So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Autoren Archiv von Robert von Heusinger

Deutschland verschärft die Euro-Krise

Von 10. Mai 2011 um 23:57 Uhr

Es sind erschreckende Zahlen, die die Frankfurter Rundschau heute auf den Markt geworfen hat: Nach ihren Recherchen war das Ergebnis der bisherigen Tarifverhandlungen 2011 unglaublich mickrig. “In den drei großen Branchen Bau, öffentlicher Dienst und Chemie erhalten die Beschäftigten in diesem Jahr gerade einmal 2 bis 2,6 Prozent mehr Geld als im Vorjahr”, heißt es in der Analyse. Abzüglich der Inflation bedeutet dies sogar einen Reallohnverlust. Die Arbeitnehmer werden ärmer und das trotz kräftigen Wachstums gepaart mit einer signifikant abnehmenden Arbeitslosigkeit. Damit verschärfen die deutschen Arbeitgeber und Gewerkschaften die Eurokrise. Denn einerseits kann die Binnennachfrage so kaum richtig anziehen und zum Abbau der Ungleichgewichte in Euroland beitragen. Andererseits fährt Deutschland damit weiter einen Kurs der Abwertung innerhalb der Währungsunion und konterkariert alle Anstrengungen von Griechenland, Spanien und Co. wieder Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen. Weiter…

Wie viel wollt ihr noch verdienen?

Von 6. März 2011 um 16:32 Uhr

Es ist etwas faul im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Die Unternehmen machen Rekordgewinne, auch jetzt schon wieder, nur zwei Jahre nach der großen Krise. Die Investitionen indes bleiben schwach. Dabei sind die Nettoinvestitionen das Elixier. Sie schaffen Einkommen und Beschäftigung und lösen so das Versprechen des Kapitalismus auf Fortschritt und ein besseres Leben ein.

Werfen wir einen Blick auf diese Grafik, die der DGB vergangene Woche rumgeschickt hat, und die der HERDENTRIEB mit Daten für 2010 aktualisiert hat.

Grafik: Gewinne und Nettoinvestitionen seit 1991

Diese Grafik schockiert, weil sie fast einen inversen Zusammenhang zwischen Nettoinvestitionen und Gewinnen darstellt. Dabei lautet doch das Mantra der Angebotstheoretiker, der herrschenden deutschen Ökonomenschule: Höhere Gewinne bedeuten mehr Investitionen bedeuten mehr Jobs. Was ist bloß faul?
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Kategorien: Wissen und Glauben

Update: Regling gibt Deutschlands Ökonomen Nachhilfe

Von 28. Februar 2011 um 13:37 Uhr

Ich traute heute Morgen meinen Augen kaum, als ich die FAZ aufschlug. “EFSF: Deutsche Ökonomen zu marktgläubig” durfte ich in der Überschrift lesen! Und das in der FAZ, die noch am Freitag mit Leitartikel und großen Text das ominöse Plenum aufgeblasen hatte. Schreibt die FAZ beim HERDENTRIEB ab? Weit gefehlt! Als ich in den Artikel reinlas, habe ich mich sehr amüsiert, denn es ist Klaus Regling, der den Großökonomen Nachhilfe erteilt. Ja genau, jener Regling, der auch bei den konservativen Ökonomen einen tadellosen Ruf hat, denn er ist selber einer. Er war es, der 2004 ff. die Blauen Briefe an die Regierung Schröder verschickte, der Hüter des Stabipaktes. Ja Regling ist einer der Architekten der Währungsunion, der aber inzwischen verstanden hat, dass es ein Fehler war, alleine auf die Staatsverschuldung zu setzen, wie er im Interview mit der FR/Berliner-Zeitung erstmals öffentlich gestand.

Also Regling ist sich zumindest der Probleme bewusst, was man von unseren Großökonomen nicht behaupten kann. Er wirft den Plenum-Professoren “Denkfehler” vor. “Falsch sei vor allem die Aussage der Ökonomen, dass Staaten, die ihre Gläubiger nicht mehr von einem bloßen Liquiditätsengpass überzeugen könnten, grundsätzlich als insolvent zu betrachten seien. Mit dieser Begründung hatten die Professoren die Einrichtung des auf Dauer angelegten Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), der die EFSF im Jahr 2013 ablösen soll, kritisiert. ‘Diese Sicht beruht auf einer Marktgläubigkeit, die nach den Erfahrungen der Finanzkrise überholt ist’, sagte Regling. ‘Die Krise hat gezeigt, dass die Märkte nicht immer recht haben. Sie neigen zu Herdenverhalten und Überreaktionen.’ Ein solches Marktversagen rechtfertige staatliche Eingriffe.”

Et voilá.

PS: Wer noch etwas Ketzerisches lesen mag, klicke hier auf die FTD, die sich heute nochmal groß den 189 Profs und ihren Verwirrspielen annimmt.

Kategorien: Der Zeitungsleser

Sind Deutschlands Ökonomen blind?

Von 26. Februar 2011 um 15:50 Uhr

Weil es gerade so schön ist und Mark Schieritz schon unsere führenden 189 Großvolkswirte falscher Rechenkünste überführt hat, muss auch ich nochmal spotten: Verstehen diese Herren und wenige Damen nichts von Kapitalmärkten, wollen sie davon nichts wissen, oder sind sie blind?

Wie kann man Finanzmärkten im Jahr vier der großen Krise noch immer eine disziplinierende Wirkung andichten? Wie kann man weiterhin so tun, als gelte die Effizienz der Kapitalmärkte? Es mag schwer sein, sich von alten Glaubensgrundsätzen zu verabschieden, aber wider besseres Wissen daran festzuhalten ist unredlich, schlicht Folklore, wie ich gestern in der Berliner-Zeitung und der FR gewettert habe. Weiter…

Kategorien: Der aktuelle Rand

Wenn die Löhne zu stark steigen, müssen die Zinsen erhöht werden

Von 13. Januar 2011 um 22:14 Uhr

Liebes Kapital,

Du hast heute Abend, morgen in der FTD nachzulesen, mal wieder eine solch simple Frage gestellt, dass es mich einfach juckt, zu antworten. Ob ich einer Deiner keynesianischen Freunde bin, mit dem Du gerne die EZB-PK beobachtet hättest, weiß ich nicht. Und ich muss gestehen, mich hat an den Äußerungen von Jean-Claude nix gestört. Wenn er etwas anderes gesagt hätte auf die vielen Nachfragen zur Inflation, dann wäre ich hellhörig geworden. Aber das war doch der übliche Buba-Trash. Weiter…

Die ultimative Dax-Wette zum neunten

Von 4. Januar 2011 um 21:29 Uhr

Hier kommt sie wieder, die ultimative Dax-Wette. Treue Leser des HERDENTRIEBS kennen sie schon. Anfang des Jahres wetten Marcus Rohwetter und ich, wo der Dax am Jahresende steht. Das tun wir nun schon zum neunten Mal, wenngleich erst zum sechsten Mal im Blog (2006, 2007, 2008, 2009 und 2010).

Und wir tun es noch einmal im Nirwana, bevor wir Sie mit Statistiken belästigen werden, so nach der Art, wenn Marcus mindestens 1000 Punkte optimistischer ist als Robert, dann steig der Dax in 80 Prozent der Fälle um 500 Punkte, oder so ähnlich. Also, halten Sie noch zwei Jahre durch, dann werden unsere Wetten handelbar!

Was ist der Spaß an den Wetten? Marcus und ich waren mal Kollegen bei der ZEIT, wo Marcus noch immer arbeitet. Sein Themengebiet ist der Einzelhandel, manchmal die Technik und der Verbraucherschutz, also alles Dinge, die ziemlich weit weg von der Börse sind. Sein jüngster Artikel beschäftigt sich mit Designerkleidung für Hunde!!! Mein Thema waren früher ausschließlich Finanzmärkte und Banken. Und permanent lag Marcus mit seinen Bauchwetten besser als ich mit den irgendwie rational erklärten und natürlich total belesenen Prognosen.
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Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Zehn Wetten für 2011

Von 2. Januar 2011 um 18:44 Uhr

Mein Haupt noch etwas aschig, saßen wir drei Hirten – Lucas, Dieter und ich – also zusammen und schritten zur Tat für das neue Jahr. Unser Top-Thema, das uns einige Biere Zeit kostete, war die Euro-Krise und deren Fortgang. Wir wunderten uns sehr über die deutsche Exportlobby, die sich beim Verkaufen der Vorteile des Euro richtig dämlich anstellt, oder gar nicht zu vernehmen ist. Wo ist der BDI, wo die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft? Konnten sie uns doch locker erklären, warum die Löhne in Deutschland sinken mussten. Jetzt, wo es den Deutschen zu erklären gilt, warum der Euro im besten Interesse dieses Landes ist (und natürlich im allerbesten der Exporteure), da schwächeln sie oder gießen mit ihren Haircut-Ideen sogar noch Öl ins Feuer. Dennoch glauben wir, dass der Euro Ende 2011 noch existieren wird, röchelnd! Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Selbstgerechte Bilanz unserer Wetten 2010

Von 31. Dezember 2010 um 19:50 Uhr

Das Jahr ist nur noch wenige Stunden on, allerhöchste Zeit, unsere zehn Wetten des Jahres 2010 dem Realitätscheck zu unterziehen. Um es vorweg zu nehmen, es war unser schlechtester Jahrgang seit Dieter, Lucas und ich unsere gemeinsamen Jahreswetten hier im Blog kundtun. Zu unserem Treffen in einem kleinen Frankfurter Weinbistrot hatte ich ein Säckchen Asche mitgebracht. Dann und wann streute ich sie mir aufs fast kahle Haupt. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten

Alles wird gut

Von 19. Dezember 2010 um 15:44 Uhr

Ausgesprochen guter Dinge bin ich an den letzten Tagen des Jahres. Grund dafür ist die unglaublich gute Verfassung der deutschen Wirtschaft. Grund dafür ist aber auch, dass im großen Euro-Streit mal wieder ein Punktsieg an die Franzosen ging. Und die deutschen Stabilitätsfanatiker eine Niederlage einstecken mussten.

Zunächst aber zur deutschen Wirtschaft. Sie brummt. Das ist schon hundertmal besungen worden, auch von mir hier im Blog als ich meine Wachstumswette abgab, oder Ende des Sommers im Cicero (Und jetzt die fetten Jahre?). Aber was so unglaublich ist, ist die Rasanz, mit der sich der Konsum zurück meldet. Schauen Sie auf das Chart.

Ifo Geschäftsklima im Einzelhandel - Dez. 2010
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Kategorien: Der aktuelle Rand

Ein Hoch auf diese Regierung

Von 25. November 2010 um 22:15 Uhr

Lassen Sie uns den Hut ziehen vor dieser Regierung! Wann hatte die Bevölkerung in Deutschland je eine in wirtschaftlichen Belangen ausgebufftere Regierung? Wann wurde das letzte Mal eine solch großartige Wachstumspolitik betrieben, die sich gleich dreier Schienen bedient? Dem Wechselkurs, den die Regierung elegant herunter redet, den Zinsen, die sie mit ihrem Insolvenzplänen für Euroland auf immer neue Tiefen fallen lässt, sowie einer gezielten Lohnstückkostensenkungspolitik, die die erarbeiteten Wettbewerbsvorteile zementiert? Was Kanzlerin Merkel samt ihren Beratern, den Herren Schäuble, Brüderle und Weber (Bundesbank) da zaubern, steht makromäßig den goldenen Zeiten eines Bill Clinton und Alan Greenspan in nichts nach. Ja, es ist schlauer.

Deshalb bin ich auch für das nächste Jahr recht optimistisch, was das Wachstum in diesem unseren Lande betrifft. Bei einer solch grandiosen Steuerung sind gut und gerne mehr als 2,5 Prozent Wachstum drin. Die langjährigen Freunde des HERDENTRIEB merken es spätestens hier: Die Wachstumswette ist mal wieder fällig, wie jedes Jahr zum Geburtstag dieses Blogs. Mit ihr begann alles im November 2005. Waren meine ersten vier Wetten gut bis spektakulär (die erste), so war die letzte vom November 2009 geradezu beschämend schlecht. Ich habe zweierlei vollkommen falsch eingeschätzt. Das eine tut weh: die Wirkung der Konjunkturprogramme. Das andere hätte ich mir selbst im Traum nicht ausmalen können: diese verdammt schlaue Regierung. Weiter…

Kategorien: Die Heusinger-Wetten