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Von Amerika lernen, wie man mit Muslimen umgeht

 

Ich liebe den „Economist“ – das führende Wirtschaftsmagazin der Welt, publiziert seit 1843 – für seinen Leitspruch. Die Aufgabe, heißt es da, sei es „to take part in a severe contest between intelligence, which presses forward, and an unworthy, timid ignorance obstructing our progress“.
In der neuen Nummer gibt es einen Artikel über die Schwierigkeiten des Moscheebaus in Europa. Ein Leitartikel stellt heraus, dass die Vereinigten Staaten zu ihren Muslimen wesentlich fairer sind als „Eurabien“. Nicht nur das, sie machen auch eine klügere Politik gegenüber ihren religiösen Minderheiten: Denn wer den Extremismus besiegen will, muss neben einer guten Polizei auch ein Interesse am sozialen Aufstieg der Einwandererreligionen haben – vom Kellerloch ins Vorderhaus.

Zitat:

But there is a big transatlantic difference in the way such disputes are handled. Although America has plenty of Islam-bashers ready to play on people’s fears, it offers better protection to the mosque builders. In particular, its constitution, legal system and political culture all generally take the side of religious liberty. America’s tradition of freedom is rooted in the First Amendment, and its stipulation that “Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof…” Another recourse for embattled minorities of any kind is “Section 1983” of America’s civil-rights legislation, which allows an individual who is deprived of a legal or constitutional right to sue the official responsible.

More important than the letter of the law is an ethos that leans in favour of religious communities which are “new” (to their neighbours) and simply want to practise their faith in a way that harms nobody. In America the tone of disputes over religious buildings (or cultural centres or cemeteries) is affected by everyone’s presumption that if the issue went to the highest level, the cause of liberty would probably prevail.

The European Convention on Human Rights, and the court that enforces it, also protect religious freedom. But the convention is not central to European politics in the way the Supreme Court and constitution are in America. The European court disappointed advocates of religious liberty when it upheld Turkey’s ban on the headscarf in universities.
The risk in the garages

Legal principles aside, there are pragmatic reasons for favouring the American way. Most mosques in the Western world pose no threat to non-Muslim citizens; but a few do pose such a danger, because of the hatred that is preached in them. In such cases police forces generally have the legal armoury they need to step in and make arrests if necessary. Quashing extremism will surely be easier in an atmosphere where the founding and running of mosques is an open, transparent business. As Nicolas Sarkozy, the French president, once said: “It is not minarets which are dangerous; it is basements and garages which hide secret places of worship.”

Will someone please tell the Swiss? Politicians from two of the biggest political parties are seeking to insert a sentence into the country’s constitution forbidding the building of minarets. Measures of this sort exemplify the bigotry that lies behind much of the opposition to mosque building in Europe. Christians in the West have long complained about how hard it is for their brethren in Muslim lands to build churches. Fair enough. But they should practise what they preach.

p.s.: Und bitte, bitte: Keiner möge mir mit irgendeinem „Gutmenschen“-Argument kommen. Der Economist ist sicher nicht „links“ in irgendeinem Sinn, er ist nicht naiv, er hat kein Porblem mit westlichem Selbsthass oder mit Ahnungslosigkeit über die Welt da draussen (er ist das erste wirklich globale Magazin). Also, liebe Moscheegegner: Was nun?

0 Kommentare

  1.   Tuotrams

    Nix gegen den Economist, aber in Sachen Einwanderungspolitik/Islam hat mon dort schon immer durch Naivität geglänzt.

  2.   Rafael

    Es werden gleich mehrere Aspekte vermengt. Erstens ist es natürlch schön, Religionsfreiheit zu haben. Freiheit an sich ist gut. Und Amerika ist sehr gut gefahren mit der Religionsfreiheit. Besonders, weil es groß und frei ist und jeder ein Plätzchen findet, um sich seinen eigenen Traum zu verwirklichen. Nach Amerika geht man, um seinen Traum von Freiheit zu leben, nicht mehr eingeengt zu sein auf seinem selbstbestimmten Weg. Wer nach Amerika geht, der möchte was schaffen.

    Wer nach Europa kommt, der wird erstmal an die ARGE verwiesen. Hier lässt es sich stressfreier und angenehmer leben, als in den USA. Ich bin gern hier. Aber es ist eben auch so, dass man sich nicht besonders anstrengen muss, wenn man es nicht will. Die Muslime, die trotz des weitverbreiteten Amerikahasses in die USA gehen sind andere, als die familienzusammengeführten weitläufigen Angehörigen der Gastarbeiter in Deutschland. In den USA mit einem amerikanischen Staatsbürger verheiratet zu sein bedeutet nicht, Anspruch auf einen Aufenthaltsstatus zu haben.

    Die traditionellen Religionen, denen die Freiheit in Amerika gewährt wurde, waren die verfolgten Religionen, jene, die nicht unbedingt ein Welteroberungsprogramm enthalten. Wenn man mit den kleinen Fischen im Becken bisher gut ausgekommen ist, warum sollte es dann nicht auch mit dem weissen Hai klappen?
    Der Islam ist eine Religion. Er ist aber auch eine Ideologie, ein Gesetzestext mit übergeordnetem Anspruch und ein System, welches die Weltherrschaft als Ziel hat.

    In einem hat der Economist sicherlich Recht: Integration über wirtschaftlichen Erfolg ist leichter möglich. Wirtschaftlicher Erfolg wird aber nicht durch Moscheen ermöglicht. In den USA kann es sich eine zugewanderte muslimische Familie schlicht nicht leisten, dass die Frau nicht arbeitet. Allein dadurch wird ihnen ein Leben nach hergebrachten Traditionen verwehrt. Hier in Deutschland wollen die allermeisten muslimischen Frauen nicht arbeiten. Das ist ihr gutes Recht, begünstigt den sozialen Aufstieg und die Integration aber nicht besonders. Hier in Deutschland können Sie mit dem falschen Namen und der falschen Nase auch nur sehr schwer wirtschaftlichen Erfolg haben. Sozialer Aufstieg in Deutschland ist ein wirklich harter Kampf, der unterschwellige aber tief verwurzelte Rassismus in Deutschland, die frühe Segregation im Schulsystem, macht es für Immigranten doppelt schwer. Da muss angesetzt werden, nicht an der Architektur von Gebäuden, die von Verbänden errichtet werden, welche ein aktives Interesse an anhaltender Segregation ihrer Klientel haben.


  3. […] Zac Efron Von Amerika lernen, wie man mit Muslimen umgeht » This Summary is from an article posted at Die Zeit – joerglau on Friday, August 31, 2007 Ich liebe den “Economist” – das führende Wirtschaftsmagazin der Welt, publiziert seit 1843 – für seinen Leitspruch. Die Aufgabe, heißt es da, sei es “to take part in a severe contest between intelligence, which presses forward, and an unworthy, timid ignorance obstructing our progress” Summary Provided by Technorati.comView Original Article at Die Zeit – joerglau » 10 Most Recent News Articles About Prince William […]

  4.   Dorothee Sehrt-Irrek

    Ich möchte trotzdem etwas schreiben und zwar einen „Angriff“ auf die Moschee“gegner“.
    Habe die Diskussionsbeiträge nur mal überflogen und sehe hier ein intellektuelles Problem.
    Wie könnt ihr im Namen von Aufklärung oder gar Christentum Menschen nach Religionen AUSEINANDERDIVIDIEREN?
    Wie könnt ihr überhaupt wagen, Menschen auseinanderzudividieren?
    Selma schrieb nur, dass sie keinen Ungläubigen heiraten würde, das ist ihre persönliche Haltung, die ganz sicher von Mann zu Mann Schwankungen aufzeigen, wenn nicht verändert werden wird.
    Ihr diskutiert in gewissem Sinne über das Daseinsrecht von Muslimen in Europa.
    Das ist in meinen Augen ein aufkeimendes „Verbrechen“ an der Menschlichkeit.
    Die sollte sich nicht orientieren an der Massgabe, wie halte ich mir fremde Wesen vom Leibe, sondern daran, wie finden wir alle einen Weg, zusammenzuleben.
    Ich fühle mich nicht selten bedroht durch kurzsichtige Denker, die die Atomkraft befürworten.
    Auseinandersetzungen darüber können ganz schön eskalieren und dennoch werde ich deshalb keine Gewalt, theoretisch wie praktisch, gegen Menschen ausüben.
    Also hier mein Vorschlag für einen gemeinsamen Weg, obgleich ich noch die Reaktion einer sehr intelligenten jungen Türkin(?) im „Madonna“ im Ohr habe – ein weiblicher Gott? das gibt doch nur noch mehr Tote -, nicht also gleich einen weiblichen Gott zu kreieren, wohl aber die bestehenden Religionen auf ihre männlichen Einseitigkeiten abzuklopfen.
    Jede männliche bzw. weibliche Einseitigkeit scheint mir dem Begriff von Gesellschaftlichkeit zu widersprechen.
    Die Gesellschaft ist aber mittlerweile in allen Religionen angekommen.
    Also „schaffe“ ich die Männlichkeit in den Religionen ab.
    Fangt bitte nochmal an und jetzt gemeinsam mit den Frauen.

  5.   Riccardo

    @ Rafael: Danke Rafael, ein bemerkenswerter Kommentar. Es stellt sich allerdings die Frage, warum wir nicht die gleichen einwanderungspolitischen Instrumente nutzen wie die USA?

  6.   Rafael

    @ Riccardo

    Als jemand mit einem mexikanischen Ausweis möchte ich Ihnen auf Ihre Frage antworten. Weil die einwanderungspolitischen Instrumente der USA einfach unmenschlich sind.

  7.   Molinocampo

    @Danke Rafael

    Eben, der entscheidende Unterschied ist, daß in Amerika GNADENLOS (soweit das möglich ist – gegenüber der mexikanische Grenze eben nicht mehr) aussortiert wird -und vor allem: daß jeder, der freiwillig nach Amerika geht weiß, es wird ihm dort NICHTS GESCHENKT – jeder bekommt seine Chance, aber JEDER muß dafür hart arbeiten.

    Die Muslime die in die USA ausgewandert sind, sind übrigens größtenteils Iraner (Verfolgte oder Flüchtige vor dem Mullah-Regeime) -und auch von den übrigen sind die meisten tendenziell distanziert gegenüber dem Islam

    — vollkommen andere Ausgangslage als in Europa – bitte keine schiefen Vergleiche mehr, ob von Economist oder sonstwem….

  8.   docaffi

    Hier eine Statistik und Studie des „Pew Research Center“ über Muslime in USA.

    http://people-press.org/reports/display.php3?ReportID=329

    @Molinocampo
    Obwohl Sie zur Zeit nicht gut auf mich zu sprechen sind, muß ich Sie wieder mal widersprechen. Die Iraner machen „nur“ 8% der außerhalb USA geborene und eingewanderte Muslime in USA aus.
    Die Mehrzahl sind doch arabisch und pakistanisch stämmige Muslime.

  9.   Riccardo

    @Rafael: Das wollte ich von Ihnen hören. Sie müssen aber bedenken, daß mexikanische Interessen und US- Interessen nicht identisch sind. Die Wünsche potentieller Einwanderer decken sich schließlich nie mit den Vorstellungen der Einwanderungsländer. Was bei einer „menschlichen“ Einwanderungspolitik herauskommt, haben Sie ja selbst in Ihrem Kommentar beschrieben. Deswegen stehen die USA einfach besser da. Was die Muslime in den USA betrifft, sie machen nur etwa 0.8 – 1.0% der Bevölkerung aus. Die Integration dieser geringen Anzahl gelingt dann natürlich problemloser als in Europa.

  10.   Molinocampo

    @Riccardo

    und, was bei docaffis Zahlenangaben natürlich nicht rüberkommt: sie sind fast ausnahmslos ÜBERDURCHSCHNITTLICH gebildet – vulgo: arbeiten als Akademiker fast ausnahmslos an Universitäten und Forschungseinrichtungen, oder in der IT-Branche….