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Schwellenländer: die fundamentale Alternative

Von 20. Oktober 2011 um 22:02 Uhr

Anleger haben mal wieder Probleme: Wo gibt es noch eine vernünftige Kombination von Risiko und Ertrag? Die Renditen von Anleihen mit gutem Rating sind auf historischen Tiefs, real sogar meist negativ, die Konjunktur schwächelt so sehr, dass zumindest in den reichen Ländern eine Rezession nicht mehr auszuschließen ist, die Unternehmensgewinne können daher nur sinken, und mit ihnen die Aktienkurse.

Hinzu kommt die Unsicherheit über die Stabilität der öffentlichen Schuldner im Euroland. Selbst in Amerika sieht es nicht besser aus. Auf eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken braucht auch niemand mehr zu wetten, und die Goldblase ist offenbar geplatzt. Was ist aus der Rohstoffeuphorie geworden? Preiseinbrüche wohin das Auge sieht.

Kommt es am Ende doch wieder zu einer inflationären Lösung der staatlichen Schuldenprobleme – genug Geld wurde – und wird – ja gedruckt. Wie wäre es mit inflationsgeschützten Anleihen?

Ich argumentiere, dass die deflationären Effekte in den reichen Ländern weiterhin dominieren. Die meisten von ihnen stecken in einer Liquiditätsfalle, weil Haushalte und Banken vorwiegend mit Schuldenabbau beschäftigt sind. Auch die Finanzpolitik setzt auf’s Sparen und verstärkt dadurch die Nachfrageschwäche.

Die einzig plausible Alternative sind in dieser Situation die Schwellenländer. Ihr reales Sozialprodukt dürfte 2012 mit einer Rate von fünf Prozent zunehmen und damit etwa fünfmal rascher als das der OECD-Länder. Sie haben, anders als noch bis in die späten neunziger Jahre, erheblichen finanziellen Spielraum und können daher die Inlandsnachfrage stimulieren, wenn es mit ihren Exporten nicht mehr so laufen sollte.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (mit einem Schwerpunkt auf den vier BRIC-Staaten), sowie zu den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – October 2011*) (pdf, 344 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Auf die Schwellenländer hoffen alle

    http://www.pharmalot.com/2011/10/will-emerging-markets-really-save-pharma/

    …aber das Wunder könnte ausbleiben und vielleicht sollte man doch über Plan B nachdenken.

    • 21. Oktober 2011 um 08:32 Uhr
    • keiner
  2. 2.

    @keiner

    > Auf die Schwellenländer hoffen alle

    Hatten wir ja schon 2007. Seltsam, dass es immer noch überhaupt diskussionswürdig ist.

    • 21. Oktober 2011 um 11:09 Uhr
    • Andreas Heil
  3. 3.

    Ist doch schön, wenn man nichts hat, diese Sorgen hat man dann nicht.
    Den andern sei gesagt: legt euer Geld nur in den Emergin Markets an, sicher ist gar nichts, denn wie immer werden alle großen Geldvermögen panisch nach Sicherheit suchen, so was denn man dann Assetinflation, vulgo: Blase.

    • 21. Oktober 2011 um 14:32 Uhr
    • Christian Wagner
  4. 4.

    @3 Christian Wagner:
    “Ist doch schön, wenn man nichts hat, diese Sorgen hat man dann nicht.
    Den andern sei gesagt: legt euer Geld nur in den Emergin Markets an, sicher ist gar nichts, denn wie immer werden alle großen Geldvermögen panisch nach Sicherheit suchen, so was denn man dann Assetinflation, vulgo: Blase.”

    Und wieder wird dieses Geld an der Realwirtschaft vorbeigehen, dem Sektor, wo tatsächlich neue Werte geschaffen werden und dessen Wachstum im Moment der einzige Weg wären, um die Karre aus dem Dreck ziehen zu können. Da aber die Wirtschaft nach regierungsamtlicher Definition in der Wirtschaft stattfindet und die Politik da leider gar nichts machen kann, bleibt es also bei Rettung systemischer Boni und Assetblasen.

  5. 5.

    @Peter Freimann

    Warum geht das Geld an der Realwirtschaft vorbei, wenn es in den Emerging Markets angelegt wird?

    Indische Aktien oder brasilianische Aktien verbriefen doch Anteile an der Realwirtschaft.

    Gruß, Gojko.

    • 21. Oktober 2011 um 18:38 Uhr
    • gojko
  6. 6.

    @Christian Wagner

    Wenn man Wertpapiere zu einem Preis kauft, der fundamental berechtigt ist, kann es einem doch egal sein, ob jemand danach eine Blase erzeugt. Der Preis geht erst hoch (Blase) und dann wieder runter (Ernüchterung), pendelt sich aber am Ende irgendwo beim fairen Preis ein.

    Gruß, Gojko.

    • 21. Oktober 2011 um 18:43 Uhr
    • gojko
  7. 7.

    @Dieter Wermuth

    Die Frage ist, ob die Emerging Markets(EM) wirklich für einen Anleger die beste Adresse sind.

    Daß sich höheres Wachstum auch proportional in höherer Rendite niederschlägt ist kein Naturgesetz.
    Wenn ich den Aktienteil meines Portfolios ansehe (60% Europa, 30% Emerging Markets, 10% Japan) dann stelle ich in den letzten Jahren 2 Sachen fest:

    Erstens marschieren die Kurse von Europa (Stoxx 600) und den Emerging Markets (MSCI EM) mehr oder weniger im Gleichschritt.

    Zweitens zahlen europäische Unternehmen viel mehr Dividende (2..3%) als die Emerging Markets (knapp 1%).

    Für mich wäre also die Schlußfolgerung, eher breit gestreut in europäischen Aktien zu investieren statt in den EM. Zumal man erwarten kann, daß sich die Kurse als auch der EURO erholen dürften, sobald mal nicht alle Welt auf Europa schaut.

    Desweiteren lese ich in letzter Zeit immer öfter unschöne Bericht über den Zusammenbruch der chinesischen Schattenbanksystems. Wenn da was dran ist, wären die EM keine so gute Idee.

    Im Übrigen muß man sich auch mal vor Augen halten, daß den Massenmedien zufolge in Europa gerade die Welt untergeht und was macht der EURO? Steht bei 1.37 Dollar (war mal 0.85 Dollar, schon vergessen?)
    Also ich jedenfalls tendiere eher zu Europa.

    Gruß, Gojko.

    P.S.: Was die USA betrifft, die sind mir einfach noch zu teuer. Zumal sie meiner Ansicht nach die eigentliche Krise erst noch vor sich haben.

    • 21. Oktober 2011 um 20:23 Uhr
    • gojko
  8. 8.

    “Warum geht das Geld an der Realwirtschaft vorbei, wenn es in den Emerging Markets angelegt wird?

    Indische Aktien oder brasilianische Aktien verbriefen doch Anteile an der Realwirtschaft.”

    Im Prinzip schon. Nur bezog sich der Hinweis auf die zu beobachtenden Assetblase oder -inflation. Es werden ja lediglich die Eigentumsrechte an bestehendem Realkapital hin- und herverkauft bzw. künstliche neue Rechte geschaffen, indem durch die überschießenden Aktienkurse ein höherer Wert vorgegaukelt wird. Die Frage muß doch immer gestellt werden, inwieweit das zur Steigerung der Investitionen in Realkapital oder des Konsums beiträgt, der den Anreiz zu entsprechenden Investitionen sein könnte. Durch die Zusammenballung des Kapitalvermögens in wenigen Händen wird gerade das ja verhindert. Diese in Geld ausgedrückten, so entstandenen Vermögen geraten ja im wesentlich gar nicht in den Kreislauf der Geld-Ware-Wirtschaft, sondern stellen lediglich Eigentumstitel auf Sozialprodukt dar, daß in der Realwirtschaft erst erwirtschaftet werden muß.

  9. Kommentar zum Thema

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