Amerikanisch-iranische Professorin in Teheran verhaftet

Von 10. Mai 2007 um 12:07 Uhr

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Haleh Esfandiari

Eine der bekanntesten Iran-Expertinnen der USA ist in Teheran verhaftet worden. Haleh Esfandiari, die Leiterin der Nahost-Abteilung des renommierten Woodrow Wilson Center, hielt sich im Iran auf, um ihre 93jährige Mutter zu besuchen.
Als sie im Dezember ausreisen wollte, wurden ihr auf dem Weg zum Flughafen von drei Männern der iranische und der amerikanische Pass gestohlen – vermutlich von Geheimdienstagenten.
Denn als sie in Teheran einen neuen Pass beantragen wollte, wurde sie zum Informationsministerium geschickt, wo sie sich mehreren Befragungen über ihre Arbeit am Wilson Center unterziehen lassen musste.
Am vergangenen Donnerstag wurde Frau Esfandiari verhaftet und ins berüchtigte Evin-Gefängnis verbracht, in dem viele politische Gefangene einsitzen.

Der Fall erinnert an die Verhaftung des kanadisch-iranischen Philosophen Ramin Jahanbegloo im letzten Jahr, der erst nach Monaten internationaler Proteste und nach Ablegung eine “Geständnisses” freigelassen wurde.

Die Achmadinedschad-Regierung verfolgt offenbar die Einschüchterung aller, die für einen Wandel des Regimes eintreten, und sei es selbst auf dem Weg gewaltloser Reform. Ausserdem scheinen Rivalitäten innerhalb des Systeme eine Rolle zu spielen. Frau Esfandiari ist eng mit Faizah Hashemi bekannt, der Tochter Hashemi Rafsandschanis, Achmadinedschads Konkurrenten um die Macht im Iran.

Das Woodrow Wilson Center ist ein überparteilicher und regierungs-unabhängiger Think Tank. Sein Präsident ist der langjährige demokratische Kongressabgeordente Lee Hamilton, Mitautor der “Baker-Hamilton-Reports” über den Irak.

Kategorien: Iran, Menschenrechte
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Tock tock tock – der nächste Sargnagel für´s Mullah-Regime.
    Kommt alles in´s grosse schwarze Buch der Geschichte.
    Der Fall macht ganz schön Schlagzeilen, und die Absicht ist klar.
    Die eigene Bevölkerung soll abgeschnitten werden von direkten ausländischen Einflüssen.
    Tausende Exil-Iraner werden ihre Reisepläne wohl tatsächlich aufschieben.

    Es gibt wohl noch einen anderen Grund:
    Islamisten drücken im Erfolgsfall immer wieder aufs bewährte Knöpfchen, unabhängig von der hierarchischen Ebene.
    Der billige Triumpf über die Briten ist verflogen, jetzt müssen die niedrigen Instinkte an einem neuen Opfer befriedigt werden.
    Ändern wird sich das erst, wenn die Kosten solcher Entführungen (nichts anderes ist das) für den Iran zu hoch werden.
    Das funktioniert wie ein wirtschaftliches Prinzip.
    Die Mullahs müssen vom “Terrorkonsum” preislich abgereizt werden, und die Aufgabe westlicher Politiker besteht darin, die Grenzkosten heraus zu finden, ab denen solche Aktionen als nicht mehr lukrativ erscheinen.
    Klingt vielleicht platt, aber “eine andere Sprache verstehen die nicht”.

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    • 10. Mai 2007 um 21:25 Uhr
    • iceman
  2. 2.

    @ J.L.

    In TIME ist ein interessanter Artikel von McLeod zu lesen, der meint, die Entführung Esfandiaris sei eine Reaktion der Iraner auf den amerikanischen Versuch, im Iran eine “samtene Revolution” zu organisieren.
    Titel: “Another Detainee in Iran”.
    http://time-blog.com/middle_east/2007/05/another_detainee_in_iran_1.html#comments

    Erwähnt wird darin die Summe von 66,1 Millionen $ für ein Demokratisierungsprogramm im Iran, finanziert von den USA, wovon auch in einer Erklärung des State Department die Rede ist:
    http://www.state.gov/p/us/rm/2007/82374.htm

    McLeod interpretiert die Verhaftung Esfandiaris also als eine Art Warnschuss der Iraner an die Amerikaner, sich heraus zu halten.
    Weiter beruft er sich auf ein persönliches Gespräch mit dem iran. Aussenminister Mottaki, der eine eindeutige Bereitschaft zum Dialog erklärt habe.
    McLeod behauptet ausserdem, dass die meisten regimekritischen Iraner amerikanische Einflussnahmen dieser Art ablehnen würden, weil sie um die Konsequenzen fürchten würden.
    Als Kronzeuge führt McLeod Akbar Ganji an, und zitiert ihn mit den Worten:
    “Diese 75 Millionen $ (Anm: die ursprüngliche Forderung Bush´s an den Kongress) werden nicht zu einer Demokratisierung im Iran beitragen.
    Es wird die Arbeit der Demokratiebewegung erschweren. Die Regierung des Iran bezeichnet alle seine Gegner als Agenten der USA und unterstellt ihnen, sie stünden auf der Gehaltsliste der Bush-Administration”.

    Ein Kommentator meint dazu, die Dialogbereitschaft Mottakis könne man vergessen, wenn der Mann – wie geschehen – einem Gespräch mit Condi Rice ausgewichen sei, weil eine Frau in der Nähe ein “unislamisches” rotes Kleid angehabt habe.
    Ganji hält er für einen Lobbyisten der iranischen Regierung, weil er früher Mitglied der Revolutionsgarden gewesen sei.

    Nun, die Vorwürfe an Ganji sind wohl völlig haltlos, Herr Lau.
    Aber wie ernst kann man die Behauptung Mottakis nehmen, die Iraner wären gesprächsbereit?

    Und:

    - Sind die Aktionen der Amerikaner überhaupt sinnvoll (“samtene Revolution”, “60-70 Mio. $”)?

    - Welche Möglichkeiten zum Regimewechsel gibt es denn überhaupt, wenn nicht durch Hilfe aus dem Westen?

    - Wie sollte der Westen künftig auf iranische Provokationen wie diese Entführung reagieren?

    mfg

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    • 11. Mai 2007 um 00:26 Uhr
    • iceman
  3. 3.

    @ Ich glaube, dass die Amerikaner früher oder später von der Rhetorik des Regime Change runter müssen. Was hats gebracht? Seit 28 Jahren wird das wiederholt, doch das Regime steht besser da denn je – nicht zuletzt danke der Interventionen in Afghanistan und Irak. Man kann nicht einerseits dem Regime die Pistole auf die Brust setzen und mit einem Schicksal ähnlich dem Saddam Husseins drohen – und andererseits Kooperation im Irak und im Nahen Osten erwarten. Die Verhältnisse im Iran werden sich verbessern, wenn die Amerikaner ihre unhaltbare Position aufgeben, nicht zu reden und nicht direkt zu verhandeln. Ich sehe die Gefahren (für Israel etwa). Doch es ist ja nicht so, dass gegenüber Iran kein Containment mehr funktionieren würde – wenn man das gegenüber der Sowjetunion, einem weitaus brutaleren und mörderischeren (gibts nicht, das Wort, ich weiss) Regime, vermocht hat.

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  4. 4.

    @JL und iceman
    Sie haben beide vollkommen recht. Die Verhaftung der Frau Esfandiari sit reine Einschüchterungstaktik der Ahmadinejad-Regierung. Damit sollen alle Exil-Intellektuelle, die seit Chatami-Ära (Lockerung der Einreisebedingungen für Exil-Iraner) wieder ins Land einreisen dürfen, eingeschüchtert werden. Und leider geht diese Rechnung auch auf, denn ich kenne viele Iraner, die seit Februar ihre Reisepläne aufschiebn, weil sie deutliche Angst vor eine Verhaftung haben.

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    • 12. Mai 2007 um 20:05 Uhr
    • docaffi
  5. 5.

    @JL

    Dazu müsste es erstmal eine vernüftige, reformorientierte iranische Regierung geben.

    Eine Normalisierung der Beziehungen zu den USA würde im Iran einen unglaublichen Wirtschaftsboom auslösen und den regierenden Präsidenten stärken.

    Man sieht es ja in Afrika, die USA sind zur guten alten Strategie übergegangen ihre Interessen über Stellvertreter zu verfolgen.

    Wenn der Iran nicht bald einlenkt wird der Iran mit Terror überzogen, so wie Iran den Irak mit Terror überzieht.

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    • 12. Mai 2007 um 22:52 Uhr
    • Tuotrams
  6. 6.

    Alarm an Exil Iraner, ab Mai wird es nicht leicht einfach nach Iran abzureisen. Strenge Kontrolle, wegen verdacht an Spionage.

    Antworten

    • 15. Mai 2007 um 06:25 Uhr
    • taghih
  7. 7.

    Es gibt auch anständige Iraner die im Ausland leben, nichtnur die Gefolgschaft des Schah Folterregimes, ich kenne auch einige schon erwachsene Kinder von Angehörigen der früheren Bourgoisie die sich jederzeit für die Rechte und Unabhängigkeit der Iraner und des Iran einsetzen werden. Dass Iran genauso wie andere Schwellenländer Probleme hat und diese durch jahrzehntelange Sanktionen und einen erzwungenen Krieg verstärkt sind, und deshalb Destabilisierung und Subversion und Terror durch westliche Geheimdienste und deren NGO#s und Terrorsöldner nicht dulden kann liegt nunmal in der Natur der Dinge. klar hätte die iranische jugend mehr Freiheiten, und die Eliten mehr Wohlstand, aber ein Blick nach Aserbeidschan, Afghanistan und Iraq zeigt dass das vom Westen nicht zu erwarten ist, dass solche Versprechungen eingehalten werden. Selbst in Zentralasien in Kasachstan turkmenistan etc. setzt diesbezüglich ein Umdenken ein.

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    • 16. Mai 2007 um 12:35 Uhr
    • Fritzfernandos
  8. 8.

    [...] Die Leiterin der Nahostabteilung des Wilson-Centers, Haleh Esfandiari, sitzt schon seit 30.12.2006 in Teheran fest. Die seit 30 Jahren in den USA tätige Frau hatte ihre kranke Mutter besucht. Bei der Rückreise war sie auf der Fahrt zum Flughafen von Unbekannten überfallen worden, die ihr das ganze Gepäck und auch den Pass raubten. Die Behörden weigerten sich, einen neuen Pass auszustellen. Frau Esfandiari wurde immer wieder vom Geheimdienst verhört. Dabei liessen die Beamten durchblicken, dass das hochangesehene Wilson-Center Spionage gegen den Iran betreiben würde. Es wäre nicht das erste Mal, dass die üppig wuchernden “Centers” in den USA zu Spionagezwecken benutzt worden wären. Es ist auch das eine oder andere “Center” nur mit dieser geheimen Agenda gegründet worden. [...]

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  9. Kommentar zum Thema

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