Investment Outlook im April 2017

Beim letzten Investment Outlook im Januar lautete die Überschrift „verkauft Bonds, kauft Aktien“ (sell bonds, buy equities), diesmal wurde daraus „verkauft Bonds, kauft keine Aktien“. Die sind seit Anfang des Jahres an den wichtigsten Märkten um 5 bis 10 Prozent gestiegen und sind inzwischen sehr teuer. Gemessen an den Kurs-Gewinnverhältnissen müssten die Unternehmensgewinne erneut stark steigen, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen. Das ist in dieser Spätphase des Aufschwungs nicht realistisch. Außerdem wird die EZB nach dem Sommer allmählich einen Kurswechsel einleiten, also über höhere Leitzinsen zu diskutieren beginnen und so mit einer langen Verzögerung der amerikanischen Notenbank folgen. Steigende Leitzinsen sind Gift für die Aktienmärkte.

Europäische Bonds dürften nach den jüngsten Zahlen für die Verbraucherpreise erst einmal auf der Stelle treten. Noch hat sich der beträchtliche Anstieg der Inflation auf den vorgelagerten Stufen nicht voll auf die Konsumentenpreise ausgewirkt. Da die Kapazitätsauslastung aber weiter zunimmt und die Einfuhrpreise infolge des schwachen Euro kräftig steigen, ist das nur eine Frage der Zeit. Ein Ausverkauf an den Anleihemärkten wird kaum zu vermeiden sein. Bisher liegen die Renditen weit unter dem Niveau, das angesichts des erfreulichen Wirtschaftswachstums und der Inflationsaussichten zu erwarten ist.

Euro und Dollar haben ein symbiotisches Verhältnis. Real und handelsgewogen bewegen sich die Wechselkurse seit Jahrzehnten seitwärts – wenn sie stark vom Mittelwert abweichen, also stark aufgewertet oder abgewertet haben, stellt sich früher oder später eine Korrektur ein. Damit rechne ich erneut: der Euro wird nach seiner jahrelange Schwäche wieder aufwerten, der Dollar abwerten.

Ausführliches zu den Aussichten für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – „Sell bonds, don’t buy stocks“, April 2017*) (pdf, 713 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Bonds und Aktien in Zeiten steigender Zinsen

Da die Fed dabei ist, die Leitzinsen im Jahr 2017 angesichts von Vollbeschäftigung und Inflationsraten in der Nähe der Zielwerte weiter zu erhöhen, hat sich die Stimmung am amerikanischen Rentenmarkt verschlechtert. Seit vergangenem Sommer sind die Renditen der zehnjährigen Treasuries um rund 100 Basispunkte gestiegen und befinden sich inzwischen real wieder im positiven Bereich. Europäische und japanische Bonds haben darauf mit Kursverlusten reagiert. Zumindest im Euroland mehren sich im Übrigen die Anzeichen, dass die Inflation nun endlich anzieht, was ein zusätzlicher Grund für die Kursschwäche ist. Weiter„Bonds und Aktien in Zeiten steigender Zinsen“

 

Schwaches Wachstum der Produktivität verteuert Finanzaktiva

Nach traditionellen Analyseverfahren sind die heutigen Aktienkurse schon wieder sehr hoch. Die Notenbanken in den OECD-Ländern fluten die Banken mit Liquidität, da aber sowohl Haushalte als auch Firmen wenig Lust auf zusätzliche Schulden haben, wandern die Anlage suchenden Mittel in die Aktienmärkte und treiben dort die Kurse. Das sieht auf den ersten Blick nicht gesund aus. Es besteht die Gefahr neuer Vermögensblasen. Weiter„Schwaches Wachstum der Produktivität verteuert Finanzaktiva“

 

Die Kurse von Aktien und Bonds sind viel zu hoch

An den wichtigsten Märkten sind sowohl Aktien als auch Renten deutlich überteuert. Sobald die Fed und die EZB ernst machen mit höheren Zinsen, wird es daher große Korrekturen geben. Da die Transmission von der Geldpolitik in die reale Sphäre nicht funktioniert, Haushalte und Unternehmen das billige Geld also nicht dafür nutzen, ihre Ausgaben kräftig zu steigern, floss die überreichliche Liquidität bisher in die Finanzmärkte und hat dort die Kurse in die Höhe getrieben. Gemessen an den mittelfristigen Gewinnaussichten und den wahrscheinlichen künftigen Inflationsraten haben sie ein nicht haltbares Niveau erreicht. Weiter„Die Kurse von Aktien und Bonds sind viel zu hoch“

 

Geldanlage in Zeiten niedriger Zinsen

Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich in diesem Jahr offenbar weiter, auf etwa drei Prozent; die Trendrate liegt bei vier Prozent. Bremseffekte gehen vor allem von China aus, wo Überinvestitionen und Strukturwandel Reibungsverluste verursachen. Zwar sieht es nicht nach einer neuen Rezession aus, jedoch überwiegen die Risiken, dass das Ergebnis am Ende schlechter ausfällt als zurzeit erwartet. Erfreulich ist, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt zumindest in den OECD-Ländern weiter kräftig verbessert. Die Zuwachsraten der Produktivität gehen jedoch immer noch zurück, was nichts Gutes für die Zukunft erwarten lässt.

Da die globale Outputlücke erneut größer wird, gibt es keine Inflationsrisiken. Zudem spricht Einiges dafür, dass die Rohstoffpreise dauerhaft niedrig bleiben werden. Gemessen an den inflationsgeschützten Staatsanleihen liegen die mittelfristigen Inflationserwartungen weit unter den Zielwerten der Zentralbanken. Die extrem expansive Geldpolitik dürfte daher auf absehbare Zeit beibehalten werden, selbst in den USA.

Die Länder des Euroraums stecken ebenso wie Japan immer noch in einer Liquiditätsfalle, aus der sie ohne eine expansivere Fiskalpolitik nicht so schnell herauskommen werden. Die USA sind in dieser Hinsicht weiter, weil die Treasury schon während der Finanzkrise sehr massiv gegengesteuert hatte, nicht zuletzt durch die Rekapitalisierung der Banken und die Hinnahme gewaltiger Staatsdefizite. Der Euroraum hat hier einen gravierenden institutionellen Wettbewerbsnachteil – auch eine noch so expansive „unkonventionelle“ Geldpolitik ändert daran nichts, wenn die Finanzpolitik restriktiv ausgerichtet ist. Immerhin hat die EZB zur Abwertung des Euro beigetragen und so die preisliche internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Aktien sind historisch gesehen teuer, aber trotzdem im Vergleich zu Anleihen attraktiv; letztere verzinsen sich real kaum mehr. Ausnahmen sind neuerdings Unternehmensanleihen, nachdem die EZB diese in ihr Ankaufprogramm aufgenommen hat.

Die riskantesten Aktien sind solche, die mit fossilen Energien und Rohstoffen zu tun haben. Banken, die hohe Forderungen gegenüber diesen Sektoren haben, sind ebenfalls gefährdet.

Insgesamt werden die Aktienkurse 2016 aus zwei Gründen kaum nennenswert zulegen: Das Wirtschaftswachstum ist nur moderat, und die Bewertungen sind recht hoch.

Ausführliches zu den globalen Risiken und den Aussichten für Aktien, Bonds und Währungen finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Asset allocation at a time of low real interest rates, March 2016*) (pdf, 702 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Investment Outlook: Globale Rezessions- und Deflationsrisiken

Die Wirtschaftsprognosen der letzten Monate waren durchgängig recht positiv. Ich argumentiere hier, dass sie nach unten korrigiert werden müssen. Selbst das Risiko einer neuen globalen Rezession ist nicht auszuschließen.

Der wichtigste Indikator dafür, dass es nicht so gut läuft, ist der Welthandel. Wenn ich mir die Außenhandelspreise, den Containerumschlag in den wichtigsten Häfen oder die internationalen Frachtraten ansehe, hat er offenbar seit einigen Quartalen stark an Dynamik eingebüßt, vielleicht schrumpft er inzwischen sogar. In den vergangenen Jahrzehnten ist es immer dann zu einer globalen Rezession gekommen, wenn er rückläufig war. Weiter„Investment Outlook: Globale Rezessions- und Deflationsrisiken“

 

Die Trends, auf die es ankommt

Manche Anleger haben den Eindruck, dass sich an den Kapitalmärkten kein Geld mehr verdienen lässt. Falsch! Auch wenn das Wachstum niedrig ist, und selbst wenn die Wirtschaft insgesamt stagniert, findet immer noch genug Strukturwandel statt, der sich profitabel nutzen lässt. Ständig entstehen neue Unternehmen, ständig scheiden andere aus dem Markt aus. Es fehlt nie an Innovationen bei den Produkten, bei ihrer Herstellung, im Vertrieb und in der Kommunikation. Vor allem die Schwellenländer befinden sich in einem dynamischen Aufholprozess, während die reichen Länder eher konsolidieren und relativ gesehen zurückfallen. Auch die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wandeln sich im Laufe der Zeit. Weiter„Die Trends, auf die es ankommt“

 

Einbruch der Rohstoffpreise – Importeure gewinnen, Exporteure erleiden Kaufkraftschock

Der Rückgang der Rohstoffpreise, insbesondere von Erdöl, – um 40 bis 60 Prozent seit ihrem letzten Hoch – hat die internationale Einkommenssituation stark verändert. Während die Produzenten und Exporteure nur noch die Hälfte dessen einnehmen, an was sie sich gerne gewöhnt hätten, können sich Nettoimporteure wie China, Japan, die Europäische Währungsunion oder Indien über kräftige Kaufkraftgewinne freuen, vergleichbar einer Steuersenkung, die nicht mit einem erhöhten staatlichen Defizit einhergeht. Bei den Einen schwächt sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ab, bei den Anderen wird sie stimuliert.

Russland ist von den größeren Ländern am meisten betroffen. Weil es im Vierteljahrhundert seit dem Ende des Kommunismus nicht gelungen ist, die Produktion, die Exporte und die Aktienmärkte auf eine breitere Basis zu stellen, ist seine Wirtschaft immer noch stark vom Auf und Ab der Rohstoffpreise abhängig. Der Rubel hat sich in kurzer Zeit um mehr als die Hälfte abgewertet, und das reale BIP dürfte in diesem Jahr gegenüber 2014 um etwa vier Prozent zurückgehen. Russische Aktien sind billig auf der Basis des KGV, aber das sind sie fast immer. Eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent ist niedrig angesichts einer Inflationsrate von fast 16 Prozent.

China ist sowohl der wichtigste Importeur von Rohstoffen als auch der größte Profiteur ihres Preiseinbruchs. Da es mit der Wirtschaft zuletzt nicht mehr so gut lief, vermutlich weil es im Wohnungsbau und im Bereich Infrastruktur Überinvestitionen gegeben hatte, war seine Nachfrage nach Erdöl, Eisenerz und anderen Metallen stark zurückgegangen und hatte deren Preissturz ausgelöst. Die Fundamentaldaten des Landes sind nach wie vor sehr robust, so dass die Wirtschaft vermutlich positiv auf den Politikschwenk in Richtung Expansion reagieren wird. Das größte Risiko ist die hohe Verschuldung des privaten Sektors: Durch den Verfall von Immobilienpreisen und Aktienkursen könnten weite Teile der Bevölkerung finanziell unter Wasser geraten sein und sind daher gezwungen, ihre Ausgaben einzuschränken. Es könnte zu einem „deleveraging“ à la Japan kommen.

Das ist aber nicht mein Hauptszenarium. Ich denke vielmehr, dass sich China fangen wird. Zusammen mit dem beschleunigten Wachstum in den USA und Westeuropa wird das zu einer Stabilisierung der Nachfrage nach Rohstoffen führen und deren Preisverfall stoppen. Dennoch sind kurzfristig weitere Rückgänge möglich.

Insgesamt haben sich die Deflationsrisiken in den reichen Ländern durch die Probleme in den Schwellenländern und bei den Produzenten von Rohstoffen erhöht. Sowohl die aktuellen Inflationsraten als auch die Inflationserwartungen sind erneut auf dem Rückzug und zwingen die Notenbanken, ihren expansiven Kurs, also die niedrigen Leitzinsen und die großzügige Liquiditätsversorgung, beizubehalten. Das gilt selbst für die USA. Für die Bondmärkte ist das eine positive Nachricht (wenn auch nicht für die Sparer) – sie sind gut abgesichert.

Die Korrektur der europäischen und amerikanischen Aktienmärkte ist bisher recht moderat ausgefallen. Von einem Ausverkauf kann keine Rede sein. Von den immer noch hohen Bewertungen her würde es nicht überraschen, wenn die Kurse weiter fallen würden. Andererseits läuft die Konjunktur nicht zuletzt wegen der Kaufkraftgeschenke seitens der Rohstoffproduzenten etwas besser als erwartet. Euroland kommt zudem zugute, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen durch den schwachen Wechselkurs verbessert hat.

Ausführliches zu den Effekten der gefallenen Rohstoffpreise auf die Ökonomien der Industrie- und Schwellenländer, und den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Commodity crash: importers win, producers lose, September 2015*) (pdf, 655 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Investment Outlook: Niedrige Zinsen, überbewertete Aktien, schwache Rohstoffmärkte

Ohne Zweifel ist das heutige Zinsniveau niedriger als es nach objektiven Maßstäben sein sollte. Am langen Ende liegt es am deutschen Markt etwa drei Prozentpunkte unter „normal“, am kurzen um zweieinhalb. Das heißt aber nicht, dass eine Zinswende nah ist. Hauptgrund ist, dass die EZB mindestens bis September 2016 bei ihrer Expansionspolitik bleiben wird.

Da es ihr angesichts der privaten und öffentlichen Schuldenberge nicht gelingt, Wirtschaftswachstum und Inflation zu stimulieren, wandern die zusätzlichen Mittel, die sie ins Bankensystem pumpt, in die Märkte für Aktien, Bonds, Immobilien und Rohstoffe. An den Devisenmärkten kommt es zudem zu einem Überangebot und damit zu einer Schwäche des Euro. Über den Umweg „Wechselkurs“ kommen die expansive Effekte wenigstens teilweise in der Realwirtschaft an.

Am wichtigsten ist aber, dass sich Vermögensblasen bilden. Sie werden eines Tages platzen und eine neue Welle des deleveraging auslösen, was wiederum die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schwächt und die Inflationsraten senkt. Da die EZB dies als eine Ausweitung der Outputlücke interpretieren dürfte, tritt sie erneut auf’s Gas. Auf diese Weise haben im gegenwärtigen Umfeld niedrige Zinsen noch niedrigere Zinsen zur Folge – so argumentiert jedenfalls die Basler Bank für internationalen Zahlungsausgleich in ihrem neuen Jahresbericht.

In China hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Die Einfuhren brechen seit einigen Monaten ein, was der vielleicht wichtigste Grund für die Schwäche der Rohstoffmärkte ist. Nun sind auch die chinesischen Aktienmärkte unter Druck, nachdem zuvor eine Blase entstanden war. Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Unternehmen und Haushalte finanziell ins Schleudern gerät, so dass die Reduktion der Schulden auf der Prioritätenliste nach oben rutscht – was das Wirtschaftswachstum weiter dämpft. Von China gehen auf die Weltmärkte, insbesondere die Rohstoffmärkte, voraussichtlich restriktive Wirkungen aus.

Ausführliches zu den jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und China, sowie den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Wechselkurse und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Low interest rates are here to stay, July 2015*) (pdf, 578 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Anlagestrategie in Zeiten niedriger Ölpreise

Anfang des Monats hatte ich mich im Herdentrieb bereits mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn der Ölpreis dauerhaft niedrig bleibt. Damals lag der Fokus mehr auf den gesamtwirtschaftlichen Effekten, jetzt habe ich mich in meinem neusten Investment Outlook der Frage etwas detaillierter aus der Anlegerperspektive gewidmet.
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