So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog

Die Autoren

 
Wer mit dem geistigen Rüstzeug der Tauschwirtschaft die Geldwirtschaft analysiert, kommt zu den falschen Schlüssen.

Das glauben die sechs Hirten des Blogs: Robert von Heusinger und Uwe Richter, die das Blog im Nov. 2005 aus der Taufe hoben, Dieter Wermuth (dabei seit Aug. 2006), Fabian Lindner (dabei seit Aug. 2007), Lucas Zeise (dabei seit Jan. 2008) und Mark Schieritz (dabei seit Feb. 2010). Und weil die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland von Tauschwirtschaftlern, auch Neoklassiker genannt, dominiert wird, schreiben sie das Blog. Mit HERDENTRIEB wollen sie sich in die aktuelle makroökonomische Debatte einmischen, auf Interessantes hinweisen, wollen Hilfe leisten, Trends am Kapitalmarkt zu erkennen und vor möglichen Trugschlüssen warnen. Vor allem aber wollen Heusinger, Richter, Wermuth, Lindner, Zeise und Schieritz mit den Besuchern und Diskutanten des Blogs den Kapitalismus ergründen.

Warum der Name Herdentrieb? Im Kapitalismus, vor allem natürlich am Kapitalmarkt, gibt es keine objektiv beobachtbaren Indikatoren, die den Menschen Orientierung geben. Deshalb kommt es immer wieder zu Herdenverhalten. Das ist ein Kennzeichen des Systems. Die Hirten kennen nicht die richtige Richtung. Die gibt es nämlich nicht. Die Herde rennt immer wieder in eine Richtung und verursacht damit Instabilitäten. Deshalb werden wir die “Herde” beobachten – und Strukturen diskutieren, die die Krisenanfälligkeit des System verringern könnten.

Robert-v-Heusinger-180x240

© Privat

Robert von Heusinger, geboren 1967, kam im zarten Alter von zwölf Jahren erstmals mit Aktien und Börse in Berührung. Als er halbwegs begriffen hatte, was der Unterschied zwischen Kurs- und Nennwert war, kaufte er sich von seinem Taschengeld die ersten Aktien. 1984 erste Finanzwetten mit den damals in Deutschland gerade aufkommenden spekulativen Optionsscheinen. Nach weniger als einem Jahr den Einsatz verdreifacht. “Es lebe der Kapitalismus”, dachte von Heusinger damals, bis der Crash von Oktober 1987, fast sein gesamtes, kleines, Vermögen ruinierte. Danach alles auf eine Karte gesetzt: Kaufoptionen auf den Dollar. Der Greenback verdoppelte sich im folgenden fast, der Kurs des Optionsscheins explodierte. Von Heusinger war “der König der Spekulanten”. Das Glück verließ ihn 1990, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte: seine Termingeschäfte kollabierten schneller, als er sie glattstellen konnte. Er blieb auf Schulden sitzen. Natürlich hatte von Heusinger – siegesgewiss – auf Pump den Akkumulationsprozess zu beschleunigen versucht. Daraus wurde nichts.

Als Journalist geht der studierte Volkswirt auch 23 Jahre später noch der Lohnarbeit nach (1995 Redakteur bei der Börsen-Zeitung, 1999 dort Ressortleiter ‚Börse und Kapitalmarkt’, Oktober 2001 bis September 2007 Finanzmarktkorrespondent der ZEIT in Frankfurt, Oktober 2007 bis Februar 2010 Ressortleiter Wirtschaft bei der Frankfurter Rundschau, März 2010 bis November 2013 stv. Chefredakteur bei der DuMont Redaktionsgemeinschaft, sowie stv. Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, von August 2012 bis Mai 2013, und der Berliner Zeitung bis November 2013 und seit Dezember 2013 Chefredakteur der DuMont Redaktionsgemeinschaft). Die Schulden sind zwar abgetragen. Der Mut, genauer Wahnsinn, alles auf eine Karte zu setzen, ist nicht mehr zurück gekehrt. Geblieben sind die Lust am Wetten, an der Spekulation und die Faszination für die irrationalen Finanzmärkte.

Und worauf baut er seine Altersvorsorge? Auf Lebensversicherungen, Fonds, oder gar Aktien? Weit gefehlt. Vier Kinder wollen ernährt werden und sind wahrscheinlich die bessere Altersvorsorge als alle Ansprüche an gesetzliche und kapitalgedeckte Rente.

© Privat

Fabian Lindner, geboren 1980, studierte in Berlin zunächst Politikwissenschaft. Die Begriffe Globalisierung, Finanzmärkte und Kapitalismus lagen noch verschwommen, aber verführerisch glänzend vor ihm. Er entschloss sich, ihnen auf den Grund zu gehen und begann zusätzlich Volkswirtschaft zu studieren. Nicht alles, was er dort lernte, konnte er gleich zur Klärung der großen Begriffe gebrauchen. Er blieb dran und setzte sein Studium in Paris fort. Wirtschaft in Frankreich zu studieren lohnte sich. An Sciences Po Paris lernte er, dass Volkswirtschaft mehr als das Verschieben von Kurven ist und man den Neoklassikern die Interpretation der Wirtschaft nicht allein überlassen sollte. Seit Juli 2010 arbeitet der mittlerweile promovierte Volkswirt am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung.

© Privat

Uwe Richter, geboren 1963, hat Volkswirtschaft an der Universität des Saarlandes studiert. Danach wissenschaftlicher Assistent, Dozent und Lehrbeauftragter an der Universität Witten/Herdecke mit den Schwerpunkten Ökonometrie, Makro, Außenwirtschaft. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Theorie der Geldwirtschaft und dem internationalen Währungssystem. Sein ökonomisches Denken basiert auf der Keynes’schen Vorstellung einer fundamental unsicheren Zukunft und einer Wirtschaft, deren Entwicklung von daher wesentlich durch das Geld- und Finanzsystem bestimmt wird. Fatal ist seiner Meinung nach die Vernachlässigung makroökonomischer Aspekt in der herrschenden wirtschaftspolitischen Debatte in Deutschland.

© Nicole Sturz

Mark Schieritz, geboren 1974, hat zunächst an der Universität Freiburg den deutschen ökonomischen Mainstream – aber auch Literaturwissenschaften, Philosophie und Politik – in sich aufgesogen. An der London School of Economics lernte er, dass Anreize nicht alles sind und ein Gleichgewicht ziemlich viel mit Godot gemeinsam hat – man muss recht lange darauf warten. Bei der Financial Times Deutschland schrieb er zuerst in Berlin über Wirtschaftspolitik, dann in Frankfurt über die internationalen Finanzmärkte und Geldpolitik. Seit Januar 2008 ist er Finanzmarktkorrespondent der ZEIT in Frankfurt. Es erstaunt und ärgert ihn immer wieder, wie mit Hilfe einer verqueren ökonomischen Logik und bar jeder Kenntnis der Datenlage harte Interessenpolitik gemacht wird. Er hat bislang jedenfalls noch keine Studie gefunden, die überzeugend zeigt, dass hohe Steuerquoten und regulierte Arbeitsmärkte schlecht für das Wachstum wären.

© Privat

Dieter Wermuth, geboren 1940, hat über Jahrzehnte die deutsche und internationale Wirtschaftspolitik analysiert und sich immer wieder, mit wechselndem Erfolg, an Prognosen gewagt. Nach kaufmännischer Lehre, Diplom an der Uni München und Ph.D. in Amerika war er zunächst mehr als sechs Jahre in Diensten des Sachverständigenrats, dann verschiedener Banken, angefangen bei der Citibank in Frankfurt und New York, über die französische Caisse des dépôts – deren Frankfurter Investmentbank er leitete -, die WestLB bis hin zur japanischen Großbank UFJ. Dort war er bis 2005 Europa-Chefvolkswirt, mit Sitz in London. Zwischendurch beteiligte er sich zwei Jahre lang am Aufbau der Marktaufsicht an der Frankfurter Wertpapierbörse. Heute ist er Partner einer Asset Management-Firma mit Büros in Mainz und Moskau; sie berät einen Private Equity-Fonds, den Green Gateway Fund, der in westeuropäische Wachstumsfirmen aus dem Bereich Ressourceneffizienz investiert. Er schreibt nicht nur in diesem Blog, sondern verfasst darüber hinaus regelmäßig Kolumnen für DIE WELT und den Sparkassenverlag.

Seine prägenden Erfahrungen machte er 1973 bis 1979 beim Sachverständigenrat, als es um Themen wie flexible versus feste Wechselkurse ging, als die theoretische Grundlage für die Geldmengenpolitik der Bundesbank gelegt wurde und als das Umdenken vom keynesianischen Ansatz zum angebotsseitigen Interpretieren der Wirtschaftsabläufe begann. Das Denken in ideologischen Kategorien ist ihm aber bis heute fremd geblieben. Sein Interesse war und ist, die beste Erklärung für die gegenwärtigen Phänomene zu finden, immer dicht an der Empirie: Was würde das für die Zukunft bedeuten, vor allem für die Finanzmärkte?

© Privat

Lucas Zeise, geboren 1944, ist immer noch verblüfft, wie viel Gehirnschmalz und welche Anstrengungen und starke Emotionen für die Finanzspekulation aufgewendet werden. Auch er wendet im Berufsleben sowie aus Neigung viel Mühe darauf, die rätselhaften Bewegungen des Kapitals zu verstehen. Er sympathisiert, wenn überhaupt, mit dem kalt rechnenden und mittelfristig kalkulierenden Anleihe-Investor. Die oft euphorische Stimmung der Aktienhändler und ihre Instinkte scheinen ihm befremdlich. Zeise ist seit 1985 Finanzjournalist. Er hat sich 1999 an der Gründung der Financial Times Deutschland beteiligt und schreibt in der lachsrosa Zeitung regelmäßig eine Kolumne, die sich in der Regel mit Finanzthemen, gelegentlich aber auch, wenn den Autor die blanke Empörung ergreift, mit politischen Fragen befasst.

Die Sitten und Gebräuche des Tageszeitungs- und Finanzjournalismus hat Zeise, ebenso wie Hirte Heusinger bei der Börsen-Zeitung in Frankfurt kennen gelernt. Davor war er für die deutsche Aluminiumindustrie und das früher mächtige japanische Wirtschafts- und Außenhandelsministerium tätig. Noch weiter in der Vergangenheit war er ein typischer Langzeitstudent, hat in zehn Jahren aber neben viel Theaterspiel zwei Studiengänge in Philosophie (Edinburgh) und Volkswirtschaft (Regensburg) abgeschlossen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die BILD-Zeitung als Zentralorgan des Herdentriebs – diese für mich völlig neue Erkenntnis offenbarte mir jüngst ein Kapitalanlagenberater der Postbank bei mir zu Hause. Wir hatten uns über den Crash der New Economy unterhalten, seinerzeit berichtete die BILD-Zeitung des Öfteren euphorisch von den an der Börse zockenden Hausfrauenzirkeln ….”diese Aktien müsst ihr kaufen”. Für den Anlageprofi sei eine solche Meldung der unfehlbare Hinweis zum Ausstieg aus einer Aktie, unter Mitnahme von Veräußerungsgewinnen, versteht sich. Der Profi also liest BILD-Zeitung und investiert umgekehrt proportional zum Herdentrieb. Letzterer funktioniere, so der Herr von der Postbank, nach dem Motto: Gier frisst Hirn. Aus mir wird nie ein Anlageprofi, ich kaufe BILD nämlich nicht.

    • 22. November 2005 um 20:30 Uhr
    • Dagmar Brandt
  2. 2.

    In der französischen Veröffentlichung “L’Economie politique” n° 28 (hrsg. von http://www.alternatives-economiques.fr)
    erscheint die Übersetzung eines Artikels von E. Fullbrook über die neoklassische Dominanz und die Wege ihr zu entkommen, dem ich viele Leser wünsche. Dieser Artikel ist ursprünglich geschrieben in englischer Sprache (“The Rand Portcullis and PAE” und nachzulesen auf http://www.paecon.net/PAEReview/issue32/Fullbrook32.htm. Genau so sehr lohnt ein Blick auf die anderen Seiten der von französischen Studenten lancierten Bewegung für eine post-autistische Ökonomie http://www.paecon.net.

    • 15. Januar 2006 um 12:38 Uhr
    • W. Bernrath
  3. 3.

    @ Bernrath

    Ich habe den Artikel gelesen – sehr interessant – danke fuer den Hinweis! Wo Sie schon bei franzoesischen Zeitschriften sind: Es gibt eine sehr gute Zeitschrift zur Oekonomie in Frankreich (und leider nur auf franzoesisch…): Unter http://www.alternatives-economiques.fr/ kann man sie lesen – viele Texte gibt es auch im Volltext. Einfach geschrieben und sehr informativ. Ausserdem gibt es immer Erklaerungen zu Fachbegriffen, so dass man bei der Lektuere auch gleich noch was lernen kann.

    • 8. Mai 2006 um 21:59 Uhr
    • F Lindner / Kramladen
  4. 4.

    ….und koennte mal BITTE jemand klarmachen, dass es DAS Blog heisst!

    Das Blog < das Weblog < das Logbuch.

    Kann doch nicht so schwer sein.

  5. 5.

    Vielleicht ein brauchbares Buch zur Kritik an den gängigen Wirtschaftstheorien und ein Ansatz zur Überwindung des ganzen:

    Stadermann, Hans-Joachim : Allgemeine Theorie der Wirtschaft
    Verlag: Mohr/Siebeck
    Der Band 2 beschäftigt sich mit der Nominalökonomik

    • 9. November 2006 um 15:54 Uhr
    • *ch*
  6. 6.

    Liebe Hirten!

    „Wer mit dem geistigen Rüstzeug der Tauschwirtschaft die Geldwirtschaft analysiert, kommt zu den falschen Schlüssen.“ So schreiben Sie am Anfang des Blogs „Herdentrieb“. Ich stimme dem nicht nur voll und ganz zu, sondern gebe noch eins drauf: Die „Tauschwirtschafter“ können mangels Einsicht gar nicht zwischen einer Tauschwirtschaft und einer Geldwirtschaft unterscheiden.
    Ganz deutlich wird dies an unserem Steuersystem sichtbar. Es ist dies eines der Geldwirtschaft: Steuern und Abgaben sind in Geld zu entrichten. In einem Kreditgeldsystem entsteht nun Geld aus Verschuldung. Ein System, das die Entwicklung des in sich geschlossenen Hauses (oikos) „Wirtschaft“ ganz maßgeblich ermöglicht hat. Der Staat aber verschuldet sich idealtypisch nicht, sondern greift einseitig mit legitimierten Zwang zu. Da er aber Geld einfordert, muss so das Haus „Wirtschaft“ auch das Haus „Staat“ über Steuern und Abgaben vorfinanzieren. Womit der Staat statt direkt auf einem Umweg vollzieht, der nicht ohne Folgen bleibt: Das Haus „Wirtschaft“ gibt dem Haus „Staat“ Geld, damit dieses bei der Wirtschaft kaufen kann, womit diese das Geld zurückbekommt (oder auch nicht).

    Die Folgen: Der Haus „Wirtschaft“ muss sich für den Haus „Staat“ über seine direkten Produktionskosten hinaus verschulden. Bei einer Staatsquote von 42 Prozent (Österreich) bedeutet das einen Aufschlag von 73 Prozent auf den Endpreis eines Produktes oder einer Arbeitsleistung vor Steuern und Abgaben. Idealtyisch heißt das, dass ein Arbeiter mit seinem Geldlohn nicht mehr sein ganzes Produkt kaufen kann, sondern im Schnitt nur etwas mehr als die Hälfte (58%). Dies wirkt sich insbesonders beim Zukauf von Arbeitsleistungen aus und führt hier bei Zurechnung der Lohnnebenkosten aus tatsächlich bezahlten Stunden im Verhältnis zu den geleisteten, weiters den Oberheads des Unternehmens, sowie einem Zuschlag für Gewinn und Zinsen, zu der bekannten Aussage, dass ein Maurer vier Stunden arbeiten muss, um sich eine Maurerstunde leisten zu können. Wobei dann z.B. bei 40 € Lohnkosten und einem Nettolohn von 10 € allein die MWSt. 6.67 € ausmacht!

    Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ohne Abgaben würde sich das Verhältnis von 1 : 4 auf 1 : 2,3 verringern! Unser Steuersystem als Ganzes ist also so angelegt ist, dass die Nachfrage nach Dienstleistungen und Handwerksleistungen geradezu demoliert wird. Der Eindruck, dass hier ein Tausch von Äquivalenten stattfindet, wie ihn die Volkswirtschaftslehre vermitteln will, kann nicht mehr entstehen. Alle fühlen sich betrogen. Und haben deshalb kein schlechtes Gewissen, den Staat zu hintergehen.

    Wobei der Staat durchaus in der Lage wäre, das anders und außerhalb unseres Kreditgeldsystems zu gestalten. Er ist in der Lage, das System der Steuern und Abgaben tauschnäher ohne Rückgriff auf Geld zu gestalten. Die „doppelte Koinzidenz“ braucht dabei vom Staat nicht mehr gesucht oder mit Hilfe von Geld geschaffen werden. Der Staat hat bereits etwas als Tausch“gut“ anzubieten, das jede und jeder gebrauchen kann: Übertragbare und teilsame Steuergutschriften, mit denen jede und jeder seine Steuer- und Abgabenlast begleichen kann. Der Staat und seine Körperschaften kann damit also bei entsprechender technischer Ausgestaltung mit diesen Steuergutschriften kleine und große Zukäufe von Gehaltszahlungen bis hin zu Großinvestitionen eintauschen. Und kann sich so aus der Abhängigkeit von der Finanzierung durch die Wirtschaft befreien. Ausführlich ist dies unter http://www.taxos.info beschrieben.

    Neu ist aber nun die Einsicht, dass die Kluft zwischen Arbeitskosten und Netto-Netto-Arbeitslohn – das ist jener, der sich nach Abzug der Summe an tatsächlich geleisteten Mehrwertsteuer vom Netto-Lohn noch bleibt – gewaltig verringert werden kann. Es sind ja nicht allein die arbeitsbezogenen Steuern und Abgaben, die diese Diskrepanz bewirken. Es ist das Gesamtsystem der Steuern und Abgaben, die den Tausch von heute individuell konsumierten Gütern aus dem Haus „Wirtschaft“ mit jenen aus dem Haus „Staat“ (oder Gemeinschaft), die uns kollektiv heute oder erst morgen zu Gute kommen, nicht nur aus dem erlebbaren Zusammenhang verschwinden lässt. Es ist ja paradox, dass der Staat mit den „freigesetzten“ – im Sinne von frei für positve zusätzliche Leistungen zu Verfügung stehend – nicht nur nicht nutzen kann, solange Staat und Politik vom Geldwirtschaftlichen System abhängig sind. Viele Menschen könnten so wieder einen Beitrag nicht nur für sich leisten, die heute auf die Solidarität – oder die Almosen? der anderen angewiesen sind.
    Jeder Bereich „produziert“ dabei zu direkten Kosten und tauscht mit dem anderen. Wobei dies durch Tausch von Geld gegen Steuergutschriften, aber auch durch Zugriff auf „Produkte“ des anderen Sektors gegen Hergabe von Geld bzw. Steuergutschriften erfolgen kann. Die Tauschrelation (Wechselkurs) von Gelds gegen Steuergutschriften wird mit 1:1 angestrebt, kann aber auch davon abweichen. Dem Eindruck eines stimmigen Tausches wird damit wieder näher gekommen.

    Ernst Dorfner, 12/06

  7. 7.

    “Wer mit dem geistigen Rüstzeug der Tauschwirtschaft die Geldwirtschaft analysiert, kommt zu den falschen Schlüssen.”

    Darauf kann man nur erwidern. Wer mit dem geistigen Rüstzeug des “Debitismus” die Wirtschaft erörtert, wird langfristig den Kollaps des Wirtschafts-/ Geldsystems erreichen. Das geschähe nicht das erste Mal in der Geschichte führt aber letztlich nur zu einem Achselzucken unserer “Hirten”; denn auf lange Sicht sind wir ja alle tot, nicht wahr? Ein derartiger Zynismus ist gelinde gesagt “dumm” und deutlich gesprochen “menschenverachtend”; denn er kümmert sich einen Dreck um zukünftige Generationen, die die Auswirkungen dieses Systems zu spüren bekommen; denn Kettenbriefsysteme kollabieren so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Wohin führt das “Kreditgeld”. Letztlich zu seinem exponentiellen Wachstum ausgelöst durch den Zinseszinseffekt. Man muss nicht Wirtschaft studiert haben, um zu sehen, dass das nicht gutgehen kann; denn nur wenn die Wirtschaft in gleichem Maße wächst, läßt sich das unendlich fortführen. Jedoch, exponentielle Kurven steigen ins Uferlose und das funktioniert in einer begrenzten Welt nicht und so wird es immer wieder zu einem (zukünftigen) Kollaps kommen.

    Dieser (zukünftige) Kollaps interessiert allerdings einen Debitisten nicht; denn er betrachtet nur den Augenblick und da ist es sicher richtig, wenn ein Anstieg der Kredite zu erhöhten Investitionen führen (wofür sollten sie auch sonst verwendet werden?). Die Kredite an sich sind auch gar nicht mal das Problem. Es sind die Zinsen, die ständig einen Mehrwert verlangen und zu einem Wachstumszwang führen. Auf lange Sicht aussichtslos, weil unerfüllbar und deshalb nicht nachhaltig sinnvoll

    Deshalb sollte man die Krise in der wir gesellschaftlich stecken, und die zu immer krasseren Gegensätzen führt nicht mit Sachzwängen “rechtfertigen”, sondern als das indentifizieren, was sie ist. Eine “Denkkrise”. Der Kapitalismus geht nicht auf und wird kollabieren wie ein Kettenbrief, wenn wir es nicht schaffen, die Triebkraft des Systems, die Rendite, gerecht zu verteilen. Aber was ist schon gerecht… am besten funktioniert das Recht des Stärkeren. Sozialdarwinistisch (also kapitalistisch) betrachtet, kann man das ja auch als gerecht ansehen…. und so läuft die Herde weiter und weiter in den Abgrund …

    Warten wir’s ab….wir werden es erleben

    Schöne Grüße

    paradoxus

    • 6. Februar 2007 um 16:28 Uhr
    • paradoxus
  8. 8.

    Hier dürfen auch Laien schreiben.
    Herr Dorfner, Ihr langer Beitrag scheint mir unsinnig, da Sie m.E. den gerechten Lohn gegen den Staat verteidigen wollen und das auch noch tun, indem Sie den Staat zu einem ganz normalen Tauschpartner degradieren.
    Der Staat kann viel mehr sein – ich werfe hier nur mein Lieblingswort in die Debatte “Transcendenz”, und behaupte mal, dass die 57%, die Sie da ausgerechnet haben als Das, was dem Kleinen bleibt, mehr Wert darstellen kann innerhalb eines vernünftigen Wirtschaftssystems, als die volle Summe im Rahmen einer amputierten staatlichen Wirtschaftspolitik.
    Herr Heusinger hat diesen umwerfend intelligenten Satz geschrieben, dass seine 4 Kinder eine bessere Altersversicherung seien, als Aktien.
    Ich weiß nicht, wie er es gemeint hat, aber ich denke eben, dass die Kinder später die Rahmenbedingungen festlegen werden. Und da das nur richtig ist und ich keine Angst davor habe, plädiere ich noch einmal ausdrücklich dafür, den Eltern das Wahlrecht für ihre minderjährigen Kinder zu geben. es wird dann auch viel leichter für uns angehende Senioren werden und wir werden in öffentlichen Räumen immer weniger zu einem Ärgernis. Bitte schauen Sie mal in das Leben der heutigen ZEIT, sind das nicht wundervolle Argumente für eine gemeinsame Zukunft?

    • 2. August 2007 um 13:38 Uhr
    • Dorothee Sehrt-Irrek
  9. Kommentare sind geschlossen.