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Der tapfere Blogger

 

Hossein Derakshans Ankündigung, er werde die Islamische Republik im Fall eines amerikanischen Angriffs mit der Waffe verteidigen, ruft unterdessen auch die Satiriker auf den Plan:

Join me, readers, return to Iran and fight the imperialist aggressors. And if I stay behind it will only be to report on your selfless courage. You will be giving your life for both the nation and the world. I will make sure your death does not go unnoticed, that the picture of your dead body is posted on my blog. And if there’s live footage of you being maimed or tortured I promise to post it on YouTube. Go brother, go sister. Let us send a message to the neo-cons: the Iranians are one people, UNTIED. I mean UNITED.

Aus Iranian.com.

5 Kommentare

  1.   iceman

    In seinem Kommentar „Stop bullying Iran“ (Anm: Danke Herr Lau für diesen tiefen Einblick!) schreibt Hossein Derakhshan:

    „Je stärker die Auseinandersetzung zwischen dem dem Westen und Iran eskaliert, desto überzeugter bin ich, dass das wahre Problem des Westens mit der Iranischen Republik nicht ihr Nuklearprogramm, sein Mass an Demokratie, seine Menschenrechtsstandards, oder seine Unterstützung für „Terrorgruppen“ ist.
    Pakistan, dicht gefolgt von Saudi-Arabien, schlägt Iran locker an all diesen Fronten.
    Das wahre Problem ist, dass die Islamische Republik entschieden hat, ihre Unabhängigkeit zu bewahren in einer von natürlichen Energie-Ressourcen gesättigten Region, die geprägt ist von amerikanischen Marionetten.
    Immer mehr säkulare Iraner glauben, dass es selbst dann keine Garantie vor dem Sturz der Regierung durch die Amerikaner gibt, wenn sich der Iran in den demokratischsten, säkularsten, anständigsten und friedlichsten Staat der Erde verwandeln würde.
    Der Iran würde weiter eingeschüchtert für seine „zerstörende Rolle“ im Klimawandel, der Verletzung der Tierrechte, oder – wer weiss? – aufgrund der Fettleibigkeit seiner Bürger.“

    Derekhshan ist kein Djihadi oder Nationalist von Geburt, aber er benutzt deren Sprache.
    Achte auf die WortwahL!
    Er schreibt nicht von Streben nach Atomwaffen, sondern von „Nuklearaktivitäten“.
    Er schreibt nicht von Demokratiedefiziten (lack of democracy), sondern – wow – von einem vorhandenen „Mass an Demokratie“ („level of democracy“).
    Er schreibt nicht von Menschenrechtsverletzungen (human rights violations), sondern etwas über vorhandene „Menschenrechtsstandards“ („human rights records“), und er stellt die iranische Unterstützung für Terroranschläge in Iraq in Frage („it´s support for „terrorist“ groups“).
    Terror wird also in Anführungszeichen gesetzt.
    Hält er roadside bombers und Marktplätze-Freisprenger um die Mittagszeit für Freiheitskämpfer???

    Warum diese verharmlosende Sprache?

    Ganz einfach, sie dient als Wegbereiter!

    Mit der Verharmlosung sprengt der Gute den Weg frei für die Fokussierung auf „amerikanische Marionetten“.
    Iran ist ein freiheitsliebendes Land, das um sein Überleben kämpft in einem Meer aus Unterdrückung, Verlogenheit, Korruption und Despotie.
    Auf Israel trifft das sicher zu, und da geht der auch weiter hin.
    Da stellt sich die Frage:
    Hat der Mann nur noch Salat im Kopf, alles durcheinander?
    Die Amerikaner sind an allem schuld, ja?
    Ist es so einfach?
    Nun, es sind deutsche Studentinnen, die im Auto einen Nervenzusammebruch erleiden, wenn sie in der Nähe eines iranischen Flughafens einen Aufgehängten sehen, am Laternenpfahl, zur Abschreckung – es sind keine iranischen in Deutschland, Belgien, Kanada oder USA.
    Anfang 80er gab es zwischen Amerikaner und Iran ein agreement, nach der Freilassung der 52 keine Einmischung in innere Angelegenheiten mehr.
    Okay, war so, aber hat sich im Iran etwas geändert?
    Gab es etwas mehr Demokratie und Menschenrechte?
    Nein, und mit jeder Seele, die die Mullahs auf ihren Altären opfern, an Laternenpfählen, in Folterkellern, oder eingebuddelt im Sand zwecks Steinigung, mit IEDs in Iraq, mit jeder Drohung gegen Israel oder grossen Satan USA, mit jedem exilierten Schriftsteller, mit jedem Berufsverbot, mit jedem Unterernährten… werden die Konfliktlinien schärfer, und die iranische Regierung hat nix getan, um sie aufzulösen.
    Nach 28 Jahren darf man vermuten:
    Auch mit Atomwaffen wird sich der Iran nicht wandeln „into the most democratic, secular, fair and peaceful state on earth“.
    Stakes get higher, losses too.
    Wie lange noch?
    Besser jetzt oder in den nächsten Jahren zuschlagen, und dieses Regime restlos ausrotten, als in 30 oder 50 Jahren eine Situation mit Mullahs, bevor sie weggeputscht werden, einen letzten Schlag ausführen, der 40 Millionen Tote zur Folge hat.
    Dies Szenario ist realistisch.
    Ganz abgesehen von den unzähligen Opfern, und den Kosten auf allen Seiten, die dieses System nicht nur durch Handlungen sondern auch durch seine Drohungen produziert, die sich summieren jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr.
    Der Iran ist ein unterentwickeltes Land, seine Schuhe auf der Bühne zu gross, es bringt zuviel Beunruhigung, bindet Kräfte, kostet enorme Summen und Nerven, und verursacht Pein.

    „The more the clash between the West and Iran escalates, the more convinced I become…“
    Jetzt erst so super-patriotisch?
    Warum nicht in den letzten Jahrzehnten irgendwann, hm?
    Derekeshvan kann einem Leid tun, er sitzt zwischen allen Stühlen, und das ist was passiert, wenn man universelle Menschenrechte nicht richtig verstanden hat, und in Konfliktsituationen wieder diese alte komische „Stammesdenke“ zum Vorschein kommt, die Glucke, die das eigene Kücken schützen möchte, Schutzinstinkt, und das bei iranischen Mullahs, die Armen, die bedroht werden von der rechten und linken Hand des christlichen Gottes, Mr. Eisenhower und Mr. Stennis im Persischen Golf.
    Oh Mann.

  2.   AM

    @ iceman
    „Besser jetzt oder in den nächsten Jahren zuschlagen, und dieses Regime restlos ausrotten, als in 30 oder 50 Jahren eine Situation mit Mullahs, bevor sie weggeputscht werden, einen letzten Schlag ausführen, der 40 Millionen Tote zur Folge hat.“
    Ein alter Trick: was sind schon 100000 Tote heute gegen die 40 Millionen, die es in 30 oder 50 Jahren geben würde? Da nimmt doch jeder kleine Totschläger dankend lieber die 100000, die er sofort totschlagen, darf statt noch lange auf ein größeres Schlachtfest zu warten. Der Spatz in der Hand ist ihm allemal lieber als die Taube auf dem Dach. Darum: restlos ausrotten, aber sofort!

  3.   Rafael

    @iceman
    Wenn selbst Derakshan im Falle eines Angriffs auf den Iran sein Vaterland verteidigen würde, wie steht es dann erst mit all den Iranern, die zwar gegen ihre Regierung sind, sich bis jetzt aber noch nicht getraut haben, das zu sagen? Deren Verständnis für universelle Menschenrechte werden Sie auch nicht durch einen Angriff auf ihr Land vertiefen. Die iranische Opposition hat meine volle Sympathie und ich hoffe wirklich, dass es bald zu einem friedlichen Regimewechsel kommt. Aber falls das nicht so sein sollte, liegt das in der Verantwortung der Iraner und nicht in der Verantwortung von uns Westlern. Wenn die iranische Opposition uns um Hilfe und Unterstützung bittet, dann sollten wir die leisten. Aber einen Krieg zu führen, um ein Land von einem Despoten zu befreien, ohne dass die Bevölkerung dieses Landes angegriffen werden will, wäre respektlos und es würde uns auch diskreditieren. Egal wie gut unsere Intentionen sind. Serbien anzugreifen, weil die Kosovaren das nötig hatten, gut. Sudan angreifen, um den Menschen in Darfur etwas zu helfen wäre auch gut. Den Irak angreifen, weil Saddam palästinensische Terroristen in Israel sponserte – grenzlastig. Zumal dieser Grund kaum vorgeschoben wurde. Aber Iran anzugreifen, weil sonst das Volk in ferner Zukunft vielleicht einen schrecklichen Preis für seine Lethargie zahlen muss, das ist sicher nicht vertretbar.
    Anders sieht der Fall natürlich aus, wenn die Despoten eines Landes auch noch dazu übergehen, andere Staaten zu bedrohen. Im Falle des Irans sieht das so aus, denn wozu sonst sollten sich die Ayatollahs eine Atombombe zulegen wollen? Iran führt (oder führte) auch Terrorakte in anderen Ländern durch (Mykonos, jüdisches Zentrum in Argentinien) und unterstützt Terroristen in Irak und Libanon. Das sind Gründe dafür, mit einem Angriff zu drohen, falls sich das nicht ändern sollte.
    Aber dann muss man schon damit rechnen, sich die Sympathien der Iraner zu verspielen. Ich fürchte, sie können durch einen Militärschlag gegen den Iran, den ich aus den letztgenannten Gründen durchaus für legitim halte, keine Sensibilisierung für universelle Menschenrechte bei den Iranern auslösen.

  4.   Fritzfernando

    Ein Angriff auf den Iran wäre immer ein Nuklearkrieg, wenn er gegen die Nuklearanlagen und Forschung geführt wird, so gibt es im Westen sehr viel mehr verletzliche Atomanlagen und Forschungsanlagen für einen Gegenangriff.auch mit konnventionellen Waffen. Ich sehe nicht ein warum einige hier so scharf darauf sind solche Risiken einzugehen um lächerliche Technologieverbote gewaltsam durchzusetzen. Dadurch entsteht doch überhaupt erst der Druck Mittel und Wege zu finden gegen den Westen vorzugehen. Iran hat Marschflugkörper die mit Überschallgeschwindigkeit jede Atomreaktorhülle durchschiessen können, und kann auch Mittel und Wege finden diese in ein paar Hundert Kilometer vom Ziel entfernte Abschusspositionen zu bringen. Zb. mit umgebauten Verkehrsflugzeugen oder U-Booten.

  5.   Fritzfernando

    Aber hier ehts ja um Ägypten eine Prowestlichen Staat, der für westliche Geheimdienste auch foltert und gegen jeden vorgeht der aufrecht geht, damit die Eliten ihre Pfründe erhalten können. Die strene auslegung des Islam dient da der Unterdrückung von Opposition und der durchsetzung westlicher Interessen, genauso wie in SA und und den anderen prowestlichen Golfstaaten oder Jordanien.

    Hie muss man klar vomMissbrauch des Islam ausgehen.