So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Autoren Archiv von Robert von Heusinger

Entmachtet die Bundesbank!

Von 13. Mai 2013 um 12:07 Uhr

Wie würden wir heute über die Schuldenkrise, die Euro-Krise sprechen, wenn die Gründungsväter des Euro konsequent gewesen wären – und die nationalen Notenbanken abgeschafft hätten? An ihre Stelle wären Notenbankdistrikte getreten, wie in den USA, die wenig bis nichts gemein haben mit den Bundesstaaten beziehungsweise in unserem Fall, den Nationalstaaten. Diese Idee, die der Berliner Makro-Ökonom Michael Burda bei der Buchvorstellung der Inflationslüge vehement vertreten hat (und die ich für die Berliner Zeitung aufgeschrieben habe), fasziniert mich. Ich habe Michael Burda gebeten, die Landkarte Euro-Lands neu zu zeichnen und in seine präferierten fünf Distrikte einzuteilen.
Weiter…

Kategorien: Wissen und Glauben

Drei Wahrheiten über den Dax

Von 7. Mai 2013 um 19:50 Uhr
Grafik: Dax Performance-Index, täglich ab Jan 1999

Dax Performance-Index, täglich, letzter Wert vom 07.05.2013

Ziehen wir ganz kurz den Hut vor 8.200 Zählern. Diese Marke hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am Dienstag genommen. So hoch stand der Dax noch nie. Nicht im März 2000, nicht im Juli 2007. Diese beiden Monate markierten die bisherigen Gipfel. Das ist die Wahrheit eins: Wir haben heute einen echten Rekord im Performance-Index begehen dürfen.
Weiter…

Zehn Wetten für 2013

Von 7. Januar 2013 um 07:02 Uhr

Drei Tage vor Silvester war es wieder so weit: Die Wahrsager-Hirten Zeise, Wermuth und Heusinger trafen sich, die Glaskugel auf dem Tisch. Lucas brachte uns als Gastgeschenk sein neuestes Werk mit: “Euroland wird abgebrannt – Profiteure, Opfer, Alternativen” und schien noch immer komplett desillusioniert, gab dem Euro als Idee, als Konzept für Frieden und Wohlstand in Europa keine Chance mehr. Ich dagegen, immer noch voller Hoffnung, dass aus der Krise etwas Besseres hervorgeht, übte mich in Konjunkturpessimismus, hatte gerade das Interview mit einem der klügsten deutschen Ökonomen fertig gestellt. Hans-Helmut Kotz warnt vor japanischen Verhältnissen in Euroland. Und Dieter war vielleicht noch der lustigste Geselle des Abends, pragmatisch und optimistisch. Er bastelte in Gedanken an einer Hymne auf die Bankenunion.

So dauerte es ein bisschen, bis wir uns soweit in gemeinsame Schwingungen geredet hatten, dass es mit der Wahrsagerei losgehen konnte. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Selbstgerechte Bilanz unserer Wetten 2012

Von 2. Januar 2013 um 11:29 Uhr

Was waren wir wieder gut! Das war der Tenor unseres diesjährigen Treffens, auf dem wir erst zurück und dann – natürlich – ins Jahr 2013 geschaut haben. Wir? Die drei Hirten Lucas Zeise, Dieter Wermuth und ich wetten jeweils zu Jahresbeginn, was alles so passieren mag. Und wenn es heißt, Bilanz zu ziehen, dann sind wir gewiss nicht objektiv. Was uns gefreut hat, war das große Bild, das wir gezeichnet hatten. Geld indes hätte man nicht überall drauf setzen sollen, denn beim Verlauf der Euro-Krise ist uns ein hellseherischer Fehler unterlaufen, der die schlimme Krise, die wir prognostiziert hatten, nicht hat eintreten lassen: Wir hatten den ungeordneten Austritts Griechenlands aus dem Euro in den Karten. Aber urteilen Sie selber, wie gut wir waren. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

So trickst Sarrazin

Von 23. Mai 2012 um 09:18 Uhr

Das neue Buch von Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin hat überraschend häufig attestiert bekommen, es argumentiere wirtschaftlich korrekt (etwa Micha Brumlik in der taz oder auch David Hugendick auf zeit.de). Aber ist das wirklich so, oder haben es nur Feuilletonisten rezensiert, die bei einer Tabelle mit ein paar Prozentzahlen schon von der Ehrfurcht gepackt werden? In Wirklichkeit hat Sarrazin bei “Europa braucht den Euro nicht” dieselben Tricks angewendet wie bei seinem Bestseller “Deutschland schafft sich ab”. Das Buch ist keine rationale Abwägung der wirtschaftlichen Vor- und Nachteile des Euro, sondern ein ganz klar auf die These: Zurück zur D-Mark hingeschriebenes Pamphlet. Dafür ist Sarrazin alles recht: Auslassen, weglassen, umdeuten, bewusst falsch interpretieren. Vor allem das bewusste falsche Interpretieren von Statistiken werden wir uns gleich genauer anschauen. (Was ich vom Buch halte, mein Verriss steht hier.) Zwei Tabellen in dem Buch sind zentral, um seine These, der Euro hat Deutschland keine Vorteile gebracht, zu stützen. Das BIP pro Kopf in Kaufkraftparitäten sowie die Entwicklung des Außenhandels Deutschlands mit der Eurozone, der Rest-EU und dem Rest der Welt. Aber der Reihe nach. Weiter…

Kategorien: Wissen und Glauben

Die neue Sarrazin-Debatte

Von 19. Mai 2012 um 12:31 Uhr

Jetzt geht es wieder los. Thilo ist wieder da, genau: Thilo Sarrazin. Das ist der Ex-Bundesbanker, der für einen riesigen Wirbel gesorgt hat, weil er meinte belegen zu können, dass Deutschland sich durch zu viel Einwanderung viel zu dummer Menschen, selbst abschaffe. Jetzt bringt er ein neues Buch auf den Markt: “Europa braucht den Euro nicht”. Jetzt kann er sich nicht mehr damit herausreden, dass er nur Laie ist. “Sarrazin schreibt nicht einfach das hundertste Buch gegen den Euro, sondern tut es als jemand, der Teil jener politischen Administration war, die in diesem Land seit Jahrzehnten für Fragen der Ökonomie zuständig ist”, bemerkt Jürgen Kaube klug in der FAZ.

Da alle das neue Buch schon gelesen haben, aber erst am Dienstag drüber schreiben dürfen, um die Marketing-Klimax des Verlages nicht zu stören, müssen wir uns bescheiden. Leider! Aber diese Lektüre ist zu empfehlen: Steven Geyer rezensiert “Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz” in der Frankfurter Rundschau. In dem Buch zeigen elf Experten, wie falsch Sarrazins Aussagen in seinem letzten Bestseller waren.

Los geht die neue Sarrazin-Debatte am Sonntag bei Jauch, wo er erstmals seine Thesen im Streit mit Peer Steinbrück vorstellen wird. Wer es bis dahin nicht aushält, mag hier klicken: Mein Kollege Stephan Kaufmann (Steinbrück) und ich (Sarrazin) ahnen schon mal vorab, mit welchen Thesen Sarrazin auftreten wird und wieso es zum Eklat kommt.
Have fun!

Zehn Wetten für 2012

Von 11. Januar 2012 um 12:21 Uhr

Noch ganz begeistert von unseren Vorjahreswetten, wagten wir, die
drei Hirten Zeise, Wermuth und Heusinger
, nach einem Gläschen Bier den Blick in die Glaskugel für das noch junge Jahr. Dabei hatte ich ein Déjà-vu: Denn wir debattierten dieselben Fragen wie im Vorjahr. Wird es Griechenland ohne Haircut schaffen, wird es Griechenland mit Haircut schaffen? Beide Antworten fielen eindeutig negativ aus. Dann also Austritt aus dem Euro, ungeordnete Insolvenz? Schon eher. Hält der Euro? Ja, er wird auch Ende 2012 noch offizielles Zahlungsmittel in Deutschland, Italien, Frankreich und Co. sein. Reißt die Euro-Krise die Weltwirtschaft mit in die Tiefe? Nein. Zu einem Lehman-II-Moment wird es nicht kommen, wenngleich die Euro-Krise das Gefühl noch mal heraufbeschwören wird, doch dann wird die Europäische Zentralbank (EZB) löschen, was ihre Bilanz hergibt. Die Schwellenländer werden die Weltwirtschaft gemeinsam mit den USA tragen. China, soweit rangen wir uns zum Optimismus durch, wird es gelingen, wieder mit knapp neun Prozent zu wachsen und die heimische Wirtschaft in Richtung Binnennachfrage zu steuern, weg von der Exportfixierung. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Selbstgerechte Bilanz unserer Wetten 2011

Von 10. Januar 2012 um 13:23 Uhr

War das eine Freude gestern! Nach einem Jahr trafen sich die drei Hirten (Lucas Zeise, Dieter Wermuth und ich) an gewohnter Stelle wieder und beugten ihre Häupter über die Wetten für das nun abgelaufene Jahr. Und siehe da: Wir waren grandios! Lagen wir falsch, dann meist nur, weil unsere Prognosen der Zeit voraus sind! Zwar fällt die Bilanz zugegebenermaßen am Ende bescheidener aus, als das Triumphgeheule vermuten lässt. Wichtig in diesem schwierigen Jahr war uns jedoch, dass die Peilung stimmte. Das Säckchen Asche, das ich vor einem Jahr noch dabei hatte, brauchten wir dieses Mal nicht. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Ich bin ausnahmsweise ganz bei Weidmann

Von 29. Dezember 2011 um 14:43 Uhr

So sehr mich der Kurs von Bundesbank und Bundesregierung in der Euro-Krise auch aufregen, den jüngsten Äußerungen Jens Weidmanns zur deutschen Konjunktur stimme ich zu. Der Bundesbankpräsident warnt vor zu viel Schwarzmalerei. Ich habe lange gebraucht, mich zu entscheiden, ob ich für 2012 den Optimisten oder Pessimisten geben soll. Das Hadern ist der eine Grund, warum die jährliche Wachstumswette, mit der der HERDENTRIEB im November 2005 startete, sechs Wochen länger als üblich auf sich warten ließ. Der andere: Die vergangenen fünf Monate waren anstrengend, der neue Job und das Pendlerleben zwischen Frankfurt und Berlin mit allerlei organisatorischen Herausforderungen.
Anyway. Hier kommt meine siebte Wachstumswette. Und nachdem die des vergangenen Jahres mal wieder ganz hervorragend war, gehe ich voller overconfidence gegen den Mainstream. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Entmachtet die nationalen Parlamente in der Eurokrise

Von 13. Juni 2011 um 15:23 Uhr

Als ich gestern die Seite eins der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) las, da wurde mir richtig übel – und mir wurde einmal mehr klar, dass die Art und Weise, wie Europas und Deutschlands Politiker versuchen die Euro-Zone zu retten, gründlich gescheitert ist. Das Einzige, was die hilflosen, weil über die nationalen Parlamente abzuwickelnden Rettungsversuche provozieren, sind nationalistische Ressentiments. Ein solch plumpes, deutsch-überhebliches und vorurteilsbeladenes Stückchen hätte ich zumindest in der FAS nicht erwartet. Aber lesen Sie selbst: Weiter…