eine starke Vereinfachung des Steuersystems ein wichtiges Element. Meist wird bei der Einkommensteuer eine “flat tax” mit einem Satz zwischen 25 und 60 Prozent vorgesehen, dem schon der erste Euro aus Arbeits-, Kapital- und Mieteinkommen unterworfen wird. Abzugsmöglichkeiten in den Steuererklärungen würden komplett entfallen. Das Grundeinkommen wäre dann für die Besserverdienenden eine Art Freibetrag. Wenn die “flat tax” zu hoch ist, dürfte es allerdings Probleme mit der Kapitalflucht geben, so dass eine Kombination von Mehrwertsteuer und Einkommensteuer am sinnvollsten erscheint. Auch die Mehrwertsteuer kann natürlich nicht beliebig angehoben werden, weil andernfalls noch mehr schwarz gearbeitet würde und der Anreiz, für den mehrwertsteuerbefreiten Export zu produzieren, noch größer würde.

Ersparnisse gibt es natürlich durch den Wegfall des Arbeitslosengelds I und II, der Sozialhilfe, der Rente, der Ausbildungsförderung, des Kindergelds, des Elterngelds und etwa hundert weiterer Sozialtransfers, sowie den radikalen Abbau der Sozialbürokratie. Es bestünde aber die Pflicht für alle, in eine Krankenversicherung einzuzahlen. Niemand wäre mehr arbeitslos. Jeder kann arbeiten, auch für wenig oder kein Geld, müsste aber nicht.

Die entscheidende Frage ist, ob das Sozialprodukt durch ein solches System eher steigen wird als sinken, ob es also mehr oder weniger zu verteilen gäbe als vorher. Was, wenn sich auf einmal alle, oder jedenfalls mehr Leute als heute auf die faule Haut legen? Oder aufhören, etwas zu lernen, mit dem sich Mehrwert und Zusatzeinkommen schaffen lassen? Diesen Bedenken lässt sich dadurch Rechnung tragen, dass man mit einem relativ kleinen Betrag, sagen wir 200 Euro monatlich, startet und sich mal ansieht, wie die Reaktion ist.

Vermutlich sollte man aber nicht zu pessimistisch sein: Der Mensch ist ein Wesen, das tätig sein will. Die Meisten freuen sich, wenn sie etwas Nützliches zustande bringen und von den Anderen dafür respektiert werden. In Umfragen erklären 90 Prozent der Befragten, dass sie auch bei einem auskömmlichen Grundeinkommen weiter arbeiten würden.

Das bedingungslose Grundeinkommen hat einige absehbare ökonomische Effekte:

1. Aus mehreren Gründen würde die gesamtwirtschaftliche Produktivität steigen: Da es im Vergleich zu heute weniger sozialpolitisch motivierte Markteingriffe gäbe, würde die Effizienz steigen. Unangenehme Arbeiten müssten viel besser bezahlt werden als heute, beispielsweise in der Krankenpflege, in der Alterspflege, in der Landwirtschaft – manches würde dadurch teurer, anderes würde effizienter hergestellt. Die Erwerbsquote der Frauen wird kräftig steigen, so dass sich die durchschnittliche Qualifikation der Erwerbstätigen erhöht. Auch die geographische Mobilität dürfte zunehmen, so dass es am Arbeitsmarkt zu einem besseren Ausgleich von Angebot und Nachfrage kommt. Deutschland würde für qualifizierte Ausländer ein attraktiveres Einwanderungsland (trägt dazu bei, dass sich die Erwerbsquote erhöht – es gäbe verhältnismäßig mehr jungen Leute, die die ältere Generation unterstützt).

2. Ob die Anzahl der Arbeitsstunden zunehmen oder abnehmen wird, ist weniger sicher. Würde mehr (für Lohn und Gewinn) gearbeitet als zuvor, wäre das natürlich ein Traumresultat: mehr Stunden plus höhere Produktivität gleich stärkerer Anstieg des realen Sozialprodukts gleich ein größerer zu verteilender Kuchen. Vermutlich wird die Zeit, die mit bezahlter Arbeit verbracht wird, aber zurückgehen, dafür gäbe es mehr ehrenamtliches Engagement. Es muss Vorsorge getroffen werden, dass das Volumen der “normalen” Arbeit nicht zu sehr sinkt, etwa durch steuerliche Anreize, damit die Sache finanzierbar bleibt.

3. Ein wesentlicher Effekt besteht natürlich darin, dass den Menschen die Angst vor der Zukunft genommen würde, jedenfalls ein wichtiges Teilelement dieser Angst. Niemand braucht mehr zu befürchten, zu verarmen oder im Falle längerer Arbeitslosigkeit oder Krankheit von den Behörden gezwungen zu werden, sein Haus zu verkaufen oder seine Ersparnisse aufzulösen. Das dürfte die Ausgabenquote erhöhen und damit dazu beitragen, die nach wie vor sehr große, angeblich strukturelle Outputlücke zu füllen.

Wie gesagt, es lohnt sich, angesichts unserer offenen Grenzen und der dadurch wesentlich mitverursachten Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen über ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle weiter nachzudenken. Für einen Volkswirt wie mich gibt es da keine unüberwindbaren Hürden. Auch die Umweltbewegung wurde anfangs nicht ernst genommen – inzwischen ist sie im Mainstream angekommen.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    @Thomas Pittner

    Meiner Meinung nach hat die beständige Ausweitung der Unterschicht nichts mit “staatlichem Handeln” zu tun. Die Politiker würden lieber heute als morgen die Leute in Arbeit bringen.

    Nein, die eigentliche Ursache ist m.E. nach die fortschreitende Automatisierung. Statt 10 Lagerarbeitern, die früher Säcke geschleppt haben, macht das heute einer mit nem Gabelstapler. Die 10 Buchhalter, die früher die Bilanzen gecheckt haben, gibts ein Computerprogramm.

    Und das wird immer so weitergehen. Am Ende braucht man nur noch Ingenieure, Wissenschaftler und (vielleicht) ein paar Manager.

    Der Rest hat frei! Das ist eigentlich keine schlechte Nachricht, denn wer will unbedingt 8h am Tag schwere Säcke schleppen?

    Gruß, Gojko.

    Antworten

    • 16. August 2011 um 22:57 Uhr
    • gojko
  2. 10.

    “Das ist eigentlich keine schlechte Nachricht, denn wer will unbedingt 8h am Tag schwere Säcke schleppen?”

    Der Staat legt die Regelarbeitszeit fest.

    Die Wirkung der negativen Einkommenssteuer in den USA auf die Verteilung der Einkommen?

    Bei 45 Millionen Sozialhilfebeziehern(Lebensmittelmarken), darunter vielen mit mindestens einem Arbeitsplatz.

    Antworten

    • 16. August 2011 um 23:45 Uhr
    • Marlene
  3. 11.

    @ gojko
    “Meiner Meinung nach hat die beständige Ausweitung der Unterschicht nichts mit “staatlichem Handeln” zu tun. Die Politiker würden lieber heute als morgen die Leute in Arbeit bringen.”

    Was hat ihr erster Satz mit dem zweiten zu tun?

    Natürlich wollen Politiker die Arbeitslosenzahlen senken, gar keine Frage.
    Aber man kann ja sogar sagen, dass sie die “Ausweitung der Unterschicht” gerade als Methode zur Erreichung der AL-Quoten-Senkung verwenden.

    “Sozial ist, was Arbeit schafft”
    “Jede Arbeit ist besser als gar keine”

    Jede legale Arbeit ist anzunehmen, sonst sind Leistungskürzungen bis auf Null möglich. Ein Lohn in nichttarifgebundenen Unternehmen wird erst ab 30% unter Tarif sittenwidrig, sagt die Rechtsprechung.

    D.h.: Die Friseurin muss für 2,20 arbeiten, sonst kann ihr der Sachbearbeiter Geld streichen.

    Wir kennen die Zeitarbeits-Auswüchse, tarifverträge der “Christlichen” Pseudogewerkschaften zum Unterlaufen des equal pay Prinzips, Drehtüren Rausschmiss von Stammkräften mit anschließendem Angebot als Niedriglöhner die gleiche STelle wiederzukriegen.

    Das hat mit dem “Sackschlepper” gar nichts zu tun, es sind ja existierende Arbeitsplätze, und zwar sehr oft in Bereichen, die nicht in internationaler Konkurrenz stehen und auch nicht verschwinden bei etwas höheren Löhnen (oder Putzt der Rechtsanwalt seine Kanzlei dann selber, geht der Chef abends nochmal ne Runde zur Bewachung seines Betriebsgeländes, werden Fünfsternezimmer nicht mehr vermietet wenn der Preis von 146 auf 147 Euro steigt, geht niemand mehr zum Friseur wenn Cut&go 11 statt 10 Euro kostet etc.pp)

    Dies erzeugt massiven Druck auf die Menschen, auch Arbeit zu miesen Bedingungen und niedrigsten Löhnen zu akzeptieren, aus ANgst vor dieser Alternative Lohnsenkungen hinzunehmen, auf Tariferhöhungen zu verzichten.

    Es gibt zwei Möglichkeiten zur Rückdrehung der Präkarisierung:
    * Absicherung der Löhne nach unten auf einem halbwegs anständigem Niveau und konsequentes equal pay; das senkt den Druck auch auf die Löhne oberhalb der Mindestlöhne.

    * Schaffung eines staatlichen Sektors wie in Dänemark, der Arbeitlosen eine auskömmliche Beschäftigung sicher (also keine faule Haut, @ WIHE) und damit wie ein Quasi-Mindestlohn wirkt.

    Antworten

    • 17. August 2011 um 00:54 Uhr
    • Thomas Pittner
  4. 12.

    “Der Rest hat frei!”
    Stichwort Automatisierung: da ist sehr viel dran!
    Ich glaube, die meisten von uns haben noch gar keine Vorstellung davon, wie weit das in nicht ferner Zeit noch getrieben werden kann. Wer eine Vorstellung davon kriegen will, möge mal nach “Watson Jeopardy” googeln. Ich bin fest davon überzeugt, dass solche Alghoritmen in solchen Computern (in hochgerechnet ca. 15 Jahren steckt die Leistung dieses Rechenmonsters in einem ordentlichen PC) sogar mittleres Management wegrationalisieren können.
    Was dann?

    Ich sehe 3 Möglichkeiten:
    1) Eine Katastrophe großer Dimension (Atomkrieg, Epidemie, kippendes Klima) unterbricht abrupt den technologischen Fortschritt
    2) Immer mehr Menschen werden obsolet, der soziale Darwinismus geht ungebremst weiter und die Gesellschaft spaltet sich radikal
    3) Wir finden einen Weg, wie zum Beispiel das Grundeinkommen, um auch Menschen, die nicht mehr unmittelbar “profitabel” sind, in der Gesellschaft zu behalten.

    Letztendlich ist es meiner Meinung nach sogar im Interesse der Wohlhabenden, Szenario 2 zu verhindern. Porsche fahren in einem Ghetto macht keinen Spaß.

    Als größtes Hindernis für 3 sehe ich nicht die Finanzierbarkeit, sondern den nötigen Paradigmenwechsel weg von der Konsumgesellschaft, was quasi eine 180°-Wende wäre.
    Eine radikale Reform des Bildungswesens wäre meines Erachtens auch notwendig und eine starke Regulierung der Werbeindustrie wäre auch hilfreich.

    Das Problem der dadurch induzierten Zuwanderung sollte lösbar sein, wobei – wie ich schon schrieb, das bestehende Gemeinschaftsrecht da vermutlich eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit darstellen würde. Sollte das Modell aber in einem Staat erfolgreich sein, würde es sich vermutlich sowieso schnell ausbreiten.

    Es einfach nur als Utopie abzutun erscheint mir nach den Entwicklungen und Tabubrüchen der vergangenen 3 Jahre aber als nicht mehr angebracht.

    Antworten

  5. 13.

    @Thomas Pittner

    Ich wollte darauf hinaus, daß die Politik im Prinzip in der Zwickmühle steckt, wenn es immer weniger (einfache) Jobs gibt.

    Wenn immer mehr Arbeitsplätze weg automatisiert werden, dann drängen folglich immer mehr Menschen in die noch verbliebenen Jobs, auch die aus “Bereichen, die nicht in internationaler Konkurrenz” unterworfen sind.
    Das Ergebnis sind sinkende Löhne. Ein simpler Marktmechanismus.

    Wenn die Politik einen Mindestlohn einführt, wird es weniger aber besserbezahlte Jobs geben (der Anwalt läßt seine Kanzlei dann nur noch 14-tägig reinigen), wenn sie einfach den Arbeitsmarkt wirken läßt, kommt es zu Löhnen die unter dem Existenzminimum liegen.

    Ich persönlich finde Deine Variante 2 (“Schaffung eines staatlichen Sektors wie in Dänemark, der Arbeitlosen eine auskömmliche Beschäftigung sichert”) mit Abstand am besten. Damit wird sichergestellt, daß die Leute ein geregeltes Leben haben und nicht langsam vor dem Fernseher verblöden.

    Gruß, Gojko.

    Antworten

    • 17. August 2011 um 06:58 Uhr
    • gojko
  6. 14.

    @Marlene

    Wieso legt der Staat die Arbeitszeit fest? Soweit ich weiß, handeln das die Gewerkschaften mit den Unternehmen aus. Tarifautonomie?

    Gruß, Gojko.

    Antworten

    • 17. August 2011 um 07:00 Uhr
    • gojko
  7. 15.

    @Thomas Pittner
    Das auskömmliche Beschäftigungsprogramm des Staates schließt eine Festlegung des Mindestlohnes sui generis mit ein. Keiner arbeitet für 2,50, wenn er beim Staat 8,50 bekommt. So gesehen ist das alte “Recht auf Arbeit” wie es dereinst die PDS gefordert hatte, ein in mehrfacher Hinsicht wirksames Instrument: 1. Wird dadurch ein Mindestlohn gesetzt, 2. wird damit Arbeitslosigkeit de facto abgeschafft 3. Entgeht der Gesellschaft nicht das erhebliche Wertschöpfungspotential, das in den Teilen der Gesellschaft liegt, die durch Bürgergeld (oder Hartz4) ihrer eigenen Ansicht nach ausreichend alimentiert sind, um die eigene Arbeit einstellen zu können.
    Leider wird auch hierdurch nur die Umverteilung der Einkommen abhängig Beschäftigter vorangetrieben. Viel schlimmer ist jedoch, dass durch die Globalisierung und die mit ihr verbundenen Konkurrenz der staatlichen Besteuerungssysteme untereinander, eine Umverteilung von Kapital zu Arbeit nur mehr in geringerem Maße machbar ist. Somit reißt zwangsläufig das alte Marxsche Akkumulationsproblem des Kapitals wieder auf, gegen das sich nur eine einige Weltwirtschaftspolitik erfolgreich stemmen kann.
    Da ich diesbezüglich nicht sehr hoffnungsfroh bin, fürchte ich, dass mittelfristig neben den hier diskutierten Schritten der innerstaatlichen Verteilung von Erwerbseinkünften auch ein Zurückdrehen der internationalen Freizügigkeit im Kapitalverkehr erforderlich sein wird – zum gesamtwirtschaftlichen Schaden, aber zum Nutzen des innerstaatlichen gesellschaftlichen Friedens.

    Antworten

    • 17. August 2011 um 08:27 Uhr
    • etiam
  8. 16.

    Warum sollte Arbeitskraft billiger einzukaufen sein, wenn grundlegende Existenzängste wegfallen und somit Arbeitskraft nichtmehr unter Wert verkauft werden muss?

    Antworten

    • 17. August 2011 um 08:56 Uhr
    • Carla Eisenmann
  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)