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Investment Outlook: pro-zyklische Finanzpolitik und Deflationsrisiken

Von 30. August 2011 um 14:53 Uhr

Die Wachstumsprognosen für die Industrieländer sind in den vergangenen Wochen kräftig nach unten revidiert worden. Im jetzigen und im nächsten Halbjahr wird das reale BIP der USA und Eurolands mit Verlaufsraten von kaum mehr als ein Prozent expandieren. Die Outputlücken werden wieder größer. Grund ist vor allem die pro-zyklische Finanzpolitik, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Haushaltsdefizite der öffentlichen Hand rasch zu vermindern. Die Geldpolitik kann kaum noch helfen – sie hat ihre Munition weitgehend verschossen.

Währenddessen ist die Inflation weltweit auf dem Rückzug. Es ist daher mit wenigen Ausnahmen nicht mehr damit zu rechnen, dass die Notenbanken ihre Zinsen weiter anheben werden. Die schwächere Konjunktur in den beiden größten Volkswirtschaften dämpft auch die Nachfrage nach Rohstoffen, deren Preise noch um Einiges sinken dürften. Das gilt auch für Rohöl.

Die Rentenmärkte der Länder mit gutem Rating werden angesichts des deflationären Umfelds und des Sicherheitsbedürfnisses der Anleger fest bleiben, obwohl die Renditen bereits historische Tiefstände erreicht haben. Der Euro wird sich gegenüber dem Dollar voraussichtlich seitwärts bewegen, sich aber aufwerten, sobald sich eine überzeugende Lösung für die Schuldenkrise und die Regulierung des Bankensektors von Euroland abzeichnet.

Aktien sind nach den Verlusten in diesem Monat und der Hausse der Rentenmärkte relativ und absolut so billig wie selten. Vielfach sind die Dividendenrenditen nicht-zyklischer Werte um das Doppelte oder Dreifache höher als die langfristigen Bondrenditen. Das Risiko besteht darin, dass es doch noch zu japanischen Entwicklungen kommt.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern und den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook -August 2011*) (pdf, 302 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich finde, investieren in Deutschland ist die beste Entscheidung.

    • 30. August 2011 um 19:12 Uhr
    • zelotti
  2. 2.

    Und es gibt soviele sinnvolle Investitionen hier.

    Bildung…ohne Wucherfinanzierung durch KFW-Kredite
    Infrastrukturen
    Kulturerbestädte
    ErneuerbareEnergien
    Schulfacilties mit Mensen … ohne McDonald
    Gefängnisse für Whitecollar-Verbrecher
    Verkehrssysteme

    noch mehr Ideen?

    • 30. August 2011 um 21:31 Uhr
    • Rebel
  3. 3.

    Wir haben keine Schuldenkrise. Wir haben eine Sparkrise, durch zu viel Sparen! Mit der Sparkrise meine ich nicht den Staat, sondern die Haushalte und Unternehmen.

    Diese Sparkrise wird noch von folgenden Kräften noch verstärkt:

    - Die völlig unausgeglichene Vermögensverteilung.
    - Import- und Exportüberschüsse.
    - Psychologie (Sparen ist gut)
    - Konzernbildung
    - Zinseszinseffekt.
    - Deregulierung der Finanzmärkte.

    Hier mal eine Statistik der Deutschen Bundesbank:
    bundesbank.de/download/statistik/stat_sonder/statso4.pdf
    (man beachte die Seite 17)

    Dazu kommt der Irrglaube in der Volkswirtschaftslehre, dass das Sparen zu Investitionen führt. Eine völlig falsche und gefährliche Annahme, weil das Sparen im Gegensatz zu Schulden (durch welche man auch investieren kann) immer nur in eine Richtung geht.

    Geht es der Wirtschaft schlecht, wird gespart (Konsumverzicht – weshalb der Staat sich immer mehr Verschulden muss). Geht es der Wirtschaft gut, wird wieder gespart (weil es ja auch schlechte Zeiten geben kann). Man beachte, das es in beiden Situationen Konsumverzicht gibt, welchen der Staat ausgleichen muss (diesbezüglich kann der Staat auch nicht bei einem “Boom” die vorherigen Schulden, die zur Rezessionbekämpfung aufgenommen wurden wieder einnehmen – weil es genau die Rezession wieder fördern würde).

    Bei Schulden ist es anders. Wird eine neue bahnbrechende Technologie entdeckt, die Gewinn verspricht, so wird sich auch ein Unternehmer finden, der es produziert und verteilt. Geht es der Wirtschaft der Wachstumsmotor aus, begrenzt man die Schuldenaufnahme und fährt die Produktion zur Erhaltung des Unternehmens es runter.

  4. 4.

    @zeloti
    Auf keinen Fall einen Cent in Deutschland investieren. Man muss sich nur den Kommentar Nr. 2 Rebel ansehen. Man muss sich nur die steuer- und abgabenpolitischen Vorhaben von Grün, SPD aber auch CDU (Finanztransaktionssteuer) ansehen – von den Linksextremisten mal ganz zu schweigen. Man muss sich die Entwicklung der Überwachung der Bürger der Kontrolle und Überwachung der “Steuersubjekte” und Geldflüsse in Verbindung mit der Schuldenbewältigungsstrategie der Politik ansehen.

    Wir, als Gesellschaft, die Projekte finanziert empfehlen schon seit geraumer Zeit Kapital zu internationalisieren, wenn es denn vom Volumen über der dafür bestehenden Opportunitätsgrenze liegt. Die meisten Investoren von Bedeutung, die wir kennen denken ebenso.

    Natürlich ist Deutschland für manche Produkte und Dienste ein interessanter Markt. Aber wenn schon unbedingt in Deutschland, kann man das Investment in Deutschland auch aus dem Ausland legal um Deutschland herum strukturieren so, dass Gewinne legal im Ausland anfallen und in Deutschland nur eine kreditfinanzierte Operation stattfindet. Am besten streut man in periphere stabilere Länder mit Finanzinfrastruktur und geringerer Verschuldung, abseits der zentralen Industrienationen.

    Zu empfehlen sind meiner Meinung nach Direktinvestments in Produkte, des täglichen Verbrauchs – Lebensmittel oder auch (Gebrauchs-)metalle. Hier kann der Staat im Fall der Fälle nicht so rigoros sein, wie bei Immobilien, Aktien oder Geldvermögen (inkl. Gold, Silber) da sonst “Unruhe ins Volk” kommt oder die Wirtschaftsproduktion gefährdet wird. Auch Dienste, die aus dem Ausland angeboten werden können sind OK

    Wenn nur genug Investoren so agieren, denke ich kommen die einigermaßen ungeschoren durch eine mögliche Krise und als angenehmer Nebeneffekt übt man politischen Druck auf die Nationen aus, die eine kurzsichtige Umverteilungsstrategie zu Lasten der Leistungsträger installieren wollen. Der “Investorenstreik” unter Mitterand ist hier ein gutes Vorbild. Bedenke – die die die gröten Forderungen stellen haben in der Regel das wenigste Geld den Laden am Laufen zu halten.

    • 30. August 2011 um 23:43 Uhr
    • Askay
  5. 5.

    Es ist Zeit die Blasenbilder zu entsparen und zu besteuern – volles Brett –

    faz.net/artikel/C30642/die-eu-als-transferunion

    Die Bundesrepublik hat genug über die Zahlungsbilanz transferiert.
    Kein Euro mehr für Vermögensbilder.
    Wenn nicht freiwillig umverteilt dann …
    was hättet ihr am liebsten ?

    • 31. August 2011 um 08:11 Uhr
    • Rebel
  6. 6.

    @ Duckmichnichtweg

    Bitte nicht so viel Haarspalterei! Es gibt eine Schuldenkrise – einige Staaten können sich zu tragbaren Zinsen kein Geld mehr leihen und könnten daher zahlungsunfähig werden -, es wird aber auch an anderer Stelle zu viel gespart (beispielsweise weil die neuerdings so niedrigen Zinserträge die Leute zwingen, mehr für ihr Alter zurückzulegen), also zu wenig konsumiert wird, wodurch die Investitionslaune der Unternehmer leidet, die Nachfrage nach Arbeit zurückgeht und es zu einer Rezession kommen kann. Dann muss der Staat, wenn er noch Spielraum hat, die Nachfragelücke schließen.

    Im Übrigen weiß ich nicht, wie Sie auf die Idee kommen, dass es ein volkswirtschaftliches Theorem gibt, nachdem Sparen die Investitionen fördert.

    DW

    • 31. August 2011 um 10:52 Uhr
    • Dieter Wermuth
  7. 7.

    Wer hat Geld zum investieren? Der normale Mensch doch eher nicht.

    Ich leg mein Geld aufs Sparbuch. Da ist es wenigstens einigermaßen sicher. Wer mir rät zu investieren hat i.d.R. Eigeninteressen, die mit meinen oft nicht korrespondieren.

    Ansonsten schlag ich vor: Gib dein Geld aus für schöne Dinge die dich glücklich und zufrieden machen.Wer weiß ob du morgen noch erlebst.

    Und: Es kommt eh ganz anders als du denkst.

  8. 8.

    “Das Risiko, dass es doch noch zu japanischen Entwicklungen kommt.”

    Bernanke hat dies schon vor einem Jahr richtig erkannt, als er die drohende Deflation mit QE2 zu bekämpfen suchte, wofür er in Europa attackiert wurde. QE3 könnte demnächst folgen.

    Trichet hingegen kämpfte noch mit Zinserhöhungen gegen das Phantom einer Inflationsgefahr, die real nie existierte. “Inflation weltweit auf dem Rückzug” bestätigt Dieter Wermuth.

    • 1. September 2011 um 03:19 Uhr
    • ergo sum
  9. Kommentar zum Thema

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