So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Anlagestrategie nach der Rettung Griechenlands

Von 14. März 2012 um 14:05 Uhr

Durch das neue Rettungspaket für Griechenland und die Flutung der europäischen Geldmärkte mit billigem langfristigem Geld dürfte die Eurokrise zunächst einmal entschärft worden sein. Gelöst ist sie natürlich noch nicht. Das Umfeld hat sich für die Anleger jedoch deutlich verbessert.

Es droht keine neue globale Rezession: das Wachstum ist zwar moderat, ist aber immerhin fundamental gut abgesichert. Die Schwellenländer, auf die inzwischen die Hälfte des weltwirtschaftlichen Outputs entfällt, expandieren weiterhin viel rascher als die reichen Länder und bieten daher die besten Anlagechancen.

Im OECD-Bereich gibt es zwei wichtige Wachstumsbremsen: das Deleveraging von Haushalten und Banken sowie die restriktive Finanzpolitik.

Da die Outputlücke auch global weiterhin groß und die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer schwach ist, werden die Inflationsraten trotz des forcierten Gelddruckens niedrig bleiben. Ich gehe daher davon aus, dass die extrem expansive Geldpolitik für lange Zeit beibehalten werden wird.

Die Rohstoffpreise sind eigentlich zu hoch. Dass es dennoch nicht zu einem Einbruch kommen wird, liegt an den real negativen Notenbankzinsen in den Industrieländern und dem rohstoff- und energieintensiven Wachstum in den Schwellenländern, deren reales BIP zurzeit mit Raten von 5 bis 5,5 Prozent expandiert.

Amerikanische, deutsche, britische, schweizerische, schwedische und japanische Staatsanleihen sind ziemlich teuer und sollten in dem neuerdings weniger risikoreichen globalen Umfeld untergewichtet werden, zugunsten von italienischen oder spanischen Anleihen, insbesondere aber zugunsten von Dividendenpapieren.

Eine ausführliche Analyse des aktuellen makroökonomischen Umfelds und der Risiken und Aussichten für Aktien, Bonds und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – March 2012*) (pdf, 214 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Leser-Kommentare
  1. 1.

    “zugunsten von italienischen oder spanischen Anleihen,….”

    Denn man zu, besonders spanische, denn Spanien hat ja nur genauso wie Portugal, Irland und Griechenland 100% Nettoauslandsschulden und kann nur durch den entprechenden Kapitalimport liquide bleiben, dann braucht das Eurosystem den notwendigen Kapitalimport wenigstens nicht mehr alleine organisieren.

  2. 2.

    Richtig, die restriktive Fiskalpolitik ist ein Problem. Zum Glück haben die EU-Finanzminister dies zumindest im Fall Spaniens erkannt und den Sparkurs ein klein wenig gelockert. Ähnlich sollten sie auch in den Niederlanden verfahren, die ebenfalls einen Aufschub fordern. Statt den neuen Fiskalpakt strikt anzuwenden, sollte man ihn in der Praxis vergessen – so lange, bis die Wirtschaft wieder wächst und die Krise überwunden ist! http://lostineurope.posterous.com/vergesst-den-fiskalpakt

    • 14. März 2012 um 14:48 Uhr
    • Eric B.
  3. 3.

    @ Bernd Klehn

    Draghi steht am Ruder. Damit ist Italien uneinnehmbar, und Spanien muss quasi im WIndschatten mit durchgehen. ;-)

    Auf der Fiskalseite könnte der französische Wahlkampf neue Richtungen eröffnen; Hollande wird kaum den Schröder geben.

    Auch die SLovakei, das neoliberale Musterländchen, könnte nach der letzten Wahl eine andere Richtung einschlagen; natürlich nur gaaanz vorsichtig, aber es wird sich herausstellen, ob die schwäbischen Hausfrauen besser fahren.

    • 14. März 2012 um 14:57 Uhr
    • Thomas Pittner
  4. 4.

    @2

    Wann wären denn Stabilitätsverpflichtungen in der Eurozone jemals ernst genommen worden? Daraus resultierende Restriktionen werden nun wirklich nicht zum Problem werden. Die Nichtwirksamkeit der sogenannten Verpflichtungen ist das Problem.

    • 14. März 2012 um 17:44 Uhr
    • alterego
  5. 5.

    Die richtige Anlagestrategie ist eine Frage der Ziele und des Zeithorizontes, der Struktur des Portfolios und der Risikopräferenzen, um nur das Wichtigste zu nennen. Ansonsten, Geld verdienen und verlieren kann man überall und in jedem Markt.

    • 14. März 2012 um 17:49 Uhr
    • alterego
  6. 6.

    @BK
    Spanien weist zwar die höchste Nettoauslandsverschuldung aller Staaten auf (in % des BIP), “dank” Rekordarbeitslosigkeit hat sich die Leistungsbilanz aber mittlerweile deutlich verbessert, im Oktober letzten Jahres wurde sogar erstmals seit 1998 ein leichter Überschuss erzielt. Davon sind Griechenland und Portugal weit entfernt.

    • 14. März 2012 um 18:10 Uhr
    • Thomas Müller
  7. 7.

    Lieber Thomas,

    schön wieder von Dir zu lesen. Wäre ja ein Lichtblick und es könnte jetzt in Spanien auf nachhaltiges Wachstum umgeschwenkt werden, aber ich glaube es ist schon zu spät. Spanien wird seit Oktober von heftiger Kapitalflucht geschüttelt, siehe Entwicklung von Target2, Anstieg im Feb. um 20Mrd. auf knapp 200Mrd. und dieses ist bei den Nettoauslandsschulden tötlich.

    Gruß

    Bernd

    • 15. März 2012 um 03:06 Uhr
    • Bernd Klehn
  8. 8.

    Mir ist es nach dem Februar-Outlook zum wiederholten Mal nicht gelungen, den Investment-Outlook herunterzuladen bzw. in einer separaten Registerkarte zu öffnen. Haben andere auch das Problem?

    • 15. März 2012 um 11:34 Uhr
    • Christian
  9. Kommentar zum Thema

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