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Der Fehler der Bankenrettung

 

Aus der FTD von morgen:

Deutschlands Banken brauchen nach Informationen der FTD und der Nachrichtenagentur Reuters deutlich mehr Geld, um ihre Kapitalquoten wie gefordert zu erhöhen: statt wie bisher gedacht 5,2 Mrd. Euro womöglich 10 Mrd. Euro oder sogar noch mehr. Der Grund: Insidern zufolge hat Europas Bankenaufsicht EBA den Stresstest vom Sommer um die Daten des dritten Quartals aufgefrischt. In diesem Zeitraum, der die Monate Juli, August und September umfasst, war die Staatsschuldenkrise in Europa eskaliert.

Die Bankenrekapitalisierung könnte – zusammen mit dem Schuldenschnitt – einmal als einer der größten Fehler des Krisenmanagements eingehen. Wie die FTD ganz richtig weiter schreibt und auch hier schon zu lesen war:

Viele Banken in Europa bauen derzeit ihre Bilanzen ab, womit sie die Krise allerdings doppelt verschärfen: einerseits, indem sie durch den Verkauf von Staatsanleihen deren Kurse drücken und Renditen in die Höhe treiben, was den Staaten die Aufnahme neuer Darlehen immer schwerer macht. Andererseits dadurch, dass sie durch das Abstoßen der Bonds Wertverluste auf diese Papiere realisieren, was zu Verlusten führt, ihr Eigenkapital aufzehrt und dadurch wiederum den Kapitalbedarf abermals vergrößert. 

Wir befinden uns also gerade in einem Teufelskreis aus Anleiheverkäufen, steigenden Zinsen, wachsender Pleitegefahr und noch mehr Anleiheverkäufen. Und wieder die FTD:

Diesen Teufelskreis hatte die EBA im Sommer mit ihrem Blitz-Stresstest selbst in Gang gesetzt, indem sie die Banken zwang, ihre Staatsanleihen auf deren Marktwert abzuschreiben, um ein realistischeres Bild der Lage zu bekommen.

So wird das nichts mehr.

10 Kommentare

  1.   jmg

    Das akute Problem ist doch folgendes:
    Die Herde der Käufer von Staatsanleihen der Kriesenländer ist auf der Flucht. Das ist wie ein Bank Run, bei dem plötzlich alle ihr Geld von den Banken abheben wollen. Die einzige Rettung für die Banken ist in diesem Fall eine Refinanzierung bei der Zentralbank. Und das ist auch im Falle der Staatsschulden in der Eurozone die Lösung, die die Herde erzwingen wird, indem sie über steigende Zinsen die Zahlungsfähigkeit der Krisenstaaten immer weiter unterminiert. Letztendlich wird die EZB das (deutsche) Tabu brechen müssen und Staatsanleihen auf dem Primärmarkt aufkaufen, um das Rollover zu vernünftigen Zinsen zu ermöglichen (und die gut bezahlten Jobs der EZB Mitarbeiter zu retten).
    Die deutsche Regierung versucht nicht das akute, sondern die strukturellen Probleme der Eurozone zu lösen. Dabei kommt sie mir vor wie der Arzt in der Notaufnahme, der den Patienten fragt, wie es zu dem Beinbruch kam. Und nach der Antwort des Patienten, dass er zuviel getrunken hat, sagt:”Dann kann ich leider nichts für sie tun, machen sie erst mal eine Entziehungskur und kommen sie in ein paar Wochen wieder.”

  2.   f.luebberding

    Schieritz

    Auch aus der FTD:

    “Dem wichtigen Versicherungssektor könnte nach Schäubles Worten ebenfalls Ungemach drohen. Ein Risiko sei der hohe Bestand an europäischen Staatsanleihen bei den großen Versicherungsgruppen im Lande, stellte der Minister fest. Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sprach von einer “gewissen Risikoexposition” der Versicherungen.”

    Allein an dem Zitat merkt man, wie sich der Diskurs mittlerweile verändert hat. Europäische Staatsanleihen werden von einem europäischen Finanzminister quasi als Junk bonds angesehen. Das ist rational nicht mehr zu erklären, wahrscheinlich nur tiefenpsychologisch als eine Art Todestrieb. Man fragt sich wirklich, ob sich diesen Herren überhaupt die Dimensionen bzw. die Bedeutung dieses Bond-Marktes bewusst ist. Dass sie also mit dieser Strategie nur die Implosion des gesamten Systems auslösen können, anstatt eines geordneten Rückbaus, wenn der denn gewünscht sein sollte. Was Schäuble hier in einem Satz ausdrückt, ist nichts anderes als die Anlagestrategie der Versicherungen der letzten 60 Jahre quasi von einem Triple A auf Default umzustellen. Man fragt sich wirklich, warum die Versicherungen nicht lauter schreien. Hier werden die konservativsten Anleger schlicht zu Spekulanten umetikettiert. Die einzigen Käufer der EFSF Bonds sollen wohl deutsche Versicherungen gewesen sein. Alle anderen Investoren lassen offenkundig die Finger davon. Kein Wunder: wer würde in dieser Situation Leuten wie Schäuble auch nur noch einen Cent anvertrauen? Im Gegensatz zu diesen Europäern konnte man sich bei den Sowjets auf die Einhaltung ihrer Zahlungsverpflichtungen verlassen.

  3.   enigma

    @ Lübberding

    “Das ist rational nicht mehr zu erklären, wahrscheinlich nur tiefenpsychologisch als eine Art Todestrieb.”

    Ja, sicher.

    Nur, das was hier vor einigen Monaten in diesem Blog ausgekocht wurde, muß nicht nur wirtschaftstheoretisch durchdacht sein, sondern auch politisch vorbereitet werden. Das heißt schlichtweg, daß man auch das politische Doppeldenk haben muß, um bei sinnvollen Dingen auch mal einen Schritt weiter zu kommen. Das Insistieren auf einer populistischen Ebene ist zwar dazu angetan, ein Prekärkommentariat bei Laune zu halten, auf der anderen Seite sind natürlich auch die Befindlichkeiten anderer Länder erst einmal auszuräumen, bevor sie die eigentlichen Sachentscheidungen mittragen.

    Die zugrundeliegende Rationalität ist nicht so schwer zu verstehen: die besteht darin, daß die ursprüngliche Lebenslüge der EURO-Zone endlich mal aufgeräumt werden muß. Die besteht nämlich darin, daß davon ausgegangen wurde, daß eine Zentralbank eine Zentralbank eine Zentralbank ist. Und zwar nach deutschem Muster. Und genau das hat sich als wahrheitswidrig herausgestellt. Denn daß die ZB, ggf. mit Unterstützung der nationalen Bankenaufsicht darauf hinwirkt, daß auf der Ebene der Geschäftsbanken eben KEINE Ponzi-Finanzierungen erfolgen, ist zwar ein schöner Glaube. Das ist aber nicht so! Einfach mal ein paar Griechenland-Blogs durchsehen und feststellen, daß da nach zwei in den Sand gesetzten Millionen auch noch die dritte kreditiert wird – Nullen bitte selber einsetzen. Die Effekte sind an den TARGET-Salden abzulesen, wenns nicht mehr anders geht: finanziert über ELA! Die Onkels, Neffen und Brüder wissen genau, was sie da tun! Kannst ja mal den Strobel ausgraben, der kann Dir noch was über Minsky erzählen!

    Noch was: das politische Dasein ist etwas anderes als die Frage, was ist wirtschaftlich gesehen notwendig. Machen wir uns nichts vor: die Installierung von “Sachverständigen” in GR bzw. IT ist doch nichts anderes als der schlappe Versuch, die Formierung der EURO-Zone als Stabilitätsanker zu torpedieren! Die Amis haben das erste mal ernsthaft Schiß davor gegen ihre scheinheilige Allmacht eine ernstzunehmende Konkurrenz zu bekommen. Die erste Abreibung haben sie ja schon in den 90er Jahren bekommen!

    Das Lustige ist: in Deutschland bekommt die Journaille überhaupt nicht mehr mit, was eigentlich läuft! Und daß eine Zentralbank nicht die entscheidende Stelle ist, die darüber befindet, ob Bonitätskriterien eingehalten werden oder nicht, bzw. aus welchen Gründen die so formuliert werden, sollte nach dem – nicht überraschenden – Versagen der mikroökonomisch fundierten VWL nicht mehr überraschen. Die sich volkswirtschaftlich allwissend gebärdenden und letztlich nur präpotenten anglo-Trottel sind ja noch nicht mal systemtheoretisch gesehen auf der Höhe! (Da brauchst Du nicht goodnight zu fragen, der hat davon überhaupt keine Ahnung!)

  4.   enigma

    @ jmg

    “Die deutsche Regierung versucht nicht das akute, sondern die strukturellen Probleme der Eurozone zu lösen.”

    Einer der besten Kommentare!

    Die strukturellen Probleme müssen natürlich gelöst werden, dazu muß aber ERST das aktuelle Problem gemeistert sein.

    Den Schlüssel hast Du schon. Sprich die Lösung einfach aus!

  5.   Rebel

    war diese woche wieder bei den menschen vor ort an der front

    die steuereinnahmen fliessen – wir sind stark am arbeiten und lassen die luft des fiat-money kontinuierlich entweichen.

    generation landslide :

    http://www.youtube.com/watch?v=b0wS3hwYUwQ

    “Please clean your plate, dear.
    The Lord above can see ya.
    Don’t you know people are starving in Korea?
    Alcohol and razor blades and poison and needles,
    Kindergarten people – they use ’em, the need ’em.
    The over indulgent machines were their children.
    There wasn’t a way down on Earth here to cool ’em,
    ‘Cause they look just like humans at Kresges and Woolworths.
    But decadent brains were at work to destroy.
    Brats in battalions were ruling the streets,
    Sayin’ generation landslide closed the gap between ’em.

    And I laugh to myself at the men and the ladies
    Who never recieved those billion dollar babies.

    Militant mothers hiding in their basement
    Using pots and pans as their shields and their helmets.
    Molotov milk bottles heaved from pink high chairs,
    While Mothers’ Lib burns birth certificate papers.
    Dad gets his allowance from his sonny, the dealer,
    Who’s pubic to the world but involved in high finance.
    Sister’s out ’til five doing banker’s son’s hours.
    But she owns a Maserati that’s a gift from his father.
    Stopped at full speed at one hundred miles per hour.
    The Colgate invisible shield finally got ’em.

    But I laugh to myself at the men and the ladies
    Who never recieved those billion dollar babies.”

  6.   Rebel

    @ enigma

    ” … die präpotenten anglo-Trottel…” kriegen heute mal so einen richtigen Einlauf !

    Dann können sie mit ihrer Canary wharf Bahn in der Themse ne Tauchfahrt machen.

    http://www.thisislondon.co.uk/standard/article-23560630-going-under-in-canary-wharf.do

  7.   enigma

    @ Rebel

    “war diese woche wieder bei den menschen vor ort an der front”

    Es gibt keine Front. Eine Front wäre davon geprägt, daß es z.B. intellektuelle Waffen gibt. Die gibt es aber nicht. Das Einzige was es gibt ist ein dumpfes Gefühl darüber, daß man gemeinsam für etwas Gemeinsames ist, aber deswegen nicht darüber diskutieren kann, weil man mit der gepflegten Basisdemokratie die Gemeinsamkeit – im Sinne irgendeiner Zielerreichung – sprengt!

    Falls Du mal wieder dahingehst: sag denen mal, daß ihre Befindlichkeiten inzwischen schon so alt sind, daß die Vorgänger (die Lind-Grünen – früher hat man dazu alter-NAIVE Liste gesagt) längst davon abgeschworen haben! Das muß man ja nicht kapieren, man sollte sich aber nicht einbilden, aufgrund der eigenen Unkenntnis ernstgenommen zu werden!

    Falls es irgendwen interessiert: der größte Feind der occupiss-Bewegung sind die GRÜNEN. Denn die werden in ihrer Scheinheiligkeit massiv gestört!

  8.   Rebel

    arbeitsfront – beschäftigte, die sich mit den menschen des alltags und den belangen des lebens auseinandersetzen und für schmarotzer keinen cent mehr abdrücken werden.
    naive sind die, die den atommüll demnächst in ihren vorgärten lagern können – so als mobiles weihnachtsgeschenk …

    http://www.youtube.com/watch?v=xo55jk0HFWA

    behaviouristen wollen, können gemeinsamkeiten nicht erkennen – woran liegt?

  9.   Marlene

    “Strukturelle Defizite”

    Ich weiß gar nicht was das ist.

    Struktur.

    Können sie mir das genauer erklären?

    In welchem Verhältnis steht ‘Struktur’ zu ‘Niveau’?

    Wie hoch ist das Niveau nach den von ihnen als notwendig angesehenen Umverteilungsmaßnahmen?

    An wen wollen sie umverteilen?

    Zu wessen Lasten sollen Niveausenkungen gehen?

    Was soll genau damit erreicht werden?

    Wer entscheidet darüber was Struktur sein soll?

  10.   ergo sum

    Entweder rettet man nun den Schuldner oder den Gläubiger — der Schuldner ist die jeweilige Regierung, der Gläubiger sind die Banken. Beides gleichzeitig ist Irrsinn. Man hätte die Banken pleite gehen lassen sollen. Schließlich waren sie es, die fahrlässig an unsichere Kunden Geld verliehen haben.