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So wird das nichts, Mario Draghi

 

Mario Draghi hat am Donnerstag auf seiner monatlichen Pressekonferenz bekanntlich erneut versprochen, die Zinsen niedrig zu halten. Das Problem ist nur, dass das den Zinsen egal war, sie sind nämlich gestiegen. Wieder einmal. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen rentieren jetzt über zwei Prozent und in Portugal geht es ebenfalls rasant aufwärts.

bundyield

Nun muss man unterscheiden: Wenn die Zinsen steigen, weil die Wirtschaft besser läuft, dann ist das nicht weiter schlimm. Es scheint mir aber so zu sein, dass zumindest die EZB einen Anstieg in der derzeitigen Konjunkturlage für nicht angemessen hält. Und tatsächlich ist die Erholung noch sehr schwach und eine Rücknahme des Stimulus wäre gefährlich.

Deshalb versucht sie es mit dem Versprechen und malt die konjunkturelle Lage schwärzer als sie es eigentlich ist. Das funktioniert aber nicht. Gut möglich, dass Draghi zu härteren Methoden greifen muss, wenn er einen Zinsanstieg wirklich verhindern will.

30 Kommentare

  1.   keiner

    Wenn die Zinsen in den nächsten Tagen auf, sagen wir, 5% für Deutschland steigen wähl’ ich die Merkel, damit sie den Scheixx selbst aufräumen muss, den sie da angefangen hat. 😀


  2. Draghi kann ja tüchtig Staatstitel kaufen, dann steigen die Kurse und die Zinsen für Festverzinsliche sinken. Den Leitzins hat er schon per Dekret runtergeknüppelt. Falls irgendwas schiefgehen sollte, können wir immer noch die Steuerzahler zur Kasse bitten :-(

  3.   michaelstoecker

    @ keiner # 1

    Den „Scheixx“ hat nicht Frau Merkel angefangen, sondern eine entfesselte FinanzINDUSTRIE, die auch noch den letzten Unsinn finanziert hat. Bemerkenswert lange hat dieser Erkenntnisprozess – bei den Bankern – gedauert: blogs.wsj.de/die_seite_drei/2013/09/05/rolf-breuer/

  4.   Dietmar Tischer

    Man kann ja darüber diskutieren, ob die konjunkturelle Lage schwärzer gemalt wird als sie eigentlich ist.

    Auf die Eurozone bezogen, ist sie unterm Strich SCHWARZ, immer noch und –gemessen an normalen Standards – wird sie das auf absehbare Zeit auch bleiben.

    Das wissen alle, Draghi genauso, wie die „auf-gutem-Weg“-Vorbeter.

    Das ist der Hintergrund, vor dem man Draghi verstehen sollte:

    Sein VERSPRECHEN ist ein HANDLUNGSVERSPRECHEN, d. h. er wird Staatsanleihen kaufen, so viele wie erforderlich, DAMIT die Zinsen niedrig bleiben.

    And believe me it will be enough.

  5.   alterego

    Es geht offenbar um die Zinsen für Staatsanleihen. Deren Anstieg halte ich angesichts weiter steigender Schuldenstandsquoten oder unzureichender Konsolidierung für nachvollziehbar und auch sinnvoll. Zum Teil reflektieren sie sicher auch ein wachsendes Risikobewusstsein der Anleger. Letztere sind überwiegend Banken und unter denen sind etliche, denen ein gesteigertes Risikobewusstsein gut zu Gesicht steht. Außerdem müssen sie schlicht dafür sorgen, dass ihr Eigenkapital wächst. Sie brauchen höhere Zinsmargen. Da kann Draghi reden was und wie er will. Er sollte sich freuen, wenn die Banken sich anstrengen, ihre Probleme zu lösen und nicht wieder blind in neue hineinlaufen.

  6.   alterego

    Um es mal ins Grundsätzliche zu wenden und holzschnittartig provokant zu formulieren:

    Es wird seit Jahrzehnten von zentraler Stelle (Fed und Vasallen) zu viel herumgefummelt, um “Wachstum zu stimulieren”. Offenbar haben die Wachstumsingenieure nun sich und andere kaputtstimuliert. Bei Änderung der Geldpolitik ist der Zusammenbruch des globalen Kartenhauses zu befürchten.

  7.   Henry Kaspar

    Hoehere Anleihenzinsen fuer D bedeuten dass die Anleger langfristig (5 ahre plus) hoehere Zentralbankzinsen erwarten, d.h. (bei verankerten Inflationserwartungen) bessere Wachstumsaussichten. Das ist fuer sich genommen positiv. Sollte die EZB derart langfristige Zinssaetze niedrig halten wollen reicht forward guidance nicht, sie muss dann in den Markt unmittelbar eingreifen.

    Bei Portugal hingegen bedeuten hoehere Zinsen wohl vor allem hoehere Risikoufschlaege, und das ist nicht positiv. Portugals interne politische Tubulenzen moegen da eenso eine Rolle spielen wie der emerging markets sell-off der vergangenen Wochen im Zuge der globaler Hoeher-Bewertung von Risiko.

  8.   dunnhaupt

    Angesichts des heute gemeldeten “unerwarteten” Falls der deutschen Exporte ist wohl die Diskussion um steigende Zinsen sowieso nicht mehr aktuell.

    NB: Warum kommen Anstieg und Fall eigentlich immer “unerwartet”? Wozu haben wir denn hochbezahlte Experten, die so etwas vorher wissen sollten.

  9.   Dietmar Tischer

    @ Henry Kaspar

    >Hoehere Anleihenzinsen fuer D bedeuten dass die Anleger langfristig (5 ahre plus) hoehere Zentralbankzinsen erwarten, d.h. (bei verankerten Inflationserwartungen) bessere Wachstumsaussichten.>

    Kann man, muss man aber nicht so sehen.

    Höhere Anleihenzinsen für Deutschland können verschiedene Gründe haben:

    Generell Flucht aus Anleihen, z. B. wegen der Befürchtung, dass das Tapering der Fed auf die Eurozone ausstrahlen könnte. Oder Umschichtung in den Anleihenportfolios vom sicheren Hafen Deutschland in rentierlichere, risikoreichere, aber nicht mehr hochgradig risikoreiche Anleihen anderer Staaten der Eurozone (vermuteter Rezessionstiefpunkt erreicht, Liquiditätsgarantie durch EZB).

    Ich glaube nicht, dass es die weit verbreitete Auffassung gibt, dass BESSERE Wachstumsaussichten für Deutschland zu erwarten sind. Weiteres moderates Wachstum ja, aber bei dem immer spürbarer werdenden Mangel an Fachkräften im gewerblichen Bereich ist m. A. n. kein KONTINUIERLICH zunehmendes Wachstum zu erwarten, zumal die Investitionstätigkeit zu wünschen übrig lässt.

    >Sollte die EZB derart langfristige Zinssaetze niedrig halten wollen reicht forward guidance nicht, sie muss dann in den Markt unmittelbar eingreifen.>

    Ganz meine Meinung – und sie wird eingreifen.

  10.   Henry Kaspar

    @ Tischer

    Danke fuer die Klarstellungen. Sie haben recht, nur sehe ich fuer die von Ihnen vorgebrachten Punkte keinen zeitnahen Aufhaenger. Hingegen waren die letzten Wachstums- und PMI-Daten fuer D besser als erwartet.