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Selbstgerechte Bilanz unserer Wetten 2011

Von 10. Januar 2012 um 13:23 Uhr

War das eine Freude gestern! Nach einem Jahr trafen sich die drei Hirten (Lucas Zeise, Dieter Wermuth und ich) an gewohnter Stelle wieder und beugten ihre Häupter über die Wetten für das nun abgelaufene Jahr. Und siehe da: Wir waren grandios! Lagen wir falsch, dann meist nur, weil unsere Prognosen der Zeit voraus sind! Zwar fällt die Bilanz zugegebenermaßen am Ende bescheidener aus, als das Triumphgeheule vermuten lässt. Wichtig in diesem schwierigen Jahr war uns jedoch, dass die Peilung stimmte. Das Säckchen Asche, das ich vor einem Jahr noch dabei hatte, brauchten wir dieses Mal nicht.

Grandios fanden wir diesen Absatz unserer Einschätzung:
“Dennoch glauben wir, dass der Euro Ende 2011 noch existieren wird, röchelnd!
Der Masterplan zur Rettung der Eurozone, zur Installierung einer funktionierenden Fiskalunion wird nicht erfunden. Es bleibt bei ad hoc-Maßnahmen, Krisengipfeln und dem ganzen Krampf von 2010. Wir glauben, es wird noch weitere Rettungsinstrumente geben, neben dem Schirm, der vielleicht aufgestockt wird. Es wird eine Art Euro-Anleihe kommen und andere indirekte fiskalische Subventionen für die wankenden Länder.”
Grandios auch, wenngleich etwas dem Jahr voraus: Es kommt zu einer Beteiligung der Gläubiger an den Rettungskosten für Griechenland und Irland. (Wette eins)

Volltreffer bei Wette zwei: “Da der Dollar mit seinem Quantitativen Lockerungsbemühungen keineswegs hübscher als der kriselnde Euro ausschaut, haben wir eine naive Wette, die zweite, für das Währungspärchen Euro/Dollar: 1,33 Dollar je Euro …” zum Jahresende.

Volltreffer auch die vierte Wette: Das Wachstum in Deutschland wird sich auf 2,8 Prozent belaufen.

Hellseherisch Wette Nummer neun: Der neue EZB-Präsident wird ein Deutscher, aber es wird nicht der Favorit der Bundesregierung Axel Weber. Mit dem Abgesang auf Weber waren wir ziemlich früh am Markt.

Und wieder grandios, aber der Zeit voraus, unsere Wette Nummer zehn: “Die schwarz-gelbe Koalition übersteht das Jahr nicht. Die herben Verluste bei den Landtagswahlen für die FDP sowie ihre Fundamental-Opposition gegen weitere Schritte zur Rettung des Euros besiegeln das Aus. Angela Merkel ergreift das Angebot von Frank-Walter Steinmeier und Siegmar Gabriel und formt die nächste große Koalition.” Die Wette zählt nachher als verloren, wir legen sie aber in leichter Variation für 2012 wieder auf, so gut gefällt sie uns. Die Wetten für 2012 gibt es morgen!

Unsere größte Fehleinschätzung für 2011, die die Bilanz erheblich trübt, war die Annahme, dass die Eurokrise so schlimm bleibt, wie sie sich Ende 2010 gebärdete. Die Verschärfung seit dem Spätsommer hatten wir nicht in den Karten und so lagen wir mit unseren Prognosen für Dax und Bunds (Wetten sieben und acht) nur bis zur Jahresmitte im Plan, am Jahresende dafür umso schlechter (Dax erreicht neues Allzeithoch bei 8350 hatten wir gewettet, die Zinsen für Bundesanleihen steigen ebenso). Wären Lucas und ich nur nicht Dieters rationalen und optimistischen Argumenten gefolgt. Wir hatten damals notiert, dass unser Gefühl gegen die Wetten sei, der Verstand – von Dieter geleitet – indes hatte keine andere Wahl.

Die Fluchtbewegung in die alte D-Mark-Zone haben wir genauso unterschätzt, wie die Dusseligkeit der Europäischen Politik und Zentralbank. Wir hatten auf unveränderte Leitzinsen gewettet. Sie sind zwar seit Dezember 2011 wieder dort, wo sie auch im Dezember 2010 waren, allerdings hatte die inflationspanische Notenbank zwischendurch die Leitzinsen erhöht und musste ihn wieder senken.

Richtig falsch lagen wir bei der Entwicklung der Rohstoffpreise, dem Dauerbrenner von Dieter. Sie hätten fundamental angesichts des globalen Abschwunges sinken müssen. Doch wegen der extremen Unsicherheit, da Staatsanleihen ihre Unfehlbarkeit verloren haben, haben sie sich deutlich besser geschlagen, als vermutet (minus 25 Prozent lautete unsere Wette). Dadurch ist auch unsere Inflationsprognose zu niedrig ausgefallen.

Kurzum: Als gewonnen werten wir die Wetten zwei und vier (Dollarkurs und Wachstum Deutschland).

Als halbgewonnen werten wir:

Wette eins (Gläubigerbeteiligung für Griechenland und Irland). Halb, weil sie noch im Schwange ist und sowieso nur für Griechenland bislang angesagt ist.

Wette drei, der Leitzins bleibt unverändert.

Wette neun, Axel Weber wird nicht EZB-Präsident, dafür ein anderer Deutscher (unser Tipp damals: Klaus Regling).

Als verloren betrachten wir:

Die Wetten fünf (Rohstoffpreise), sechs (Inflation), sieben (Bundrendite) und acht (Dax).

Ebenfalls verloren aber weiter richtig: Schwarz-Gelb zerbricht und wird ersetzt durch eine Art Große Koalition.

Und morgen dann die Wetten für 2012!
herzlich Ihr Robert von Heusinger

Kategorien: Die Heusinger-Wetten
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Also mal die Gesamtbilanz:

    5 Treffer (davon 3 eher halb)

    5 Fehlschüsse (davon einer vielleicht nicht ganz daneben)

    Sieht ungefähr aus wie eine Zufallsverteilung, die auch beim Auswürfeln der Prognosen zu erwarten gewesen wäre :-)

    Ich finde die Wetten trotzdem gut. Entgegen der landläufigen Meinung taugen Prognosen nämlich nicht nur zum Kaffeesatzlesen, sondern können auch den analytischen Blick auf die (nicht ganz SO erwartete Gegenwart) schärfen.

    Also weiter so! Werde mich gleich mal die Wetten für 2012 anschauen. Alles Gute!

  2. 2.

    Da es deutlich mehr als zwei Möglichkeiten für jede Wette gibt, ist auch die Chance, die Wetten zu gewinnen jeweils deutlich niedriger, als diese zu verlieren (auch wenn die Hirten den Rahmen gerne recht weit spannen, was (halb)gewonnene Wetten angeht.

    Also Kompliment zu den doch ansehlichen Resultaten – auch wenn ich daraus lerne, dass es sich wohl nicht lohnt, auf bestimmte Ergebnisse an den Finanzmärkten zu wetten. Hätte ich auf die zehn Wetten jeweils mit innovativen Finanzprodukten gesetzt wäre der Verlust am Ende wohl höher gewesen als der Gewinn (allein die Puts auf Bunds, Dax und Rohstoffe… Da hätte der EUR/USD Volltreffer nicht viel geholfen).

    Bin gespannt, wie 2012 ausgeht! Ob Griechenland wirklich rausfliegt?

    • 15. Januar 2012 um 14:45 Uhr
    • sb.78
  3. Kommentar zum Thema

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