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Schwellenländer: die fundamentale Alternative

 

Anleger haben mal wieder Probleme: Wo gibt es noch eine vernünftige Kombination von Risiko und Ertrag? Die Renditen von Anleihen mit gutem Rating sind auf historischen Tiefs, real sogar meist negativ, die Konjunktur schwächelt so sehr, dass zumindest in den reichen Ländern eine Rezession nicht mehr auszuschließen ist, die Unternehmensgewinne können daher nur sinken, und mit ihnen die Aktienkurse.

Hinzu kommt die Unsicherheit über die Stabilität der öffentlichen Schuldner im Euroland. Selbst in Amerika sieht es nicht besser aus. Auf eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken braucht auch niemand mehr zu wetten, und die Goldblase ist offenbar geplatzt. Was ist aus der Rohstoffeuphorie geworden? Preiseinbrüche wohin das Auge sieht.

Kommt es am Ende doch wieder zu einer inflationären Lösung der staatlichen Schuldenprobleme – genug Geld wurde – und wird – ja gedruckt. Wie wäre es mit inflationsgeschützten Anleihen?

Ich argumentiere, dass die deflationären Effekte in den reichen Ländern weiterhin dominieren. Die meisten von ihnen stecken in einer Liquiditätsfalle, weil Haushalte und Banken vorwiegend mit Schuldenabbau beschäftigt sind. Auch die Finanzpolitik setzt auf’s Sparen und verstärkt dadurch die Nachfrageschwäche.

Die einzig plausible Alternative sind in dieser Situation die Schwellenländer. Ihr reales Sozialprodukt dürfte 2012 mit einer Rate von fünf Prozent zunehmen und damit etwa fünfmal rascher als das der OECD-Länder. Sie haben, anders als noch bis in die späten neunziger Jahre, erheblichen finanziellen Spielraum und können daher die Inlandsnachfrage stimulieren, wenn es mit ihren Exporten nicht mehr so laufen sollte.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (mit einem Schwerpunkt auf den vier BRIC-Staaten), sowie zu den Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – October 2011*) (pdf, 344 KB)

*) Den Investment Outlook von Dieter Wermuth in englischer Sprache gibt es einmal im Monat und er wird zunächst kostenlos auf Herdentrieb zum Herunterladen bereitgestellt. (ur)

9 Kommentare

  1.   keiner

    Auf die Schwellenländer hoffen alle

    http://www.pharmalot.com/2011/10/will-emerging-markets-really-save-pharma/

    …aber das Wunder könnte ausbleiben und vielleicht sollte man doch über Plan B nachdenken.

  2.   Andreas Heil

    @keiner

    > Auf die Schwellenländer hoffen alle

    Hatten wir ja schon 2007. Seltsam, dass es immer noch überhaupt diskussionswürdig ist.

  3.   Christian Wagner

    Ist doch schön, wenn man nichts hat, diese Sorgen hat man dann nicht.
    Den andern sei gesagt: legt euer Geld nur in den Emergin Markets an, sicher ist gar nichts, denn wie immer werden alle großen Geldvermögen panisch nach Sicherheit suchen, so was denn man dann Assetinflation, vulgo: Blase.


  4. @3 Christian Wagner:
    „Ist doch schön, wenn man nichts hat, diese Sorgen hat man dann nicht.
    Den andern sei gesagt: legt euer Geld nur in den Emergin Markets an, sicher ist gar nichts, denn wie immer werden alle großen Geldvermögen panisch nach Sicherheit suchen, so was denn man dann Assetinflation, vulgo: Blase.“

    Und wieder wird dieses Geld an der Realwirtschaft vorbeigehen, dem Sektor, wo tatsächlich neue Werte geschaffen werden und dessen Wachstum im Moment der einzige Weg wären, um die Karre aus dem Dreck ziehen zu können. Da aber die Wirtschaft nach regierungsamtlicher Definition in der Wirtschaft stattfindet und die Politik da leider gar nichts machen kann, bleibt es also bei Rettung systemischer Boni und Assetblasen.

  5.   gojko

    @Peter Freimann

    Warum geht das Geld an der Realwirtschaft vorbei, wenn es in den Emerging Markets angelegt wird?

    Indische Aktien oder brasilianische Aktien verbriefen doch Anteile an der Realwirtschaft.

    Gruß, Gojko.

  6.   gojko

    @Christian Wagner

    Wenn man Wertpapiere zu einem Preis kauft, der fundamental berechtigt ist, kann es einem doch egal sein, ob jemand danach eine Blase erzeugt. Der Preis geht erst hoch (Blase) und dann wieder runter (Ernüchterung), pendelt sich aber am Ende irgendwo beim fairen Preis ein.

    Gruß, Gojko.

  7.   gojko

    @Dieter Wermuth

    Die Frage ist, ob die Emerging Markets(EM) wirklich für einen Anleger die beste Adresse sind.

    Daß sich höheres Wachstum auch proportional in höherer Rendite niederschlägt ist kein Naturgesetz.
    Wenn ich den Aktienteil meines Portfolios ansehe (60% Europa, 30% Emerging Markets, 10% Japan) dann stelle ich in den letzten Jahren 2 Sachen fest:

    Erstens marschieren die Kurse von Europa (Stoxx 600) und den Emerging Markets (MSCI EM) mehr oder weniger im Gleichschritt.

    Zweitens zahlen europäische Unternehmen viel mehr Dividende (2..3%) als die Emerging Markets (knapp 1%).

    Für mich wäre also die Schlußfolgerung, eher breit gestreut in europäischen Aktien zu investieren statt in den EM. Zumal man erwarten kann, daß sich die Kurse als auch der EURO erholen dürften, sobald mal nicht alle Welt auf Europa schaut.

    Desweiteren lese ich in letzter Zeit immer öfter unschöne Bericht über den Zusammenbruch der chinesischen Schattenbanksystems. Wenn da was dran ist, wären die EM keine so gute Idee.

    Im Übrigen muß man sich auch mal vor Augen halten, daß den Massenmedien zufolge in Europa gerade die Welt untergeht und was macht der EURO? Steht bei 1.37 Dollar (war mal 0.85 Dollar, schon vergessen?)
    Also ich jedenfalls tendiere eher zu Europa.

    Gruß, Gojko.

    P.S.: Was die USA betrifft, die sind mir einfach noch zu teuer. Zumal sie meiner Ansicht nach die eigentliche Krise erst noch vor sich haben.


  8. „Warum geht das Geld an der Realwirtschaft vorbei, wenn es in den Emerging Markets angelegt wird?

    Indische Aktien oder brasilianische Aktien verbriefen doch Anteile an der Realwirtschaft.“

    Im Prinzip schon. Nur bezog sich der Hinweis auf die zu beobachtenden Assetblase oder -inflation. Es werden ja lediglich die Eigentumsrechte an bestehendem Realkapital hin- und herverkauft bzw. künstliche neue Rechte geschaffen, indem durch die überschießenden Aktienkurse ein höherer Wert vorgegaukelt wird. Die Frage muß doch immer gestellt werden, inwieweit das zur Steigerung der Investitionen in Realkapital oder des Konsums beiträgt, der den Anreiz zu entsprechenden Investitionen sein könnte. Durch die Zusammenballung des Kapitalvermögens in wenigen Händen wird gerade das ja verhindert. Diese in Geld ausgedrückten, so entstandenen Vermögen geraten ja im wesentlich gar nicht in den Kreislauf der Geld-Ware-Wirtschaft, sondern stellen lediglich Eigentumstitel auf Sozialprodukt dar, daß in der Realwirtschaft erst erwirtschaftet werden muß.

  9.   Michael

    „Goldblase geplatzt“ ??? Ich bin kein „Goldesel“, aber die sgn. „Goldblase“ ist garantiert nicht geplatzt.

    €-Staatsanleihen sind nicht mehr ausfallsicher. Auch die wundersamen „Rechenfehler“ der HRE ändern an Deutschlands Schulden und Garantien für weitere zu „Rettende“ nichts. Bei Aktiengesellschaften, die im Median 20 Jahre bräuchten, um aus eigenen Gewinnen ihre Schulden zu tilgen – Zinsen nicht berücksichtigt, glaube ich nicht, dass DAX – Aktien „billig“ sind. Von der überwiegenden Zahl der US – Aktiengesellschaften schreibe ich noch garnicht. Anlegen im europäischen Ausland kann zur Lira oder Franc – Spekulation werden. Auf den Dollar kann man auch nicht wetten. Somit auch nicht auf zahlreiche Wertpapiere von Ländern, die ihre Währungen an den Dollar gebunden haben. (Es sei denn man spielt short bei Aktien, das ist in den letzten beiden Monaten des Jahres fast nie ein guter Einfall.)

    Blieben ein paar wenige europäische Länder außerhalb der € – Zone, dazu ist es zu spät. Also doch weiter Aufpumpen der Goldpreise, alternativlos für die, die anlegen müssen, leider. „Anlagen“ für Private verbieten sich derzeit von selbst. Wenn Obama, Sarkozy und Berlusconi, bei aller Sympathie, endlich abgewählt sind, schaun wir mal wieder hin. Bis dahin ist das Durcheinander in dem Theater einfach indiskutabel. (Ein paar ganz wenige werthaltige Aktien, die kaum einer kennt, gibt es auch heute „preiswert“…. 😉 ) Von „Anlagenotstand“ kann also auch keine Rede sein.