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Die Risiken einer Vermögensabgabe

 

Die Bundesbank hat in ihrem jüngsten Monatsbericht die Idee einer einmaligen Vermögensabgabe zur Lösung von Staatsschuldenproblemen wohlwollend aufgegriffen.

Unter günstigen Bedingungen könnte mit der Netto-Vermögensabgabe einmalig Vermögen zwischen privatem und staatlichem Sektor innerhalb des betroffenen Landes umgeschichtet werden, sodass der staatliche Schuldenstand relativ schnell um einen signifikanten Betrag sänke (…)

Dagegen ist in der Tat nichts einzuwenden. Schulden und Vermögen sind zwei Seiten einer Medaille und wenn die Schulden gestrichen werden müssen, müssen eben auch die Vermögen gestrichen werden. Es ist nicht einsehbar, warum ein Hartz IV-Empfänger aus Dortmund für einen Millionär aus Athen einstehen sollte.

Die entscheidende Frage ist aber, ob überhaupt etwas gestrichen werden muss. Die Hilfsprogramme der existierenden Institutionen – im Wesentlichen des Internationalen Währungsfonds und des Euro-Rettungsfonds – sind auf solvente Staaten mit Liquiditätsproblemen ausgerichtet.

Die Arbeitshypothese ist also, dass alle Schulden bedient werden können – nur eben temporär Zahlungsschwierigkeiten auftreten. Es zahlt also niemand für irgendjemanden, allenfalls werden Ströme zeitlich verschoben, was durch Zinszahlungen abgegolten wird.

In solchen Situationen mit Vermögensabgaben zu drohen, könnte kontraproduktiv sein, weil dann Kapital abgezogen wird und sich die Liquiditätslage noch verschlimmert. Das ist ja das Dilemma bei jeder Form der Privatsektorbeteiligung. Schlimmstenfalls führt die Drohung mit der Abgabe erst dazu, dass die Abgabe überhaupt erhoben werden muss.

Nun kann man argumentieren, dass offizielle Stellen dazu neigen, genau das als Illiquidität zu deklarieren, was eigentlich eine Insolvenz ist. Das ist auch in der aktuellen Krise der Fall:  mit Sicherheit in Griechenland – und wenn man genau rechnet wohl auch in anderen Staaten.

Ich halte die Vermögensabgabe also prinzipiell für eine gute Idee – rate aber zur Vorsicht bei der Anwendung.

74 Kommentare

  1.   Hermann Keske

    „Es ist nicht einsehbar, warum ein Hartzer aus Dortmund für einen Millionär aus Athen einstehen sollte.“

    Was für eine umwerfende Idee – und so neu. Das schreibe ich hier seit Jahren.

    Und in der Tat, die Abgabe birgt Risiken, vor allem das Risiko, daß sie so ausgeführt wird, daß ihre Adressaten durch Kapitalflucht, wie man das nennt, den Lasten ausweichen könnten. Anders formuliert: Man muß diese Abgabe halbwegs intelligent gestalten und dabei die staatlichen Möglichkeiten auch ausschöpfen.

    Darin liegt eine große Gefahr – es mangelt am ernstlichen Willen in der politischen Kaste. Sie wird es versauen, fürchte ich.

  2.   Chali

    „Das Vermögen“ ist doch sowieso nicht mehr hier? Geschweige denn ihre Eigentümer?

    Die reichsten Griechen wohnen in Genf.

    Und wo wohnt Herr Schuhmacher?

  3.   Jones

    Wieso nicht einfach eine hohe Steuer an die Staatsbürgerschaft binden? Wie in den USA… Alles ganz einfach, wer es nicht macht hat politische Motive.


  4. Der springende Punkt ist doch, dass man erstens das Instrumentarium schafft und zweitens soweit notwendig unmittelbar zuschlägt, es ist wenig wahrscheinlich, dass sich sämtliche Athener oder Mailänder Millionäre und Milliardäre schon vorbeugend und Jahre im Voraus aus dem Staub machen, es hat ja nicht jeder einen Bekannten bei der Regierung, der dann einen Tip gibt, wie auf Zypern.

  5.   Krukks

    Thema klar erkannt, die wirklich Reichen würden Krisenstaaten mit Besitz und Person rechtzeitig verlassen. Zurückgreifen würde man auf Eigenheimbesitzer und Lebensversicherungen ……

    Bei normalen Geldvermögen sagen wir mal 100.000 Euro kann keiner in die Schweiz fliehen, aber auch hier wäre mit Vermeidungsstrategien zu rechnen. Sei es auch nur, dass das Geld schlichtweg ausgegeben wird.

    Bestes Beispiel sind die angeblich „griechischen“ Reeder. Die haben ohnehin schon einen Wohnsitz in Monaco oder Schweiz – zur Not geben sie eben noch den griechischen Pass ab

  6.   Baridor

    Eine Vermögensabgabe wird erst sinnvoll wenn es auf der Welt eine einheitliche Regelung dafür gibt. Den die Vermögenden haben nun mal die Möglichkeit ihnen Wohnsitz sehr schnell zu wechseln.
    Eine einheitliche Abgabe in den „““westlichen“““ Welten sowie „“Schwellenländern“““ wäre aber mal ein sehr guter Ansatz. Vor allem wenn man es so ansetzt das der Wohnsitz nicht bestimmend ist, sondern die Zeit die man in den einzelnen Ländern verbringt. Sprich, wer hier Arbeit soll zahlen. Fertig.


  7. Na klar, so eine Meldung war zu erwarten.

    Zwangsabgabe ist zwar eine „gute Idee“, aber man könnte ja damit die Reichen vertreiben, was ja seeeeeehr tragisch wäre. Wer soll denn dann noch Leistung erbringen, wenn all das Talent, all die so hoch geschätzte Arbeit und all der Nutzen dieser Kaste verschwindet?

    Dem mische man noch ein wenig nationalistischen Populismus bei („Hartz IV-Empfänger aus Dortmund für einen Millionär aus Athen“), fertig ist das Totschlagargument.

    Ich halte es wie Schäuble. Die Enteignung muss man schnell und am Wochenende machen und vorher nicht so viel drüber reden. Und wenn es der Schickeria nicht passt, kann sie ja Sahra Wagenknecht beim Wort nehmen und nach Russland auswandern.


  8. NIcht nur die politische Kaste wird es versauen; auch das Herr der hochbezahlten „Vermeider“ (ja, ja: Kapitalverwalter) und Steuerschinder (ähm, ääh Steuerberater) wird ihr Bestes geben und diese Bemühungen unterlaufen – und sich selbst dabei nicht unwesentlich bereichern.


  9. Vielleicht sollte man anders denken.
    Es wird zwar dauernd geschrieben, daß die Arbeitnehmer die Unternehmer brauchen, aber umgekehrt stimmt das auch. Bereits die Athener Bürger erliessen regelmäßig den Bauern ihre Schulden, weil die sonst einfach ihr verschuldetes Land verlassen hätten. Dann hätten die Athener Bürger zwar viel Kapital (Schuldscheine) gehabt, aber niemanden mehr, der ihre Versorgung mit Nahrungsmittel sicher stellte.
    Was, wenn die ca. 700 Famlienclans in Griechenland, denen 80 Prozent aller Vermögen gehören, ihr „Kapital“ nehmen und Griechneland verlassen?
    Was dann?
    Ich behaupte, die Eliten werden ihre Euros, ihr Kapital, nicht aufessen können. Sie werden merken wie wertlos Kapital ist, wenn keine Menschen da sind, die für sie arbeiten. Die Griechen könnten IHR Land, IHR Land, wieder nutzen.

    Es gab eine Zeit, da hat man Geldscheine zum heizen benutzt, weil es nichts mehr wert war. Diese Zeit könnte wieder kommen. Wenn 90 Prozent der Europäer für 10 Prozent der Europäer arbeiten und arbeiten und auf immer mehr Lohn verzichten müssen, damit die Zinsen bezahlt werden können, und die Schulden immer weiter wachsen – dann ….

    Ich denke, daß diese 700 Familien gut und gern auf 20 Prozent ihrer Vermögen verzichten könnten, ohne daß sie ihren Lebensstandart ändern müßten. Nur würde das auch nicht nützen. Wie bei Monopoly. Wenn sie nur die Badstraße haben und bekommen ihre Schulden erlassen – nach einer Runde stehen sie wieder da wo sie vorher waren – Schach Matt.

  10.   ontheotherside

    2 dinge fallen auf: der „hartzer“ aus dortmund empfängt sein geld unter anderem, weil deutschland von der EU stark profitiert.
    zweitens wird es nicht leicht sein, „den“ Millionär in athen zu finden, da ich mich erinnere wie viele millionäre ihr vermögen vertuschen. eine zwangsabgabe hört sich nie gut an, lieber grundlegende wirtschaftliche probleme, korruption und steuerhinterziehung angehen!