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Wermuth’s Investment Outlook

Investment Outlook: Niedrige Zinsen, überbewertete Aktien, schwache Rohstoffmärkte

Von 10. Juli 2015 um 18:24 Uhr

Ohne Zweifel ist das heutige Zinsniveau niedriger als es nach objektiven Maßstäben sein sollte. Am langen Ende liegt es am deutschen Markt etwa drei Prozentpunkte unter "normal", am kurzen um zweieinhalb. Das heißt aber nicht, dass eine Zinswende nah ist. Hauptgrund ist, dass die EZB mindestens bis September 2016 bei ihrer Expansionspolitik bleiben wird.

Da es ihr angesichts der privaten und öffentlichen Schuldenberge nicht gelingt, Wirtschaftswachstum und Inflation zu stimulieren, wandern die zusätzlichen Mittel, die sie ins Bankensystem pumpt, in die Märkte für Aktien, Bonds, Immobilien und Rohstoffe. An den Devisenmärkten kommt es zudem zu einem Überangebot und damit zu einer Schwäche des Euro. Über den Umweg "Wechselkurs" kommen die expansive Effekte wenigstens teilweise in der Realwirtschaft an.

Am wichtigsten ist aber, dass sich Vermögensblasen bilden. Sie werden eines Tages platzen und eine neue Welle des deleveraging auslösen, was wiederum die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schwächt und die Inflationsraten senkt. Da die EZB dies als eine Ausweitung der Outputlücke interpretieren dürfte, tritt sie erneut auf’s Gas. Auf diese Weise haben im gegenwärtigen Umfeld niedrige Zinsen noch niedrigere Zinsen zur Folge – so argumentiert jedenfalls die Basler Bank für internationalen Zahlungsausgleich in ihrem neuen Jahresbericht.

In China hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt. Die Einfuhren brechen seit einigen Monaten ein, was der vielleicht wichtigste Grund für die Schwäche der Rohstoffmärkte ist. Nun sind auch die chinesischen Aktienmärkte unter Druck, nachdem zuvor eine Blase entstanden war. Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Unternehmen und Haushalte finanziell ins Schleudern gerät, so dass die Reduktion der Schulden auf der Prioritätenliste nach oben rutscht – was das Wirtschaftswachstum weiter dämpft. Von China gehen auf die Weltmärkte, insbesondere die Rohstoffmärkte, voraussichtlich restriktive Wirkungen aus.

Ausführliches zu den jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa und China, sowie den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Wechselkurse und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth's Investment Outlook - Low interest rates are here to stay, July 2015*) (pdf, 578 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Anlagestrategie in Zeiten niedriger Ölpreise

Von 27. April 2015 um 20:24 Uhr

Anfang des Monats hatte ich mich im Herdentrieb bereits mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn der Ölpreis dauerhaft niedrig bleibt. Damals lag der Fokus mehr auf den gesamtwirtschaftlichen Effekten, jetzt habe ich mich in meinem neusten Investment Outlook der Frage etwas detaillierter aus der Anlegerperspektive gewidmet.
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Anzeichen für geringere globale Deflationsrisiken

Von 6. März 2015 um 18:27 Uhr

Ich kann der These etwas abgewinnen, dass sich das Trendwachstum der Weltwirtschaft seit 2010 deutlich verlangsamt hat. Wenn das so ist, ist die Outputlücke, also die Unterauslastung der Produktionskapazitäten, nicht so groß, wie ich es bisher vermutet hatte – so dass dann auch das Deflationsrisiko geringer ist.
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Die Welt auf dem Weg in die Deflation

Von 19. Januar 2015 um 15:01 Uhr

Anleger müssen sich darauf einstellen, dass die Inflationsraten bei den Verbraucherpreisen auf Jahre hinaus sehr niedrig bleiben werden und mit ihnen die Leitzinsen in den Industrieländern. Disinflation und Deflation sind inzwischen weltweite Phänomene, weil das globale Sozialprodukt langsamer zunimmt als das potenzielle. Insgesamt gibt es daher beträchtliche freie Kapazitäten, auch am Arbeitsmarkt. Preiskämpfe sind die Folge. Für’s Erste ist es nicht mehr nötig, sich gegen das Risiko steigender Inflationsraten zu schützen.

Sogar in den USA kann in diesem Jahr damit gerechnet werden, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Durchschnitt von 2014 eher leicht fallen als steigen werden, und das trotz robusten Wirtschaftswachstums. Im Euroland lag das Preisniveau zuletzt um 0,2 Prozent unter seinem Vorjahreswert. Nach den Frühindikatoren wie Wachstum, Arbeitslosigkeit, Einfuhrpreise oder industrielle Erzeugerpreise zu urteilen kann es 2015 bei negativen Inflationsraten bleiben. Es muss beunruhigen, dass selbst in China, der Wachstumslokomotive der Welt, die Preise mit Raten von weniger als zwei Prozent zunehmen.

In den OECD-Ländern werden die Notenbanken bei ihrer Nullzinspolitik bleiben. Ich halte es sogar für wenig wahrscheinlich, dass die Fed, wie allgemein erwartet, bereits in diesem Jahr die Zinsen erhöhen wird – der starke Dollar wirkt bereits recht restriktiv. Die Renditen der Staatsanleihen sind im vergangenen Jahr angesichts der Inflationsaussichten und der expansiven Geldpolitik stark gefallen. Trotzdem gibt es noch Luft nach unten, vor allem bei den Anleihen der USA und der Länder in der Peripherie des Euroraums. Noch sind die europäischen Renditespreads größer als vor dem Ausbruch der Finanzkrise, dabei hat das Risiko stark abgenommen, dass der Euro scheitern wird. Das institutionelle Sicherheitsnetz ist in den vergangenen Jahren durch die zentralisierte Bankenaufsicht und den Europäischen Stabilitätsmechanismus entscheidend verstärkt worden, zudem auch durch die Aussage von Mario Draghi, dass die EZB alles tun werde, damit der Euro stabil bleibt – es fehlt der EZB ja nicht an finanzieller Feuerkraft. Griechenland wird Mitglied der Währungsunion bleiben.

Ich denke, der größte Teil der Euroabwertung liegt vor allem aus den vier folgenden Gründen hinter uns:

  1. Durch den Verfall der Energiepreise kommt es zu einem Kaufkraftschub, der das Wachstum anschiebt.
  2. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen hat sich stark verbessert, so dass der Außenbeitrag und damit die Endnachfrage höher ausfallen werden als erwartet.
  3. Die Finanzpolitik wird der Tendenz nach endlich weniger restriktiv: In Deutschland gibt es inzwischen Haushaltsüberschüsse, die Auflagen für Griechenland dürften gelockert werden, und insgesamt wird sich angesichts der weitverbreiteten Anti-Euro-Bewegungen die Erkenntnis durchsetzen, dass die Sparpolitik nicht übertrieben werden sollte.
  4. Vermutlich werden auch die sogenannten geopolitischen Spannungen nachlassen: Russland wird erkennen, dass weitere Gebietserorberungen in der Ukraine kontraproduktiv sind.

Wo der Ölpreis seinen Boden finden wird, ist nur schwer abzuschätzen. Wenn er wie 2008/2009 am Ende um vier Fünftel fallen sollte, könnte der Wendepunkt bei 23 Dollar liegen. Andererseits halte ich selbst ein Niveau von 60 Dollar für hoch – es bedeutet nämlich, dass die Barrelpreise in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich mehr als 10 Prozent pro Jahr gestiegen wären, also viel rascher als das nominale Sozialprodukt der Welt. Es gibt zurzeit eher einen Überschuss als einen Mangel an Energie.

Dass sich die Aktienmärkte so gut halten, trotz Deflation und moderatem Wachstum, hat vor allem damit zu tun, dass die Anleiherenditen vielfach nicht mehr attraktiv sind – die Rendite zehnjähriger Schweizer Anleihen ist inzwischen auf -0,07 Prozent gesunken, die der Bundesanleihen auf +0.46 Prozent. Dividendenrenditen sind deutlich höher. Wie fast immer, sind europäische Aktien nach mehreren Kriterien deutlich billiger als amerikanische – Anleger sind bereit, für den besonderen Status der US-Unternehmen eine Prämie zu zahlen. Ich vermute, dass sich die Differenz gegenüber europäischen Aktien vermindern wird, wenn es im Verlauf des Jahres wieder bessere Wirtschaftsnachrichten von dieser Seite des Atlantiks gibt.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Entwicklung in den USA und Euroland, den Effekten des Ölpreisverfalls und den Aussichten bei Aktien, Anleihen und Wechselkursen finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth's Investment Outlook - Deflation is here, January 2015*) (pdf, 562 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Nullzinsen und die Chancen des Strukturwandels – warum Anleger nicht verzweifeln sollten

Von 26. November 2014 um 14:17 Uhr

Wer gar kein Risiko eingehen will und sein Geld auf dem Sparkonto parkt, wird demnächst unter Umständen dafür Gebühren zu zahlen haben, zumindest wenn es sich dabei um große Summen handelt. Falls das dazu führt, dass die Investoren mehr Risiko eingehen, wäre das ein Effekt, den die EZB erzielen möchte. Es gibt nach wie vor profitable Anlagemöglichkeiten. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Weltwirtschaft weiterhin kräftig expandiert, und zwar real mit einer Rate von rund drei Prozent, sondern dass es gleichzeitig eine Vielzahl von strukturellen Änderungen gibt, die sich profitabel nutzen lassen. Manche Sektoren wachsen, andere schrumpfen.

Wichtige langfristige Trends sind unter anderem ...

  • das im Vergleich zu den OECD-Ländern überaus rasche Wachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer;
  • die Verlagerung eines großen Teils der Industrieproduktion in die "dritte Welt";
  • der dort einhergeht mit einem gewaltigen Nachholbedarf im Dienstleistungssektor;
  • Revolutionen in der Landwirtschaft, im Einzelhandel und im Bankensektor;
  • der überproportionale Anstieg des Welthandels;
  • die Alterung der Bevölkerung und der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials fast überall in der Welt;
  • die fortgesetzte und zunehmende Zerstörung der Umwelt;
  • der Rückgang der Inflationsraten.

In meinem neuen Investment Outlook warne ich allerdings auch davor, dass der Strukturwandel nicht unbesehen gute Anlagemöglichkeiten mit sich bringt und zeige an mehreren Beispielen, wie grundsätzlich richtige Ideen zu überhöhten Bewertungen, also zu Blasen führen können, einfach weil zu Viele auf dieselbe Karte setzen. Es ist alles eine Frage des richtigen Timings.

Wo gibt es zurzeit überteuerte Aktiva? Die wichtigsten Kandidaten sind die Bondmärkte in den OECD-Ländern und der Immobilienboom in China.

Ausführliches zur Entwicklung der Weltwirtschaft und den Chancen und Risiken für Anleger finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth's Investment Outlook - How to benefit from structural change, November 2014*) (pdf, 671 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Warum sich grüne Geldanlagen lohnen

Von 25. September 2014 um 19:16 Uhr

Die Zukunft ist grün, möchte man meinen. Der Schutz der Umwelt spielt eine immer größere Rolle in Politik und Wirtschaft und die Energiewende, weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energieträgern schreitet voran. Die "grüne" Wirtschaft ist zweifelsohne eine Wachstumsbranche und interessant für alle, die nach Investitionsmöglichleiten suchen. Aber der Wandel vollzieht sich nicht von heute auf morgen, das sollten die Anleger bedenken. Wie ich in meinem aktuellen Investment Outlook zeige, dürften unter dieser Prämisse Sparer, die nicht allein auf kurzfristige Kursgewinne und hohe Renditen aus sind, mit grünen Anlagen auf Dauer gut beraten sein.
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Finanzanlagen in Zeiten niedriger Kapazitätsauslastung

Von 8. Juli 2014 um 19:40 Uhr

Der Weltwirtschaft fehlt es nicht an Ressourcen und freien Kapazitäten. Sie könnte daher viel rascher expandieren als zurzeit. Vor allem die reichen Länder tun sich aber schwer mit einer Rückkehr zu früheren Wachstumsraten. In den Jahren vor der Finanzkrise war es zu Schuldenexzessen und einer massiven Fehlallokation von Kapital und Arbeit gekommen und damit zu Strukturen, die jetzt bereinigt werden müssen.

Da der Abbau von Schulden bei vielen Haushalten oberste Priorität hat, greifen die herkömmlichen geldpolitischen Instrumente nicht so recht – wie können die Verbraucher dazu überredet werden, neue Schulden zu machen oder ihre Sparquote zu verringern und mehr Geld auszugeben und so die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, wenn es für sie vor allem darum geht, von ihrem Schuldenberg herunterzukommen? Weiter…

Aktienmärkte vor der Sommerpause

Von 12. Mai 2014 um 13:57 Uhr

Wohin die Anleger auch schauen, es ist nicht viel los an den Märkten. Selten war die Volatilität so gering wie heute. Das ist für mich ein Zeichen, dass es an zündenden Ideen oder wenigstens an politischen Entwicklungen fehlt, die ganz neue Perspektiven eröffnen. Die Strategien, die bisher die Märkte bestimmt hatten, sind nicht mehr relevant.

An den Bondmärkten werden die Renditen zunächst auf ihren rekordniedrigen Niveaus bleiben, die Spreads zwischen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen sind wieder fast so niedrig wie vor der Finanzkrise, ebenso wie die zwischen den Peripherieländern Eurolands und Deutschlands. Die Aktienmärkte in den OECD-Ländern sind fünf Jahre lang sehr gut gelaufen, legen jetzt aber eine Pause ein. Die Gewinne werden nicht mehr so rasch steigen. Dafür könnte die Lethargie in den Schwellenländern demnächst enden – da gibt es eine Menge an Nachholbedarf, nicht zuletzt weil die Bewertungen der Aktien sehr niedrig und die Wachstumsraten des Sozialprodukts vergleichsweise hoch sind.

Insgesamt schrumpft die globale Output-Lücke kaum, so dass es bei den niedrigen Inflationsraten und damit vor allem in den wohlhabenden Ländern bei der expansiven Geldpolitik bleiben wird. Das Deleveraging ist noch nicht beendet, am ehesten jedoch in den USA – dort ist man aber immer noch weit von Vollbeschäftigung entfernt, so dass die Fed weiter Gas gibt. Am Immobilienmarkt scheinen sich neue Blasen zu entwickeln; auch die amerikanischen Aktien sind nicht mehr gerade billig.

Im Euroraum beschleunigt sich das Wachstum nach zwei Jahren Rezession wieder, trotz fortgesetzten Schuldenabbaus; es bleibt aber mit 1,5 Prozent in 2014 bescheiden. An den Aktienmärkten werden die Peripherieländer weiterhin die Favoriten der Saison sein.

In Japan wird mit aller Macht versucht, endlich aus der Deflationsfalle herauszukommen; die Marktteilnehmer sind aber nicht davon überzeugt, dass es gelingen wird. Ich halte die Yen-Schwäche nur für vorübergehend. China ist dabei, die Binnennachfrage etwas von den Investitionen hin zum privaten Konsum zu verlagern. Das kostet erst mal Wachstum. Auch die Abwertung des Yuan dürfte, wie die des Yen, nur vorübergehend sein – sie passt nicht zu den robusten Fundamentalfaktoren des Landes.

Die niedrigen Zinsen, die globale Output-Lücke, das moderate Wachstum der Weltwirtschaft und vor allem die Abkühlung in China sprechen für sinkende Rohstoffpreise. Andererseits fehlen global die Anzeichen für eine neue signifikante Abschwächung des Wachstums, so dass es bei den Rohstoffpreisen keinesfalls zu einem Crash, sondern eher zu einem leichten Abwärtstrend kommen wird.

Der Wechselkurs des Euro wird weiter fest bleiben, auch wenn das Mario Draghi nicht gefällt: Der Euroraum weist einen gewaltigen und immer größeren Leistungsbilanzüberschuss auf; die Bilanz der EZB schrumpft seit beinahe zwei Jahren, während die Gelddruckmaschinen in den USA und in Japan auf Hochtouren laufen. Die Angebots-Nachfragekonstellation spricht daher für den Euro, ebenso wie die Tatsache, dass die weitere Existenz des Euro nach den Beschlüssen zur Bankenunion immer weniger infrage gestellt wird.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den USA, in Euroland, Japan und China, sowie den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Wechselkurse und Rohstoffe finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Deceptively calm global markets, May 2014*) (pdf, 550 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Zentralbanken wollen mehr Inflation – aber die Disinflation geht weiter

Von 27. Februar 2014 um 11:22 Uhr

Die Notenbanken der USA und Japans drucken in großem Stil Geld, indem sie staatliche Anleihen aufkaufen. Die EZB plant offenbar eine noch expansivere Politik als bisher, weil die Wirtschaft Eurolands nach wie vor am Boden liegt und es am Arbeitsmarkt schlimm aussieht; zudem bewegt sich die Inflationsrate weiterhin in Richtung Null und Deflation.

Manche fürchten inzwischen, dass die extrem lockere Geldpolitik irgendwann in die Hyperinflation führt. Augenblicklich sieht es eher danach aus, dass die Disinflationsprozesse noch nichtabgeschlossen sind. Die Transmission zwischen Geldpolitik und Realwirtschaft bleibt gestört, weil zu viele Haushalte, Banken und Regierungen versuchen, ihre Schulden abzubauen – sie lassen sich nicht durch noch so günstige Konditionen dazu verführen, neue Schulden zu machen und Geld auszugeben. Daran wird sich für’s Erste nichts ändern.

Auf der Kostenseite gibt es keine Anzeichen, dass es in den drei großen Volkswirtschaften des OECD-Raums, in den USA, in Euroland und Japan, auf die ich mich dieses Mal in meinem Investment Outlook konzentriere, Inflationsprobleme geben wird. Die Arbeitnehmer haben überall nur eine schwache Verhandlungsposition, so dass die Löhne real kaum steigen – oder sogar fallen. Ohne Lohninflation gibt es erfahrungsgemäß aber keine allgemeine Inflation.

Die Kapitalkosten dürften insgesamt etwas anziehen, vor allem die Kosten für Eigenkapital: Ich erwarte, dass die Aktienkurse in den großen Ländern in diesem Jahr nicht weiter steigen, vermutlich sogar eher fallen werden. Sie haben ein sehr hohes Niveau erreicht. Was die Kosten für Fremdkapital angeht, wird sich bei den kurzen Fristen wenig tun, bei den längeren rechne ich in Japan mit einem kräftigen Anstieg, in den USA eher mit einer Seitwärtsbewegung, in Euroland dagegen wegen der institutionellen Stabilisierung des Euro mit einem Rückgang.

Bei den Einfuhrkosten, der dritten volkswirtschaftlichen Kostenkomponente, kommt es in den Industrieländern zu weiteren Rückgängen: das Niveau der Rohstoffpreise ist nach wie vor hoch und die Weltwirtschaft expandiert nicht mehr so rasch. Der Euro wird angesichts der sehr guten Fundamentaldaten aufwerten. Nirgendwo sinken die Einfuhrkosten so stark wie in der europäischen Währungsunion.

Insgesamt spricht die Kostendynamik dafür, dass es zunächst bei Disinflation bleiben wird. Aus Anlegersicht sollte man es mit dem Inflationsschutz deshalb nicht übertreiben. Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, Aktien solider Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und nicht zuletzt Liquidität sind die bevorzugten Anlagevehikel.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den USA, in Euroland und Japan mit einem Schwerpunkt auf den Inflations-Deflationsrisiken, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - Central banks want higher inflation – but disinflation continues, February 2014*) (pdf, 509 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

Feste Aktien, Deflationsgefahr und übermäßig expansive Geldpolitik

Von 10. Dezember 2013 um 23:45 Uhr

Die globalen Finanzmärkte werden weiterhin durch die extrem expansive Geldpolitik der Fed, der EZB, der Bank von Japan und anderer Zentralbanken getrieben. Die Zinsen sind so niedrig wie noch nie, aber die Kreditnachfrage des privaten Sektors lässt zu wünschen übrig. Im Euroland ist sie nach wie vor rückläufig, weil vor allem die Haushalte in den Krisenländern bestrebt sind, ihre Hypothekenschulden abzubauen. Die USA sind in dem Prozess weiter, sodass sich der Immobiliensektor inzwischen deutlich erholt hat und die Inlandskonjunktur insgesamt Fahrt aufgenommen hat. Das Wirtschaftswachstum hat sich im gesamten OECD-Raum etwas beschleunigt, aber die Outputlücken sind nach wie vor groß; die Arbeitslosigkeit bleibt das Hauptproblem.

Das gilt vor allem für den Euroraum, wo es inzwischen fast 20 Millionen Arbeitslose gibt. Während die USA auf dem Weg zu einem sich selbst tragenden Aufschwung sind, kann davon auf dieser Seite des Atlantiks keine Rede sein. Deflation bleibt ein ernst zu nehmendes Risiko, zumal der feste Euro und die Schwäche der meisten Rohstoffmärkte dazu führen, dass die Importpreise kräftig sinken. Die EZB kann die Zinsen kaum noch senken und ist daher nicht mehr in der Lage, die Wirtschaft zusätzlich zu stimulieren. Zinserhöhungen sind auf lange Zeit nicht zu erwarten. Es hilft, dass die europäische Finanzpolitik von nun an weniger restriktiv sein wird als in den vergangenen Jahren.

Trotz des schwachen Wirtschaftswachstums – die OECD rechnet 2014 beim realen BIP Eurolands mit einer Zuwachsrate von 1,0 Prozent – haben die deutschen Aktien Rekordwerte erreicht. Die Bondrenditen sind seit einiger Zeit deutlich niedriger als die Dividendenrenditen, so dass die Anleger gar nicht anders konnten, als auf Aktien umzusteigen. Ähnliches gilt für die USA und Japan. Die Gewinne haben aber mit den Kursgewinnen nicht Schritt halten können, sodass eine längere Korrektur wahrscheinlich geworden ist. Es empfiehlt sich, auf Märkte auszuweichen, die in diesem Jahr vernachlässigt worden sind, also auf die der europäischen Krisenländer und der Schwellenländer.

Im Übrigen tun konservative Anleger gut daran, den Anteil flüssiger Mittel in ihren Portefeuilles zu erhöhen. Bei den Zinsen wird der nächste Schritt ein Anstieg sein, auch wenn es dazu erst im Jahr 2015 oder später kommen wird, und bei den Aktien ist die Luft auf den "soliden" deutschen, schweizerischen, skandinavischen, amerikanischen und japanischen Märkten inzwischen dünn geworden. Dividendenpapiere sind immer noch erste Wahl.

Der Rückgang der Rohstoffpreise wird vermutlich anhalten, weil das vormals hohe Niveau die Nachfrage gedämpft und die Produktion stimuliert hat. Dass sich der Ölpreis angesichts des eher moderaten Wachstums der Weltwirtschaft, der niedrigen Gaspreise und des Produktionsbooms in den USA so gut hält, ist für mich ein Rätsel.

Bei den Wechselkursen gehe ich von einer weiteren Schwäche des Yen aus – die japanische Notenbank hat sich zum Ziel gesetzt, die Inflation mit allen Mitteln in Richtung zwei Prozent und mehr zu treiben. Dazu gehört eine schwache Währung. Der Euro wird dagegen vermutlich fest bleiben, weil die Bankenunion kommt und Fundamentaldaten wie der Leistungsbilanzüberschuss und das (aggregiert) niedrige Staatsdefizit dafür sprechen. Irgendwann wird die Aufwertung die Realwirtschaft gefährden. Ich vermute daher, dass es bei etwa 1,50 Dollar und 155 Yen zum Euro zu Absprachen der betroffenen Notenbanken kommen wird.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Lage in den Industrie- und Schwellenländern mit einem Schwerpunkt zur momentanen Deflationsgefahr, sowie zu den Aussichten und Risiken für Aktien, Bonds, Rohstoffe und Wechselkurse finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook - December 2013*) (pdf, 338 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)